John Sinclair 619 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3399-9 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Killer-Blasen (1. Teil).
Wir schritten durch die Stille des Todes!
Der kalte Wind wehte den Leichengeruch über den Ort mit den tiefhängenden Wolken, die wie eine graue Decke wirkten, als wollten sie das Bild des Schreckens gnädig verbergen.
Da gab es nichts zu verdecken. Es war alles so fürchterlich real, so unaussprechlich grausam.
Die Menschen waren tot - alle. Kein Kind, keine Frau, kein Mann - nicht einmal ein Tier hatte überlebt. Dieses kleine Dorf war zu einer Stätte des Todes geworden ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Killer-Blasen (1. Teil)
Neben mir stand Wladimir Golenkow und weinte. Ja, dieser hartgesottene KGB-Mann konnte das Weinen nicht zurückhalten. Nicht laut, es war ein stilles, verzweifeltes Schluchzen, mehr ein Zucken, das über sein Gesicht und den Rücken lief.
Es war Schnee gefallen. Er bedeckte die Stätte des Grauens wie ein dünnes Leichentuch. Auch ich war geschockt, stand auf dem Fleck statuengleich und schaute mit leerem Blick in die Ferne, ohne überhaupt irgendetwas wahrzunehmen. Den Kragen der dicken Winterjacke hatte ich hochgestellt, um mich vor dem Wind zu schützen. Auf meinem Kopf saß eine Pelzmütze, die Ohrenklappen hingen nach unten. Ein breiter Schal umschlang meinen Hals wie eine grüne Schlange.
»Ich habe es zuerst nicht glauben können und wollen, John, aber du siehst es selbst. Es ist unbeschreiblich. Keiner der Bewohner hat überlebt.«
Ich nickte nur und ging einige Schritte vor. Die Straße war nicht asphaltiert, sie bestand aus festgestampfter Erde. Im Sommer, wenn es regnete, verwandelte sie sich bestimmt in eine gewaltige Schlammbahn, jetzt lag der Schnee auf dem gefrorenen Untergrund und füllte die tiefen Mulden der Reifenspuren.
Es hatte die Menschen überall erwischt. In ihren Häusern und auch davor. Nicht weit von mir entfernt stand ein Leiterwagen, mit dem die Bauern auf die Felder fuhren. Der Lenker saß noch auf dem Bock, nur nicht mehr als normaler Mensch oder ›normaler‹ Toter, nein, er war zu einem Skelett geworden.
Ich steuerte ihn an. Unter meinen Füßen knirschte der Schnee, zerbrachen kleine Eisklumpen wie sprödes Glas. Ein bestimmter Verdacht war in mir hochgekeimt. Bevor ich ihn aussprach, wollte ich mir den Toten aus der Nähe betrachten.
Er saß noch auf dem Bock. Der Schnee hatte über das Gerippe eine dünne Schicht gelegt. Ich stäubte sie an einigen Stellen ab und puhlte die Kristalle aus den leeren Augenhöhlen.
Die blanken Knochen schimmerten, als wären sie geschmirgelt worden. Ein Pferd hatte noch im Geschirr gestanden. Es war zusammengebrochen, seine Knochen lagen ebenfalls verdreht auf dem Boden.
Hinter mir hörte ich die Schritte des Russen. »Na, Towaritsch, hast du etwas entdeckt?«
»Das kann ich wohl sagen. Es war gut, dass du mich geholt hast, Wladimir.«
»Weshalb?«
Mein Lachen klang in der kalten Luft scharf. »Ich habe nämlich einen bestimmten Verdacht. Je länger ich mir das Skelett anschaue, umso mehr verhärtet sich mein Eindruck.«
»Bitte, sag schon.«
Ich schaute den blonden Russen mit den kantigen Gesichtszügen an. »Der Todesnebel, Wladimir. Es muss der verfluchte Todesnebel gewesen sein. Eine andere Erklärung habe ich dafür nicht.«
Er nickte nur. Wahrscheinlich hatte er gar nichts begriffen.
»Du willst eine Erklärung?«
»Sicher.«
Ich hob die Schultern und schaute gegen den bleigrauen Himmel. Es würde noch mehr Schnee geben, das stand für mich fest, aber konnte ich meinem Freund aus Russland überhaupt eine Erklärung geben? Der Todesnebel, vorausgesetzt, er hatte hier zugeschlagen, war etwas besonders Schlimmes, etwas Furchtbares, denn dieser Nebel brachte es fertig, den Menschen die Haut von den Knochen zu lösen und nur das Gerippe zurückzulassen. Es gab praktisch kein Mittel gegen ihn, bis auf wenige Ausnahmen, zu denen mein Kreuz gehörte.
Der Todesnebel konnte von einem bestimmten Gegenstand produziert werden, dem Würfel des Unheils. Der wiederum befand sich im Besitz eines mächtigen Dämons, dem Spuk. Sollte diese furchtbare Gestalt hier ihre Finger im Spiel gehabt haben?
Noch hatte ich nicht den Beweis. Mir fehlte zudem das Motiv. Was hier geschehen war, das sah nach einer willkürlichen Zerstörung aus. So gefährlich der Spuk auch sein mochte, ich traute ihm diesen Überfall eigentlich nicht zu.
Ich schaute Wladimir Golenkow vor meiner nächsten Frage an. »Ihr habt nicht herausbekommen, wann genau dieser fürchterliche Vorfall passierte?«
»Nein, John, das haben wir nicht. Vielleicht sind es einige Tage her, vielleicht schon Wochen. Jäger entdeckten die Toten. Himmel, wir befinden uns hier in der Einöde der gewaltigen Wälder. Ein paar Kilometer entfernt liegt die finnische Grenze. Hier kannst du tagelang durch Buchenwälder laufen, ohne dass du einem Menschen begegnest. Es gibt eine Straße, die zur Grenze führt. Diese Menschen hier leben vom Holzabbau, es hat sie überrascht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Auf einmal sind sie gestorben.«
»Ja, das stimmt. Der Nebel, der Todesnebel, produziert durch den Würfel des Unheils. Verdammt, weshalb?«
»Ein Test?«
Ich schabte mit der Schuhspitze gegen das Eis, das eine Kruste gebildet hatte. »Kann sein, muss aber nicht.«
»Lange liegt es bestimmt nicht zurück«, meinte der Russe. »Ich rieche noch diesen Leichengeruch, den hat der Wind nicht völlig verwehen können.«
»Stimmt genau.«
»War es denn in deinem Sinne, dass ich euch Bescheid gegeben habe?«
»Immer doch. Denn ich gehöre zu den Leuten, die den Todesnebel stoppen können. Mein Kreuz hilft mir dabei, es kann den Nebel vertreiben. Ich werde nicht zum Skelett.«
Wir schraken beide zusammen, weil ein harter Laut die Stille zerrissen hatte. Schräg gegenüber, bei einem der wenigen Steinhäuser, war eine Tür ins Schloss gefallen. Aus dem Haus trat ein weiterer Mann, der mit mir die Reise in die UdSSR angetreten hatte.
Mein Freund Suko!
Er hatte sich in den Häusern umgeschaut, weil er einen entsprechenden Bericht abgeben wollte. Wenn der Nebel richtig zugeschlagen hatte, kannte er keinen Pardon und keine Hindernisse. Da ging er dann voll hinein, drängte sich durch jede Lücke und tastete sich lautlos an die Lebewesen heran.
Wir sprachen ihn nicht an, lasen allerdings an seinem Gesicht ab, was geschehen war. Wenig später gab er auch eine Erklärung. »Es tut mir leid, doch mit Überlebenden brauchen wir nicht zu rechnen. Der Nebel hat alle Bewohner getötet.«
»Wenn er es war«, schränkte Wladimir ein.
Ich hob die Augenbrauen. »Eine andere Erklärung gibt es für uns nicht. Das sind Spuren, die wir kennen.«
»Richtig, John. Dann brauchst du mir nur zu sagen, wer sie hinterlassen hat.«
»Das ist eben unser Problem«, sagte ich, und Wladimir entgegnete: »Ich habe keine Ahnung, ich weiß überhaupt nichts. Man hat mich von oberster Stelle hergeschickt und mir jegliche Vollmachten gegeben. Trotz Glasnost ist nichts durchgesickert, die Presse hat kein Wort erfahren. Ich will, dass es auch so bleibt, denn eine Panik können wir nicht brauchen.«
»Wer kann das schon«, murmelte ich.
Suko atmete scharf durch die Nase aus. »Meinst du nicht, John, dass der Spuk dahintersteckt?«
»Daran habe ich auch gedacht. Nur frage ich mich, welches Motiv ihn geleitet haben sollte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er einfach nur etwas ausprobieren wollte. Man kann zu ihm stehen, wie man will, ich glaube nicht daran.«
»Gibt es denn noch andere Personen, die den Nebel produzieren können?«, fragte Golenkow.
»Ja.«
Er schrak zusammen. In seinen Augen funkelte es plötzlich, als würde Feuer leuchten. »Dann haben wir doch den Kreis der Täter sehr eingeschränkt.«
Ich schüttelte den Kopf. »Haben wir nicht, denn unser Freund Bill Conolly, den du ja auch kennst, besitzt eine Waffe, die goldene Pistole. Mit ihr kann er den Nebel ebenfalls produzieren. Sie ist mit einem tödlichen Schleim vom Planeten der Magier gefüllt. Dieser Schleim regeneriert sich selbst, er kann mit der Waffe also unbegrenzt schießen. Ich weiß, dass es sich unverständlich anhört, wir müssen aber davon ausgehen, dass Bill es nicht gewesen war.«
»Er ja. Kann es denn sein, dass ihm die Waffe gestohlen wurde?«
»Das hätten wir gewusst. Dann wäre aber Holland in Not gewesen, kann ich dir sagen.«
Der Russe hob die Schultern. »Wenn ihr mich fragt, Freunde, ich weiß mir keinen Rat mehr.«
»Ja, wir hängen auch zwischen den Seilen.«
Suko räusperte sich. »Es fragt sich nur, was wir jetzt unternehmen. Wieder nach London zu fliegen, hat keinen Sinn. Wir müssen die Person packen, die den Nebel produziert hat. Also suchen und …«
»Dabei Wochen oder Monate brauchen, wie?«, fragte ich spöttisch. »Denk mal an dieses Land. Es ist nicht nur gewaltig, es ist leer, es ist einsam, die Grenze zu Finnland ist auch nicht weit entfernt. Wenn hier jemand agieren will, findet er die besten Voraussetzungen. Ich glaube fest daran, dass wir nur mehr im zweiten Glied stehen.«
»Hat es Sinn, wenn wir einige Tage hier warten?«, erkundigte sich Wladimir.
»Meinst du, dass er noch einmal kommt?«
»So ähnlich.«
»Nein.« Ich schüttelte den Kopf. »Daran will ich einfach nicht glauben. Der Nebel war hier und hat seine Todesspur hinterlassen. Was sollte er denn noch vernichten können?«
»Wenn man es so sieht, hast du recht, John.«
»Das musst du.«
Suko spreizte die Arme und ließ sie wieder fallen. »Dann wird der Nebel möglicherweise wandern und auch andere Orte überfallen. Oder liege ich da falsch?«
»Das Gegenteil kann dir keiner beweisen«, erwiderte der KGB-Mann. »Wir haben auch nur diese eine Stelle entdeckt. Ein Dorf voller Skelette.« Er schlug gegen seine Stirn. »Das ist der nackte Irrsinn. Ich komme da nicht mehr mit.«
Wir gaben ihm Recht. Suko kam noch einmal auf die Zeugen zu sprechen. »Haben diese Leute eventuell etwas Verdächtiges gesehen? Personen, die nicht in diese Umgebung gehören?«
»Nein.«
Ich verzog den Mund. »Hier herrscht die große Einsamkeit. Wer hier lebt,...
| Erscheint lt. Verlag | 26.8.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3399-1 / 3838733991 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3399-9 / 9783838733999 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich