John Sinclair 798 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3528-3 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Der Hausmeister.
Ewald, der Hausmeister, stand am Fenster. Im Hintergrund weinte die zehnjährige Dinah, die er gefesselt hatte. Um das Kind kümmerte er sich nicht, sein Interesse galt einzig und allein der Außenwelt. Um in die Tiefe schauen zu können, hatte er die Gardine ein wenig zur Seite geschoben. Die Lücke reichte aus, um einige der Polizeiwagen zu sehen, die die Schule umstellt hatten. Die Beamten waren ihm nach langen Recherchen auf die Spur gekommen, und der Hausmeister wusste, was das bedeutete. Sie würden ihm den Prozess machen und ihn wahrscheinlich in eine geschlossene Anstalt stecken ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Der Hausmeister
Er war ein Tier!
Er kannte seinen Trieb!
Er konnte ihn nicht unterdrücken.
Er liebte Kinder – doch er liebte sie auf seine Weise.
Nun aber saß er in der Falle. Für ihn gab es nur ein Zurück. Das Zurück in den Tod …
Ewald, der Hausmeister, stand am Fenster. Im Hintergrund weinte die zehnjährige Dinah, die er gefesselt hatte. Um das Kind kümmerte er sich nicht, sein Interesse galt einzig und allein der Außenwelt. Um in die Tiefe schauen zu können, hatte er die Gardine ein wenig zur Seite geschoben. Die Lücke reichte aus, um einige der Polizeiwagen zu sehen, die die Schule umstellt hatten.
Die Beamten waren ihm nach langen Recherchen auf die Spur gekommen, und der Hausmeister wusste, was das bedeutete. Sie würden ihm den Prozess machen und ihn wahrscheinlich in eine geschlossene Anstalt stecken. Er würde dahinvegetieren und von der Außenwelt nichts mehr mitbekommen.
Ewald verzog das Gesicht, grinste böse. In seinen Augen schimmerte es, als hätten Eiskörner ihren Platz dort gefunden. Ewald ballte seine dicht behaarten Hände zu Fäusten, dass die Knöchel scharf hervortraten. Diese Hände hatten getötet, und es hatte ihm gutgetan. Sollten sie denn bald Gitterstäbe umklammern?
Der Hausmeister stöhnte auf, als er daran dachte. Nein, das wollte er nicht. Auf keinen Fall sollten sie ihn fangen. Alle anderen ja, nur nicht ihn.
Noch trauten sie sich nicht in seine Nähe. Sie wussten ja um seine Geisel. Er kicherte, als er daran dachte. Dieses Leben passte überhaupt nicht zu dem Mann mit der mächtigen Gestalt. Manche beschrieben ihn auch als vierschrötig. Sein blondes Haar lag dünn auf dem ziemlich flachen Kopf. Eine breite Stirn, blaue Augen, blasse Brauen bildeten Bögen darüber, eine kleine Nase, deren Flügel zu den Seiten hin abstanden, und ein kurzes, aber kräftiges Kinn.
Dazu der muskulöse Körper, dessen Masse nicht so stark auffiel, weil Ewald als Hausmeister oft einen Overall trug. Viele Schüler hatten ihn nie in einer anderen Kluft gesehen. Er hatte es auch verstanden, das Vertrauen der Jungen und Mädchen zu wecken. Welch eine Bestie sich hinter dieser zumeist freundlichen Fassade verbarg, das war den meisten – auch den Erwachsenen – entgangen.
Jetzt aber waren die Taten aufgeklärt, und Ewald würde aus dieser Falle nicht mehr entwischen.
Dinah weinte wieder.
Diesmal machte es ihn wütend. Er ließ den Rand der Gardine los, sie schwang wieder zurück, er drehte sich um und schaute das blonde Mädchen böse an. »Halt dein Maul, verdammt!«
Die Kleine saß auf einem Stuhl. Sie war an das Möbelstück gefesselt. Die dicken Stricke umgaben ihren Körper wie erstarrte Schlangen. Das Gesicht war verquollen, Flecken zeichneten sich auf den ansonsten blassen Wangen ab, die Nase lief. Immer wieder leckte Dinah die Tropfen mit der Zungenspitze weg.
»Lass mich laufen – bitte.«
»Nein!«
»Was habe ich dir getan?«
Ewald ging zwei Schritte vor. Seine Gestalt nahm das Blickfeld des Mädchens ein. Er wirkte plötzlich wie ein mächtiger Riese, der das gesamte Zimmer ausfüllte und Dinah im nächsten Augenblick erdrücken konnte. Sie spürte die Angst, sie hätte am liebsten geschrien, das wiederum traute sie sich nicht.
Trotz ihrer jungen Jahre wusste sie, dass Schreckliches geschehen war. Man hatte in der Schule von den Taten gesprochen, es hatte auch immer wieder in den Zeitungen gestanden, aber in Dinahs Alter setzte man sich nicht mit dem Tod auseinander.
Aus der Tiefe drang die scharfe Stimme zu ihm hoch. Sie war durch einen Lautsprecher verstärkt worden und schien an der Außenwand des Hauses in die Höhe zu kriechen. »Ihre letzte Chance! Kommen Sie raus! Geben Sie das Kind frei!«
Ewald lachte. Was sich diese miesen Typen überhaupt einbildeten! Das kam überhaupt nicht infrage. Nichts würde er freigeben, gar nichts. Weder das Mädchen noch sich selbst. Er reagierte auf seine Art. In der Ecke neben dem Waschbecken des Dachzimmers hatte er seine Waffe abgestellt. Es war eine doppelläufige Schrotflinte. Es hatte ihn Mühe gekostet, sie zu besorgen, denn er hatte sich auf ein bestimmtes Modell festgelegt, und er hatte dessen Läufe verkürzt, um die Streuwirkung der Waffe noch zu erhöhen. Wer ihm an den Kragen wollte, würde es mit ihm zu tun bekommen. Es lag genügend Munition bereit, um einige Bullen in die Hölle zu schicken, eingehüllt in Rauch und Feuer und von der Ladung zerrissen. Nichts würde er sich gefallen lassen, gar nichts.
Beide Läufe waren geladen. Die restlichen Patronen fanden in den Taschen seines Overalls Platz, und ein scharfes Grinsen zeichnete sein Gesicht.
Neben Dinah blieb er stehen.
Die Kleine hatte den Kopf gedreht und schielte zu ihm hoch. Seine Augen sahen aus wie kalte Teiche, als er auf das Mädchen hinabschaute. Er kannte keinen Pardon. Dinah sah es und fing an zu zittern. Ihre Lippen bebten, sie rechnete mit dem Schlimmsten, doch Ewald schüttelte den Kopf. »Noch nicht, Kleine, du musst noch etwas Geduld haben. Irgendwann kommt der Onkel auch zu dir.« Wieder kicherte er und streichelte die Wange des Mädchens. Allerdings mit den Mündungen der Schrotflinte.
Dann ging er wieder zurück. Sein Platz war das Fenster, denn er konnte sich vorstellen, dass es die Bullen auch an der Außenseite des Hauses versuchten. Sie waren nicht zu unterschätzen, hatten auch ihre Erfahrungen sammeln können, doch bei ihm würden sie auf Granit beißen. Er konnte es hier wochenlang aushalten. Das Mädchen war ein perfektes Druckmittel. Um es zu retten, würden sie alles tun. Ihm Proviant und Waffen bringen, vor ihm auf den Knien liegen, obwohl sie ihn am liebsten mit Kugeln durchlöchert hätten.
Er lachte leise. Er freute sich. Es war eine gefährliche und diebische Freude. Mit einer Hand überprüfte er die Fesseln des Mädchens und fand sie in Ordnung.
»Warum lassen Sie mich denn nicht frei?« jammerte Dinah. »Warum kann ich denn nicht gehen …?«
Er beugte sich tiefer. »Weil du zur mir gehörst, verstehst du? Du bist mein, ich bestimme, wann ich dich freilasse und wann nicht. Wenn die da draußen alles tun, was ich will, dann können wir darüber reden. Solange das nicht geschehen ist, bleibst du bei mir hier im Zimmer.« Er lachte und strich über die kurzen Läufe seiner Schrotflinte. Sie zeigten gegen die Decke, als er wieder auf das Fenster zuging und vorsichtig nach draußen spähte.
Dort unten hatte sich nichts verändert. Er sah noch einen Streifen des Schulhofs, dann die Mauer, die wie ein Dach gebaut worden war und den gesamten Komplex einfriedete, aber er sah nicht mehr den fließenden Verkehr. Die Straße war von den Bullen abgesperrt worden. Das hätte er auch getan, aber über derartige Kleinigkeiten regte sich Ewald nicht mehr auf. Er wartete.
In ungefähr zwei Stunden würde es dunkel sein. Er fragte sich, ob die Bullen so lange warteten oder schon vorher angriffen. Es war vorstellbar, dass sie die Zeit verstreichen lassen würden, um sich im Schutz der Nacht näher heranzuschleichen.
Das musste er durchstehen. Er durfte nicht müde werden, und in seinem kranken Hirn entwickelte sich ein Plan. Es war am besten, wenn er einen von ihnen zu packen bekam und tötete. Dann waren sie erst einmal geschockt und ließen ihn in Ruhe. Ewald wusste auch nicht, aus welcher Richtung sie angreifen würden. Er konnte sich vorstellen, dass sie auch über das Dach kamen. Unter dem Dach lag seine Hausmeisterwohnung.
Über die Straße huschten zwei Männer. Sie trugen Kampfanzüge, waren schwer bewaffnet und fanden hinter zwei Bäumen auf der anderen Seite Deckung.
Ewald grinste kalt. Es waren zwei oder fünf Männer, ihm war es egal. Er konnte darüber nur lachen. Sie würden alles versuchen, aber sie würden reinfallen, das stand fest.
Er war besser als sie, und er hatte Zeit. Er würde es ihnen zeigen, und er freute sich schon auf das Blut …
*
»Don, nehmen Sie es mir bitte nicht übel, aber es ist besser, wenn Sie von hier verschwinden. Das meine ich ernst!«
Don Cavendish schaute den Sprecher an. Es war Captain Murdock, der Einsatzleiter, der ihm diese beschwörenden Worte gesagt hatte und ihn auch jetzt bittend anschaute. Damit biss er bei Cavendish auf Granit. Da konnte Murdock noch so viel reden, er würde sich von seinem Plan nicht abbringen lassen.
»Nein, Murdock, nein. Ich verschwinde nicht. Ich gehöre hierher, das wissen Sie.«
»Aber Dinah ist …« »Sie ist meine Tochter. Und dieses Schwein hält sie als Geisel fest. Sie ist in diese Schule gegangen, in dem eine menschliche Bestie das Kommando geführt hat. Er hat Schlimmes getan, er hat die Kinder gequält, er hat sie …« Dons Stimme erstickte. »Verdammt, ich will nicht mehr darüber reden, aber ich muss es tun.«
»Überlassen Sie das uns. Sie kennen das Geschäft.«
»Ja, Murdock, ja, ich kenne es. Und gerade weil ich es kenne, ist es besser, wenn ich meinen eigenen Weg gehe.«
»Allein.«
»Dabei bleibt es.«
»Das kann ich nicht verantworten.«
»Geben Sie mir eine halbe Stunde, mehr nicht.«
Murdock holte gequält Luft. »Verdammt, Sie wissen selbst, welches Risiko Sie da auf sich nehmen. Nicht allein für sich, sondern auch für Dinah, Ihre Tochter. Dieser Hausmeister ist eine Bestie, das haben Sie gesagt. Er wird sie töten. Und wollen Sie das dann auf Ihre eigene Kappe nehmen. Wollen Sie den Tod Ihrer Tochter verschuldet haben?«
»Nein, das will ich nicht.«
»Dann bleiben Sie bei uns.«
Don Cavendish...
| Erscheint lt. Verlag | 9.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3528-5 / 3838735285 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3528-3 / 9783838735283 |
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