Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

John Sinclair 743 (eBook)

Finsternis (2. Teil)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3473-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 743 - Jason Dark
Systemvoraussetzungen
1,99 inkl. MwSt
(CHF 1,90)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990-1999!

Finsternis (2. Teil).

Ich schaute dem Tod in die Augen!

Es war nicht der Tod in Gestalt eines Knochenschädels oder in der eines Killers, nein, vor mir stand ein Junge von etwa zwölf Jahren an der Hotelrezeption, eingehüllt in einen seidig schimmernden blauen Mantel, der mehr wie ein Vorhang wirkte und so gar nicht zu dem Bild passen wollte, was ich mit dem Begriff Tod bezeichnete. Und trotzdem war er es!

Ich konnte es nicht beweisen, ich fühlte es nur. Es war das unheimliche und nicht erklärbare Band, das sich zwischen uns beiden aufgebaut hatte. Ein Band, das auch nicht sichtbar wurde, aber er und ich wussten von diesem Augenblick an, dass wir Feinde waren!

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Finsternis (2. Teil)


Ich schaute dem Tod in die Augen!

Es war nicht der Tod in Gestalt eines Knochenschädels oder in der eines Killers, nein, vor mir stand ein Junge von etwa zwölf Jahren an der Hotelrezeption, eingehüllt in einen seidig schimmernden blauen Mantel, der mehr wie ein Vorhang wirkte und so gar nicht zu dem Bild passen wollte, was ich mit dem Begriff Tod bezeichnete. Und trotzdem war er es!

Ich konnte es nicht beweisen, ich fühlte es nur. Es war das unheimliche und nicht erklärbare Band, das sich zwischen uns beiden aufgebaut hatte. Ein Band, das auch nicht sichtbar wurde, aber er und ich wussten von diesem Augenblick an, dass wir Feinde waren!

Das braunschwarze Haar fiel ihm in die Stirn. Sein Mund war ziemlich weich, er hätte auch zu einem Mädchen gepasst, ebenso das Kinn. Ich konzentrierte mich auf die Augen, die ebenfalls keinen grausamen Schimmer zeigten, wenigstens nicht offen. Doch tief in den Pupillenschächten, was nur zu ahnen und nicht zu sehen war, da lauerten ein Feuer und eine Kraft, die mich schaudern ließen.

Ich sprach nicht. Es hätte keinen Sinn ergeben, mit ihm zu sprechen. Zudem hätte ich nicht die Antworten bekommen, die ich mir erhoffte. Ich versuchte, möglichst gleichgültig zu sein und stellte den Prospekt von Pontresina, den ich in der Hand gehalten hatte, wieder zurück in das Fach des Ständers.

Wir hatten uns vielleicht für vier, fünf Sekunden angeschaut. Das konnte eine sehr lange Zeit sein, und es war der Junge, der seinen Blick senkte und den Kopf zur Seite drehte. Damit wandte er sich der hochgewachsenen Frau zu, die noch mit den Mitarbeitern des Hotels sprach, die hinter der Rezeption standen.

Der Junge legte seine Hand in die der Frau, drückte kurz zu und flüsterte ihr etwas zu.

»Moment mal«, sagte sie.

»Natürlich, Madam.«

Sie beugte sich zu ihrem Schützling hinab, war im wahrsten Sinne des Wortes ganz Ohr, lächelte kühl und richtete sich wieder auf.

Dann drehte sie sich um neunzig Grad und war in der Lage, auf mich zu schauen.

Ich ging nicht weg. Als mich der Blick dieser Person traf, grinste ich. Die Frau musste sich verspottet fühlen, und ich merkte, dass sie für einen Moment zur Reglosigkeit erstarrte.

Sie überlegte, was sie tun sollte. Der Mund mit den breiten Lippen bewegte sich, nur sprach sie kein Wort.

»Geh doch hin!«, hörte ich den Jungen flüstern.

Sein Wunsch war ihr Befehl, und sie setzte sich in Bewegung. Ihr Ziel war ich. Bei jedem Schritt schwang der sicherlich teure Pelzmantel mit seiner unteren Hälfte wie ein Pendel, und die Absätze ihrer Stiefel erzeugten auf dem Boden harte Laute, als sie den Bereich des Teppichs verlassen hatte.

Ich erwartete sie.

Einen Schritt vor mir blieb sie stehen. Ihr Gesicht war etwas grob geschnitten, dennoch konnte man sie als ansehnlich bezeichnen. Sie strich mit einer lockeren Bewegung die Haare aus dem Gesicht und fragte mit samtweicher Stimme, hinter der ich durchaus ein gefährliches Lauern vernahm: »Kennen wir uns, mein Herr?«

»Nicht dass ich wüsste.«

»Sollten wir uns denn kennen?«

Sie holte aus der Manteltasche eine Schachtel und entnahm dieser eine Zigarette. Ich war höflich, von mir bekam sie das nötige Feuer für den Glimmstängel. Den ersten Rauch blies sie an mir vorbei. »Mein junger Begleiter hat sich über Sie gewundert.«

»Warum?«

»Sie schauten ihn so seltsam an …« Dieser Satz war so ausgesprochen, als sollte ich ihn beenden, aber von mir bekam sie nur eine Frage gestellt.

»Hat er nicht auch so geschaut? Sie wissen ja, wie das ist. Da steht man im Hotel, dreht sich um, und genau in dem Augenblick dreht sich ein anderer Gast ebenfalls um. So kommt es halt zu einem Blickkontakt. Es hätte auch uns beide treffen können, was mir persönlich sogar angenehmer gewesen wäre, Madam.«

Sie saugte wieder an der Zigarette. Diesmal blies sie mir die Hälfte des Rauchs ins Gesicht, was eine feine Lady auch nicht tat. Ich reagierte nicht. »Diese falschen Komplimente können Sie sich sparen, mein Herr, wirklich.«

»Es war ehrlich gemeint.«

»Nein.« Sie räusperte sich. Bei den folgenden Worten hatte ihre Stimme einen anderen Klang bekommen. »Was wollen Sie von dem Jungen? Sagen Sie es mir!«

»Nichts.«

»Gehören Sie zu uns?«

Ich hob die Schultern und spreizte die Arme. »Ich gehöre niemanden, Madam, ehrlich.«

Sie war wütend geworden. Ich merkte es an ihrem Verhalten. Die dunklen Augen hatten einen eisigen Ausdruck bekommen. Sie machte wieder einen Zug. Wieder bekam ich den Rauch ins Gesicht und sah sie nur verschwommen. Durch die sich allmählich zerfasernde Rauchwolke sprach sie mich an. »Hüten Sie sich, mein Herr. Nehmen Sie sich in acht. Kommen Sie dem Jungen nie zu nahe, verstanden?«

»Natürlich. – Ihnen auch nicht?«

Mein Spott hatte sie getroffen. Sie zischte einen Fluch, dann drehte sie sich auf der Stelle herum. Mit harten Schritten lief sie auf die Rezeption zu und erkundigte sich mit ebenfalls harter Stimme, ob die Suite mittlerweile gerichtet sei.

»Es ist alles so, wie Sie es sich vorgestellt haben, Madam.«

»Danke.« Sie fasste den Jungen wieder an, drehte sich herum und zog ihn mit.

Beide gingen mit schnellen Schritten auf die zweite Glastür zu, die in die große Halle führte. Dann schlugen sie den Weg zum Fahrstuhl ein. Bevor der Junge aus meinem Blickfeld verschwand, drehte er sich noch einmal um.

Er schaute mich an.

Sehr kurz nur – und wiederum überkam mich das Gefühl, dem personifizierten Tod ins Gesicht zu schauen.

Ich atmete aus, entspannte mich und wusste genau, dass ich in dieser kleinen Vorhalle des Grand Hotels Krone eine sehr entscheidende Begegnung gehabt hatte.

Die Frau und der Junge waren erst vor wenigen Minuten eingetroffen und ausgesprochen höflich, wenn nicht schon unterwürfig behandelt worden. Sie mussten etwas Besonderes sein, in welchem Sinne auch immer. Das würde ich herausfinden, und ich ging schon jetzt davon aus, dass es mit den seltsamen Vorfällen in einem unmittelbaren Zusammenhang stand, die mich so misstrauisch gemacht hatten. Bei einem mysteriösen Anruf hatte man mir sogar versprochen, das blutende Herz aus der Brust zu reißen. Wirklich reizende Aussichten. Und das im Urlaub!

Hinter der Rezeption blieb nur die junge Frau mit dem blonden Kurzhaarschnitt zurück. Die beiden Männer waren in einem rückwärtigen Raum verschwunden.

Ich ging auf die Theke zu.

Die Frau lächelte mich an. »Was kann ich für Sie tun, mein Herr?«

»Erstens hätte ich gern meinen Zimmerschlüssel.«

Den bekam ich.

»Zum zweiten bin ich mit Franca Simonis verabredet. Ich möchte sie gern anrufen. Unter welchem Anschluss kann ich sie erreichen?« Mit dieser Formulierung hatte ich das direkte Fragen nach der Zimmernummer raffiniert umgangen.

»Einen Moment bitte.« Die Angestellte schaute nach und sagte mir die Nummer. »Vierhundertzwölf.«

»Danke sehr. Ich telefoniere von der Halle aus.«

»Natürlich.«

Ob sie mir glaubte, wusste ich nicht. Es berührte mich auch nicht. Für mich war wichtig, mit Franca Simonis Kontakt aufzunehmen, denn sie schien nicht nur auf meiner Seite zu stehen, sie wusste sicherlich auch einiges, das diesen Fall erhellte.

Den Lift nahm ich nicht. Statt dessen stieg ich die Stufen in einem breiten prachtvollen Treppenhaus hoch.

Mein Ziel war die vierte Etage …

*

Weil Franca Simonis sich noch immer mit dem für sie sehr aufschlussreichen Telefongespräch beschäftigte, achtete sie nicht auf ihre Zimmertür, die von außen her lautlos aufgedrückt worden war. Das letzte Gespräch mit der Zentrale hatte ihr die Augen geöffnet und ihr klargemacht, dass die Gefahr in unmittelbarer Nähe schwebte.

Aber wo?

An die Tür dachte sie nicht, sie schaute aus dem Fenster gegen die mächtige Kulisse der Berge, ohne diese jedoch richtig zu sehen. Jedenfalls blickte sie irgendwie an ihr vorbei, und in Francas Kopf drehten sich die Gedanken.

Eine Hand im schwarzen Lederhandschuh hatte sich um den Türrahmen geklammert. Das Leder zeigte einen matten Glanz, als wäre es angestrichen worden.

Es war kein Luxuszimmer, in dem Franca wohnte, dennoch war es teuer. Hier ließ man sich eben die Kulisse und den Schnee mitbezahlen.

Es gehörte dazu: ein schmaler Flur, der begehbare Kleiderschrank, die Toilette, das Bad und der Hauptraum mit dem breiten Bett, in dem zur Not auch zwei Personen Platz hatten. Ein Schreibtisch fehlte. Dafür stand schräg vor dem Bett ein Sessel vor einem runden Tisch.

Eine Gestalt betrat den Raum.

Sie trug Schuhe mit weichen Sohlen. Hinzu kam der Teppich, der jedes Schrittgeräusch dämpfte, so konnte der Eindringling das Hotelzimmer lautlos betreten.

Er schloss die Tür.

Auch dabei verursachte er für Franca kein hörbares Geräusch. Um seine Lippen glitt ein Lächeln, als er sah, dass die Frau am Fenster stand, ihm den Rücken zudrehte und völlig ahnungslos war.

So hatte er es sich erträumt.

Der Mann ging weiter. Mit wenigen Schritten hatte er den kleinen Flur hinter sich gelassen. Da dieser nicht durch eine Tür vom Zimmer getrennt war, brachte ihn der nächste Schritt bis dicht an das Bett.

Da fuhr Franca Simonis herum!

Sie hatte sich so gut in der Gewalt, dass sie nicht einmal einen Schrei ausstieß. Zudem war ihr etwas aufgefallen. In der Fensterscheibe hatte sie die Bewegung hinter sich erkennen können und nicht genau gewusst, was da passierte.

Jetzt wusste sie es.

Vor ihr stand ein...

Erscheint lt. Verlag 2.9.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3473-4 / 3838734734
ISBN-13 978-3-8387-3473-6 / 9783838734736
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
HORROR | Die Vorgeschichte des Katz-und-Maus-Duetts

von H. D. Carlton

eBook Download (2025)
VAJONA (Verlag)
CHF 11,70