Professor Zamorra 1077 (eBook)
64 Seiten
Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG
978-3-7325-1755-8 (ISBN)
Robert Tendyke ist wieder auf der Erde und will eigentlich nur eins: Frei sein. Doch die Frage lautet: Wie kann er das erreichen? Indem er seine dämonische Seite weiterhin auslebt - und vielleicht gerade so wieder unter der Fuchtel mächtiger 'Artgenossen' landet? Muss er sich nicht vielmehr gegen diese Seite, die in seinem Inneren die Überhand zu gewinnen droht, wehren? Doch wie soll er das anstellen?
Wen kennt er, der ihm helfen könnte ...?
Rob ist ratlos.
Bis jemand auftaucht, der ihm die Entscheidung leichter macht ...
The Midas Touch
El Paso, Texas
Blaine Dubois konnte sein Glück kaum fassen. Eigentlich war er an diesem Abend nur losgezogen, um sich mal wieder den Frust von der Seele zu trinken. Ein weiterer Streit mit seinem Vater hatte ihn so verärgert, dass er einfach in seinen Wagen gestiegen und losgefahren war. Dann war er irgendwie in dieser viel zu schicken Bar gelandet, doch ihm war jeder Ort recht gewesen, an dem er sich in Ruhe betrinken konnte.
Doch jetzt hatte sich mit dieser außergewöhnlichen Frau neben ihm der Tag doch noch zum Guten gewendet.
Bei der Auseinandersetzung mit seinem alten Herrn war es wieder einmal um das ewig gleiche Thema gegangen: Blaines Zukunft. Sein Vater war ein erfolgreicher Hedgefonds-Manager und wollte ihn zu seinem Nachfolger ausbilden. Blaine sollte Wirtschaft und Finanzen studieren, genau wie sein Vater und dessen Vater vor ihm. Doch das war einfach nicht Blaines Welt. Er war erst zweiundzwanzig, er wollte seinen Spaß haben, feiern, ausgehen, sich amüsieren. Seine Familie war ohnehin stinkreich, warum sollte er da arbeiten müssen? Doch sein Vater bestand darauf, dass er sein eigenes Geld verdiente. Er war der Ansicht, dass ein Mann hart arbeiten musste, um es aus eigener Kraft zu Erfolg zu bringen.
Aus diesem Grund krachte es zwischen Blaine und seinem Vater regelmäßig, in letzter Zeit immer öfter. Sein Vater drohte damit, dass Blaine keinen Cent von seinem Vermögen sehen würde, wenn er nicht endlich etwas aus seinem Leben mache. Und Blaine hatte langsam, aber sicher die Nase voll davon. Jeder sah ihn nur als das schwarze Schaf der Familie, niemand interessierte sich für ihn und seine Vorstellungen von der Zukunft. Zugegeben, er hatte keine wirklichen Vorstellungen davon, was er mit seinem Leben anfangen wollte, aber er wusste, dass er definitiv kein Hedgefonds-Manager werden wollte. Er konnte noch nicht einmal besonders gut mit Zahlen umgehen und Finanzen interessierten ihn nur dann, wenn es darum ging, Geld auszugeben.
Umso ironischer war es, dass er nun in dieser Bar saß, die sich schon bald als Treffpunkt für alle möglichen Börsenmakler und Finanzheinis herausgestellt hatte, die hier ihren Feierabend verbrachten. Allerdings hatte Blaine den Eindruck, dass diese Leute gar nicht wussten, wie man das Wort »Feierabend« buchstabierte. Die Männer an der Bar – allesamt geschniegelte Anzugträger wie sein Vater – starrten unablässig auf ihre Handys. Hin und wieder telefonierte einer von ihnen energisch und gestikulierte dabei, als wollte er seinen Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung schütteln, um ihm Feuer unterm Hintern zu machen.
Die Bar selbst wirkte wie gemacht für solche Leute. Das indirekte Licht in den großzügig geschnittenen Räumen tauchte alles in einen warmen, rötlichen Schimmer. Spiegelndes Glas, Metall und Marmor waren die vorherrschenden Materialien. Alle Oberflächen reflektierten die Umgebung, ließen sie weitläufiger wirken, als sie ohnehin schon war. Dezente Jazzmusik schwebte durch die Luft und trug zur Atmosphäre bei, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Auf großen Flachbildschirmen, die in die Wände eingelassen waren, liefen die aktuellen Börsenberichte. Die gesamte Einrichtung schrie förmlich »modern, schick und zu kostspielig für den Durchschnittsbürger«.
Und doch war sich Blaine mittlerweile sicher, sich genau die richtige Bar ausgesucht zu haben. Denn die Frau, die neben ihm saß, hätte er in irgendeiner heruntergekommenen Spelunke wohl kaum kennengelernt. Er hätte in jeder Bar landen können, Alkohol gab es schließlich überall. Doch er hatte diese gewählt. Aus irgendeinem Grund meinte es das Schicksal wohl gut mit ihm. Vielleicht war das die Wiedergutmachung dafür, dass er mit einem so tyrannischen Vater gestraft war.
Das kehlige Lachen seiner neuen Bekanntschaft war ebenso ansteckend wie berauschend. Nach wie vor hatte Blaine keine Ahnung, warum sie von allen Männern in dieser Bar ausgerechnet ihn angesprochen hatte. Zugegeben, er war nicht gerade hässlich. Sein immer ein wenig wirres blondes Haar, die blauen Augen und die sportliche Statur verliehen ihm einen gewissen Surfercharme, der bei vielen Frauen gut ankam. Aber sie hätte in dieser Bar jeden Mann haben können. Als sie hereingekommen war, hatte sie die Blicke aller Anwesenden auf sich gezogen wie ein Magnet. Für einen kurzen Moment hatten die Finanzheinis sogar ihre Handys und Börsengeschäfte vergessen und damit bewiesen, dass auch sie ganz gewöhnliche Männer waren.
Das blutrote Kleid schien regelrecht auf ihren Körper gegossen worden zu sein. Es umschmeichelte ihre Kurven, war gerade lang genug, um geheimnisvoll zu wirken, und gerade kurz genug, um in den Köpfen der Beobachter eindeutige Fantasien hervorzurufen. Der hohe Schlitz an der Seite und die farblich passenden Schuhe mit den gefährlich hohen Absätzen taten ihr Übriges.
Auch Blaine war bei diesem Anblick die Luft weggeblieben. Alle anderen Gäste in der Bar waren Männer. Das plötzliche Auftauchen dieser Frau war wie ein Blitzschlag gewesen. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, hatte sie die offensichtliche Aufmerksamkeit und Bewunderung genossen.
Und dann war das Unglaubliche geschehen. Die Frau hatte sich kurz in der Bar umgeschaut und war dann an den ganzen Börsenheinis vorbei zielstrebig auf Blaine zumarschiert. Das rhythmische Klappern ihrer hohen Absätze und der sanfte Schwung ihrer Hüften hatten eine fast schon hypnotische Wirkung gehabt. Das war jedoch nichts im Vergleich zu ihren giftgrünen Augen, die Blaine schon bald darauf aus nächster Nähe hatte bewundern dürfen. Sie hatte sich zu ihm hinuntergebeugt, gelächelt und gefragt: »Wen muss man hier umbringen, um einen anständigen Cosmopolitan zu bekommen?«
Seitdem war eine gute Stunde vergangen, und seine neue Bekanntschaft war bei ihrem dritten Cocktail. Er selbst hatte auch schon einiges getrunken. Und der Abend, der so frustrierend begonnen hatte, entwickelte sich in eine deutlich angenehmere Richtung. Die neidischen Blicke der anderen Gäste bestätigten Blaine, dass er ein verdammter Glückspilz war. Angela, wie sie sich ihm vorgestellt hatte, war ein echter Hauptgewinn. Sie war nicht nur umwerfend schön, sondern auch sehr wortgewandt. Sie schien sich mit allen möglichen Themen bestens auszukennen und auf alles eine Antwort zu haben. Wann immer sie den Kopf in den Nacken legte und herzhaft auflachte, wurde Blaine ganz schwindelig.
Zuerst hatte er gedacht, das läge am Alkohol, aber es fühlte sich anders an als ein gewöhnlicher Rausch. Von dieser Frau ging eine unerklärliche Anziehungskraft aus. Innerhalb weniger Minuten war sie zum Mittelpunkt von Blaines Welt geworden. Vermutlich war es nur der Situation geschuldet – immerhin hatte sie dafür gesorgt, dass er seine Sorgen vergessen konnte und richtig gute Laune hatte. Aber in diesem Moment hätte er alles für Angela getan und dabei nicht einmal darüber nachgedacht, ob es richtig oder falsch war.
»Ich kann es einfach nicht länger ertragen, von meinem Vater wie ein kleines Kind behandelt zu werden«, erklärte er Angela nun. Seine Zunge war schwer, und er lallte ganz leicht. »Er kann nicht über mein Leben bestimmen. Niemand kann das.«
Angelas wunderschöne rote Lippen teilten sich, als sie lächelte. Ihre Zähne waren sehr weiß und wirkten irgendwie scharf.
»Nein, kein Mensch könnte über dich bestimmen, Schätzchen«, gurrte sie.
Die seltsame Betonung wunderte ihn nur kurz. »Genau das meine ich. Wenn mich mein Vater enterben will, soll er das ruhig versuchen. Wir sind hier in Amerika. Ich werde ihn einfach verklagen.«
»Damit würdest du wohl kaum Erfolg haben. Gute Anwälte kosten Geld, und davon hat dein Vater eindeutig mehr als du. Ich war auch mal in der Rechtsbranche tätig, ich kenne mich ein wenig aus.«
»Ernsthaft? Du warst mal Anwältin?«
»Für eine Weile«, erwiderte sie und spielte mit einer dunklen Haarsträhne. »Aber das wurde mir schnell zu langweilig.«
»Und was machst du jetzt?«
»Sagen wir einfach, ich befinde mich momentan in einer Findungsphase. Ich arbeite daran, meine alte Stellung wiederzubekommen. Oder zumindest eine entsprechende Position, die meinen Talenten entspricht und mir außerdem zusteht.«
»Du bist also eine richtige Karrierefrau, was?«
»Man kann vieles über mich sagen, aber an Ehrgeiz mangelte es mir noch nie.«
Sie beugte sich vor, wodurch Blaine einen interessanten Einblick in ihr Dekolleté erhielt. Ihre Haut war makellos, und er musste sich enorm zusammenreißen, um nicht sofort eine Hand auszustrecken und sie zu berühren. Ein Teil von ihm wusste, dass das sicher nicht gut ankommen würde. Und er wollte sie auch nicht betatschen, als wäre er irgendein unverschämter Widerling.
Noch während diese Gedanken durch seinen Kopf rasten, spürte er plötzlich ihre Hand an seiner Haut. Ein elektrisches Kribbeln durchfuhr ihn an den Stellen, an denen ihre Finger ihn berührten. Sie hielt sein Gesicht mit zärtlicher Bestimmtheit und schaute ihm tief in die Augen. Wäre die gesamte Bar in diesem Moment um ihn herum in Flammen aufgegangen, er hätte den Blick nicht von ihr abwenden können.
»Du bist wirklich ein sehr hübscher Junge«, raunte sie. »Eigentlich war ich nur auf der Suche nach einer kleinen Ablenkung für zwischendurch, aber wenn du dich gut anstellst, behalte ich dich vielleicht länger.«
»Be-behalten?«, stammelte er. »Was meinst du da …?«
»Schhh«, hauchte sie und presste einen Finger auf seine Lippen. Die langen roten Nägel...
| Erscheint lt. Verlag | 8.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Professor Zamorra | Professor Zamorra |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-7325-1755-1 / 3732517551 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-1755-8 / 9783732517558 |
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