John Sinclair 765 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3495-8 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Todesangst und Leichenmoder.
War es die Kälte des Todes, die mich anwehte, oder warum fror ich in dieser schwülen Sommernacht? Es konnte auch an der Umgebung liegen, denn ich befand mich auf einem alten Friedhof und saß mutterseelenallein auf einer Bank.
Nett, nicht?
Vielleicht halten mich einige Leser für verrückt, total übergeschnappt oder für einen, der nicht mehr abschalten kann und sich zur Schlafenszeit auf Totenackern herumtreibt, um seinem Kampfnamen Geisterjäger alle Ehre zu machen.
So ganz von der Hand zu weisen wäre dies nicht gewesen, schließlich befand ich mich schon seit Jahren im Kampfstress gegen irgendwelche übernatürlichen Erscheinungen, aber dass ich zu dieser Zeit auf dem Friedhof hockte und unter mir die harten Bretter einer schlichten Bank spürte, hatte einen anderen Grund.
Ich war verabredet!
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Todesangst und Leichenmoder
Mabel Horman verließ den Fahrstuhl, betrat die Tiefgarage und wusste sofort, dass etwas nicht stimmte.
Zwar sah alles aus wie sonst – das trübe Licht brannte, die Fahrzeuge standen dicht an dicht, und doch war etwas anders.
Sie konnte es selbst nicht erklären, es lag auch nicht daran, dass ihr Schritt stockte, weil sie vor sich eine Öllache entdeckt hatte. In dieser Tiefgarage hatte sich die Atmosphäre verändert! Sie war tatsächlich anders geworden, viel bedrohlicher, sogar unheimlicher. Als würden zwischen den Autos gefährliche Schatten lauern, die nur darauf warteten, sich auf sie stürzen zu können.
Mabel atmete tief durch, obwohl die Luft schlecht war. Sie versuchte, ihre Angst zu vergessen, was sie nicht schaffte. Immer wieder kamen ihr die Berichte in den Sinn, die sich in letzter Zeit gehäuft hatten. Da war von überfallenen und vergewaltigten Frauen in Tiefgaragen und einsamen Orten die Rede gewesen, und gerade die Garagen hatten sich oft als tödliche Fallen erwiesen.
Schweiß rann über ihren Rücken. Nur ein einziger Tropfen, der aber in einer langen, kühlen Bahn. Es kam ihr vor, als wäre eine kalte Messerspitze dabei, den Weg nachzuzeichnen, und abermals musste sie sich schütteln. Das war nicht normal, auch nicht der trockene Mund.
Noch immer stand sie auf dem Fleck und schaute sich um.
Es war niemand zu sehen.
Sie hörte auch keine Schritte.
Nur weit vor ihr klang ein dumpfes Geräusch auf. Wahrscheinlich war dort eine Tür zugefallen, mehr war nicht geschehen.
Danach war es wieder so still, dass sie nur ihren eigenen Atem hörte. Natürlich ärgerte sich Mabel darüber, dass sie ihren Wagen nicht vorn, nahe der Kasse und der Auffahrt, abgestellt hatte, aber die Zeit hatte wieder einmal gedrückt, der Termin ließ sich nicht aufschieben, so war das eine zum anderen gekommen, und nun hatte sie allein die Folgen zu tragen.
Quatsch, Unsinn! redete sie sich ein. Hier ist keine Nacht, sondern Mittagszeit oder früher Nachmittag. Da wird schon niemand kommen und dich überfallen.
Andererseits geschehen die Überfälle auch tagsüber, das jedenfalls hatte in den Zeitungen gestanden.
Mabel Horman war ziemlich groß, deshalb konnte sie auch auf hochhackige Schuhe verzichten. Zu den grünen Leggins hatte sie die weichen und sehr bequemen Wildledertreter angezogen, in denen sie sich lautlos bewegen konnte. Sie waren flach und auch so bequem wie Pantoffeln.
Mabel schaute an sich herab. Mit Bedauern stellte sie fest, dass Leggins nur noch diesen Sommer »in« waren. Ab Herbst waren sie so out wie echte Pelzmäntel. Schade, denn bei ihrer Figur hatte sie die dünnen Dinger gut tragen können.
Mabel musste es wissen. Schließlich war sie Model und arbeitete in der Modebranche.
Komisch, welche Gedanken einem durch den Kopf zucken, dachte sie. Dabei hatte ich vorhin schreckliche Angst gehabt. Die kehrte wieder zurück, als Mabel sich endlich dazu entschlossen hatte, zu ihrem kleinen Renault Clio zu gehen, der im Schatten einer Wand abgestellt war. Die Wand war früher einmal hell gewesen. Das hatte sich im Laufe der Zeit verändert. Jetzt war sie nur mehr grau und mit zahlreichen Figuren oder Sprüchen besprayt worden.
Mabel ging auf Nummer Sicher. Mit einer fahrigen Bewegung strich sie die blonde Löwenmähne zurück, die noch immer nach dem Spray des Hair Stylisten duftete, und wandte sich dann nach rechts, um den breiten Mittelgang zu nehmen, denn hier erschien ihr die Gefahr eines Überfalls am geringsten.
Sie huschte lautlos weiter. Die Sohlen waren weich wie Butter. Kein Geräusch war zu hören. Ihre Lippen waren trocken und spröde geworden. Lag es vielleicht auch an ihrer verfluchten Angst?
Sie schüttelte den Kopf, hatte den breiten Mittelgang durchschritten und musste sich nun nach links wenden, dem anderen und auch dunklerem Teil des Parkhauses zu.
Sie hatte plötzlich das Gefühl, als würde ihr dieser regelrecht entgegengähnen. Die dort stehenden Fahrzeuge verschwanden in einem unheilvollen Dämmer, das sich wie ein Schatten über die Dächer der Fahrzeuge gelegt hatte.
Plötzlich fror sie …
Aber sie ging weiter. Zögernder, immer wieder den Atem anhaltend. Manchmal drehte sie sich auch blitzschnell um, sah dann keinen Menschen und schüttelte den Kopf, weil sie sich sagte, dass sie sich kindisch benahm. Ja, einfach kindisch.
Mabel überlegte.
War es nun die dritte oder vierte Reihe an der linken Seite, die sie nehmen musste?
Sie zählte ab, blieb an der Dritten stehen und schaute hinein. Ihr Wagen war nicht zu sehen. Sie wusste nur, dass er ziemlich weit hinten stand, also ging sie die dritte Reihe noch einmal mit stark klopfendem Herzen durch. Und wie ihr Herz klopfte! Jeder Schlag schien mit einem kleinen Hammer geführt worden zu sein, und nach jedem Schritt schwitzte sie mehr. Wieder fuhr sie mit der Zunge die Umrisse der spröde gewordenen Lippen nach. Zugleich versuchte sie, sich aufzuheitern und sagte sich, dass sie den größten Teil der Strecke bereits hinter sich gelassen hatte und nichts passiert war.
Sie schaute zur Decke.
Wie ein glatter, ihr drohender Himmel spannte sie sich über ihrem Kopf. Unwillkürlich drückte sie die Schultern nach oben und zog den Kopf ein.
Keine Decke fiel auf sie herab. Nicht ein Stück Kalk löste sich aus dem Verbund. Es lauerte auch kein Killer in der Nähe und auch kein Vergewaltiger.
Immer wieder blickte sie nach links – und schimpfte, weil sie die falsche Reihe erwischt hatte.
Mabel Horman blieb stehen und drehte sich nach rechts. Mit wenigen Schritten hatte sie eine Lücke durchquert und atmete auf, als sie ihren hellen Clio sah.
Niemand hielt sich in der Nähe auf. Mabel war allein.
Zischend atmete sie auf. »Ich bin eine dumme Ziege«, flüsterte sie, und lasse mich allzu leicht ins Bockshorn jagen …«
Sie schüttelte den Kopf, jetzt konnte sie sogar lachen. Es klang in der Garage so laut, dass Mabel erschrak.
Sie hatte das Heck des Wagens noch nicht erreicht, da hielt sie bereits den Zündschlüssel in der Hand. So schnell wie möglich wollte sie dieses düstere Parkhaus verlassen. Der Platz an der rechten Seite war ziemlich eng. Sie musste sich durch die Lücke quälen. Da hatte ein Jaguar-Fahrer geparkt wie ein Anfänger.
Steif sah es aus, als sie sich vorbeugte, um den Schlüssel ins Loch zu stecken.
In diesem Augenblick entdeckte sie den Zettel!
Zuerst erschrak sie, dann glitt ein Lächeln über ihre Lippen. Wer ihr einen Zettel unter den Wischer geklemmt hatte, konnte keine schlechten Absichten hegen.
Normalerweise …
Sie betätigte die Scheibenwischer und schnappte mit spitzen Fingern nach dem Papier. Es war etwas feucht geworden und fühlte sich klebrig an.
Das Licht reichte aus, um die Nachricht lesen zu können. Nur auf einer Seite war das weiße Blatt Papier beschrieben worden.
Mabel Horman las laut – und verlor schlagartig die Gesichtsfarbe. Es war eine Provokation, was man ihr da geschrieben hatte. Die einzelnen Worte flimmerten vor ihren Augen.
»Du bist ein schlechtes Mädchen. Eine miese, dreckige Nutte …«
*
Sofort kehrte die Angst wieder zurück. Sie war da, sie schnitt wie die breite Klinge eines Schwertes durch ihren Körper und ließ ihn erzittern.
Also doch, es hatte gestimmt. Ihre Furcht war nicht grundlos gewesen. Etwas Unsichtbares hatte sich um sie herum aufgebaut, eine Schlinge gebildet, die sich nun immer enger zog und ihr kurzerhand die Luft abschnürte.
Hand und Zettel zitterten, als pulsierten Stromstöße durch ihren Körper. Auf ihrer Stirn lag der Schweiß plötzlich viel dicker als zuvor. Sie nahm diese Warnung nicht auf die leichte Schulter, ein Gefühl sagte ihr, dass es dem Schreiber ernst gewesen war.
Wer war ihr da auf den Fersen? Wer hatte sie sich ausgesucht? Wer aus dem Team?
In Windeseile huschten die Bilder ihrer Kollegen und Kolleginnen vor ihrem geistigen Auge ab. Die Chefin, der Fotograf, der Choreograf, der Assistent, die Standfotografen, dann die Kolleginnen, die mit ihr zusammen die Fotos machten oder sich über die Laufstege bei Modeschauen bewegten. Sie hatten auch vor, mit einer Rockgruppe ein Video zu produzieren, wenn die großen Laufsteg-Shows einmal vorbei waren. Aber das gehörte nicht hierher, sie mochte ihre eigenen Erinnerungen nicht. Nein, nicht in dieser Umwelt, in den Ausdünstungen und der miesen Luft einer alten Tiefgarage in der Londoner City.
Dabei brauchte sie sich nur in den Wagen zu setzen, zu starten und wegzufahren.
Ganz einfach war das.
Warum tat sie es nicht? Warum stand sie noch hier und zitterte wie ein kleines Kind vor dem Nikolaus?
Mabel wusste es selbst nicht, und es fiel ihr verdammt schwer, sich zusammenzureißen.
Plötzlich hasste sie den verdammten Zettel. Sie knüllte ihn zusammen und warf ihn zu Boden. Sollte er dort liegen bleiben und verfaulen, es war ihr egal.
Jetzt konnte es nur eines geben. So schnell wie möglich von hier verschwinden. Mabel freute sich darüber, dass sie es schon beim ersten Versuch schaffte, den flachen Schlüssel in das Schloss zu drücken. Also hielt sich ihre Nervosität in Grenzen.
Eine Drehung, der Knopf innen schnellte hoch, der Wagen war offen, sie konnte einsteigen.
Da hörte sie die Schritte!
Hinter ihr und verdammt nah.
Es waren Schritte, wie man sie eigentlich nicht mögen konnte. So leise, hinterrücks und schleichend, als hätte der Ankömmling etwas Schreckliches im Sinn.
Diesmal hatte sie das Gefühl, als wäre eine kalte Hand über ihren Rücken...
| Erscheint lt. Verlag | 9.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3495-5 / 3838734955 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3495-8 / 9783838734958 |
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