John Sinclair 780 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3510-8 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Der Geist des Baphomet (2. Teil).
'Dennis!'
Ein Name wurde gerufen, und die schrille Frauenstimme glich dem Kreischen einer Sirene. Sie zerpeitschte die bedrückende Stille auf dem Schulhof.
'Das ist meine Mum!' sagte der Junge. Mehr tat er nicht. Es berührte ihn kaum. Statt dessen fing er an zu zittern und presste sich noch fester an mich. Er wollte nicht zu ihr. In dieser schlimmen Lage war er übersensibel geworden, und er spürte die Gefahr, die von seiner Mutter ausging. Die Nebelwelt auf dem Schulhof schien diese Bedrückung noch zu intensivieren.
Ich hielt mich ungefähr auf der Mitte des Platzes auf, den immer schwerer werdenden Jungen auf dem Arm. Innerhalb weniger Sekunden war ich in eine verfluchte Lage hineingeraten, trotzdem konnte ich den Jungen auf keinen Fall im Stich lassen, er musste bei mir bleiben.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Der Geist des Baphomet (2. Teil)
»Dennis!«
Ein Name wurde gerufen, und die schrille Frauenstimme glich dem Kreischen einer Sirene. Sie zerpeitschte die bedrückende Stille auf dem Schulhof.
»Das ist meine Mum!« sagte der Junge. Mehr tat er nicht. Es berührte ihn kaum. Statt dessen fing er an zu zittern und presste sich noch fester an mich. Er wollte nicht zu ihr. In dieser schlimmen Lage war er übersensibel geworden, und er spürte die Gefahr, die von seiner Mutter ausging. Die Nebelwelt auf dem Schulhof schien diese Bedrückung noch zu intensivieren.
Ich hielt mich ungefähr auf der Mitte des Platzes auf, den immer schwerer werdenden Jungen auf dem Arm. Innerhalb weniger Sekunden war ich in eine verfluchte Lage hineingeraten, trotzdem konnte ich den Jungen auf keinen Fall im Stich lassen, er musste bei mir bleiben.
Sein Vater war tot. Ich hatte ihn gefunden. Es lag erst wenige Minuten zurück. Der Polizist saß mit durchschnittener Kehle in seinem Büro vor dem Schreibtisch. Wer sein Mörder war, wusste ich nicht. Es konnte ebenso gut die eigene Frau gewesen sein, denn in diesem kleinen Ort namens Trevine war nichts mehr normal. Hier hatte sich alles verändert, und hinter mir lagen Stunden, auf die ich gern verzichtet hätte.1 Vor mir lag ein ebenso großer Horror, denn nicht nur die Frau wartete, es gab noch einen anderen, der mein Leben und mich regelrecht zerfetzen wollte.
Er wollte mich, denn ich war sein Feind. Ich hatte die schwarze Flut überstanden, einen dunklen Nebel, der sich in die Hirne der Menschen bohrte und sie so schrecklich veränderte. Er machte aus Menschen Monstren, ich hatte über ihn und sein Entstehen nachgedacht, doch leider keine Lösung gefunden. Zunächst einmal musste ich mich mit seiner Existenz abfinden und zusehen, dass nicht noch mehr Menschen in seinen furchtbaren Bann gerieten.
Der gefährliche Nebelwolf aber hatte unmittelbar mit ihm zu tun, ebenso wie die alten Templer-Gräber auf einem ebenso alten Friedhof tief im Moor versteckt.
Der Wolf lauerte in der Nähe. Ich sah ihn nicht, doch sein gefährliches Knurren hatte ich nicht vergessen.
Wieder schrie die Frau. »Dennis, komm her!«
Der Junge klammerte sich noch fester. Seine Hände lagen um meinen Nacken, die Finger drückten in meine Haut. Er schüttelte den Kopf, und seine keuchende Stimme zischelte in mein Ohr. »Ich will nicht zu meiner Mutter. Ich will es nicht! – Sie … sie ist so komisch. Ihre Stimme ist anders geworden, John.«
»Okay, Dennis du brauchst auch nicht zu ihr.« Ich verlagerte mein Gewicht, denn der Junge war verflucht schwer geworden. »Du bist doch schon ein großer Junge und dementsprechend schwer. Ich glaube nicht, dass ich dich noch lange tragen kann. Wahrscheinlich muss ich dich absetzen, aber du wirst in meiner Nähe bleiben.«
Er zitterte wieder. Verdammt, er tat mir leid, nur konnte ich darauf keine Rücksicht nehmen. Ich brauchte meine Bewegungsfreiheit, um auch ihn beschützen zu können. Das musste auch Dennis einsehen. Ich sprach mit ihm darüber, er nickte und rutschte aus meinem Griff nach unten.
Ich stellte ihn auf die Füße. Dabei schaute ich mich so gut wie möglich um.
Die Mutter sah ich nicht. Auch der Nebelwolf hielt sich vor mir versteckt. Ihm reichte es, dass er in der Nähe lauerte. Diese Bestie hatte zusammen mit der schwarzen Flut das Grauen über Trevine gebracht. Es gab keinen Menschen, an dem es vorbeigeglitten wäre. Sie alle waren verändert worden, man hatte das Negative in ihnen an die Oberfläche gespült, um es mal mit simplen Worten zu sagen.
Der Junge stand neben mir. Er ließ mich trotzdem nicht los. Seine Hand hatte sich in den Stoff meiner Hose gekrallt. Er wollte eben den Kontakt haben, um sich sicherer zu fühlen.
Es stellte sich die Frage, wie es weiterging. Zwei Feinde lauerten auf mich. Zum einem die veränderte Mutter des Jungen, zum anderen der gefährliche Werwolf.
Wer griff zuerst an? Wer traute sich, die Deckung auf dem Hof zu verlassen? Zwar brannte am Schulhaus eine Laterne, doch ihr Licht konnte ich vergessen. Andererseits war ich froh, dass es überhaupt leuchtete, denn es hatte Zeiten gegeben, wo es dem dunklen Nebel gelungen war, das Licht aufzusaugen. Da hatte er deutlich bewiesen, über wie viel Macht er verfügte.
»Wo sollen wir denn jetzt hingehen?« fragte Dennis.
Ich verzog die Mundwinkel. Eine gute Frage, wirklich. Nur wusste ich keine Antwort. Am besten wäre es gewesen, den Schulhof zu verlassen. Das aber war ein Ding der Unmöglichkeit, dagegen stand einfach der Werwolf. Er wollte seine Opfer, vor allen Dingen mich, und er würde alles daransetzen, um mich auch zu bekommen.
Wäre die Mutter des Jungen nicht gewesen, so hätte ich Dennis geraten, zu verschwinden. Das aber würde die Frau bestimmt nicht zulassen. Sie war nicht mehr als eine Hülle ihrer einstigen Existenz, wurde von Kräften geleitet, die sie selbst nicht begreifen und auch kontrollieren konnte. Deshalb musste der Junge in meiner Nähe bleiben. Und wir mussten versuchen, eine zeitlich begrenzte Lösung zu finden, denn ich hatte vor Kurzem noch mit London telefonieren und eine Warnung durchgeben können. Mein Chef, Sir James, hatte mir versprochen, Hilfe zu schicken. Dank seiner Beziehungen würde es ihm hoffentlich gelingen, eine Hundertschaft von Polizisten zu alarmieren, die sich ungefähr dreißig Meilen entfernt in Exeter aufhielten. Die Männer brauchten eben Zeit, um Trevine zu erreichen, und diese Zeit mussten wir beide lebend überstehen.
Das Schulgebäude reizte mich schon. Zwar würden wir dort auf Dennis’Mutter treffen, nur sah ich sie nicht als so großes Problem an wie den Werwolf.
Hätte er sich noch einmal durch ein drohendes Knurren gemeldet, wäre mir wohler gewesen. Leider hatte er sich in den letzten Minuten sehr still verhalten. Ich wusste nicht, wo er sich befand. Er hatte ebenso gut seinen Platz wechseln können, um an einer günstigen Stelle zu lauern.
»Wir gehen in die Schule!«
Dennis schrak zusammen, als ich sprach. Mit diesem schnellen Entschluss hatte er nicht gerechnet.
»Da wohne ich doch. Daddy ist ja Polizist. Wir wohnen nur oben. Sein Büro hat er unten.«
»Dann wirst du mir den Weg zeigen.«
»Klar.«
»Gibt es noch einen zweiten Eingang, durch den wir in die Schule gehen können?«
»Ja, hinten.«
»Ist er offen?«
»Nein, der ist abgeschlossen.«
Das passte mir nicht, denn ich wusste, dass vor dem normalen Eingang die Frau lauerte.
»Gut, dann nehmen wir den Weg, den alle Kinder kennen.« Ich nahm seine Hand. »Dennis, ich möchte, dass du immer bei mir bleibst. Bitte, reiß dich nicht los.«
»Mach’ich, John.«
Ich dachte an die Mutter des Jungen und auch an die übrigen Menschen hier in Trevine. Einige von ihnen hatte ich als normale Menschen kennengelernt, dann aber war die schwarze Flut aus dem Sumpf gekommen und hatte alles verändert. Ich war sicher, dass mir dieses magische Phänomen noch einigen Ärger bereiten würde.
Wir konnten nicht leise gehen, denn auf dem Schulhof verteilte sich das Laub der Bäume. Niemand hatte es weggefegt. Die Sohlen schleiften über die feuchten Blätter. Vor allen Dingen Dennis war es, der hart auftrat.
Dunkelheit und Nebel kamen zusammen. Beide vermischten sich zu einer Suppe. Wäre nicht das Licht gewesen, so hätte ich die Schule kaum erkennen können. Erst als wir dicht davorstanden, zeichnete sie sich als Schattenberg ab, der sich zu bewegen schien, weil die helleren Schleier dicht an seinen Außenmauern vorbeiflossen.
Dennis fing an zu pfeifen. Es störte mich, ich ließ ihn trotzdem in Ruhe. Der Junge brauchte eben ein Ventil, um seine eigenen Ängste zu unterdrücken. Gleichzeitig zeigte er seiner Mutter damit an, dass wir uns der Schule näherten.
Ich sah die Frau nicht. Es hatte sich vieles verändert, es gab im Moment keine Hoffnung. Dennoch hoffte ich, dass die Bande zwischen ihr und Dennis noch bestanden und sie sich nicht wie ein Tier auf ihren Sohn stürzen würde.
Die ziemlich breite Tür zur Schule war nicht verschlossen. Der Eingang gähnte uns wie ein dunkles Loch entgegen, und Dennis blieb stehen, als er ihn sah. Mir war dieser Stopp angenehm, so konnte ich mich nach dem Werwolf umschauen und auch umhören.
Ich sah ihn nicht.
Kein Schatten, kein fremdes Geräusch, nur die bedrückende Stille in dieser furchtbaren Nacht. Der Dunst legte sich wie feuchte Tücher auf meine Haut. Bei jedem Atemzug trank ich einen Teil von ihm in mich hinein.
Dennis zog mich weiter. »Lass uns nicht hier stehen bleiben, John«, sagte er.
»Okay.«
Etwas berührte meinen Kopf. Ich schrak zusammen und schaute in die Höhe. Es war nur ein Blatt, das sich vom Baum gelöst hatte und auf mein Haar gefallen war. Ich wischte es weg.
Plötzlich riss sich der Junge los. »Mummy!« rief er und rannte auf den Eingang zu. Er schien dort seine Mutter gesehen zu haben.
Mich durchfuhr ein heißer Schreck. Ich wusste, dass ich einen Fehler begangen hatte. Ich konnte auch nicht mehr reagieren, denn der Junge war einfach zu schnell. Er lief auf den dunklen Eingang zu, aus dem ein grelles Kichern erklang, als hätte der Teufel persönlich seine Großmutter dort abgestellt.
Ich wollte Dennis nicht den Fängen der eigenen Mutter überlassen und jagte ihm nach.
»Mummy, ich bin da …«
»Ja, mein Schatz, ich weiß.«
Ihre Stimme war so verdammt laut und anders. Das mochte auch am Flur liegen, in dem sich die beiden aufhielten, und ich stürmte jetzt in das Dunkel hinein.
»Mummy, warum hast du das Messer …?«
...| Erscheint lt. Verlag | 9.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3510-2 / 3838735102 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3510-8 / 9783838735108 |
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