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John Sinclair 779 (eBook)

Der Nebelwolf (1. Teil)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3509-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 779 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Der Nebelwolf (1. Teil).

Ich sah die vor mir gehende Gestalt nur mehr als Schatten, weil Nebel und Dunkelheit einfach zu dicht geworden waren. Umso besser konnte ich sie hören. Das Platschen der Füße, wenn sie wieder einmal in eine der zahlreichen Pfützen getreten waren, wies mir den Weg. Hoss Ivory trug Stiefel, und die hatte ich auf seine Empfehlung hin ebenfalls angezogen.

Es war ein schlimmes Wetter - für November aber typisch. Düster, neblig, und auch am Tage irgendwie dunkel, als hätte die Königin der Dämmerung ihr Tuch über das Land gespannt.

Das alles hätte mich kaum gestört, das Schlimmste allerdings war die Gegend.

Das Moor!

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Der Nebelwolf (1. Teil)


Ich sah die vor mir gehende Gestalt nur mehr als Schatten, weil Nebel und Dunkelheit einfach zu dicht geworden waren. Umso besser konnte ich sie hören. Das Platschen der Füße, wenn sie wieder einmal in eine der zahlreichen Pfützen getreten waren, wies mir den Weg. Hoss Ivory trug Stiefel, und die hatte ich auf seine Empfehlung hin ebenfalls angezogen.

Es war ein schlimmes Wetter – für November aber typisch. Düster, neblig, und auch am Tage irgendwie dunkel, als hätte die Königin der Dämmerung ihr Tuch über das Land gespannt.

Das alles hätte mich kaum gestört, das Schlimmste allerdings war die Gegend.

Das Moor!

Der Sumpf, das Gelände im Nebel, die geheimnisvolle, sich bewegende, schmatzende, gluckernde Insel mit ihren gewaltigen Ausmaßen, den flachen Grasebenen, den kleinen Hügeln mit den verkrüppelten Bäumen darauf, den winterlich braunen Gewächsen, die wieder einmal starben oder langsam dahinsiechten.

Der ewige Tod der Natur, die sich im Sommer trotzdem wieder erholte und wie ein Zombie aus dem Verfall und der Fäulnis hervorstieg, um an manchen Stellen zu erblühen.

Ich aber wanderte hinter Hoss Ivory her. Durch eine Traurigkeit, die sensible Gemüter depressiv machen konnte. Ich gehörte zu den Menschen, die nicht sensibel waren – wenigstens nicht, was diese Landschaft anging —, aber ich hätte mir meine Zeit auch anders vertreiben können, als an diesem frühen Nachmittag durch den Sumpf zu stiefeln, um angeblich einem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Die Temperatur lag zwischen fünf und zehn Grad über dem Gefrierpunkt. Naßkalt war es. Hinzu kam der Westwind, der gegen unsere Gestalten blies und von meiner dicken Lederjacke von der Haut des Körpers ferngehalten wurde.

Da die Stiefel nicht gefüttert waren, hatte ich kalte Füße gekriegt. Die Hände waren auch nicht viel wärmer.

Etwas anderes war wichtiger, und das genau wollte mir Hoss Ivory zeigen. Ich vertraute diesem wuchtigen Mann, der sich im und am Sumpf auskannte. Von Beruf war er Gärtner. Ihm gehörte eine Gärtnerei, außerdem eine Reparaturwerkstatt sowie ein kleiner Schrotthandel. Er hatte Torf abgebaut und galt in dieser Gegend als ein Mann, der sich in allen Sätteln zurechtfand.

Er hatte auch schon für zwei Jahre in London gelebt, bevor er wieder in seine Heimat zurückgekehrt war, und in London hatte er einiges von mir gehört. Das lag schon Jahre zurück, es war damals ein Fall gewesen, der mich nach Dartmoor geführt hatte, und zu weit von diesem alten Zuchthaus waren wir nicht entfernt.

Der Sumpf war tot.

Dunst wehte über ihn hinweg. Wenn ich beim Gehen in die Schwaden hineinschaute, hatte ich den Eindruck, als würden sich die abgestorbenen Bäume und Pflanzen bewegen und nicht die Schwaden, die lautlos zwischen ihnen hertrieben.

Es roch faulig. Nach Verwesung, nach Moder und Tod. Ivory hatte von einer Insel gesprochen, die wir erreichen wollten. Ein Gebiet, das etwas erhöht lag, wo der Anblick gut war, und ich endlich das Geheimnis kennenlernen sollte.

Wir hielten uns auf dem Weg. Teilweise war er durch Bretter und Bohlen verstärkt worden. Oft war das Holz unter fauligen Blättern verschwunden, sodass sich vor unseren Füßen eine glatte Fläche ausbreitete. Immer wieder musste ich darauf achten, nicht auszurutschen, denn wenn ich in die glatte und trügerische Fläche rechts und links des Wegs hineinglitt, konnte dies verdammt unangenehm werden.

Ivory ging gebückt. Ich sah seinen breiten Rücken. Er hatte seine Jacke nicht geschlossen, die beiden offenen Hälften pendelten in Hüfthöhe hin und her. Er war ein Mann, der in diese Gegend hineinpasste, man konnte ihn auch als den King ansehen, weil er einigen Menschen Arbeit gab und immer zu denen gehörte, bei dem sich die Leute Rat holten, wenn es um Probleme ging, für die Pfarrer oder Lehrer nicht zuständig waren.

Der Weg sollte dort enden, wo der kleine Hügel begann. Man hatte ihm auch einen Spitznamen gegeben, der Ort wurde der Buckel genannt. Er gehörte zu den sicheren Plätzen des ansonsten ziemlich gefährlichen Sumpfgebietes.

Dabei sah es oft genug harmlos aus. Ich hatte nicht nur einmal meinen Blick über die glatte Fläche rechts und links des Wegs schweifen lassen, und für mich war nicht erkennbar gewesen, ob ich über eine Grasfläche schaute, die völlig normal war, oder ob der Untergrund aus tückischem Schlamm bestand.

Ivory drehte sich zu mir um. Er grinste. In den Augen las ich funkelnden Spott, als er fragte: »Können Sie noch, John?«

»Keine Sorge, Hoss. Ich bin wie eine Sumpfpflanze. Unverwüstbar und sehr biegsam.«

Er lachte. »Das muss man hier auch sein. Wer hier überleben will, muss der Natur ein Schnippchen schlagen.«

»Schaffen wir doch!«

»Dann ist es gut.«

»Wann sind wir denn beim Buckel?«

»Ich denke, dass wir nicht mehr als zehn Minuten zu laufen haben. Wenn wieder die Bohlen beginnen, können Sie schon aufatmen. Sie reichen bis dicht an das Ziel heran.«

»Wunderbar.«

Wir setzten unseren Weg fort. Ich versank oft genug bis über die Knöchel im weichen Boden, bei dem ich das Gefühl hatte, er würde ständig zittern, als wären monströse Geschöpfe dabei, sich unter der Erde zu bewegen, um ihr Gefängnis irgendwann verlassen zu können.

Der wolkenbedeckte Himmel vermischte sich mit den aus dem Sumpf steigenden Schwaden. Die Welt wurde zu einer grauen Waschküche. Nur war es noch nicht so schlimm geworden, wie ich es aus manch Londoner Tagen kannte, und ich hoffte auch, dass sich der Dunst nicht so stark verdichten würde, denn dann hatte unser Ausflug keinen Sinn gehabt.

Noch einmal blieb Hoss Ivory stehen. Er befeuchtete mit der Zunge seinen Zeigefinger und streckte ihn in die Luft, um die Windrichtung zu prüfen. Ich war neben ihm stehen geblieben und entdeckte die Zufriedenheit auf seinem Gesicht.

»Ja, das ist gut«, sagte er.

»Was ist gut?«

»Dass der Wind aus Westen kommt. Aus Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass er am Nachmittag zunehmen wird.«

»Wie schön. Und was bedeutet das für uns?«

»Na, ganz einfach, John. Der Nebel wird sich nicht verdichten. Der Wind treibt die Schwaden weg. Einige werden sich immer halten können, besonders an bestimmten Plätzen, aber wir brauchen nicht mit einer dicken Waschküche zu rechnen.«

»Das ist doch schon was.«

»Finde ich auch.« Er schlug mir auf die Schultern. »Auf denn zum Hügel! Die letzte Strecke ist immer die Beste.«

»Und dort wartet dann der Weihnachtsmann – oder?«

»So ähnlich«, sagte er und grinste. Er schaute mich aus seinen grauen Augen an. Wie schon erwähnt, Ivory war ein wuchtiger Mann mit einem großen Kopf und Gesichtszügen, die wie geschnitzt wirkten, gleichzeitig aber auch weich und fleischig waren. Seine Nase erinnerte mich immer an die einer ägyptischen Statue, so extrem war sie geformt. Die Augenbrauen waren gebogen wie Brücken. So musste man aussehen, um in dieser Landschaft zurechtzukommen. »Irgendwie habe ich den Eindruck, John, dass Sie dies alles hier nicht so richtig ernst nehmen. Oder täusche ich mich?«

»Sie täuschen sich.«

»Glaube ich nicht.«

»Warum?«

Er schob die rechte Augenbraue hoch. »Sie sind Polizist, John. Und Polizisten sind Menschen, die Beweise brauchen. Ist das nicht auch bei Ihnen so?«

»Doch.«

»Ich würde ja auch so denken wie Sie. Aber die Beweise, die werde ich Ihnen liefern.«

»Darauf warte ich.«

»Keine Sorge.« Er drehte sich abrupt um und ging weiter.

Nachdenklich stiefelte ich hinter ihm her. Bei jedem Schritt hatte ich das Gefühl, als wären zahlreiche Hände da, die mich festhalten wollten. Es schmatzte und gurgelte um meine Füße herum. Die Kraft, die auf mich einwirkte, war enorm.

Das änderte sich, als ich die nassen Querbohlen vor mir schimmern sah. Auch auf ihnen klebten die Gräser wie faulige Finger. Sie und die Blätter machten den Bohlenweg gefährlich glatt.

Zum Glück hatten wir ihn bald hinter uns. Das Gelände stieg bereits leicht an. Natürlich dachte ich über den Grund nach, weshalb mich Ivor geholt hatte. Er hatte von einem Friedhof gesprochen, von Gräbern und einer schrecklichen Düsternis, von einer alten Templer-Legende, vom Teufel und von einigen Dingen mehr. Das alles kam mir vor, als wäre es in einen gewaltigen Mixer getan worden, sodass eine Soße entstanden war, deren Zutaten nicht mehr zu erkennen waren.

Und dann hatte er noch etwas gesagt.

Irgendwann in der letzten Zeit, besonders am Abend und in der Nacht, waren unheimliche Schreie über das Moor gegellt. Zuerst hatte man an Menschen gedacht, die sich in einer schrecklichen Gefahr befanden, das traf den Punkt aber nicht.

Die Schreie waren keinesfalls von Menschen ausgestoßen worden, sondern von irgendwelchen Bestien, und wer genauer hinhörte, hatte darin die Heullaute von Wölfen erkannt.

Wölfe im Sumpf …

Nebelwölfe!

Dieser Begriff war gefallen, und jetzt wartete ich praktisch darauf, diese Bestien zu sehen. Ich wusste nur nicht, in welch einem Zusammenhang sie mit den anderen Dingen standen, die man mir gesagt hatte. Das war mir einfach alles zu schwammig.

Dann sah ich den Hügel, der größer war, als ich gedacht hatte, und sein Bewuchs bestand aus verkrüppelten Bäumen, Buschwerk und natürlich dem hohen Gras, das allerdings eine schmutzige braune Farbe angenommen hatte.

Ivory drehte sich noch einmal um. »Ein herrliches Plätzchen, ein wunderbarer Flecken Erde. Ideal für Liebespaare.« Er lachte über seine eigene Bemerkung.

Ich war nicht davon...

Erscheint lt. Verlag 9.9.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3509-9 / 3838735099
ISBN-13 978-3-8387-3509-2 / 9783838735092
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