John Sinclair 728 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3458-3 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990-1999!
Angst in den Alpen (1. Teil).
Irgendwo in dieser Hölle aus Schnee und Eis lauerte der Tod! Das wusste ich, doch ich ging trotzdem weiter. Ich kämpfte mich voran, hielt den Kopf gesenkt, um das Gesicht wenigstens ein wenig zu schützen. Die Kapuze hatte ich festgezurrt und hatte es eigentlich nicht glauben wollen, dass es einen Wetterumschwung geben würde. Ich war eines Besseren belehrt worden. Es hatte ihn gegeben. Und er war über mich gekommen in einem Wirbel aus Sturm, Nebel und Schnee.
Meine Kleidung war dick genug, um nicht zu erfrieren. Da war ich auf Nummer Sicher gegangen, auch die Schuhe garantierten Wärme für meine Füße, dennoch umtoste mich der Wind, und der brachte die verdammten Eiskristalle mit. Wie kleine Fingerspitzen schlugen sie gegen mein Gesicht. Sie hinterließen auf der Haut ein wahres Trommelfeuer ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Angst in den Alpen (1. Teil)
Irgendwo in dieser Hölle aus Schnee und Eis lauerte der Tod! Das wusste ich, doch ich ging trotzdem weiter. Ich kämpfte mich voran, hielt den Kopf gesenkt, um das Gesicht wenigstens ein wenig zu schützen. Die Kapuze hatte ich festgezurrt und hatte es eigentlich nicht glauben wollen, dass es einen Wetterumschwung geben würde. Ich war eines Besseren belehrt worden. Es hatte ihn gegeben. Und er war über mich gekommen in einem Wirbel aus Sturm, Nebel und Schnee.
Meine Kleidung war dick genug, um nicht zu erfrieren. Da war ich auf Nummer Sicher gegangen, auch die Schuhe garantierten Wärme für meine Füße, dennoch umtoste mich der Wind, und er brachte die verdammten Eiskristalle mit.
Wie kleine Fingerspitzen trommelten sie gegen mein Gesicht. Das Zeug klebte mir sogar in den Haaren.
Ich wusste nicht einmal genau, wie hoch ich eigentlich war. Zweitausend Meter oder mehr?
Jedenfalls hatte es im Tal nicht geschneit, aber der Winter würde noch kommen. Ende November schlich er sich höchstens einmal wie ein Raubtier in die Täler, um sie für kurze Zeit mit dem weißen Leichentuch einer Schneeschicht zu bedecken.
Den Himmel konnte ich nicht sehen. Alles um mich herum war grau in grau. Himmel, Erde, die einzelnen Richtungen, das alles wühlte zusammen. Es war eine Soße, durch die der Schnee toste, bevor er sich zu Boden legte oder von Windstößen zu wahren Haufen und Verwehungen zusammengetragen wurde.
Für mich war es wichtig, die Richtung beizubehalten, nur nicht verirren. Ich musste die Hütte finden, ansonsten war alles zu spät. Da lief ich dann im Kreis herum und konnte mich irgendwann in einer Schneewehe begraben lassen.
Von meinem Begleiter sah ich nichts. Er war irgendwo hinter mir zurückgeblieben. Er hatte als Führer fungieren sollen. Das war auch ganz gut gelaufen, bis er das Pech gehabt hatte, in eine Spalte oder ein Loch zu treten, was schlecht für sein rechtes Bein gewesen war. Er hatte es sich umgeknickt und sicherheitshalber den Rückweg angetreten.
Ich wollte die Hütte finden!
Mit gesenktem Kopf stampfte ich weiter. Unterschiedlich tief sackte ich an den bestimmten Stellen ein. Manchmal bis zu den Knien.
Ich kämpfte mich voran.
Ich befand mich im Auge des Wirbels. Eingefangen von der Kälte. Ich war nicht im Himalaya, sondern in den Alpen, an der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz und dachte daran, dass dieser Weg im Sommer häufig von Wanderern benutzt wurde.
Nicht jetzt …
Und ich dachte weiter.
Irgendwo in dieser Hölle sollte sich das Grauen versteckt halten. Ein furchtbares Etwas, ein Tod, der die Menschen brutal überfallen hatte. Keiner wusste etwas Genaues. Viele sprachen von einem Monstrum aus dem Eis, andere nannten es den Tod aus dem Gletscher, wieder andere hielten dieses Gebiet insofern für etwas Besonderes, dass sich hier Welten trafen und sich gegenseitig öffneten, was immer damit auch gemeint war.
Eines stand fest.
Menschen hatten auf grausame und rätselhafte Weise ihr Leben verloren, und ich war gekommen, um den Spuren nachzugehen. Ich wollte mich mit einer Person in der Berghütte treffen, die angeblich Bescheid wusste und mir mehr sagen konnte. Dazu musste ich die Hütte erst einmal finden und drückte mir ständig die Daumen, es auch ohne Führer zu schaffen. Es war einfach nicht meine Art, so schnell aufzugeben.
Die Thermojacke hielt mich warm. Der Wind war am schlimmsten. Oft genug umheulte er mich wie ein wildes Tier. Er stieß Schreie aus, er wimmerte und jammerte, er blies den Schnee in gewaltigen Wolken vor sich her, er war überall, er packte auch mich, sodass ich oft genug Stöße mitbekam, die ich nur mühsam ausgleichen konnte.
Es ging bergauf, immer wieder bergauf.
Manchmal steil und mühsam, dann wieder flacher, aber es gab nichts, was mir keine Mühe bereitet hätte.
Ich war das Opfer, ich wurde gekrallt, an mir biss er sich fest, aber er biss sich auch die Zähne aus. Ich machte weiter. Ich stampfte durch die Weiße Hölle, denn ich wusste, dass der Sturm irgendwann aufhören würde. Dann sah alles besser aus.
Zum Glück lag der Schnee noch nicht so hoch, als dass er alle Markierungen hätte verdecken können. Und manchmal legte der Wind eine Atempause ein. Die wirbelnde Masse riss auf, sodass ich einen kleinen Ausschnitt dieser herrlichen Umgebung erkennen konnte. Sogar die Hütte sah.
Zuerst glaubte ich an eine Täuschung, doch beim nächsten Aufreißen erkannte ich sie deutlich.
Sie war da. Sie trotzte dem Wind, war auf einem Felsvorsprung errichtet worden und wurde im Sommer bewirtschaftet, da sie auch ein Ziel für Wanderer war.
Ich lachte hart in den Wind hinein. Er hatte mich nicht besiegt, und auch der verdammte Schnee hatte es nicht geschafft. Der Anblick meines Ziels hatte meinen Motor wieder auf Vordermann gebracht. Jetzt konnte mich nichts mehr halten.
Ich beeilte mich.
Der Schnee lag dick wie Watte. Wieder sank ich tief ein, zerrte die Beine hervor, fluchte, ging einmal auf allen vieren einen schneebedeckten Hang hoch, wischte mein Gesicht sauber und spürte die Kälte auch auf meinen Lippen.
Ich musste einen Bogen schlagen, um die Terrasse zu erreichen. Die Stufen sah ich nicht. Der Schnee bedeckte sie völlig. Ich bemerkte sie, als ich darüber stolperte, weil ich durch mein Gewicht ziemlich tief eingesackt war.
Dann stand ich vor dem Haus.
Ich schaute hin.
Der Schnee klebte an der Außenwand. Er war von den mächtigen Winden wütend dagegen geschleudert worden, wobei es regelrechte Verwehungen gegeben hatte.
Der Eingang lag an der Seite. Die Schneeschicht kroch an der Außenwand in die Höhe und erreichte sogar die Fenster, von denen an dieser Seite nur die Hälfte zu sehen war.
Mich umorgelte noch immer der Wind. Er schien sich hier oben noch mehr auszutoben, er war wütend, er wechselte ständig seine Richtungen, wollte mich umstoßen, hieb immer wieder gegen mich, aber ich konnte ihm trotzen.
Dann stand ich an der Tür.
Sie lag günstig. Beinahe der gesamte Schnee war an ihr vorbeigeweht worden. Unter meinen Füßen sah ich sogar das helle Holz der Terrassenbohlen.
Auf ihm trat ich einige Male hart auf. Schnee fiel von meinen Schuhen. Ich produzierte auch bewusst diese Geräusche, um den Mann auf mich aufmerksam zu machen, der in der Hütte wartete.
Mein Informant rührte sich nicht.
Ich an seiner Stelle hätte längst am Fenster gestanden, um zu beobachten, wann der Besucher kam. Aber da war nichts geschehen. Mir fiel zudem ein, dass kein Rauch aus dem Schornstein quoll. War der Mann, von dem ich nicht einmal den Namen kannte, nicht anwesend?
Ein ungutes Gefühl beschlich mich. Es war wieder die Warnung vor dem Kommenden. Ich hatte plötzlich den Eindruck, reingelegt worden zu sein. Dass hier nicht alles so war, wie ich es zu finden hoffte. Irgendetwas konnte anders gelaufen sein.
Die Klinke stand weit genug von der eigentlichen Tür entfernt, dass ich sie auch trotz des dicken Handschuhs umfassen konnte. Sie klemmte etwas, als ich sie drückte.
Dann stieß ich mit der Schulter gegen die Tür.
Genau in diesem Augenblick heulte der Sturm wieder auf. Zudem hatte der Wind gedreht. Er schleuderte seine unzähligen Schneekörper jetzt in meine Richtung. Wie kleine Glasscherben prasselte das Zeug gegen meinen Rücken.
Ich stolperte in die Hütte. Schnee trieb ebenfalls hinein. Ich drehte mich um und wuchtete die Tür gegen den starken Wind zu.
Geschafft!
Ich zerrte die Kapuze herab und löste auch die Brille. Dann schaute ich mich um.
Wie der Weihnachtsmann kam ich mir nicht gerade vor, aber so ähnlich. Ich stand in einer fremden Umgebung und nahm einen bestimmten Geruch wahr. Es roch nach kalter Asche, nach Verbranntem. Das alles lag zwischen den Holzwänden.
An den Seiten waren die Tische zusammengeschoben worden. Die Stühle standen darauf. Die Theke war leergeräumt worden, und in der Ecke sah ich einen alten Eisenofen.
Nur keine Spur von meinem Informanten.
Ich ging einige Schritte. Auf den Holzbohlen hinterließen die Tritte Echos. Die Decke war niedrig und ebenfalls mit Holz bedeckt. Plakate hingen an den Wänden. Zumeist warben sie für irgendein Produkt. Dazwischen klebten auch die Fahrpläne für die Seilbahnfahrten. Aber es war keine Menschenseele zu finden.
Hatte mich der Knabe versetzt?
Ich zerrte den Reißverschluss der Thermojacke auf. Schnee schmolz allmählich zu Wasser. Es bildete um meine Füße eine glänzende Lache. Es sah eigentlich alles so völlig normal aus, und trotzdem hatte ich den Eindruck, dass nichts, aber auch gar nichts normal war.
Hier hatte sich etwas verändert … Wieder überkam mich ein misstrauisches Gefühl. Der Schauer auf meinem Rücken lag nicht allein in der Kälte. Es kam mehr von innen, weil ich immer stärker zu der Überzeugung gelangte, dass hier einiges nicht stimmte, trotz dieser äußerlichen Normalität.
Neben der Theke befand sich eine Tür. Dort ging es zu den Toiletten. Ich nahm diesen Weg, schaute mich wenig später in den kleinen Räumen um und fand sie ebenfalls leer.
Alles wirkte so schrecklich verlassen …
Und draußen tobte der Sturm. Ich blickte manchmal durch die Fenster, sah nur den weißen Wirbel, bildete mir aber ein, in ihm die knöcherne Fratze des Todes zu sehen.
Ich kehrte in den Gastraum zurück. Mein Mund war trocken. Ich verspürte Durst.
Dann sah ich den Durchgang jenseits der Theke. Wahrscheinlich führte er in die Küche.
Ich musste eine Klappe in die Höhe heben, um mich hinter die Theke schieben zu können....
| Erscheint lt. Verlag | 2.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3458-0 / 3838734580 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3458-3 / 9783838734583 |
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