John Sinclair 736 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3466-8 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990-1999!
Jäger der Nacht.
'Es ist noch nicht zu Ende! Ihr habt noch nicht gewonnen! Das schwöre ich euch!'
Die Person, die diese Worte ausstieß, gehörte zu den schlimmsten Kreaturen, die vorstellbar waren. Dabei sah sie aus wie ein Mensch, doch wehe, wenn sie ihren Mund öffnete und ihre spitzen Vampirzähne zeigte. Damit offenbarte sie, zu welcher Gruppe von Schwarzblütern sie gehörte. Aber sie war nicht nur ein Vampir, sie war Blutsauger und Hexe zugleich, und sie hatte auch einen Namen, der Angst verbreiten sollte.
Sie hieß Assunga!
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Jäger der Nacht
Das Grauen war nur mehr Erinnerung!
Furchtbarer Schrecken zu einer Zeit, die für May Feldman und Anne Wilde eigentlich nie hatte zu Ende gehen sollen, in der die beiden jungen Frauen die Hölle als permanentes Wechselbad kaum beschreiblicher Gefühle kennengelernt hatten, denn sie hatten sich nicht allein innerlich, sondern auch äußerlich verändert gehabt.
Und gerade das zählte!
Sie waren nicht mehr sie selbst gewesen. Eine unheimliche Kraft hatte sie zu Monstren werden lassen. Das Teleporting hatte sie voll erwischt, ihre Körper aufgelöst und an anderen Orten wieder zusammengesetzt, aber nicht so, wie sie einmal gewesen waren.
Als Menschen hatten sie sich nicht mehr bezeichnen können. Sie waren nur noch Mutationen, wobei die Gliedmaßen nicht mehr an den Stellen saßen, wo sie eigentlich hingehört hätten.
Da waren die Köpfe mit dem Bauch oder dem Rücken verwachsen, die Gesichter waren auf den Schultern oder den Oberschenkeln, und bei Anne Wilde hatte die Zunge sich dort bewegt, wo eigentlich der Bauchnabel hätte sein sollen.
Das aber war nun vorbei.
Es gab die Mutationen nicht mehr. Sie waren wieder in normale junge Frauen zurückverwandelt worden, und sie wussten nicht einmal, wie das hatte geschehen können.
Aber es stimmte.
Sie standen sich gegenüber, sie schauten sich an, keine von ihnen konnte sprechen.
»Wer bist du?«
»Ich heiße Anne Wilde!«
»Und ich bin May Feldman.«
Anne nickte. »Und du hast das gespürt, was ich auch erlebt habe? Hast du das?«
»Ja!«
Sie wussten nicht, was sie sagen sollten. Sie hatten das gleiche Schicksal hinter sich, aber sie waren sich trotzdem fremd. Sie hatten sich erst vorstellen müssen, und nun traute sich keine von ihnen, abermals einen Anfang zu machen. Trotzdem spürten sie, dass sie etwas Gemeinsames verband, und diese Vertrautheit drückte sich auch darin aus, dass sie sich duzten.
Anne lächelte. »Okay, May, okay, wir leben, wir sind wieder wer. Aber du weißt nicht zufällig, wo wir sind?«
»Keine Ahnung.«
»Und dein Kleid sieht aus, als würdest du, nimm es mir nicht übel, gerade von einer Bühne kommen. Kann das sein, May? Ist das möglich?«
»Schau dich an, Anne!«
Das tat sie auch. Ein Trikot aus sehr dünnem Stoff, aber mit zahlreichen Perlen und Pailetten besetzt, die sich bei jeder Bewegung veränderten und so schimmerten, als würden Lichtbalken über sie hinwegstreifen. »Sieht mir nach Bühne aus.«
»Es war auch eine Bühne, wenn ich mich recht erinnere.«
»Und woran erinnerst du dich noch?«, fragte Anne.
May lächelte. »An einen Mann, zum Beispiel. Nicht mehr ganz jung. Mit einem markanten Gesicht und einem Haar, das …« Sie sann darüber nach, um die korrekte Beschreibung zu finden.
»Wie Quecksilber aussah.«
»Richtig!«, jubelte May.
»Dann sprechen wir von derselben Person. Und die hieß oder heißt …« Anne holte Luft, doch May ließ sie die Antwort nicht allein geben.
»Er heißt Hugo Westlake!«
»Genau.«
Die beiden jungen Frauen schwiegen. Sie mussten erst nachdenken und kramten tief in den Schubladen der Erinnerung. Bisher waren sie sich fremd gewesen, doch sie besaßen ein gemeinsames Schicksal. Sie hatten beide für den Illusionisten Hugo Westlake, der sich auch Mister Mirakel nannte, gearbeitet.
»Ich packe es nicht«, flüsterte May. »Verdammt noch mal, ich packe es nicht.«
»Es stimmt aber.«
»Sicher.«
Wieder schauten sie sich an und stellten fest, dass sie im Prinzip die gleiche Kleidung trugen. Etwas später fiel ihnen auf, dass sie das Zimmer beide kannten, in dem sie sich aufhielten. Unabhängig davon schnitten sie das Thema an.
»Ein Apartment«, sagte May.
»Da habe ich auch gewohnt.«
»Komisch.« May ging zum Kleiderschrank und öffnete die rechte Seite. Sie fand Sachen, die ihr nicht gehörten. Unter anderem eine mit Nieten verzierte Bomberjacke aus schwarzem Leder, die zu Anne passte, denn sie hatte die kurzen Haare zweifarbig eingefärbt. Einmal pechschwarz, zum anderen in einem satten Grün, das die dunkle Frisur in der Mitte wie ein Pinselstrich teilte. Ihr Gesicht war sehr gerade geschnitten. In ihm dominierten die hochstehenden Wangenknochen, und auch der breite Mund sorgte dafür, dass Anne Wilde ein etwas exotisches Aussehen mit in die Wiege gelegt bekommen hatte.
Im Gegensatz zu May Feldman. Die Blondine wirkte sehr fraulich. Wenn man sie anschaute, hatte man immer das Gefühl, sie beschützen zu müssen.
»Wir beide haben dieses Apartment bewohnt«, sagte Anne. »Nur zu verschiedenen Zeiten.«
»Richtig.«
»Und was machen wir jetzt?«
May hob die Schultern. »Ich muss etwas trinken«, flüsterte sie. »Danach werden wir uns hinsetzen, reden und darüber nachdenken, wie es weitergeht.«
»Hast du keinen Hunger?«
»Kaum.«
»Aber ich.« Anne Wilde lächelte. »In der Nähe ist eine Pizzeria. Ich werde dort etwas holen.«
»Tu das.«
Anne verschwand, hatte kaum die Tür hinter sich geschlossen, als May Feldman sich auf einen Stuhl setzte, den Rücken gegen das Korbgeflecht der Lehne drückte und es nicht schaffte, die Tränen zurückzuhalten. Sie liefen über ihre Wangen. Mit beiden Frauen war etwas Furchtbares und Unheimliches geschehen. Etwas, das sie keinem sagen konnten, weil man sie sonst in eine Nervenklinik eingesperrt hätte. May heulte wie ein Schlosshund. Sie spürte wieder, wie sie das Zittern überkam. Sie konnte nicht dagegen ankämpfen. Es war ein regelrechter Weinkrampf, der erst viel später abflaute.
So fand sie Anne Wilde.
Anne hatte auch noch etwas zu trinken mitgebracht. Italienischen Rotwein aus der Toscana, aber selbst den lehnte May Feldman ab. Sie konnte nichts essen und auch nichts trinken. Kehle und Magen waren wie verstopft.
»Dann eben nicht«, sagte Anne. Sie setzte sich an den Tisch und packte die Pizza aus dem Karton. Vor dem Verlassen des Hauses hatte sie sich noch rasch umgezogen. Sie trug jetzt ihre grauen Jeans, einen dünnen Pullover und die Lederjacke, die ihr zu warm war, deshalb zog sie das gute Stück aus.
Dabei dachte sie daran, dass sie mit der ganzen Wahrheit noch zurückhaltend sein wollte. Es hatte keinen Sinn, May zu sagen, was zusätzlich noch passiert war.
Sie hatten ja nicht nur einige Stunden in dem anderen Zustand ausgeharrt, nein, er hatte drei Wochen gedauert, zumindest bei Anne Wilde. Und diese Tatsache ließ sie frösteln. Aber sie weigerte sich strikt, darüber nachzudenken. Anne wusste nur, dass Westlake für seine Assistentinnen ein Mini-Apartment mietete, wenn er sich länger an einem Ort aufhielt. In diesem Fall war es London gewesen.
May Feldman weinte noch immer, nur nicht mehr so schlimm. Anne hatte längst beschlossen, dass sie mit ihr reden musste, nur nicht in diesem Zustand.
Sie aβ. Zwischendurch hob May den Kopf, schaute sie aus verheulten Augen an und sagte: »Ich bin eine blöde Gans, nicht?«
»Warum?«
»Weil ich hier hocke und flenne.«
Anne winkte ab. »Das ist nicht weiter tragisch. Wenn es mehr nicht ist.« Sie trank einen Schluck Wein. »Andere wären durchgedreht und vielleicht aus dem Fenster gesprungen.«
»Das sagst du.«
»Dabei bleibe ich auch. Jedenfalls haben wir überlebt. Und das ist auch etwas.«
»Sicher.«
»Klingt nicht optimistisch.«
May stand auf und zog sich um. Sie streifte ein rotes Wollkleid über, das ziemlich kurz war und wie eine Glocke fiel. Danach verschwand sie im Bad, und Anne hörte sie murmeln: »Ich muss furchtbar aussehen. Schrecklich!«
»Macht nichts, Baby, wir packen das schon.«
»Meinst du?«
»Klar doch.«
»Und wie?«
»Sage ich dir gleich. Lass mich erst einmal essen.« Anne Wilde schaute zum Fenster.
Sie wohnten im achten Stock. Der Himmel über London war winterklar. Die Luft schien zu knistern, es war sehr kalt geworden. Die Temperaturen lagen unter dem Gefrierpunkt. Nahe der Themse würden jetzt Dunstschwaden über die Fahrbahnen streifen und auf ihnen gefrieren, sodass sie die Straßen zu Rutschbahnen machten.
Die Wintersonne stand wie ein blasser Kreis am Himmel. Im Januar hatte sie noch keine Kraft, aber einige Wochen später würde es schon anders aussehen.
Was war nur mit ihnen geschehen? Anne Wilde dachte darüber nach, und plötzlich schmeckte ihr die Pizza nicht mehr. Sie hatte das Gefühl, sich irgendeinen faden Teig zwischen die Zähne zu klemmen.
Sie schob die Hälfte zur Seite, gönnte sich einen kräftigen Schluck Wein, spülte den Mund aus, schaute wieder zum Fenster hin und dachte daran, dass die Sonne bald verschwinden würde, denn der Tag neigte sich bereits dem Ende zu.
May Feldman kehrte zurück. Sie sah jetzt besser aus, hatte ihr Gesicht gewaschen und Rouge aufgelegt. Sogar das Haar hatte sie durchgefönt. Es fiel in Wellen zu beiden Seiten des Kopfes herab und schwang bei jedem Schritt im Gleichklang mit dem Kleid.
»Gut siehst du aus, May.«
»Hör auf, Anne.«
»Wein?«
May blieb vor dem Tisch stehen und drückte ihre Handballen gegen die Kante. »Wäre nicht schlecht.«
»Hol dir ein Glas. Ich bin zu faul, um aufzustehen.«
Es befand sich alles in einem Raum. Er diente als Schlaf- und Wohnzimmer. Sogar eine Miniküche war eingerichtet worden. Sie lag hinter einem Vorhang.
Zielsicher fand May ein Glas. Darüber wunderte sie sich. Obwohl es nicht ihre Wohnung war, hatte sie nichts vergessen. In London war sie schon geboren, hoch im Norden, nicht...
| Erscheint lt. Verlag | 2.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3466-1 / 3838734661 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3466-8 / 9783838734668 |
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