John Sinclair 795 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3525-2 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Vater, Mutter, Satanskind (2. Teil).
Hinter mir lag eine ungewöhnliche Reise von einer Dimension in eine andere. Ich war in einer nicht begreiflichen Fremde gelandet und befand mich auf einer kleinen Felseninsel, gegen die die Wassermassen schäumten. Die Dimensionsreise hatte ich freiwillig unternommen, um endlich einen roten Faden zu finden, der mich den Fall aufrollen ließ.
Ich stand da und empfand Neugierde.
Es war für mich fremd und doch so bekannt, denn dieses Bild hatte ich gesehen, als ich am Rand des Fahrstuhlschachts hing und in die Tiefe geschaut hatte.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Vater, Mutter, Satanskind (2. Teil)
Hinter mir lag eine ungewöhnliche Reise von einer Dimension in eine andere. Ich war in einer nicht begreiflichen Fremde gelandet und befand mich auf einer kleinen Felseninsel, gegen die die Wassermassen schäumten. Die Dimensionsreise hatte ich freiwillig unternommen, um endlich einen roten Faden zu finden, der mich den Fall aufrollen ließ.
Ich stand da und empfand Neugierde.
Es war für mich fremd und doch so bekannt, denn dieses Bild hatte ich gesehen, als ich am Rand des Fahrstuhlschachts hing und in die Tiefe geschaut hatte.
Nichts hatte sich hier verändert. Noch immer saßen die beiden Nackten auf dem Gestein.
Die Frau hockte vor dem Mann. Ihre Haltung wirkte auf mich unnatürlich, weil sie den Kopf nach links gedreht hatte, um den hinter ihr sitzenden Mann anschauen zu können. Das rechte Bein halb ausgestreckt, das linke angewinkelt, die Arme ausgebreitet und einen sehr traurigen Ausdruck im Gesicht.
Der Mann hinter ihr kniete mehr, als dass er saß. Da er den Körper der Frau nicht umfasste, konnte ich seiner Haltung auch nichts Beschützendes abgewinnen. Beide wirkten so unnatürlich, als hätten sie ihren Platz auf einer Bühne gefunden, wo sie dann in einer bestimmten Tanzpose erstarrt waren.
Mich, den Eindringling in ihr Refugium, hatten sie noch nicht bemerkt. Vielleicht wollten sie mich auch nicht sehen, wer konnte das schon wissen?
Zudem unternahm ich auch nichts, um mich bemerkbar zu machen. Ich sprach sie nicht an, ich hüstelte nicht einmal, und als ich mich auf sie zubewegte, achtete ich darauf, so gut wie kein Geräusch zu verursachen. Nicht, dass ich sie erschrecken wollte, sie sollten aber auch merken, dass ich ihnen nicht als Feind gegenüberstand.
So klein die Insel auch war, für mich war das Gelände schwierig zu begehen. Der gesamte Aufbau kam mir vor wie hochkant stehende Eissplitter und glatte Flächen, einen sicheren Tritt konnte ich jedenfalls nicht finden.
Und so näherte ich mich mehr balancierend dem Paar, wobei ich hin und wieder die Arme ausstreckte, um das Gleichgewicht zu halten. Ich näherte mich ihnen vor der Seite her. Die Frau zumindest hätte mich jetzt sehen müssen.
Sie kümmerte sich nicht darum. Beide Menschen hatten sich der steinigen Formation der Insel angeglichen, als wollten sie dort Schutz suchen.
Noch etwas fiel mir auf.
Die Frau trug ein durchsichtiges Etwas, vergleichbar mit einem Schleier oder einer dünnen Gardine. Und der Mann hatte über seine Beine eine Hose gestreift, deren Stoff sich kaum von der Umgebung abhob. Er trug allerdings keine Schuhe.
Warum hatte ich die beiden in dem Fahrstuhlschacht als Projektion zu Gesicht bekommen. Ich hatte mich zusammen mit dem deutschen Kommissar Harry Stahl in einem alten Hotel aus der Jugendzeit an der deutsch-tschechischen Grenze aufgehalten, und wir waren die einzigen Gäste in dem schon seit Jahrzehnten leer stehenden Hotel gewesen. Das heißt, die einzigen normalen oder lebenden Gäste. Was sonst noch um uns herum existiert hatte, verdiente diese Bezeichnung nicht. Das war gespenstisch, grauenvoll und höllisch gewesen.
Nun aber stand ich in dieser Welt.
Ich hatte sie durch das helle Tor einer Hotelwand betreten und war dabei nur einem blondgelockten Mädchen gefolgt, das vor mir den Weg gegangen war.
Nun, das Mädchen war verschwunden, stattdessen hatte ich mich auf dieser Insel wiedergefunden.
Ich war inzwischen so nahe an das Paar herangekommen, dass sie auch mein Flüstern gehört hatten, und ich kam mir etwas dumm vor, als ich sie mit leisen Worten ansprach, die in das dämmrige Licht hineinglitten: »Bitte, ich möchte Sie nicht erschrecken, aber ich will Ihnen sagen, dass ich nicht als Feind gekommen bin.«
Sie rührten sich nicht.
Ich spürte, wie das Blut in meinen Kopf stieg und dort einen gewissen Druck ausbreitete. Hatten mich die beiden überhaupt verstanden? Sie mussten Menschen sein, davon ging ich einmal aus, aber es war nicht natürlich, dass sie auch begriffen, was ich sagte.
Alles war hier anders, selbst das Licht, das bläulich und grün schimmerte und sich vom Himmel aus über das Wasser und die kleine Insel verteilte. Ich hatte mir den Kopf darüber zerbrochen, in welch einer Welt ich möglicherweise gelandet sein konnte, und mir war dabei der Begriff Aibon eingefallen.
Ja, es konnte durchaus sein, dass mich dieses geheimnisvolle Reich zu sich geholt hatte.
Es war still geworden. Selbst das Rauschen der Brandung hatte sich zurückgezogen, als wollte es diese neue Idylle nicht stören. Beide mussten mich einfach hören, aber sie reagierten noch immer nicht. Sollte ich noch näher an sie herantreten? Oder waren sie taub?
Nein, ich blieb stehen, aber ich redete wieder mit ihnen und stellte eine bestimmte Frage: »Wo, bitte, ist das Kind geblieben, das ich verfolgt habe?«
Ob Zufall oder nicht, das war mir egal. Jedenfalls hatte ich genau die richtigen Worte gesprochen, und es war die Frau, die als Erste reagierte. Durch ihren Körper ging ein Ruck. Ich glaubte auch zu sehen, wie sie tief Luft holte. Ein leises Stöhnen drang aus ihrem Mund. Sie kam mir vor wie eine Person, die aus einem langen und tiefen Schlaf erwacht war.
Sie brauchte den Kopf nur anzuheben und die Augen zu öffnen, um mich anzusehen.
Ich stellte fest, dass sie sehr schöne, dunkle Augen hatte. In den Pupillen lag ein rätselhaftes Schimmern, und den Mund schmückte ein Lächeln.
Für mich war dies ein positives Zeichen. Also lächelte ich zurück und konzentrierte mich dann auf die männliche Person, weil ich auch von ihr eine Reaktion erwartete. Bei ihm tat sich nichts. Er veränderte seine Haltung nicht.
»Das Kind?«
Mir fiel ein Stein vom Herzen. Die Frau hatte mich verstanden. Sie redete in meiner Sprache. Oder bildete ich mir das ein? War die Welt außerhalb unserer Dimension so geartet, dass hier jeder jeden verstehen konnte, obwohl unermeßliche Weiten Trennungen bildeten?
Ich nickte ihr zu. »Ja, das Kind. Es ist verschwunden, ich bin ihm nachgeeilt.«
»Unser Kind!«
Diesmal erstarrte auch ich, weil ich mit dieser Antwort nicht gerechnet hatte. Etwas rieselte in meinem Innern von oben nach unten, und ich fragte mich, ob ich Glück gehabt hatte oder alles einer Fügung verdankte.
»Ja, euer Kind«, flüsterte ich.
»Wo ist es?«
Ich hob die Schultern. »Es tut mir sehr leid, aber ich habe es verloren. Ich bin ihm gefolgt, und es hätte eigentlich hier sein müssen, aber es ist woanders. Ich habe wirklich keine Ahnung …« Die Stimme versagte mir, weil ich plötzlich das Wasser in den Augen der Frau sah. Sie fing an zu weinen, und es war ein Weinen der Trauer. Dabei senkte sie den Kopf, um ihn gegen die Schulter des Mannes zu lehnen, der endlich aus seiner Starre erwachte und beide Arme um ihre Hüfte legte. Dabei brachte er seine Lippen dicht an ihr Ohr, flüsterte ihr etwas zu, das ich jedoch nicht verstehen konnte.
Es war nicht zu erkennen, ob die Frau zuhörte oder nicht, jedenfalls weinte sie weiter, schüttelte schließlich den Kopf, stöhnte auf und wischte die Tränen ab.
Von nun an sah ich auch die Blicke des Mannes auf mich gerichtet. Er hatte ebenso schwarzes Haar wie die Frau, ein markantes Gesicht mit schmalen Lippen und dunklen Augen. Beide erschienen mir wie Bruder und Schwester.
Aber hätten Sie dann ein Kind gehabt?
»Wer bist du«? fragte mich der Mann.
»Ich heiße John Sinclair.«
Er nickte nur.
Ich wollte mehr wissen und fragte deshalb: »Habt ihr auch Namen?«
»Ja«, sagte der Mann. »Ich heiße Darius.« Dann ließ er die Hände über die Schultern seiner Frau gleiten. »Das ist Delia, und unsere Tochter heißt Pamela.«
Irgendwo war ich froh, mehr zu wissen. Ich hatte beinahe schon den Glauben an gewisse Dinge verloren, und es gelang mir sogar, mich für einen Moment zu entspannen.
Das Nennen der Namen hatte der Atmosphäre etwas von ihrer Unpersönlichkeit und Fremdheit genommen. Zudem waren die Worte nicht feindlich ausgestoßen worden. Ich hatte das Interesse der beiden erweckt, denn sie schauten mich auffordernd an, wobei ich instinktiv wusste, dass ich ihnen nicht helfen konnte, welche Forderung oder Frage sie auch immer an mich stellten.
»Du hast Pamela gesehen, nicht wahr?«
»Sicher, das habe ich.«
»Wo war es?«
»In meiner Welt …«
Darius schien meinen Worten nachzulauschen. Sein und auch das Gesicht seiner Frau veränderten sich dabei, als würden sie überlegen, welche Welt das wohl sein könnte. Eine Welt, die sie kannten, aber längst vergessen hatten. Das alles spielte sich in meiner Fantasie ab, wobei ich gleichzeitig dachte, dass aus dieser Fantasie sehr wohl Realität werden konnte.
»Deine Welt war auch mal die unsere.«
Na also, da hatte ich es. Über meine Lippen huschte ein Lächeln. So kamen wir uns allmählich näher. »Aber ihr habt eure Welt verlassen und lebt hier. Es kommt mir vor, als hätte man euch verstoßen, als wärt ihr zu Gefangenen geworden …«
Beide schauten sich nach meiner Vermutung an, und ich sah das Einverständnis in ihren Augen, was mir wiederum guttat und weiterhalf. »Ihr seid also Gefangene?«
»Nicht direkt«, flüsterte Delia und schaute dabei zu Boden. »Wir sind Ausgestoßene, wir sind Verfemte …«
»Aus meiner oder aus eurer Welt?« fragte ich nach.
»Das nicht«, murmelte Darius. »Es ist eine andere Welt gewesen, und kaum jemand kennt sie. Aber ich will dir ihren Namen nennen, vielleicht bist du eine Ausnahme.«
»Lass mich raten.«
Erstaunt schaute er mich an....
| Erscheint lt. Verlag | 9.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3525-0 / 3838735250 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3525-2 / 9783838735252 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich