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John Sinclair 711 (eBook)

Die Psycho-Bombe

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3441-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 711 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990-1999!

Die Psycho-Bombe.

Schon lange gehörten die Ratten zu seinen besten Freunden. Seit Beginn des Sommers, als sich Nico entschlossen hatte, dem Waisenhaus den Rücken zu kehren.

Er war nicht mehr in der Lage gewesen, die Schikanen, den Druck und den Terror auszuhalten. Sogenannte Erzieher, die eigentlich nur die Sprache der Gewalt kannten, sollten die Kinder und Jugendlichen erziehen. Was dabei herauskam, konnte sich jeder vorstellen.

Nico hatte nicht mehr gewollt. Eines Nachts war er verschwunden, einfach so, ohne eine Nachricht zu hinterlassen.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Die Psycho-Bombe


Schon lange gehörten die Ratten zu seinen besten Freunden. Seit Beginn des Sommers, als sich Nico entschlossen hatte, aus dem Waisenhaus zu fliehen. Er war nicht mehr in der Lage gewesen, die Schikanen, den Druck und den Terror auszuhalten. Sogenannte Erzieher, die eigentlich nur die Sprache der Gewalt kannten, sollten die Kinder und Jugendlichen erziehen. Was dabei herauskam, konnte sich jeder vorstellen.

Nico hatte nicht mehr gewollt. Eines Nachts war er verschwunden, einfach so, ohne eine Nachricht zu hinterlassen.

Nico hatte die große Flatter gemacht und war in der Riesenstadt London untergetaucht!

Da er kein Geld hatte, stahl er sich alles, was er zum Lebensunterhalt benötigte, zusammen. Einmal hatte er sich einer Gang angeschlossen, war aber sehr schnell wieder geflüchtet, denn er wollte sich nicht schon wieder unterordnen.

Schließlich war er dort gelandet, wo sich auch die erwachsenen Stromer aufhielten. Er hauste in Gartenanlagen, schlief mal im Schatten der Brücken und war schließlich in der glücklichen Lage gewesen, ein aufgegebenes Hausboot zu finden, das allerdings ziemlich runtergekommen war.

Für ihn aber war es das home.

Dort blieb er, dort verkroch er sich, und dort waren auch die Ratten zu seinen Freunden geworden.

Früher hatte er sich vor ihnen geekelt. Wer aber keine anderen Freunde hatte, durfte nicht wählerisch sein.

Die Ratten bekamen von ihm zu essen. Nico teilte seine Beute und freute sich darüber, wenn die Tiere ihre scharfen Zähne in die gestohlenen Äpfel hackten oder das Brot verschlangen, das Nico irgendwo aufgetrieben hatte.

Zwölf Jahre war er und gehörte zu den Kindern, die früh selbstständig wurden.

Nicos Mutter hatte es aus dem südlichen Spanien auf die Insel getrieben. Dort war sie hängen geblieben, hatte in einer Bar jemanden kennengelernt, und aus dieser Verbindung war Nico entstanden. Wie seine Mutter hatte er lackschwarzes Haar.

Seine Mutter hatte ihn sehr schnell weggegeben, seinen Vater kannte er überhaupt nicht. Nico wusste nicht einmal, ob er noch am Leben war.

Nico lernte früh, sich durchzusetzen, für sich selbst zu sorgen. Auf keinen Fall wollte er zurück ins Heim, auch dann nicht, wenn der Sommer vorbei war und die kalte Jahreszeit einsetzte. Er würde sich immer verstecken und auch im Winter einen warmen Platz finden. Seine Mutter hatte viel von Spanien gesprochen, daran erinnerte er sich noch genau, und dieses Land übte auf ihn eine magische Anziehungskraft aus. Er wusste auch, dass man es nicht nur mit Flugzeugen erreichen konnte, es fuhren auch Schiffe hin. Als blinder Passagier hatte er eine Chance, das Land seiner Träume zu erreichen.

Er war zwar nicht zweisprachig aufgewachsen, doch einige Brocken Spanisch sprach er schon, denn seine Mutter hatte immer versucht, ihm diese Sprache näherzubringen.

Spanien war ein Traum, ein Wintermärchen. London und das Schiff sowie die Ratten aber waren Realität.

Am Tag hatte er sich in der Stadt herumgetrieben und einige Trödelmärkte abgegrast. Er hatte auch ›Beute‹ gemacht und auf unredlichem Weg einige Scheine an sich genommen.

Manche Menschen waren wirklich zu dumm. Besonders Touristen, die ihr Geld lose und zu offen mit sich herumtrugen. Da brauchte man nicht einmal ein ausgebildeter Taschendieb zu sein, sondern nur einigermaßen geschickte Finger zu haben.

Nico war an diesem Tag sehr zufrieden gewesen und fühlte sich auch irgendwie kaputt, als er nach Einbruch der Dunkelheit sein kleines Domizil am Ufer erreichte.

Das Schiff gehörte ihm. Ihm ganz allein, und er war in gewisser Hinsicht stolz darauf, dass es von keinem anderen Stadtstreicher entdeckt worden war. Es war zu seiner Heimat geworden, zu einem Ort, an dem er sich sichtlich wohl fühlte. Niemand kam ihm da in die Quere, und an die Ratten hatte er sich längst gewöhnt.

Der Kahn war so verfallen, dass er schräg am Ufer eines toten Themsearms lag. Manchmal, wenn es windig war und Wellen vom Fluss her in den Arm hineindrückten, schaukelte das Schiff, was Nico sehr mochte, denn da hatte er stets das Gefühl, weggetragen zu werden. Irgenwohin, den Wolken entgegen, die vom Nordwind in Richtung Süden getrieben wurden. Spanien entgegen.

Im Winter würde er dort sein.

Über einen weichen Steg betrat er seine neue Heimat. Es roch faulig, die Luft war dumpf, sie stand über dem toten Flussarm. Unzählige Insekten wirbelten über der dunkel glänzenden Wasserfläche oder fühlten sich in den beiden Uferregionen wohl, wo die Natur einen dichten Bewuchs geschaffen hatte.

Nico zog den Steg ein und schaute noch einmal in die Runde. Die nächsten standen ziemlich weit entfernt, denn dieser Bereich gehörte zum Überschwemmungsgebiet. Nico brauchte keine Furcht davor zu haben, schnell entdeckt zu werden.

Die Sonne hatte sich in eine rote Orange verwandelt. Es war wieder warm geworden. Die letzten Tage hatten kühlere Temperaturen gebracht, da hatte Nico bereits gefroren und daran gedacht, sich wärmere Kleidung zu besorgen, doch nun zeigte die Augustsonne wieder, wozu sie fähig war. Der Sommer blieb.

Nico ging unter Deck.

Er trug seine ›Beute‹ in einer Plastiktasche verborgen und wusste auch genau, wo er sich niederlegen konnte.

Da das Schiff schräg lag und der Rumpf auch einige Löcher aufwies, war Wasser in den alten Kahn gedrungen. An der Backbordseite hatte es sich gesammelt und bildete dort eine schmale, knietiefe Lache.

Das war nicht sein Ort. Nico verbrachte die Nächte zwar unter Deck, aber am Heck, wo sich einmal das Steuerhaus befunden hatte. Auch jetzt stand es noch dort, nur hatte es den Gewalten der Natur nicht trotzen können und war teilweise zusammengebrochen.

Für ihn jedoch war noch genügend Platz vorhanden. Wenn Nico sich hinlegte, dann nie auf den nackten Boden. Er hatte eine alte Matratze geholt, auch einige Decken gefunden und sich so ein Lager geschaffen. Er fühlte sich schmutzig, verschwitzt, doch mit dem Bad wollte er bis zum nächsten Morgen warten.

Nico streckte sich auf dem Lager aus.

Es tat ihm gut, die Glieder langmachen zu können, denn in den letzten Stunden war er viel gelaufen, auch wenn er eine kurze Strecke auf einem Lastwagen als blinder Passagier durch London gerollt war. Die meisten Wege legte er immer zu Fuß zurück.

Er lag auf dem Rücken.

Das Lager war so gewählt, dass er durch eine Lücke im Dach den Himmel sehen konnte.

Er liebte es, wenn sich der Himmel verfärbte, wennn die hereinbrechende Dämmerung die Stadt in einen blutigen Schleier tauchte.

Das war dann die Zeit zwischen Tag und Traum, da gingen Nicos Gedanken auf Wanderschaft und blieben nicht mehr in der Umgebung. Er stellte sich vor, dass derselbe Himmel auch über Südspanien lag, nur noch roter, noch intensiver und flammiger.

Ein wunderschönes Bild, zu dem das Rauschen des Meeres passte und nicht das Gluckern der Wellen gegen die Außenwand des Schiffes. Der Junge besaß genug Fantasie, um sich in diese Lage hineinzuversetzen, aber sehr bald schon würde er dies in natura sehen. Da brauchte er dann nicht mehr zu träumen. Er war oft genug am Hafen gewesen, um sich dort umzuschauen.

Noch wusste er nicht genau, wie er sich an Bord schleichen sollte, aber das war nur eine Frage der Zeit. Ihm würde schon etwas einfallen.

Dann hörte er das Kratzen.

Er konnte die Richtung nicht genau bestimmen, hatte sich früher auch davor gefürchtet, bis ihm klar geworden war, dass es die Ratten waren, die bei Anbruch der Dunkelheit aus ihren Verstecken kamen, um sich an Bord zu bewegen. Sie sahen sich wohl als die einzigen Herren des alten Schiffes an.

Er vergaß sie nie.

Unterwegs hatte er zwei Äpfel gegessen, sich von dem gestohlenen Geld zudem mit Hamburgern vollgestopft, doch an den Proviant für die Ratten hatte er gedacht.

Einige Möhren, aus dem Abfall eines Tagesmarktes herausgesucht sowie Blätter, Grünzeug und halb verfaulte Äpfel bildeten an diesem Abend die Palette der Nahrung.

Er hatte sie an denselben Platz gelegt wie immer, und die Ratten wussten Bescheid.

Früher hatten sie immer gezögert, sich den Dingen zu nähern. Diese Scheu war inzwischen verschwunden. Jetzt kamen sie sehr schnell heran, sobald die Gerüche ihre empfindlichen Nasen erreichten.

Das eine Ende der Matratze schloss mit der Wand ab. Nico setzte sich aufrecht, als er die trippelnden Schritte der Ratten hörte, und schaute nach vorn.

Nicht nur das Loch über ihm war vorhanden, es gab auch keine Scheiben mehr in dem ehemaligen Führerhaus. Durch die Öffnungen wehte der Wind. Er brachte den Geruch des fauligen Brackwassers mit, denn dieser Kanal gehörte zu den toten Gewässern.

Die Ratten huschten heran.

Zuerst waren es nur drei, dann vier, schließlich sechs. Und sie hätten auch auf Nicos Körper Platz gefunden, wenn dort die Nahrung gelegen hätte, so aber blieben sie vor ihm, kümmerten sich nicht um ihn und fraßen gierig.

Nico schaute ihnen zu.

Und er schaute ihnen gern zu, weil er sich durch sein Schicksal mit ihnen verbunden fühlte. Auch die Ratten waren ausgestoßen, niemand wollte sie haben, und genau diese Wesen – ob Mensch ob Tier – gehörten zu Nicos Freunden.

Es war wie immer.

Die Ratten fraßen, sie zerhackten mit ihren Zähnen die Nahrung, sie balgten sich darum, aber sie fraßen das Zeug nicht auf.

Urplötzlich änderte sich ihre Haltung.

Nico schaute zu. Er konnte sich nur wundern, suchte nach einer Erklärung, wobei ihm das Verhalten der Tiere vorkam, als hätten sie einen gemeinsamen Befehl erhalten, der ihnen sagte, die...

Erscheint lt. Verlag 2.9.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3441-6 / 3838734416
ISBN-13 978-3-8387-3441-5 / 9783838734415
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