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John Sinclair 774 (eBook)

Baphomets böse Brut

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3504-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 774 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Baphomets böse Brut.

Amos Levi kehrte von der Toilette zurück, nicht ahnend, dass er in wenigen Augenblicken die grausamste Entdeckung seines Lebens machen würde.

Er ging an seinen Platz, wo die Suppe stand, und setzte sich. Niemand beachtete ihn. Die Gäste waren mit dem Essen beschäftigt oder unterhielten sich flüsternd. Natürlich ging es um Geschäfte, meist Diamanten. Damit hatte Amos Levi nichts zu tun. Er tunkte den Löffel ein und stutzte sofort. Zwischen den Fleisch- und Kartoffelstücken schwamm ein abgeschnittener Finger!

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Baphomets böse Brut


Amos Levi kehrte von der Toilette zurück, nicht ahnend, dass er die höllischste und grausamste Überraschung seines inzwischen sechzigjährigen Junggesellendaseins erieben würde.

Im Lokal hatte sich nichts verändert. Es war kein Gast hinzugekommen, keiner gegangen. Die beiden Ober servierten koschere Speisen, es roch nach Hammel und Gewürzen. Wegen des schlechten Wetters hatte jemand die Vorhänge an den Fenstern zugezogen. Wahrscheinlich wollte man den Gästen den tristen Anblick ersparen.

Levi ging an seinen Platz, wo die Suppe stand. Er setzte sich. Niemand beachtete ihn. Da er jeden Tag hier sein Essen einnahm, gehörte er schon zum Inventar. Die Hälfte der Tische war besetzt. Zumeist Männer hockten zusammen und unterhielten sich flüsternd. Natürlich ging es um Geschäfte. In der Regel um kleine, glitzernde Steine – Diamanten. Damit hatte Levi allerdings nichts zu tun.

Wie gesagt, es war alles normal.

Auch die Bewegung, mit der Levi zum Löffel griff, fiel nicht aus er Rolle. Auf dem breiten Teller befand sich zwar offiziell eine Suppe, aber der Begriff Eintopf wäre besser gewesen. Hammelfleisch, Gemüse und Kartoffeln bildeten das Trio.

Amos tunkte den Löffel ein.

In diesem Augenblick stutzte er. Sein Atem pfiff plötzlich, als er Luft holte. Seine Augen nahmen die Starre von Kugeln an. Er schluckte, er wollte es nicht glauben, alles weigerte sich, dennoch schaute er genauer hin, sogar sehr genau.

Was da zwichen zwei Stücken Fleisch und einem kantigen Kartoffelstück lag, gehörte nicht dorthin.

Es war ein abgeschnittener Finger!

*

Amos Levi saß auf seinem Platz und rührte sich nicht. Er war zu einer Eisfigur geworden. Nur den Blick hatte er etwas gesenkt. Er stierte auf den Teller, ohne allerdings dessen normale Füllung zu sehen. Er sah nur den Finger.

Die Würgeschlinge bewegte sich lautlos auf seinen Hals zu. Sie war unsichtbar, schnitt tief in seine Haut hinein, ohne dass Blut jedoch austrat. Die Schlinge nahm ihm die Luft. Wenn der Mann einatmete, entstand ein Röcheln, und der Teller vor ihm drehte sich, als wollte er zu einer fliegenden Untertasse werden, die irgendwann in die Decke hineinraste.

Er spürte auch den Schweiß, besonders auf der Stirn.

Levi begriff nichts, er fasste nichts, er wusste nur, dass dieser Finger so verflucht echt war, obwohl er ihn bisher nicht angefasst hatte. Er hätte ihn fast übersehen, weil sich dieser makabre Gruß der Farbe des Eintopfs anpasste, aber daran wollte Levi nicht denken. Andere Gedankenströme A zuckten durch seinen Kopf, und die beschäftigten sich mit seinem Zustand und nicht mit dem Finger.

Warum schrie ich nicht? dachte er. Warum brülle ich hier nicht herum, verdammt? Es müsste doch losgehen, ich müsste explodieren. Ich müsste durchdrehen und das Zeug verschütten!

Er tat nichts.

Er saß.

Er würgte.

Nicht laut, sondern glucksend. Dabei zischte er die Luft durch seine Nasenlöcher. Immer wieder schluckte er und hatte so das Gefühl, den Schwindel vertreiben zu können. In seinem Kopf schäumte das Blut, hinter den Augen spürte er einen gewaltigen Druck, dann hörte er sich stöhnen, spürte, dass sich sein Mund mit einer bitteren Flüssigkeit gefüllt hatte.

Levi beugte sich vor. Er musste das Zeug in seinem Mund einfach ausspeien. Es klatschte auf den Teller. Spritzer trafen sein Gesicht, was ihn nicht weiter kümmerte. Als er die Arme hob, da glaubte er, dass Bleigewichte an seinen Knochen hingen, so schwer waren sie plötzlich geworden. Schließlich gelang es ihm doch, die Hände auf den Tisch zu stützen, und so blieb er sitzen.

Was um ihn herum vorging, nahm der einsam in einer Ecke sitzende Gast nicht wahr, aber die beiden Ober hatten ihre Blicke überall. Sie sahen, dass ihr Stammgast Probleme hatte. Sie gaben sich gegenseitig Zeichen, und Sam, der Mann mit der Halbglatze, näherte sich dem Tisch des Amos Levi.

Er blieb neben dem Gast stehen, räusperte sich, erntete keine Reaktion. Dann sprach er Levi an. »Ist Ihnen nicht gut, Mr. Levi?«

Amos gab keine Antwort.

Der Ober wiederholte die Frage.

Schließlich schaute Levi auf. Er drehte sehr langsam den Kopf, und Sam hatte den Eindruck, in das Gesicht eines Fremden zu schauen. Es war nicht das normale. Levi sah aus, als stünde er vor einem Infarkt. Seine Stirn war mit einem Schweißfilm bedeckt. Aus dem halb geöffneten Mund drangen röchelnde Laute, das Kinn glänzte, weil noch einige Speichelfäden es zeichneten.

»Mr. Levi, bitte …«

»Da …«

Sam begriff nicht. »Soll ich vielleicht einen Arzt rufen?«

Lavi schüttelte den Kopf. »Nein, nicht. Schauen Sie … sehen Sie auf den Teller.«

Der Ober senkte den Kopf. Zunächst fiel ihm nichts auf. Er musste sich schon vorbeugen. Dabei holte er die Brille aus der Brusttasche des weißen Hemds. Er setzte sie auf, sah jetzt klarer – und verlor seine Gesichtsfarbe. Aschfahl und zitternd stand er neben dem sitzenden Gast, hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten, denn der sauber abgetrennte Finger war nicht mehr zu übersehen. Sogar der Nagel fiel ihm auf; er war von einer dünnen Schicht bedeckt, die wie Perlmutt schimmerte.

»Es ist … es ist …«

»Sagen Sie nichts, Sam. Nehmen Sie den verdammten Teller und schaffen Sie ihn weg!« Levi schlug die Hände vor sein Gesicht. »Los, nehmen Sie ihn schon. Ich kann ihn nicht mehr sehen. Es ist furchtbar, verflucht! Schaffen Sie ihn weg.« Seine Worte endeten in einem undeutlichen Gemurmel.

Sam musste sich überwinden. Er konnte nicht mehr hinschauen, legte ein Serviertuch über den Teller und trug ihn weg.

Levi schaute ihm nicht nach, wie er ging. Der Mann stakste durch das Lokal. Er ging wie eine Marionette, den Atem stieß er nur durch die Nase aus, und sein Kollege schaute ihm so lange verwundert hinterher, bis Sam durch die Tür gegangen war, hinter der die Küche des Restaurants lag.

Der Gast aber saß einsam in der Nische und nahm langsam die Hände vom Gesicht. Er legte die Arme auf den Tisch, schaute aus glasigen Augen ins Leere, und sein Mund zitterte.

So blieb er sitzen. Bewegungslos. In seinem Hirn überschlugen sich die Gedanken, und formierten sich zu einem Resultat, an das er selbst kaum glauben wollte.

Es musste so sein. Es gab keine andere Lösung. Das hier war der bisherige Höhepunkt.

Er dachte an die Warnungen, die ihn direkt oder indirekt erreicht hatten. Er wusste ja, dass er einen Fehler begangen hatte. Er war nicht mehr rückgängig zu machen, letztendlich war seine Geldgier größer gewesen, denn für das Stück hatte man ihm fast einhunderttausend Dollar geboten. Und da hatte er das außergewöhnliche Möbel abgegeben.

Ein Fehler?

Ja, bestimmt.«

Wessen Finger hatte da im Essen gelegen? Wer, zum Henker, hatte ihn dort reingelegt? Es würde noch mehr Fragen geben, und er erhoffte sich auch Antworten.

Schritte rissen ihn aus seinen Gedanken. Buchmann erschien an seinem Tisch. Der Mann war der Besitzer des Lokals, auch schon älter. Er trug einen schwarzen Anzug und hatte sein Haar ebenfalls pechschwarz eingefärbt.

»Darf ich mich setzen.«

»Sicher.«

Buchmann rückte den Stuhl zurecht, nahm Platz und winkte den zweiten Ober herbei, der zwei kleine mit einem Kräuterschnaps gefüllte Gläser auf den Tisch stellte und sich rasch wieder zurückzog.

»Trinken Sie«, sagte Buchmann.

»Warum?«

»Es wird Ihnen guttun!«

Er lachte. »Nichts tut mir gut, gar nichts.« Levi schaute sein Gegenüber nicht an. »Oder haben Sie nicht gesehen, was in Ihrer verdammten Suppe gelegen hat?«

»Doch, das habe ich.«

»Dann wissen Sie ja, wie mir …«

»Trinken Sie trotzdem. Es ist ein Kräuterlikör. Ich verkaufe ihn hier nicht, aber bei bestimmten Anlässen muss man ihn einfach trinken. Heute ist so ein Anlass, Sie verstehen?«

Amos Levi sagte nichts. Zumindest hatte ihn Buchmann halb überzeugt, denn er streckte die Hand aus und umklammerte das kleine Glas mit zwei Fingern. Er setzte es an, eine ruckartige Bewegung folgte, dann war das Zeug in seinem Mund verschwunden, und das Glas war leer.

Er stöhnte auf.

Auch Buchmann hatte getrunken. Noch vor Levi stellte er das Glas wieder zurück. »Es … es tut mir verdammt leid, das will ich Ihnen ehrlich sagen. Ich habe auch nicht gewusst, wie so etwas geschehen konnte, aber damit müssen wir uns nun mal abfinden.«

Levi schwieg. Vor seinem geistigen Auge verschwand das leere Glas. An dessen Stelle tauchte der Teller wieder auf, und abermals sah er nur den Finger. Er musste würgen, Buchmann hörte es, er wollte einen frischen Schnaps besorgen, aber Amos lehnte ab. »Danke, nicht mehr.« Dann fragte er: »Was haben Sie mit dem Finger gemacht.«

»Er ist weg!«

»Wo?«

Buchmann bekam einen roten Kopf. Die Antwort gab er nur flüsternd. »Wir haben ihn in die Toilette geworfen und fortgespült.

Levi schluckte wieder. Er wollte etwas sagen, doch seine Kehle war wie zugeschnürt. In die Toilette, dachte er. Verdammt noch mal, das darf doch nicht wahr sein! Was soll der Mist? Warum in die Toilette? Er konnte an nichts anderes mehr denken, es war wie ein Witz.

»Wir … wir haben an nichts anderes gedacht«, sagte Buchmann. Er rang nach Worten, wollte die Zusammenhänge erklären. »Wissen Sie, das ist alles so komisch, so un …«

»Komisch?«

Buchmann verzog das Gesicht. »Ich weiß, dass es der falsche Ausdruck ist. Es ist komisch und ungewöhnlich. Es ist schlimm, grauenhaft und makaber …«

Levi nickte in Buchmanns Worte hinein....

Erscheint lt. Verlag 9.9.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3504-8 / 3838735048
ISBN-13 978-3-8387-3504-7 / 9783838735047
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