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John Sinclair 776 (eBook)

Racheengel Lisa

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3506-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 776 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Racheengel Lisa.

Alfred Darius öffnete die Tür, und ich wusste sofort, dass mich der Tod erwartete. Es war der Geruch, die Atmosphäre, die Schwingungen, die ihn begleiteten und mich dazu zwangen, schnaufend auszuatmen. Die Tür schwang aus, ihr leises Knarren verstummte.

Der Mann schob sich an mir vorbei. 'Warten Sie, Mr. Sinclair, ich mache Ihnen Licht.' Er hatte mit zitternder Stimme gesprochen, als hätte er Mühe, die Tränen zu unterdrücken.

Unter der Decke erhellte sich die Lampe. Sie sah aus wie eine Glocke. Ihr Licht leuchtete in einer breiten Bahn nach unten und erwischte die Gestalt auf dem Bett.

Der Mann war tot.

Nicht nur das, er sah auch schrecklich aus. Irgendeine Waffe hatte seine Brust zerfetzt.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Racheengel Lisa


Alfred Darius öffnete die Tür, und ich wusste sofort, dass mich der Tod erwartete. Es war der Geruch, die Atmosphäre, die Schwingungen, die ihn begleiteten und mich dazu zwangen, schnaufend auszuatmen. Die Tür schwang aus, ihr leises Knarren verstummte.

Der Mann schob sich an mir vorbei. »Warten Sie, Mr. Sinclair, ich mache Ihnen Licht.« Er hatte mit zitternder Stimme gesprochen, als hätte er Mühe, die Tränen zu unterdrücken.

Unter der Decke erhellte sich die Lampe. Sie sah aus wie eine Glocke. Ihr Licht leuchtete in einer breiten Bahn nach unten und erwischte die Gestalt auf dem Bett.

Der Mann war tot.

Nicht nur das, er sah auch schrecklich aus. Irgendeine Waffe hatte seine Brust zerfetzt.

Ich hatte mich also nicht geirrt. Der Geruch des Todes war da. So hart, so endgültig. Es drohte keine Gefahr, ich wusste es sofort, ging auf das Bett mit dem Toten zu und blieb daneben stehen. Darius hielt sich hinter mir an der Tür auf. Ich hörte ihn leise weinen.

Er hatte mich darum gebeten, den Toten genau in Augenschein zu nehmen, und diesen Gefallen tat ich ihm. Der Mann war nicht leicht gestorben. Wer immer diese Tat vollbracht hatte, er musste einen Hass gespürt haben, den ich persönlich nicht nachvollziehen konnte, denn die Mordwaffe war wohl mehrere Male in die Brust des Mannes gestoßen worden. Ich sah die Wunden, ich sah auch das Blut. Es hatte sich überall verteilt, und ich dachte wieder an den Geruch, der mir beim Eintreten so unangenehm aufgefallen war.

Der Tote war etwa fünfzig. Er hatte ein sonnenverbranntes Gesicht, die Haut wirkte wie Leder. Durch sein schwarzes Haar zogen sich einige graue Strähnen. Sein Gesicht zeigte noch einen letzten Ausdruck. Er bestand aus einer Mischung zwischen Staunen und Entsetzen, auch zwischen Angst und Überraschung.

Der Tote trug seine normale Kleidung, Hemd und Hose. Er hatte keinen Schlafanzug übergestreift, ein Beweis, dass er nicht unbedingt die Nacht über hatte durchschlafen wollen.

Ich drehte mich um. Neben der Tür stand ein Stuhl. Auf ihm saß Alfred Darius mit gesenktem Kopf. Er starrte zu Boden, weinte noch immer und nickte dann. »Das hatte ich Ihnen zeigen wollen, Mr. Sinclair. Nicht mehr und nicht weniger.«

»Es war Mord.«

»Natürlich«, entgegnete er und klang verärgert. »Was haben Sie denn gedacht?«

»Bitte, Mr. Darius, halten Sie mich nicht für dumm, ich habe bewusst gefragt, denn ich muss Ihnen leider sagen, dass ich für Mord nicht zuständig bin. Da gibt es andere Kollegen bei uns. So schlimm dies auch für Sie sein mag, weil man Ihnen möglicherweise Hoffnungen gemacht hat, aber das ist nicht mein Fall.«

»Da bin ich mir nicht sicher.«

Ich verdrehte die Augen. Okay, das hier war eine schlimme Tat, es war ein verabscheuungswürdiges Verbrechen, daran gab es nichts zu rütteln. Aber es gab viele Verbrechen in der Welt, ich konnte mich nicht um jeden Fall kümmern. Hier hatte mich Sir James um einen Gefallen gebeten, denn er und Darius kannten sich. Woher, das wusste ich auch nicht, vielleicht aus der Schulzeit, denn beide schienen im gleichen Alter zu sein. Jedenfalls hatte mich der Alte gebeten, mich um diesen Fall zu kümmern, weil er das Gefühl hatte, es würde mehr dahinterstecken.

Ich ging auf den Sitzenden zu. »Ich weiß, dass Sie noch etwas sagen möchten, aber sollen wir es hier tun?«

»Nein.« Er schüttelte den Kopf und stand auf. »Kommen Sie mit, Mr. Sinclair.«

Wir gingen in einen anderen Raum. Er war klein, etwas schief gebaut und stellte so etwas wie ein Arbeitszimmer dar. Jedenfalls entdeckte ich viele Bücher in den Regalen, und ein Schreibtisch war ebenfalls vorhanden, hinter den sich Darius setzte. Ich konnte auf einem Stuhl mit hoher Lehne meinen Platz finden.

»Was treiben Sie denn so beruflich?« fragte ich.

Er hob die Schultern. »Eigentlich bin ich Pianist, Musiker, aber ich habe mich später der Musikwissenschaft verschrieben, und jetzt arbeite ich an einem Forschungsprojekt über den Komponisten Benjamin Britten. Aber lassen wir das, mein Bruder Hank ist tot.«

»Sie hätten die Mordkommission anrufen müssen.«

Er strich durch sein Gesicht. Die Haut sah grau aus, die Augen wirkten müde, das Haar war bereits weiß geworden. »Ja, Sie haben recht, Mr. Sinclair, das hätte ich tun müssen. Aber ich habe es nicht getan und mich stattdessen an eine andere Person gewandt, die Ihnen nicht unbekannt sein dürfte.«

»Sir James Powell, nehme ich an.«

»Richtig. Ich kannte ihn. Zwar nicht besonders gut, wir sind keine Freunde, aber immerhin so gut, dass er mir zuhörte und mir dann versprach, einen guten Mann zu schicken. Okay, Sie sind hier, Mr. Sinclair. Man hat Sie als einen guten Mann bezeichnet. Ich bin gespannt, ob Sie tatsächlich so gut sind.«

»Bitte, ich bleibe dabei, denn …«

Er hob die Hand. »Lassen Sie mich ausreden, Mr. Sinclair. Wir stehen erst am Beginn. Sie haben den Toten gesehen, und ich wollte, dass Sie ihn so sehen. Es sollte nichts verändert werden. Sie haben auch erkennen können, wie man meinen Bruder tötete. Man hat ihm die Brust zerfetzt.«

»Darüber habe ich mich auch gewundert.«

»Schön oder nicht schön. Es bleibt eine Tatsache. Und ich weiß auch, mit welcher Waffe man ihn umbrachte. Was ihm die Brust zerfetzte, Mr. Sinclair. Denn darauf kommt es an.«

Ich nickte ihm zu. »Bitte, ich warte.«

»Es war ein Pflock, ein Pfahl, und wir beide wissen doch, wozu er eingesetzt wird, nicht wahr?«

»Was denken Sie denn, Mr. Darius?«

»Vampire«, formulierte er leise und schaute mir dabei scharf in die Augen. »Mit einem vorn zugespitzten Eichenpflock ist es möglich, Vampire zu vernichten. Das haben wir schon als Kinder gelernt.«

»Sie vielleicht, ich nicht. Dafür kam ich später in einen doch sehr engen Kontakt.«

»Das habe ich gemeint.«

»Und ich frage Sie, ob Ihr Bruder ein Vampir gewesen ist, wenn er schon auf eine derartige Art und Weise ums Leben kam.«

»Nein, das war er nicht.«

»Warum hat man ihn dann mit einem Eichenpflock getötet?«

Darius senkte den Blick. »Weil man geglaubt hat, er wäre einer. Weil der Täter schrecklich ist, weil er sich nicht mehr unter Kontrolle hat, weil er ausbrach.«

»Das hört sich nach Gefängnis an.«

»Nein, nein oder so ähnlich, Mr. Sinclair. Der Täter ist ausgebrochen, nur nicht aus einem Gefängnis oder einem Zuchthaus, sondern aus einer Psychiatrischen Klinik.«

»Alle Achtung«, sagte ich, »Sie wissen viel.«

»Zu wenig, Mr. Sinclair. Aber hat Ihnen Sir James da nichts Genaueres mitgeteilt?«

»Leider nein.«

»Dann will ich es tun.«

»Ich bitte darum, denn Sie haben sich so angehört, als wäre Ihnen der Täter nicht unbekannt.«

»Stimmt, Mr. Sinclair, stimmt genau. Die Person ist mir auch nicht unbekannt, denn ich kenne sie gut. Ich habe an meinem eigenen Busen eine Schlange genährt …«

Ich bekam eine leichte Gänsehaut, weil ich ahnte, worauf seine Worte hinausliefen, doch ich stellte keine Zwischenfrage, sondern ließ ihn weiterreden.

»Der Mörder ist kein Mörder. Er ist eine Mörderin.«

Ich wunderte mich. »Und weiter?«

Darius atmete laut und keuchend. Er schwitzte wieder, wischte den Schweiß mit dem Jackenärmel weg, leckte über seine Lippen und fand Kraft für eine präzise Antwort. »Der Mörder, nein, die Mörderin ist Lisa, meine eigene Tochter …«

*

Erinnerungen

Die Messe war zu Ende, der Pfarrer hatte seinen Segen gegeben und verließ die Kirche durch die Tür zur Sakristei. Es befanden sich nur wenige Menschen in der kleinen Kapelle, die zum Komplex der Anstalt gehörte, aber diejenigen blieben noch für eine Weile sitzen, tief in Gedanken versunken und darüber nachdenkend, was ihnen in der kurzen Predigt gesagt worden war.

Weihrauch durchzog das Innere der Kapelle. Draußen lag ein düsterer Tag, und nur wenig Licht fiel durch die relativ hohen Fenster des kleinen Baus, um sich auf und zwischen den wenigen Bänken zu verteilen.

Lisa Darius saß in der zweiten Reihe, direkt am Mittelgang. Sie hielt den Kopf gesenkt und hatte die Hände zusammengefaltet im Schoß liegen. Ihr Blick war ins Leere gerichtet, sie nahm den Geruch des Weihrauchs auf, und sie fühlte sich so wohl, so wunderbar. So und nicht anders mussten sich auch die Engel fühlen, die im Himmel schwebten, um auf die Menschen herabzuschauen, damit diese Gutes taten. Aber sie waren schlecht, die Menschen, sie gingen ihren eigenen Gelüsten nach, sie nahmen keine Rücksicht, sie verleugneten die Engel sogar, sie glaubten nicht an diese herrlichen Wesen, und das, so hatte sich Lisa vorgenommen, musste sich ändern.

Sie glaubte an die Macht der Engel!

Schon als kleines Kind hatte sie sich damit beschäftigt, denn immer wieder waren es die Engel gewesen, die mit ihr Kontakt aufnahmen, die sich ihr offenbarten und ihr erklärten, dass sie von ihnen ausgesucht worden war.

Es war so herrlich gewesen, mit ihnen zu sprechen, und sie hatte es oft getan. Viel öfter als mit den Menschen und ihren eigenen Eltern. Die Engel waren ihre echten Freunde, und sie hatten ihr auch den Auftrag mit auf den Weg gegeben, das Böse in der Welt zu vernichten, wo es anzutreffen war.

Es war viel Böses in der Welt, zu viele Dämonen, zu viele grausame Menschen, die dem Himmel und auch den Engeln abgeschworen hatten, und das konnte Lisa nicht hinnehmen. So etwas musste geändert werden, und so hatte sie sich auf den Weg gemacht, um die Menschen zu überzeugen, dass es besser wäre, wenn sie umkehrten.

Sie...

Erscheint lt. Verlag 9.9.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3506-4 / 3838735064
ISBN-13 978-3-8387-3506-1 / 9783838735061
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