John Sinclair 753 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3483-5 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Die Blutbuche.
Für viele Leute, die mit dem Bösen konfrontiert werden und Hilfe suchen, bedeutet der Name John Sinclair die Rettung. Eines Tages suchte mich ein Mann namens Amos Carr auf. Er erzählte von einer anderen Welt, die sich ihm eröffnet habe. Er berichtete von seinen entsetzlichen Träumen, dem Totengruß, der Blutbuche, die Menschen ansägt, und von dem geheimnisvollen Volk, das angeblich unterhalb der Blutbuche lebt. Ich sagte dem völlig verzweifelten Mann meine Hilfe zu und versprach, mir die Blutbuche einmal anzusehen.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Die Blutbuche
»Amos!«
Keine Reaktion.
Betty Carr rief noch einmal den Namen ihres Mannes und erhielt eine Antwort, die sie erschreckte und ihr die Haare zu Berge stehen ließ.
Ein fürchterliches Stöhnen wehte durch den Spalt der offenen Tür. Dieses Geräusch zeigte ihr an, wie schlecht es Amos ging, dass seine Befürchtungen möglicherweise eingetreten waren und sich ihm die andere Welt eröffnet hatte.
Immer hatte er davon gesprochen.
Am Tage, wenn er klare Gedanken fassen konnte. Aber auch in der Nacht, in seinen Träumen, aus denen er oft genug hochgeschreckt war, um aufzustehen und zum Fenster zu rennen, weil er wissen wollte, ob sie dort lauerten.
Betty Carr wusste nicht, was sie tun sollte. Was war in diesem Fall richtig? Sollte sie hineingehen und mit ihrem Mann sprechen, obwohl sie ihm nicht helfen konnte. Sollte sie abwarten, bis er sich wieder gefangen hatte?
Sie zögerte.
Aber sie hörte ihn.
Er stöhnte nicht mehr so schlimm, dafür atmete er heftig und laut. Hin und wieder zerquetschte er auch so etwas wie einen Fluch zwischen den Zähnen, denn er gehörte zu den Menschen, die sich mit ihrem Schicksal nicht abfinden wollten.
Betty trat einen Schritt näher. Sie brachte ihr Gesicht und damit auch ein Auge dicht an den Spalt heran, um wenigstens etwas von Amos erkennen zu können.
Sie sah nichts.
Oder?
Doch, als sie den Kopf etwas drehte, da erkannte sie ihn. Er saß auf dem Sessel dicht beim Fenster und hatte seinen Oberkörper der Scheibe zugedreht, damit er schräg nach draußen in die Dunkelheit schauen konnte. Die linke Hand lag auf der Sessellehne, den rechten Arm hatte er gestreckt und halb erhoben, wobei seine Hand gekrümmt war und eine Klaue gebildet hatte. Er hatte sie der dunklen Fensterscheibe zugedreht, als wollte er jemand grüßen.
Es war kein normaler Gruß.
Ein Totengruß!
Starr und furchtbar.
Betty hatte Mühe, sich ruhig zu verhalten. Sie fröstelte, zwinkerte mit den Augen, atmete noch einmal heftig, aber sie traute sich nicht, den Raum zu betreten.
Was tat ihr Mann? Warum hatte er so furchtbar gestöhnt? Wie konnte sie ihm nur helfen?
Amos hatte gemerkt, dass er beobachtet worden war. Er ließ die Hand sinken und bat seine Frau mit rauer Stimme, doch näher zu kommen. »Keine Angst, Betty, noch nicht …«
Er sprach wieder normal, und Betty Carr fiel ein Stein vom Herzen. Der große Druck hinter ihren Augen verschwand, sie erweiterte den Türspalt und betrat den Raum so normal wie möglich, denn ihr Mann sollte nicht sehen, wie sehr sie sich fürchtete.
Er saß noch immer im Sessel, schaute sie nicht an, sondern starrte auf seine Handfläche, die er noch kurz zuvor dem Fenster zugedreht hatte. Als er merkte, wie nahe seine Frau an ihn herankam, schloss er die Hand zur Faust und drehte den Kopf nach links.
Es war nicht dunkel draußen, aber der nahe Wald wirkte immer wie eine Schatteninsel. Die Sonne hatte sich zurückgezogen, und durch die Scheibe flutete die Dämmerung in das Zimmer hinein.
Betty legte eine Hand auf Amos’ Schulter. »Ich habe dich stöhnen hören«, flüsterte sie.
»Ja, ich weiß.«
»Und? Willst du reden?«
Amos Carr war ein großer Mann mit grauen Haaren und sehr kräftig gebaut. Jetzt aber wirkte er klein, wie geduckt, als hätte er Angst, und er nickte sehr langsam. »Ich werde dich gleich verlassen, Betty«, sagte er.
Sie verfiel nicht in Panik, sie schrie auch nicht. Sie fragte nur: »Warum denn?«
»Heute noch.«
»Du hast es dir gut überlegt, Amos?«
»Ja, das habe ich. Es gibt keinen anderen Weg, Betty. Ich brauche Hilfe, wir brauchen Hilfe, und ich werde versuchen, sie zu holen. Das ist alles, nicht mehr und nicht weniger.«
»Was soll ich tun?«
»Warten.«
»Hier warten?«
»Ja, mein Liebes. Ich hoffe, dass ich morgen wieder zurück bin. Und du solltest keine Frage stellen.«
Bettys Hand lag noch immer auf seiner Schulter, und Amos merkte, wie die Finger anfingen zu zittern. »Aber ich habe so viele Fragen, Amos. Ich bin deine Frau.«
»Das weiß ich.«
»Hängt es mit der anderen Welt zusammen, von der du immer gesprochen hast?«
»Auch. Und mit der Blutbuche.«
»Du hast immer von ihr gesprochen, Amos. Ist es wirklich so schlimm mit ihr?«
Er nickte und erhob sich. Sein Körper wirkte steif. Er senkte seinen Kopf und hauchte Betty einen Kuss auf die feuchte Stirn. »Ich werde jetzt fahren und hoffe, dass er pünktlich ist.«
»Du hast schon mit ihm gesprochen?« flüsterte Betty.
Amos Carr nickte bedächtig. »Das habe ich in der Tat. Er hat auch einem Treffen zugestimmt. Ich will es dort haben, wo etwas los ist, wo man mich nicht beobachten kann. Deshalb fahre ich nach London.«
»Du kennst ihn doch nicht.«
»Ich kenne seinen Namen, das reicht.«
»Sinclair …?«
Amos nickte. »John Sinclair. Einer, der sich auskennt und sich nichts vormachen lässt. Er ist der Mann, auf den wir uns verlassen müssen. Mein Bekannter hat auf ihn geschworen, als er ihn mir empfahl, und Sinclair scheint ja auch nicht abgeneigt zu sein, mit mir in Verbindung zu treten. Wenn alles gut geht, werde ich nach Mitternacht wieder bei dir sein.«
»Allein oder mit ihm?«
Er runzelte die Stirn. »Ich kann es dir nicht sagen. Es wäre allerdings besser, wenn du das Gästezimmer richten würdest. Ich kenne ihn nicht und weiß auch nicht, ob er Einwände hat, aber ich würde ihn schon gern mitnehmen.«
Betty war nicht so überzeugt. »Was willst du ihm denn sagen? Wie kannst du ihn überzeugen?«
»Das ist nicht einfach.« Amos drückte die Unterlippe vor und legte die Stirn in Falten. »Wie dem auch sei, es wird schon klappen, Betty, darauf kannst du dich verlassen.«
»Ich weiß nicht, ich weiß nicht.«
Er blieb stehen und schaute sie an. »Ich kann deine Skepsis verstehen, meine Liebe. Aber es bleibt mir nichts anderes übrig. Das musst du mir glauben. Es gibt keinen anderen Weg. Diese andere Welt, die sich uns hier geöffnet hat, ist verdammt gefährlich. Sie ist nicht nur anders, sondern auch grausam.«
»Du hättest alle in Ruhe lassen sollen, Amos!«
Der Mann runzelte die Stirn. »Ja, das hätte ich tatsächlich können. Im nachhinein ist man natürlich immer schlauer. Wäre ich nicht gewesen, hätte es ein anderer getan. Darüber sollten wir uns im klaren sein. Also habe ich zugeschlagen.«
»Der Baum ist etwas Besonderes.«
»Stimmt, Betty, sogar heilig.«
»Sag das nicht.« Sie trat einen Schritt zurück. »Sag das bitte nicht. Ich will ihn nicht so sehen, ich will nicht wahrhaben, dass er vielleicht leben kann und …«
»Deshalb habe ich auch die Sache in die Hände genommen«, erklärte Amos und hauchte seiner Frau einen Kuss auf die linke Wange. »Wir sehen uns später wieder.«
Betty nickte nur. Ihre Lippen bewegten sich heftig, sodass der Mund immer wieder anders aussah. Sie hatte Angst, die wie ein dicker Kloß ihren Körper durchwanderte und dabei das Gefühl in ihr hochdrückte, weinen zu müssen.
Die Angst war wie ein Stachel, ein Bohrer, der eine tiefe Wunde gerissen hatte.
Amos ging.
Er nahm noch seine Jacke mit. Als er das Haus verlassen hatte, lief Betty zur Tür und stellte sich in den Eingang. Sie hörte, wie Amos den Motor anließ, dann schnitten zwei helle, lange Bahnen durch die Dämmerung und erwischten das Gebüsch am Waldrand, das durch das Licht einen gespenstisch-bleichen Glanz bekam.
Sehr bald sah sie nur mehr die Rückleuchten des Geländewagens, und sie drehte sich wieder um.
Noch ahnte Betty nicht, dass sie ihren Mann nicht mehr wiedersehen würde …
*
Hektik, grelles Licht. Schatten, Stimmen – mal schrill, aber auch normal. Gesichter, in denen sich Erwartung widerspiegelte. In den Augen Hunger nach Leben und Vergnügen, dazu die drückende Schwüle, die alles überlagerte, denn die unmittelbare Nähe des Flusses brachte keine Kühlung. Dafür umwaberten mich andere Gerüche. Parfüme, Deos, Zigarettenrauch, manchmal der Duft von Steaks, die auf einem großen Grill im Freien gebraten wurden, das alles gehörte zu diesem im Sommer »in« gewordenen Lokal an der Themse, das aus zwei Teilen bestand.
Einmal aus dem normalen Bau und zum anderen aus einem großen, kantigen Ponton, der auf dem Wasser schwamm. Allerdings nicht auf dem Fluss selbst, sondern auf einem der Kanäle. Man wollte ja nicht, dass die Gäste seekrank wurden.
Und die kamen in Scharen.
Es war eine Welt für sich inmitten der heil wirkenden Natur. Ich fragte mich schon zum wiederholten Male, wie es der Besitzer geschafft hatte, hier eine Lizenz zu bekommen, um diese River Disco aufzubauen. Über Gästemangel konnte sich der Besitzer nicht beklagen, die Leute kamen in Strömen.
Ich hatte mich unter das Volk gemischt, ohne allerdings von den Gesängen eines Michael Jackson begeistert zu sein. Wenn ich ehrlich war, konnte ich diesem Lokal kaum etwas abgewinnen, es war einfach zu hektisch und für eine Unterhaltung nicht geeignet.
Das sahen die Gäste anders.
Mädchen, junge Männer, flippige Typen, ein Querschnitt durch die gesamte junge Szene. Man gab sich cool oder wild – gestylt oder lässig, wichtig war nur, dass man sich überhaupt gab und dass man seine oft sehr extravagante Kleidung ausführte wie die Mannequins auf einem Laufsteg. Ich hatte schon des öfteren Girls gesehen, die Korsetts aus Leder trugen, auch Strapse in grellen Farben, die ihre langen Beine aussehen ließen, als wären diese beleuchtet. Dazu trugen sie die...
| Erscheint lt. Verlag | 9.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3483-1 / 3838734831 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3483-5 / 9783838734835 |
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