John Sinclair 733 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3463-7 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990-1999!
Ort des Schreckens (1. Teil).
Die Zuschauer hielten den Atem an.
Einige von ihnen wussten, was geschah. Sie waren gekommen, um es immer und immer wieder zu sehen, weil es einfach phänomenal und unglaublich war.
Leichter Trommelwirbel durchbrach das angespannte Schweigen. Die Bühne war dunkel, bis auf eine bestimmte Stelle in der Mitte. Dort trafen sich die Strahlen von drei Lampen aus verschiedenen Richtungen und bildeten einen hellen Kreis.
Der Star hieß Hugo Westlake, was zwar ein normaler Name war, aber nicht für den Beruf, den er ausübte. Er war Illusionist und hatte sich deshalb ein Pseudonym zugelegt. Seine Fans kannten ihn unter dem Namen Mister Mirakel. Es hieß so viel wie Rätsel, die unvorhergesehenen Dinge, mit denen Mirakel die Zuschauer schockte und sie gleichzeitig in seinen Ban zog. Wo Mister Mirakel auftrat, war der Ort des Schreckens!
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Ort des Schreckens (1. Teil)
Die Zuschauer hielten den Atem an!
Einige von ihnen wussten, was geschah. Sie waren gekommen, um es immer und immer wieder zu sehen, weil es einfach phänomenal und unglaublich war.
Leichter Trommelwirbel durchbrach das angespannte Schweigen. Die Bühne war dunkel, bis auf eine bestimmte Stelle in der Mitte. Gegen sie warfen drei Lampen aus verschiedenen Richtungen ihr Licht und bildeten in der Mitte einen hellen Kreis.
Der Star hieß Hugo Westlake, was zwar ein normaler Name war, aber nicht brauchbar für den Beruf, den er ausübte. Er war Illusionist und hatte sich deshalb ein Pseudonym zugelegt. Seine Fans kannten ihn unter dem Namen Mister Mirakel. Es hieß soviel wie Rätsel, und es waren gerade die Rätsel, die unvorhergesehenen Dinge, mit denen Mirakel die Zuschauer schockte und sie gleichzeitig in seinem Bann hielt.
Wenn er auftrat, brauchte er sich keine Sorgen zu machen. Seine Vorstellungen waren immer ausverkauft.
Mister Mirakel hatte schon überall auf der Welt gastiert. Tourneen hatten ihm wahre Triumphe eingefahren. Er kannte die fünf Erdteile, und er war überall mit großem Beifall aufgenommen worden. Es ging ihm gut, es war super, er ließ sich feiern, er brauchte den Applaus wie ein Süchtiger die Droge.
Jetzt war er wieder in London!
Ein Reporter hatte ihn mal nach seiner Nationalität gefragt, doch er hatte nur gelacht.
»Ich bin alles. Vor allen Dingen aber Bürger dieser wunderbaren und geheimnisvollen Welt.«
So hatte die Antwort gelautet, und sie war nicht einmal falsch gewesen.
Westlake ließ sich Zeit. Er stand hinter der Bühne und beobachtete sie durch einen Schlitz im Vorhang. Nicht weit entfernt hielt sich der Direktor des Theaters auf, ein Mann, der verzweifelt versuchte, hinter die Tricks des Illusionisten zu kommen, es aber nicht geschafft hatte. Auf entsprechende Fragen hatte ihm der Mann nur mit einem geheimnisvollen Lächeln geantwortet.
Auch jetzt sprach der Direktor ihn an, obwohl er wusste, dass es Mirakel nicht gern hatte. »Geht alles klar?«
Westlake nickte nur.
»Brauchen Sie noch etwas?«
»Nein.«
»Dann ziehe ich mich jetzt zurück.«
»Darum möchte ich Sie auch bitten.«
Der Direktor verschwand, ohne einen Kommentar abzugeben. Wieder einmal ärgerte er sich, dass man ihn hatte so abfahren lassen, und er nahm sich vor, heute besonders gut aufzupassen. Es musste ihm einfach gelingen, herauszufinden, wie dieser Kerl das schaffte.
Die Bühne war nicht leer. Hugo Westlake hielt sich bewusst zurück, damit die Performance auf der Bühne ihren Eindruck nicht verfehlte. Er wollte sie auf die Zuschauer im Theater wirken lassen, sie sollten sich an das Bild gewöhnen, das sich im Zentrum des großen Lichtkegels befand.
Dort befand sich sein Medium!
Es war die berühmte schwebende Jungfrau, die er bereits hypnotisiert hatte und die nun in Brusthöhe eines ausgewachsenen Menschen über dem Bühnenboden lag.
Sie lag, und sie schwebte zugleich.
Ein Phänomen, das mit Staunen beobachtet worden war, das aber nur das Vorspiel zu gewaltigeren Dingen sein sollte, auf die Westlake sich vorbereitete.
Er hatte alles getan, was ein normaler Illusionist auch tat. Er hatte Susan Carter hingelegt, sie hypnotisiert, die Unterlage verschwinden und Susan schweben lassen.
Dann war er gegangen.
Natürlich mit wohlgesetzten Worten, denn er hatte den Zuschauern erklärt, dass er zunächst in sich gehen müsse, um Großes vollbringen zu können.
Für einen Moment lächelte er, als er an die gespannte Ruhe dachte, die alle Menschen erfasst hatte. Jeder wusste, dass bald etwas geschehen würde, viele hatten es schon gesehen, aber es blieb trotzdem ein unfassbares Phänomen.
Hin und wieder hörte er ein Hüsteln, jemand schneuzte seine Nase, Flüstern, doch die Spannung lag fühlbar über den Zuschauern. Im Theater war die Luft nicht gut. Draußen herrschte feuchtwarmes Winterwetter, zahlreiche Zuschauer schwitzten. Der Geruch von Schweiß und Parfüm mischte sich zusammen. Er trieb als unsichtbarer Dunst über die Köpfe der Zuschauer hinweg.
Susan Carter war eine hübsche Person mit guter Figur. Er hatte sie aus einer der zahlreichen privaten Mannequinschulen wegengagiert, und sie hatte sofort zugestimmt, denn sie wollte unbedingt berühmt werden und ins Licht der Öffentlichkeit gelangen.
Jetzt lag sie im Licht der Scheinwerfer und wirkte dabei wie eine Tote.
Sie trug einen Einteiler, der ihren Körper sehr eng umspannte. Der hellblaue Stoff war mit zahlreichen Straßperlen besetzt. Sie funkelten im Licht und ließen die Gestalt aussehen, als wäre sie mit Sternenstaub begossen worden.
Sie hatte die Augen geschlossen. Ihr sowieso schon etwas puppenhaftes Gesicht ähnelte bei diesem Zustand dem einer Puppe noch stärker. Die Arme waren ausgestreckt, sie lagen eng am Körper. Susan sah aus, als würde sie nicht atmen, tatsächlich war ihre Atmung auf ein Minimum reduziert worden.
Westlake schaute auf die Uhr. Fünf Minuten hatte er Susan allein lassen wollen. Drei davon waren inzwischen vergangen.
Er wollte es nicht auf die Spitze treiben und die fünf Minuten nicht vergehen lassen. Bevor er wieder die Bühne betrat, schaute er sich um. Nicht weit entfernt standen die Bühnenarbeiter. Sie wussten nicht, ob sie lachen oder weinen sollten, als Westlake sie anschaute, denn dieser Mann war ihnen einfach unheimlich.
Als er nickte, entschlossen sie sich zu einem Lächeln.
Westlake war eine elegante Erscheinung. Er trug einen Frack und hatte schneeweiße Handschuhe über seine Hände gestreift. Das Haar war sorgfältig gekämmt, es glänzte wie flüssiges Quecksilber, durch das sich einige graue Strähnen zogen. Westlake wusste, dass er schon als Erscheinung wirkte, und er sorgte stets dafür, dass dies auch so blieb.
Noch einmal räusperte er sich. Dann schritt er parallel zum Vorhang entlang und ließ seine Fingerspitzen über die Innenfalten gleiten, als wollte er das Material genau prüfen.
Auf seinem Gesicht lag ein Lächeln, die Augen waren dunkel, der Mund bildete einen Strich.
Er wollte die Bühne von einer bestimmten Seite aus betreten. Das hatte er immer so gemacht, das würde er auch am heutigen Tag nicht ändern. Es gab da gewisse Rituale, die einfach eingehalten werden mussten, wenn nicht, fühlte er sich nicht wohl.
Bevor er die Bühne betrat, zupfte er noch seine Kleidung zurecht. Nichts sollte falsch sitzen. Er wollte, dass er perfekt aussah, denn auch seine Darbietung war perfekt.
Perfekt?
Als er über dieses Wort nachdachte, geriet er ins Schwitzen. Dieser Ausdruck überfiel ihn nicht unmotiviert, er kannte ihn, und er hatte sich auch davor gefürchtet. Es geschah nicht bei jeder seiner Darstellungen, doch er musste immer wieder damit rechnen, dass ihn kurz vor dem Auftritt die große Furcht überkam.
Und immer wenn das geschah, dann lief seine Schau nicht so ab, wie er es sich vorgestellt hatte.
Am liebsten hätte er die Darbietung abgebrochen. Er hatte auch schon in der Vergangenheit mit diesem Gedanken gespielt, war aber immer wieder hinausgegangen und hatte es durchgezogen.
Ja, durchgezogen!
Das war für ihn der richtige Ausdruck. Keine Kunst mehr, sondern ein reines Durchziehen, was ihm überhaupt nicht passte und worüber er sich auch ärgerte.
Er musste raus, er konnte nicht mehr warten. Zudem wäre auch der Mann von ihm enttäuscht worden, den er bewusst in seine Vorstellung eingeladen hatte, und zwar in der Hoffnung, dass es geschah.
Und es würde geschehen! Er hatte es im Gefühl. Es war ihm, als hätte er eine Botschaft aus einem fernen Reich und von einer sehr entfernten Person bekommen.
Ja, es würde klappen.
Wieder einmal!
Und dann?
Er strich über sein Silberhaar, wobei sich seine Gedanken mit Susan Carter beschäftigten. Schon jetzt bedauerte er das junge Mädchen. Es würde in einen gefährlichen Kreislauf hineingezogen werden, für den es keine Erklärung gab.
Er hatte sie gewarnt, sie aber hatte einfach abgewinkt, wollte es durchziehen und so berühmt werden.
Möglicherweise wurde sie auch berühmt, allerdings auf eine andere Art und Weise, als sie es sich vorgestellt hatte.
Ein Glas mit frischem Wasser stand immer bereit. Er trank es zur Hälfte leer, konnte aber den schlechten Geschmack nicht völlig aus dem Mund spülen.
Die Zuschauer warteten. Er spürte die Unruhe. Sie war ein Zeichen dafür, dass die Zeit fast abgelaufen war.
Noch ein Blick auf die Uhr.
Ja, er musste raus!
Westlake holte noch einmal tief Luft, fuhr mit den Fingern zwischen Kragen und Hals entlang, öffnete den Spalt im Vorhang und betrat die Bühne, wo er dem Zentrum entgegenschritt und ins Scheinwerferlicht trat.
Jetzt konnte er nichts mehr ändern, jetzt nahm das Schicksal seinen Lauf …
*
Beifall empfing den Illusionisten!
Er brandete ihm wie eine gewaltige Woge entgegen, die kein Ende finden wollte.
Mister Mirakel wusste, was er sich selbst schuldig war. Er musste jetzt schauspielern und den Überlegenen markieren. Niemand sollte etwas von seiner Unsicherheit merken.
Westlake lächelte.
Er trat vor die schwebende Jungfrau, hob die Arme, legte die Hände zusammen und verbeugte sich tief vor seinen Zuschauern, die ihm ihre Referenz erwiesen, indem sie noch immer klatschten.
Als er sich aufrichtete, winkte er mit beiden Händen ab. Diese Geste war international verständlich, und die Menschen reagierten hier ebenso wie in Kairo oder Sidney.
Allmählich flaute das Klatschen...
| Erscheint lt. Verlag | 2.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3463-7 / 3838734637 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3463-7 / 9783838734637 |
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