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John Sinclair 763 (eBook)

Strigen-Grauen (1. Teil)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3493-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 763 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Strigen-Grauen (1. Teil).

Von Vögeln hatte Helen geträumt, von gewaltigen Vögeln mit mächtigen Körpern, und dann wurde der Albtraum Wirklichkeit. Helen hatte keine Chance zur Flucht, als sie plötzlich angegriffen wurde. Scharf wie Messer waren die Schnäbel, die auf sie einhakten. Blut spritzte. Es war ihr eigenes. Und Helen brach in Panik aus ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Strigen-Grauen (1. Teil)


Helen Kern stand nackt und am ganzen Leib zitternd vor dem Fenster und schaute nach draußen in die Dunkelheit. Ihr Körper zuckte in gewissen Intervallen wie unter Stromstößen – die ihr in immer stärkeren Dosen verabreicht wurden, bis sie irgendwann zusammenbrach.

Ihre Hände hatte sie auf die schmale Fensterbank gestützt. Der Atem zischte aus ihrem Mund, und die Scheibe beschlug.

Es war warm im Raum, viel zu warm, und auch feucht. Das lag nicht am Wetter, sondern an ihr selbst, an den Ausdünstungen, die sie umgaben, denn sie hatte geschwitzt.

Wie lange sie in dieser Position stand und in die Nacht hineinstarrte, konnte sie nicht sagen. Ihr kam es vor wie Stunden, nur stimmte das nicht, denn erst vor Minuten noch hatte sie im Bett gelegen und war aufgesprungen. Voller Angst und Hektik, wie ein Tier, das vor seinem Jäger floh.

Jetzt stand sie hier und traute sich nicht, das Fenster zu öffnen. Es war ein warmer Tag gewesen, die Nacht war es auch. Trotzdem kam es ihr vor, als läge hinter der Scheibe eine klirrende Kälte, die eine finstere Winterlandschaft erdrückte.

Langsam hob sie einen Arm und strich das rötlichbraune Haar zurück.

Diese Angst, diese verdammte Angst vor der Umwelt. Dieser plötzliche Anfall mitten in der Nacht. Vor einigen Monaten hatten die Albträume begonnen. Völlig grundlos, wie aus der Luft herausgeschnitten, und Helen hatte ihr auch keine Bedeutung beigemessen, bis sich diese verfluchten Träume in immer kürzeren Abständen wiederholten und sich dabei zu einem regelrechten Psycho-Terror ausweiteten.

Es war immer wieder der gleiche Traum. Sie sah den schrecklichen Vogel, der durch die Finsternis der Nacht schnitt, auf sie zuraste, wobei sie nicht einmal erkennen konnte, um welch einen Vogel es sich dabei handelte.

Jedenfalls um einen großen. Und er hatte bisher noch nie sein Ziel verfehlt, nämlich sie.

Immer wieder hakte er zu, und jedes Mal, wenn er zurückflog, hatte er aus ihrem nackten Körper ein Stück blutendes Fleisch gerissen und war damit verschwunden.

Beute in der Nacht …

Auch jetzt lag dieser schreckliche Albtraum wieder hinter ihr. Wie immer war sie davon schreiend und in Schweiß gebadet erwacht, und wie immer war sie aufgestanden und zum Fenster gelaufen, ohne es allerdings zu öffnen.

Dicht davor hatte sie die Kraft verlassen. Helen konnte sich nur mehr auf der Fensterbank abstützen, das war alles.

Warum dieser Traum? Warum immer wieder der gleiche Schrecken? Die Frau konnte sich ungefähr ausrechnen, wann sie dieser Albtraum wieder quälen würde.

War es eine Strafe? Hatte man sie ausgesucht, weil sie mit ihren dreißig Jahren schon eine Karriere hinter sich hatte, von der die meisten nur träumten? Weil sie als Creative-Chefin einer Werbeagentur viel Geld verdiente?

Das konnte es doch nicht sein, dieser schreckliche Traum musste andere, tiefere Ursachen haben. Mit einer Schulkollegin, die als Wissenschaftlerin arbeitete, hatte sie einmal über dieses Problem gesprochen, und die Freundin hatte ihr geraten, einen Psychiater aufzusuchen und sich in eine Tiefenhypnose versetzen zu lassen, was ja angeblich helfen sollte und modern war.

Helen hatte es abgelehnt.

Sie mochte diese Experimente nicht, und sie war auch nicht in eine dieser modernen Sekten eingetreten, wie es ihre Freundin getan hatte. Das alles lehnte Helen Kern ab.

Dabei war sie so verdammt allein. Oft so schrecklich einsam, was sie als noch schlimmer empfand als die Albträume, denn Einsamkeit kam ihr vor wie ein tiefes, schwarzes Fass ohne Boden.

Sie stand noch immer vor dem Fenster. Sie starrte nach draußen und wusste nicht, weshalb sie das tat, denn dort passierte nichts. Alles war ruhig, sie brauchte keine Furcht zu haben, hinter ihr lag ein Traum und keine Wirklichkeit.

Die Arme waren ihr steif geworden. Sie schmerzten in Höhe der Ellenbogen. Deshalb veränderte sie ihre Haltung und presste die Hände gegen die Scheibe.

Ihr eigenes Spiegelbild sah Helen nur schwach. Es kam ihr vor wie eine Projektion ihrer eigenen Seelenlandschaft, denn alles an ihm wirkte verschwommen und verwischt. Die dunkle Scheibe nahm das Bild auf, um es regelrecht einzusaugen, als wollte sie ihr diese Anblicke ersparen. Sie gab sich selbst gegenüber zu, dass mit ihrem Seelenleben nicht alles in Ordnung war, aber konnte sie das aus eigener Kraft ändern?

»Nichts kann ich machen«, flüsterte, sie. »Erst wenn die Träume verschwunden sind, erst dann …«

Helen wunderte sich darüber, dass sie hatte sprechen können. Das war ihr nach den letzten Träumen nicht passiert. Sollte diese Tatsache auf eine Besserung hindeuten?

Kaum, nein, sicherlich nicht. Noch immer nackt, trat sie vom Fenster zurück und ging in die winzige Kammer, die ebenfalls zum Schlafzimmer der Maisonettewohnung gehörte. Helen hatte die Kammer zu einem Kühlraum umgebaut und sich dabei ein sehr hohes Gerät zugelegt, das bis an die Decke reichte.

Die große Tür schwappte auf. Helens Blick flog über die dort abgestellten Flaschen. Den Champagner sah sie gar nicht, auch nicht die edlen Fruchtsäfte. Ihr ging es ganz einfach um Wasser, schlichtes und normales Tafelwasser.

Es gehörte zu den Wassern, die nicht viel Kohlesäure enthielten. Helen öffnete eine Flasche und überlegte, ob sie ein Glas nehmen sollte, entschied sich aber anders und trank direkt aus der Flasche. Wie ein kalter Strom rann die Flüssigkeit durch ihre Kehle und hinein in den Magen. Es war ein Gefühl, als liefen Kälteschauer über ihre Haut.

Erst als die Flasche halb leer war, stellte Helen sie weg. Dann ging sie mit schweren Schritten auf das Bett zu, wo ihr dünnes Nachthemd lag. Ein Kleid aus Seide mit schmalen Trägern. Wenn sie es trug, lag der Stoff so wunderbar weich um ihren Körper. Obwohl sie verschwitzt war und sich nach einer Dusche sehnte, streifte sie doch das Kleid über.

Kein warmer Schweiß, sondern kalter. Eben der Angstschweiß des Albtraums.

Helen Kern schüttelte sich. Sie freute sich darüber, sich endlich wieder gefangen zu haben, denn die Erinnerung des doch sehr real gewesenen Albtraums verschwand allmählich in der Ferne und verwandelte sich in ein leicht diffuses Gebilde.

Mit dem nackten Fuß trat sie auf einen Schalter. In ihrer Nähe erstrahlte ein Halbmond, der auf einem weißen Fuß stand und etwa aus halber Deckenhöhe seinen weichen Schein auf den dickflorigen, hellen Teppich fließen ließ, den Helen von einer Foto-Session aus Marokko mitgebracht hatte.

Sie strich über ihn so gern mit nackten Füßen hinweg. Auch jetzt, nach diesem verdammten Traum, als sie den Weg wieder zum Fenster einschlug. Sie wollte nicht wieder vor der geschlossenen Scheibe stehen bleiben und sich endlich einmal überwinden und das Fenster öffnen.

Nicht wenige Menschen hätten sie um die Wohnlage beneidet. Das Haus stand zwar nicht einsam, aber die drei zusammengehörigen Gebäude bildeten gewissermaßen den Mittelpunkt eines Parks und waren von alten Laubbäumen umgeben. Helens Wohnung erstreckte sich über zwei Etagen. Von dem großen Balkon, er lag in der unteren Etage der Wohnung, hatte Helen einen herrlichen Ausblick über den Park. Nie hätte es Helen sich getraut, in ihrem Zustand den Balkon zu betreten, da wäre sie sich vorgekommen wie ein nackter Soldat inmitten von bewaffneten Feinden.

Sie blieb hier oben, umfasste den Kunststoffgriff und hatte das Gefühl, er wäre mit Leim bestrichen.

Sie schüttelte sich. Wahrscheinlich lag es nur an ihrer so feuchten Handfläche, dass sie so dachte. Sehr leicht schwang das Fenster auf, und der Schwall Nachtluft drang ihr sofort entgegen.

Kühl, aber doch warm. Sie hätte die Temperatur niemals schätzen können, dieses Wetter war ihr so fremd, es drückte auf die psychischen und physischen Zustände der Menschen, und vielen Herz- und Kreislaufkranken ging es schlecht.

Damit hatte Helen nichts zu tun. Bei ihr waren eben andere Dinge dominant, die Albträume, zum Beispiel.

Eine laue Nacht, ein leichter Südwind, der wie mit warmen Händen ihre Haut streichelte. Er strich durch das Blätterwerk der Bäume wie der Atem eines Riesen, spielte mit dem noch festen Laub und ließ es geheimnisvoll rascheln.

Ihre Angst war zum Großteil verflogen, und so kümmerte sie sich um die natürlichen Geräusche.

Die Nacht war nicht ruhig. Nicht nur das geheimnisvolle Wispern der Blätter zählte sie dazu, sondern auch andere Geräusche, die in weiter Ferne lagen. Der Wind brachte sie mit.

Helen verfolgte die Gebirgslandschaft aus Wolken. Dabei hörte sie leise Stimmen, die im Nachbarhaus aufklangen. Dort saßen Menschen auf der Terrasse und feierten etwas. Was sie sagten, bekam sie nicht mit. Die Leute interessierten sie auch nicht, Helen hatte ihre eigenen Probleme. Geheimnisvolle und rätselhafte Laute umgaben sie. Waren es Tiere, die durch das Unterholz hetzten? Katzen, Mäuse, Eichhörnchen? Es gab sie alle hier, wie Helen wusste. Sie hatte sie auch schon gesehen, aber nicht in der Nacht. Manche Eichhörnchen waren so zahm gewesen, dass sie ihr aus der Hand gefressen hätten.

Sie empfand den Südwind wie den »Atem« aus einem Ofen. Er war Helen unangenehm, deshalb zuckte sie auch zurück und hörte noch in der Bewegung das Geräusch.

Flapp … flapp …

Helen Kern blieb stehen. Sie schaute nach vorn. Das Fenster stand offen, dahinter lag die Nacht wie ein schwarzes Riesentier.

Flapp … flapp …

Sie überlegte. Die Geräusche waren ihr fremd und trotzdem irgendwo bekannt. Als wäre jemand dabei gewesen, Tücher durch die Luft zu schwingen, schwere Tücher, die Geräusche...

Erscheint lt. Verlag 9.9.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3493-9 / 3838734939
ISBN-13 978-3-8387-3493-4 / 9783838734934
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