John Sinclair 731 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3461-3 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990-1999!
Die Blüten-Bestie.
Dorothy folgte einem Guru, der den neuen Weg predigte, den Pfad der Erleuchtung. Sie war auf der Suche nach Vollkommenheit, und ihr gefielen die Reden über Wiedergeburt, Tod und höhere Sphären. Wie gefährlich dieser Wahnsinnige für die Menschheit war, erkannte sie nicht, sie war ihm total verfallen. Selbst an dem geplanten Massenselbstmord wollte sie teilnehmen. Das war vor zweiundzwanzig Jahren, und sie überlebte nur deshalb, weil die Polizei einschritt. Ja, sie hatte überlebt, aber wie! Seit diesem Vorfall lag sie im Koma! Bis vor ein paar Monaten, da erwachte sie plötzlich. Es war die Sensation im Krankenhaus. Bis man dieses Ereignis jedoch richtig verdaut hatte, geschah wieder etwas Unvorstellbares. Dorothy verschwand aus ihrem Bett, darin lag plötzlich eine andere Frau, eine Tote, und gebettet war sie auf ein Meer aus roten Blüten ...
Die Blüten-Bestie beschäftigt John Sinclair, der bald eingeschaltet wird, und er beißt sich an diesem Fall die Zähne aus!
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Die Blüten-Bestie
»Dr. Fairmont, Dr. Fairmont! Sie ist wach! Kommen Sie, kommen Sie rasch!« Völlig aufgelöst stürmte die Krankenschwester in das Arztzimmer.
»Wer ist wach?«
»Dorothy, Doc. Dorothy Mainland.«
Da schnellte der Arzt von seinem Schreibtisch hoch. Er stieß die Krankenschwester zur Seite und eilte in das betreffende Zimmer.
Doro Mainland saß im Bett.
Hellwach!
»Und das nach zweiundzwanzig Jahren«, stöhnte der Arzt …
Während der nächsten zehn Minuten war die Zeit gleichzusetzen mit dem Begriff Hektik. Dr. Fairmont, Oberarzt und Leiter der Station, vergatterte die unmittelbar Beteiligten dazu, kein Sterbenswort zu verraten. Diese medizinische Sensation sollte zunächst hinter den Krankenhausmauern bleiben. Nichts sollte nach außen dringen, nicht eine Silbe an die Presse, für die Doro Mainlands Erwachen natürlich die Sensation gewesen wäre. Lange genug hatten die einschlägigen Blätter damals über den Fall berichtet.
Zwei Ärzte und drei Krankenschwestern umstanden schließlich das Bett. Obwohl man sie zu den Fachleuten zählen konnte, hatte sich Ratlosigkeit auf ihren Gesichtern ausgebreitet. Sie schauten über das Bett hinweg und gegen das Fenster, durch dessen Scheibe blasses Winterlicht floss und auf den Boden einen Schleier malte.
Im Bett saß Doro Mainland. Steif, etwas verwundert in die Runde schauend. Dazu blass und leicht lächelnd. Sie hatte noch kein Wort gesprochen, auch jetzt sagte sie nichts, nur der Blick ihrer blaugrünen Augen wanderte in die Runde. Sie hatte sich selbst von dem Tropf gelöst und all den medizinischen Apparaten, die ihr Leben in den letzten beiden Jahrzehnten erhalten hatten, und keiner der Anwesenden traute sich, diese Apparaturen wieder anzuschließen.
Mit einer sehr langsamen Bewegung hob sie ihre linke Hand und strich über das Haar. Es hatte eine fahlblonde Farbe und lag wie ein glatter Fächer um ihren Kopf. Es war regelmäßig geschnitten worden, doch nicht von einem Fachmann. Das Personal hatte sich daran gewöhnt, dementsprechend sah Doro aus. An einigen Enden wirkte es wie ein Kamm mit wenigen Zinken.
Die Hand sank tiefer, wischte über die Stirn, dann die Augen entlang, als wollte sie einen Vorhang zur Seite streichen. Schließlich blieb sie auf der Bettdecke liegen.
Zehn Augen schauten zu. Die Gesichter des medizinischen Personals waren noch immer bleich. Niemand konnte dieses plötzliche Erwachen begreifen.
Zweiundzwanzig Jahre hatte Dorothy Mainland im Koma gelegen, und nun saß sie da, als wäre die Zeit überhaupt nicht vergangen. Und, was noch hinzukam und ebenso unbegreiflich war, diese junge Frau war in all der Zeit nicht gealtert. Sie war über vierzig, doch sie sah noch immer aus wie zweiundzwanzig.
Ein Phänomen, ein Rätsel, für das es keine medizinische Erklärung gab.
Bisher hatte niemand ein Wort gesprochen. Es blieb Doro Mainland überlassen, das Schweigen zu brechen. Sie war eine zierliche Person mit blasser Haut, auf der sich zahlreiche Sommersprossen verteilten. Die Lippen waren bleich, sodass sie kaum auffielen. Doro öffnete den Mund und fing an zu sprechen. Mit tonloser Stimme sagte sie: »Ich habe Durst ….«
Niemand regte sich.
Jeder lauschte dem Klang der Stimme.
»Ich habe Durst«, wiederholte Doro und schlug leicht mit der Handfläche auf die Bettdecke.
Dr. Fairmont reagierte. »Holen Sie der Patientin ein Glas Wasser, Kathy.« Sie war die Schwester, die ihn herbeigerufen hatte.
»Ja, Doc.«
Kathy verschwand hinter einem Vorhang. Das Rauschen des Wassers übertönte kurz das Atmen der Anwesenden.
Doro Mainland holte mehrmals tief Luft, als hätte sie etwas nachzuholen.
»Ich packe es nicht«, sagte der junge Kollege, der erst ein Jahr auf der Station Dienst tat. »Es ist mir unbegreiflich. Das will nicht in meinen Schädel!«
Dr. Fairmont hob nur die Schultern. Ihm erging es nicht anders. Er wusste auch keine Erklärung. Das musste er mit dem Chef der Klinik besprechen.
Kathy kehrte zurück. Sie war eine Farbige. Ihre Haut sah aus wie Cappuccino. Seit mehr als zehn Jahren tat sie auf der Station Dienst. Sie konnte so leicht nichts erschüttern. Nun aber zitterte das Glas in ihren Händen, als sie sich mit steifen Schritten dem Bett näherte und Doro das mit Wasser gefüllte Glas reichte.
Sie streckte Kathy die Hände entgegen. »Danke«, sagte sie leise und umfasste das Glas.
Keiner brauchte ihr zu helfen. Mit einer sicher wirkenden Bewegung führte sie das Glas zum Mund und trank einen kleinen Schluck. Dabei schaute sie über den Rand hinweg. Mit dem nächsten Schluck trank sie das Glas aus. Kathy nahm es ihr aus der Hand.
Doro lächelte. »Das hat gutgetan.«
Dr. Fairmont nickte. »Schön, dass es Ihnen geschmeckt hat, Doro.« Er dachte noch immer an die medizinische Sensation und fragte: »Haben Sie auch Hunger, Doro?«
Da strahlte sie. Der Mund lächelte, die Augen glänzten. »Ja, Doktor, ich habe Hunger.«
»Gut, gut«, sagte Fairmont völlig überrascht. »Und … ähm … was wollen Sie essen?«
Doro überlegte. Sie umfuhr mit der Zunge ihre Lippen. Als wäre sie eine Katze, die sich nach dem Essen reinigt. »Nun«, sagte sie nach einer Weile, »ich könnte schon Fish und Chips vertragen. Die habe ich immer so gern gegessen.«
Fairmont schluckte, die anderen schauten sich an. »Ähm, Fish und Chips also?«
Sie nickte. »Ja, Doktor. Sie haben sich nicht verhört. Ich möchte Fish und Chips.«
Fairmont konnte man nach medizinischen Dingen fragen, er gehörte zu den Spezialisten, aber in diesem Punkt war er völlig überfragt. Mit einem Hilfe suchenden Blick wandte er sich an Schwester Kathy und wollte wissen, ob die Küche das Gericht eben fertigmachen konnte.
»Ich gehe mal fragen.«
»Danke, Kathy.« Als die Schwester verschwunden war, wandte er sich wieder Doro zu. »Sie bekommen gleich etwas zu essen, meine Liebe. Da brauchen Sie keine Angst zu haben.«
»Auch mit einer Soße?«
»Bestimmt.« O je, dachte er, woran die Kleine denkt. Liegt zweiundzwanzig Jahre im Koma und tut so, als wäre nichts gewesen. Und sie ist nicht gealtert, nicht gealtert!
Die Gedanken schossen durch seinen Kopf. Er musste das Phänomen zur Kenntnis nehmen, konnte es aber nicht erklären. Es war wider alle Wissenschaften.
Es gab keine Erklärung, es war unheimlich. Und so wie er dachten auch die anderen, die er aus dem Zimmer schickte. Er wollte mit Doro Mainland allein sein.
Persönlich drückte er die Tür hinter ihnen zu und hörte, als er sich umdrehte, ihre Stimme.
»Es ist ein schöner Tag heute.«
»Ja, wir haben Winter.« Der Arzt schlenderte auf das Bett zu.
Doro lächelte. Ihre Augen waren groß. Staunend schaute sie den dunkelhaarigen Mann im weißen Kittel an. »Schon Winter? Aber es war doch erst Herbst, als ich den Schlag auf den Kopf bekam.«
Fairmont blieb stehen und räusperte sich. Jetzt hätte er selbst einen Schluck Wasser gebraucht, traute sich aber nicht, hinter den Vorhang zu gehen und es zu holen. »Die … die Zeit vergeht eben«, murmelte er etwas undeutlich.
»Dann habe ich so lange geschlafen.« Sie schüttelte den Kopf und lächelte »Das ist aber seltsam.«
Himmel, steh mir bei! dachte der Arzt. Das ist verrückt, der reine Irrsinn. Wie soll ich ihr beibringen, dass sie über zwanzig Jahre im Koma gelegen hat? Wenn ich ihr das sage, dreht sie durch.
Er fasste sich an den Kopf, was auch Doro bemerkte. »Geht es Ihnen nicht gut, Doktor?«
Er nickte. »Mir schon.«
»Und weiter?«
Der Arzt lachte. »Es … es gibt da ein kleines Problem«, murmelte er.
Doro zeigte auf sich. »Hängt es mit mir zusammen?«
»Ja.«
»Und?«
Dr. Fairmont stützte seine Hände auf das hintere Gitter des Betts. »Haben Sie denn keine Ahnung, Doro?«
»Nein, wirklich nicht.«
»Dann … dann wissen Sie also nicht, wie lange Sie schon bei uns in der Klinik sind?«
»Ich habe keine Ahnung. Einige Wochen, schätze ich.«
Fast hätte Dr. Fairmont gelacht. Im letzten Augenblick riss er sich zusammen. Das brachte nichts. Er hätte sie nur verunsichert, und das wollte er auf keinen Fall.
»Warum geben Sie mir denn keine Antwort?«
Er wand sich. »Nun ja, es ist ziemlich schwierig, finde ich. Nicht normal.«
Doro legte den Kopf schief. »Bitte, Doktor, es sind Monate vergangen, das weiß ich jetzt.«
Er konnte sich nicht mehr beherrschen, deshalb unterbrach sie sein Lachen. »Monate, Doro? Nein, nein, auf keinen Fall. Sie haben Jahre im Koma verbracht.«
Jetzt schaute sie schon etwas komisch. »Wieso Jahre?«, fragte sie leise.
»Genau zweiundzwanzig, wenn Ihnen das weiterhilft.« Jetzt war es heraus, und der Arzt rechnete damit, dass die Patientin auf irgendeine Art und Weise zusammenbrach.
Das tat sie nicht. Sie saß da, senkte den Kopf und runzelte die Stirn. Damit zeigte sie, wie sehr sie nachdachte. Sogar die Hände blieben ruhig. Schließlich fragte sie: »Stimmt das?«
»Ich habe keinen Grund, Sie anzulügen.«
»Dann ist es gut.«
Jetzt war Dr. Fairmont überrascht. Mit einer derartigen Reaktion hätte er nie gerechnet. Vor Aufregung bekam er feuchte Handflächen. Er hatte gedacht, dass Doro in Ohmacht fallen, dass sie durchdrehen würde, diese beiden Extreme beherrschten seine Gedanken, aber dass sie es einfach hinnahm, war ihm schon suspekt. Sie bat auch nicht um einen Spiegel, um sich anzuschauen, sie blieb stumm und hob schließlich die Schultern, die einzige Reaktion.
»Mehr wollen Sie...
| Erscheint lt. Verlag | 2.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3461-0 / 3838734610 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3461-3 / 9783838734613 |
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