John Sinclair 794 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3524-5 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Das Zauber-Zimmer (1. Teil).
Ich stand da, staunte und konnte nicht vermeiden, dass sich der Schauer auf meinem Rücken festsetzte. Die Szene, die ich sah, ging mir einfach unter die Haut.
Vor mir lag die Hotelhalle in ihrer Weite und Höhe. Kein elektrisches Licht brannte, und durch die hohen Fenster sickerte die fahle Dämmerung des hereinbrechenden Winterabends.
Säulen aus rotem Marmor stützten die Bogendecke, die einmal weiß gewesen sein musste, es jetzt aber nicht mehr war, denn zahlreiche Spinnweben ließen sie in einem tristen Grau erscheinen. Wohin ich auch schaute, gegen die Wände, die mächtigen Fenster, auf den Fußboden, ich sah überall die Spinnweben wie ein dichtes Netz, das sich auf dem Fußboden sogar zu einer Matte zusammengedrückt hatte.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Das Zauber-Zimmer (1. Teil)
Ich stand da, staunte und konnte nicht vermeiden, dass sich der Schauer auf meinem Rücken festsetzte. Die Szene, die ich sah, ging mir einfach unter die Haut.
Vor mir lag die Hotelhalle in ihrer Weite und Höhe. Kein elektrisches Licht brannte, und durch die hohen Fenster sickerte die fahle Dämmerung des hereinbrechenden Winterabends.
Säulen aus rotem Marmor stützten die Bogendecke, die einmal weiß gewesen sein musste, es jetzt aber nicht mehr war, denn zahlreiche Spinnweben ließen sie in einem tristen Grau erscheinen. Wohin ich auch schaute, gegen die Wände, die mächtigen Fenster, auf den Fußboden, ich sah überall die Spinnweben wie ein dichtes Netz, das sich auf dem Fußboden sogar zu einer Matte zusammengedrückt hatte.
Die Halle war sicherlich einmal von zahlreichen Tischen und Stühlen belebt worden, das traf nun nicht mehr zu. Es verteilten sich noch einige wenige kleine Sessel, auch die dazugehörigen runden Tische sah ich zwischen den Sitzgelegenheiten stehen, ansonsten war alles ausgeräumt worden. Zur rechten Hand entdeckte ich eine hohe Doppeltür, die wiederum in eine Nachbarhalle führte. Allerdings konnte ich nicht sehen, wie groß der Raum hinter der Tür war, denn auch auf diesem Glas hatten die Spinnweben das graue Muster hinterlassen.
Und doch war die Hotelhalle nicht leer. Außer mir hielten sich noch drei Menschen auf, wobei ich mich fragte, ob ich die Gestalten tatsächlich als Menschen ansehen sollte.
Es waren Musiker.
Ein Klavierspieler, der vor seinem Instrument saß, und zwei Stehgeiger. Alle drei spielten, als hätten sie auf mich gewartet, um mich mit den melancholischen Klängen von Thais Meditation, komponiert von Jules Massenet, zu empfangen.
Die Melodien klangen schwermütig durch die Halle, rieselten über meinen Rücken und sorgten dafür, dass sich der Schauer noch mehr festigte.
Es fiel mir schwer, mich aus dieser akustischen Umklammerung zu befreien und mich auf das zu konzentrieren, was wichtig war, und zwar die Musiker.
Die alten, verstaubten, dunklen Fräcke bildeten einen Gegensatz zu den ebenfalls verstaubt wirkenden und trotzdem bleichen Gesichtern, in denen die Falten und Furchen wie mit der Nadel eingezeichnet schienen. Auf mich wirkten die Männer wie Typen, die soeben einem Grab entstiegen waren und sich in der Welt noch nicht richtig zurechtfanden, bis eben auf ihre Musik.
Sie spielten, und sie waren nicht mehr als Marionetten. Ihre Gesichter glichen starren Masken.
Einer stand etwas abseits von den anderen. Er war nach vorn getreten, als wollte er sich absetzen. Wahrscheinlich war er der Chef der Gruppe, und er sah ebenso aus wie die beiden anderen. Nur sein breites Gesicht mit dem kantigen Lächeln unterschied sich von den Mienen seiner Kollegen, doch die roboterhaften Bewegungen hatten sie gemein.
Ich war durch meinen Eintritt in dieses alte Jugendstil-Hotel tatsächlich in eine andere Welt gelangt, in der es mir auch schwerfiel, mich zurechtzufinden. Es gab keinen vernünftigen Grund für die Existenz dieser Musiker. Sie stammten aus einer anderen Zeit, möglicherweise aus einem anderen Land, wobei ich diesen Begriff nicht nur dreidimensional sah. Jedenfalls waren sie da und keine Einbildung, ebenso wie die sentimentalen Klänge ihrer Musik.
Ich hatte die Musik zuvor nicht gehört. Erst nach meinem Eintritt war sie aufgeklungen, und ich dachte darüber nach, ob ich das Ende abwarten sollte, um dann auf die drei Männer zuzugehen, die aussahen wie Greise, obwohl sie wahrscheinlich jünger waren.
Irgendetwas war mit ihnen. Aber nicht nur damit, auch mit dem gesamten leer stehenden Hotel, in das mich der Tip eines Freundes geführt hatte, denn hier sollte es angeblich spuken. Das Haus war am Ende des neunzehnten Jahrhunderts errichtet worden.
Viel mehr hatte mir der Freund, Kommissar Harry Stahl aus Leipzig, nicht gesagt oder nicht sagen wollen, doch ich würde mich schon zurechtfinden.
Die Melodie erzählte von Melancholie, von Schmerz und auch von großer Trauer. Ich überlegte, ob ich das Ende des Musikstücks abwarten sollte, fand es nicht gut, sondern wollte selbst die Initiative ergreifen. Ich war gespannt, wie sie auf mich reagieren würden, wenn ich plötzlich vor ihnen stand.
Sehr langsam ging ich auf sie zu. Die Klänge der Musik überdeckten die Geräusche meiner eigenen Schritte. Das Schaben durch den Staub, das leise Knirschen, wenn sich der Unrat unter meinen Füßen zusammendrückte, und keiner der Musiker störte sich daran, dass ich auf das Trio zuging. Die Männer spielten weiter.
Ich schob mich an der Rückenlehne eines verstaubten Sessels vorbei, hatte daraufhin nur noch wenige Schritte zurückzulegen, als es passierte. Und was dann geschah, überraschte mich ebenfalls wie ein Guss mit eisigem Wasser. Auf einmal flimmerten die Umrisse der drei Musiker. Es sah aus, als wären sie von zahlreichen Blitzen umgeben, und wenig später gab es sie nicht mehr.
Da waren sie weg, verschwunden!
Keine Melodien mehr, keine Musiker, ich stand allein in der leeren Halle und starrte dorthin, wo sie gewesen waren. Das Piano hatten sie zurückgelassen, die Geigen waren verschwunden.
Manche wären zurückgewichen, ich nicht. Mit zwei Schritten erreichte ich den Platz, wo die Musiker noch vor Sekunden gestanden hatten, und holte sehr schnell mein Kreuz hervor, um einen Test durchzuführen. Der misslang. Kein Flimmern, keine Wärme, die das Metall füllte, mein Talisman reagierte nicht.
Ich begriff es nicht.
Sehr bedächtig ließ ich das Kreuz in der Jackentasche verschwinden. Die Stille kam mir bedrückend vor. Selbst mein eigener Atem störte mich, aber mir war schon jetzt klar, dass ich dieses alte Hotel oder dessen Umgebung erst verlassen würde, wenn ich das Rätsel geklärt hatte.
Mit einer gewissen Überraschung stellte ich fest, dass sich vor mir und zuvor hinter den Musikern noch eine kleine Schiebetür befand, die in die nächste Halle führte. Da die Tür geschlossen war, zog und zerrte ich sie auf. Die dabei entstehenden Geräusche hörten sich an, als würden irgendwo Knochen brechen.
Mir gelang der erste Blick in die Nachbarhalle, die kleiner war als die, aus der ich kam. Die Kälte einer Grablandschaft überkam mich. Auch diese Halle wies eine Möblierung auf, nur waren es diesmal keine Sessel, sondern Stühle mit hohen Gitterlehnen, viereckige Tische dazwischen und ein ebenfalls dunkler Fußboden, auf den sich der Staub wie eine kräuselnde Schicht gelegt hatte.
Jugendstil, verstaubt, vom Zahn der Zeit angeknabbert, mit dem Geruch des Todes und des Moders umflort, ein Stück trauriger Geschichte, über die der Hauch des Todes wehte.
Ich ging in die Halle hinein, blieb nach wenigen Schritten stehen, drehte mich auf der Stelle, sah eine kleine, hölzerne Theke mit einem leeren Flaschenregal dahinter, in dessen Fächern jetzt Spinnweben hingen, und stand ansonsten in dieser kalten Leere und Stille, wobei ich mir allerdings nicht allein vorkam. Ich hatte immer mehr den Eindruck, unter einer gewissen Kontrolle zu stehen, wobei man mich aus dem Unsichtbaren hervor beobachtete.
Aber ich sah nichts.
Keine Gestalten, keine Gesichter, die bleich von oben herab auf mich niederschauten. Die Stille war bedrückend, und wiederum störte mich mein eigener Atem.
Ich wusste, dass etwas vorhanden war, doch wo ich auch hinfasste, ich griff ins Leere. Meine Sinne schafften es einfach nicht, das andere, das Fremde zu orten.
Das bereitete mir schon Sorgen. Irgendwo konnte ich die Erzählungen der Menschen verstehen, die davon berichteten, dass in diesem Hotel der Teufel sein Zuhause gehabt hatte.
Aber hatte er so ausgesehen wie die drei Musiker, die so plötzlich verschwunden waren?
Bestimmt nicht. Um ihn zu finden, musste ich mehr tun, als nur durch die Hallen zu wandern. Dass etwas anderes vorhanden war, hatten mir die Musiker bewiesen, sie aber konnten nur ein kleiner Teil von dem sein, was tatsächlich hier lauerte.
Und das wollte ich herausfinden.
In der Halle fand ich keine weiteren Anhaltspunkte. Sosehr ich mir auch eine weitere Erscheinung wünschte, sie blieb ein Wunschtraum, und so wandte ich mich nach links, weil sich die Halle dort etwas verengte. Der Vorhang, der diesen Teil abtrennte, hatte bereits meine Neugierde erweckt.
Der alte Staub war von meinen Füßen aufgewirbelt worden. Er verteilte sich, er kitzelte in meiner Nase. Ich konnte das Niesen nicht mehr länger unterdrücken, sorgte allerdings dafür, dass es gedämpft erklang. Ich stellte fest, dass der Vorhang zum Greifen nahe vor mir hing. Er hatte Falten geworfen, nur sah jede Falte so aus wie ein halbvermoderter Teppich, der jeden Augenblick zu Staub zerfallen konnte, wenn er berührt wurde.
Mein Blick glitt am Vorhang hoch. Ich sah die Löcher, die wirkten, als wären sie von gewaltigen Fäusten hineingerammt worden. An den Seiten zeigten sie ein zackiges Muster, manchmal nur schimmerte das dünne Gewebe wie das Netz einer Spinne.
Trotz meiner Bedenken fasste ich den Stoff an und wunderte mich schon beim ersten Griff über seine Härte. Die Ringe an seinem Ende schabten über die Stange, als ich den Vorhang so weit zur Seite schob, um mir einen Durchlass zu verschaffen.
Was lag dahinter?
Ich rechnete mit allem, meine Fantasie gaukelte mir die schrecklichsten Szenen vor, doch die Realität enttäuschte mich auf eine gewisse Art und Weise.
Was ich sah, war eine – nein, keine Halle, obwohl es im ersten Moment so schien –, es war mehr ein Flur oder ein Gang, an den sich eine Treppe anschloss.
Sie führte in die Höhe.
Stufen und Geländer bestanden aus...
| Erscheint lt. Verlag | 9.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3524-2 / 3838735242 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3524-5 / 9783838735245 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich