John Sinclair 742 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3472-9 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990-1999!
Der Junge mit dem Jenseitsblick (1. Teil).
Skifahren, faulenzen und wandern waren angesagt Urlaub total. Und das für mich, John Sinclair, den Geisterjäger, Oberinspektor und Junggeselle. Unfassbar! Eine Woche lang locker sein, entspannen ... Ich hatte meinen Koffer gepackt und war losgefahren, sehr zur Überraschung meiner Freunde. Sie ahnten nicht, mit wem ich diesen Urlaub verbringen wollte ... Die Frau hieß Jessica Long, eine Künstlerin, ein Geschöpf, das mich vom Hocker riss. Wir wollten unsere Beziehung geheim halten und den Urlaub genießen, doch den Plan musste ich teilweise begraben, als der Junge mit dem Jenseitsblick auftauchte ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Der Junge mit dem Jenseitsblick (1. Teil)
Nur die alte Bettlerin wusste, dass etwas Unheimliches, kaum Fassbares die Bahnhofshalle betreten hatte.
War es der Tod?
Die Bettlerin schauderte zusammen. Früher einmal hätte sie die Frage beantworten können, denn da hatte sie das Zweite Gesicht besessen, heute war es leider so gut wie verschwunden, obwohl noch einige Reste davon vorhanden waren.
Sie hatten sich jetzt wieder gemeldet, und über ihren Körper rann ein Schauer. Sie zog den langen Mantel, der Ähnlichkeit mit einer Decke aufwies, noch fester und löste sich aus dem Bereich der langen Schließfachreihen.
Wo verbarg sich der Schrecken?
In der Halle war es kühl. Durch die offenen Türen zum Vorplatz hin pfiff der Wind. Er spielte mit altem Papier und Zigarettenkippen, rollte sie in Strudel hinein und schleuderte sie in langen Bahnen in die Halle. Die alte Frau kümmerte sich nicht darum. Sie ging weiter, hatte den Rücken vornübergebeugt, als würde sie unter einer besonderen Bürde des Schicksals leiden.
Der Bahnhof war auch ihr Schicksal. Der Sturm des Lebens hatte sie hier schließlich stranden lassen. Sie fristete ein erbärmliches Dasein mitten in Deutschland. Und wenn sie an die vergangenen Zeiten dachte, wo es ihr besser ergangen war, konnte sie nur noch weinen.
Um diese Zeit – etwa dreißig Minuten vor Mitternacht – war die Halle des Kölner Hauptbahnhofs ziemlich leer. Der große Betrieb war vorbei, und die Leere gestattete der Bettlerin einen guten Überblick.
Zwischen dem Blumenstand und einem Taschenbuchladen blieb sie stehen. Rechts vor ihr lag der Ausgang. Der Schatten des Doms wuchs in die Höhe des Nachthimmels hinein, als wollte er den Bahnhof vor Gefahren beschützen.
Wenige Reisende trafen ein. Sie würden die Nachtzüge nehmen, die um die Tageswende herum abfuhren.
Aber es gab auch genügend Menschen, die zu Cornelia gehörten. Gestrandete wie sie. Männer und Frauen ohne Hoffnung, denen der Bahnhof als letzte Zuflucht geblieben war. In dieser Nacht spürte sie die Kälte sehr deutlich. Es lag nicht allein an dem kalten Märzwetter, es war auch etwas anderes. Das Wissen nämlich um den Tod, der sich bereits in der Nähe befand.
Die Frau spürte es.
Sie zitterte, sie wischte über ihre Stirn. Zwei Männer sprachen sie an und fragten, was sie hätte.
»Geht weiter.«
»Warum?«
»Lasst mich allein.«
Die Männer verschwanden. Sie stammten selbst aus dem Milieu und wussten, wann ein Mensch allein bleiben wollte. Sie bewegte sich auf eine Anzeigetafel zu und blieb daneben stehen.
Ich muss sie finden. Ich muss es einfach. Nur so kann ich das Unheil abwenden …
Es war nichts zu sehen.
Ein völlig normaler Betrieb in einer ebenfalls völlig normalen Nacht auf dem Kölner Hauptbahnhof.
Die alte Frau stöhnte auf. Immer wieder rann das Prickeln über ihren Rücken. Die Furcht, dass sie zu spät kommen würde, verstärkte sich zusehends. Reisende betraten den Bahnhof. Eine Gruppe von Kindern wurde von zwei erwachsenen Begleitpersonen geführt. Um die Hälse der Kinder hingen Bänder mit den entsprechenden ID-Cards.
Im Hauptdurchgang, der zu den Bahnsteigen führte, sah die Frau die beiden Bahnpolizisten heranschlendern. Die Polizei war hier allgegenwärtig, was auch so sein musste, denn oft genug kam es zu Auseinandersetzungen, wenn irgendjemand durchdrehte oder andere Dinge zu regeln waren. Die Männer halfen, wo sie konnten, sorgten für alte Menschen und auch für ganz junge. Sie brachten Kinder zu ihren Eltern zurück oder besorgten jugendlichen Trampern Unterkünfte für die Nacht.
Die Bettlerin schaute ihnen entgegen. Sie wollte den Kontakt mit ihnen. Hatten sie denn nichts gemerkt? Sie mussten doch wissen, dass der Tod den Bahnhof betreten hatte.
Sie taten nichts, gaben sich völlig normal, lachten sogar, denn diese Nacht war besonders ruhig angelaufen. Es hatte keinerlei Aufregungen gegeben, keine Schlägereien, kaum Betrunkene, und auch die Reisenden verhielten sich ruhig.
Sie trat ihnen in den Weg.
Die beiden Polizisten blieben überratscht stehen. »He, was ist das denn? Du, Cornelia?«
»Ja, ich.« Sie nickte.
»Hast du was auf dem Herzen?«
Sie schaute in ihre Gesichter und versuchte, darin zu lesen. Vielleicht ahnten sie etwas, was sie herausfinden konnte, aber das war nicht der Fall. Gleichgültig und dabei leicht amüsiert sahen sie die Stadtstreicherin an.
»Rede doch.«
Cornelia hob die Schultern. »Es tut mir leid, wirklich. Ich dachte, ihr hättet etwas gemerkt.«
»Was denn gemerkt?«
»Von der Gefahr!«
Die jungen Beamten blieben cool. »Gefahr, sagst du? Welch eine Gefahr denn?«
»Die sich hier festgesetzt hat.«
Die Männer schauten sich an. »Das musst du uns genauer erklären. Wir sehen keine Gefahr. Hast du irgendwelche Verbrecher entdeckt. Männer mit Bomben oder so …?«
»Viel schlimmer«, flüsterte sie. »Viel schlimmer …«
Einer von ihnen lachte. »Jetzt sag nicht, dass du wieder deine allseits bekannten Vorahnungen gehabt hast. Ist es über dich gekommen? Hast du etwa …?«
»Ich habe tatsächlich.«
»Wer ist es diesmal?«
»Ich kann es euch nicht genau erklären. Jedenfalls ist es urböse, wenn ihr versteht.«
»Nein, verstehen wir nicht.«
»Das ist schlecht.«
»Aber du hast ihn gesehen?«
Cornelia schüttelte den Kopf. »Nicht gesehen, nur gespürt. Er ist hier im Bahnhof. Er ist gekommen.«
»Wer denn?«
Sie holte tief Luft. »Der Unheilbringer. Ein schreckliches Wesen, eingepackt in. die Schutzhülle eines Menschen. Seine Magie ist wahnsinnig stark, sie hat mich sogar berührt, ich komme von ihr nicht weg. Ich spüre es mit jeder Faser meines Körpers.«
»Das hast du uns schon öfter gesagt.«
»Stimmt. Aber nie war es so schlimm. Ihr müsst etwas dagegen tun.« Sie zitterte am gesamten Leib, fasste einen der Polizisten an und schüttelte ihn.
»Kannst du ihn nicht beschreiben?«
»Nein, nein, ich habe ihn noch nicht gefunden. Ich werde aber weitersuchen.«
»Tu das, Cornelia.«
»Und ihr solltet dabei sein. Es ist besser für euch, ihr müsst es einfach.«
»Nun mal langsam, Cornelia. Wir haben unsere Jobs, das weißt du. Und du weißt auch, dass wir erst eingreifen können, wenn irgendetwas passiert ist. Dann aber kannst du dich auf uns verlassen, das weißt du sehr genau.«
»Dann wird es zu spät sein.« Ihre Stimme klang traurig, und sie hatte den Kopf gesenkt.
»Bisher hat alles geklappt. Du kannst ja in einer Stunde noch mal mit uns sprechen.«
»Schon gut.« Sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, hob die Schultern und drückte sich an den beiden Männern vorbei, die ihr amüsiert nachschauten und dann, als sie außer Hörweite war, über sie sprachen.
»So schlimm ist es mit ihr noch nie gewesen.«
»Richtig.«
»Glaubst du ihr denn?«
»Nein, sie tut mir nur leid. Ja, sie tut mir leid. Sie ist ein armes Geschöpf, das auch schon bessere Zeiten erlebt hat. Jetzt hängt sie hier, ist gestrandet, träumt vielleicht von den alten Zeiten, die längst vorbei sind.«
»Manchmal könnte man reinschlagen. Dabei war sie mal wer.«
Der andere Kollege nickte. »Eine Künstlerin, eine Wahrsagerin, jemand mit dem Zweiten Gesicht. Ich habe mal alte Fotos von ihr gesehen. Da war sie wirklich gut.«
»Was soll’s? Die Zeiten sind vorbei.« Der Sprecher drehte sich noch mal um. Er schaute in den breiten Gang hinein und sah auch die alte Frau, wie sie ihren Weg fortsetzte. Sie machte den Eindruck, als wollte sie auf einen Bahnsteig gehen.
In der Tat spürte Cornelia den Drang. Sie hatte ihre Schritte nicht bewusst in diese neue Richtung gelenkt, sondern sich kurzerhand treiben lassen. Irgendwo musste es ein Ziel geben, irgendwo konzentrierte sich die Gefahr.
Die Bahnhofshalle war von ihr bereits durchquert worden. Wo hielt sie sich jetzt versteckt?«
Cornelia ging an der linken Seite vorbei. Sie schaute in die hell erleuchteten Auslagen eines kleinen Delikatessengeschäfts, sie passierte die Würstchenbude, wo einige Menschen ihren Hunger stillten, und spürte dabei, dass sich der Tod nicht unter die Hungrigen gemacht hatte. Er musste woanders sein.
An jedem Aufgang blieb sie stehen. Schaute die Stufen der Treppe hoch und konnte so auf den Bahnsteig schauen, wo sie zumeist das helle Rund der Normaluhr entdeckte, das von oben her wie ein blasses Auge auf sie niederschien.
Jemand sprach sie an, wollte Feuer haben. Ein »Kollege«. Sie gab ihm eine Schachtel Zündhölzer. Er bedankte. sich und ging. Cornelia ging auch. Ihren Plan hatte sie nicht vergessen. Irgendwo würde sie den Tod finden, aber sie wusste nicht einmal, in welch einer Gestalt er sich ihr zeigte. Es gab viel Möglichkeiten für ihn, sich zu verstecken und zu tarnen, die andere Welt kannte alle Tricks.
Cornelia blieb an der linken Seite und bewegte sich nahe an der Wand entlang. Wieder schaute sie auf die Tafel, wo die Abfahrtszeiten der Züge abgedruckt waren. Die kannte sie beinahe auswendig. Deshalb wusste sie auch, dass um Mitternacht herum ein Schlafwagenzug in die Schweiz fuhr. Kurswagen brachten die Reisenden in die entsprechenden Feriengebiete. Kurz bevor die Frau über die Rolltreppe zu »ihrem« Bahnsteig hochfuhr, krümmte sie sich plötzlich. Sie riss den, Mund auf und röchelte. Vor ihren Augen tanzten die Stufen, kalt rieselte es ihren Nacken hinab, und sie spürte das andere und Fremde wie einen Sturm, der die Treppe hinabwehte.
Die alte Frau taumelte zur...
| Erscheint lt. Verlag | 2.9.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3472-6 / 3838734726 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3472-9 / 9783838734729 |
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