John Sinclair 614 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3394-4 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Werwolf-Begräbnis.
Manchmal treffen einen Menschen die Schicksalsschläge mit der Wucht eines Dampfhammers. Mir erging es an diesem Tage nicht anders. Ich kam nach Hause, ziemlich ausgelaugt, und entdeckte den Zettel an meiner Wohnungstür.
Stell den Fernseher an und drück die Programmtaste 14. Dann wirst du alles sehen.
Eine halbe Minute lief die Glotze, und ich sah meine eigene Beerdigung ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Werwolf-Begräbnis
Manchmal treffen einen Menschen die Schicksalsschläge mit der Wucht eines Dampfhammers oder wie ein lähmender Schock.
Mir erging es da nicht anders. Ich kam nach Hause, ziemlich ausgelaugt, und starrte auf den Zettel. Er klebte mit durchsichtiger Folie von außen an meiner Wohnungstür.
Stell den Fernsehapparat an! Drück die Programmtaste 14. Dann wirst du alles sehen.
Eine Minute später lief die Glotze. Was ich zu sehen bekam, war mein eigenes Begräbnis!
Ich hatte mich nicht einmal hingesetzt, stand neben dem Sessel, und es fiel mir erst jetzt auf, dass im Recorder keine Kassette steckte. Das furchtbare Bild wurde mir durch das normale Programm übertragen. Sehr langsam ließ ich mich nieder. In der Brust spürte ich die Stiche, der Hals war mir trocken geworden, und trotz des Schocks konnte ich meinen Blick nicht von der Szene wenden.
Ich steckte bis zum Hals im Sand, hatte die Augen weit aufgerissen und auf ein Ziel gerichtet.
Vor mir hockte ein Wolf! Sehr groß, mit grauem Fell und halb geöffneter Schnauze. Ob es sich bei ihm um ein normales Tier handelte oder er ein Werwolf war, konnte ich nicht herausfinden. Jedenfalls starrte mich der Wolf an, ohne mich allerdings anzugreifen. Doch er war nicht allein.
Hinter mir sah ich eine Frau.
Dunkelhäutig, von einer wilden Schönheit. Ein etwas unebenes Gesicht mit dicken Wangen, turmhoch gesteckten, dunklen Haaren, ausgestreckten Armen, wobei die Hände auf meinem Kopf lagen, als wollten sie ihn entweder in die Höhe reißen oder mich noch tiefer in den verdammten Boden hineindrücken.
Die mir unbekannte Frau trug ein schwarz-weiß gestreiftes, kurzes Kleid, das einen tiefen Ausschnitt besaß. Aus ihm quollen fleischige Brüste hervor. Die Person war nicht gerade schlank zu nennen, ich würde sie sogar als muskulös bezeichnen.
Dann verschwand das Bild.
Einfach so. Ich sah Schnee über den Monitor flimmern und drückte auf die Aus-Taste.
Langsam sank ich in den Sessel, blieb auf der Kante hocken und dachte nach, was mir allerdings schwerfiel, da ich noch immer unter den Eindrücken des Geschehens stand.
Es war nicht zu fassen. Da zeigte das normale Programm mein Begräbnis, als hätte jemand die Szenen auf einem Video-Band festgehalten. Die Person war mir zudem völlig unbekannt, ich hatte nie mit ihr zu tun gehabt, und ich fragte mich, ob dieser Sender mir einen Blick in meine eigene Zukunft gegönnt hatte.
Das war durchaus möglich, nur nicht logisch und real erklärbar. Nur musste ich mir so etwas eigentlich abschminken, ich hatte mit Magie zu tun, alles andere war zweitrangig.
Ich drückte noch einmal auf die Taste an der Fernbedienung. Jetzt lief das normale Programm. Irgendein Gewinnspiel, in dem die Kandidaten immer jauchzten und sich der Moderator ebenfalls nicht zurückhielt und seine Freude jedes Mal mit den Gewinnern teilte, ob sie nun einen Toaster, ein Radio oder eine Kiste Ölsardinen mit nach Hause nehmen konnten.
Wieso war dieser Film plötzlich in das laufende Programm eingespielt worden?
Ich hatte keine Ahnung, wollte mir die gewollte und gestellte Fröhlichkeit zudem nicht länger mit anschauen und stellte die Kiste aus. Wer kannte sich aus, wer konnte mir helfen?
Mit Suko konnte ich über dieses Problem nicht reden. Er war noch nicht nebenan eingetroffen und wollte die Zeit nutzen, um einiges einzukaufen. Außerdem spielte das Wetter mit, denn London erlebte den ersten starken Frost und wunderbare Wintertage, wo sogar der Himmel eine gewisse Bläue zeigte, über die nur das Sonnenlicht streifte und einen hellen Teppich ausbreitete.
Ich löste anschließend die Nachricht von der Wohnungstür und nahm mir dann vor, den Schock hinunterzuspülen. Der Whisky war gut, den ich mir großzügig einschenkte. Mit dem Glas in der Hand schritt ich nachdenklich durch meinen Wohnraum.
Ich hatte mein eigenes Begräbnis gesehen. Weshalb und wo? Sehr genau stellte ich mir die Szene noch einmal vor und dachte auch über den Hintergrund nach.
Wenn mich nicht alles täuschte, hatte mein Körper in einem weichen Boden gesteckt, wahrscheinlich Sand, und den fand man nur an der Küste.
Aber an welcher?
Bei einer Zigarette analysierte ich auch dieses Problem. Das konnte die englische Küste sein, aber auch irgendeine andere, woran ich eher glaubte, wenn ich mir die dunkelhäutige Frau vorstelle und auch die Vegetation im Hintergrund. Das hatte mir nach Karibik ausgesehen, zumindest subtropisch.
Wie dem auch sei, grundlos hatte man mir die kurzen Ausschnitte bestimmt nicht gezeigt, und ich ging immer mehr davon aus, dass es ein Blick in die Zukunft hatte sein können.
Grundlos steckte man mich nicht in den Sand und schaufelte mich bis zum Kinn zu. Es musste schon mehr dahinterstecken. Möglicherweise hatte ich durch meine Aktivitäten irgendeinen Anstoß dazu gegeben. Welcher das war, stand in den Sternen.
Oder doch nicht?
Es war mir gelungen, die Gefühle zu unterdrücken. Ich dachte an den Fall, an dem ich gerade arbeitete. Keine besondere Sache, wenn auch ziemlich schaurig, aber je länger ich mich mit diesem Gedanken beschäftigte, umso stärker gelangte ich zu der Überzeugung, dass der Film doch etwas mit den Dingen zu tun hatte, die mein Freund und Kollege Suko und ich in Angriff genommen hatten.
Österreich und Mandragoros grausamer Zaubergarten lagen hinter uns. Wir waren in London gelandet, hatten unseren Bericht abgegeben und waren anschließend von unserem Chef, Sir James, in das Ghetto geschickt worden, weil sich dort jemand herumtreiben sollte, der unter dem Einfluss des Bösen stand.
Es ging um einen Mann, der von Götzen und Dämonen sprach, von einem Leben nach dem Tod und dem großen Rausch, dem jeder anheimfallen konnte, wenn er sich damit beschäftigte.
Wie war das denn noch?
Ich drückte die Zigarette aus, nahm den letzten Schluck Whisky und ließ meine Gedanken zurück in die nahe Vergangenheit treiben …
*
Sicherheitshalber waren Suko und ich nicht mit dem BMW, sondern mit dem Dienstwagen in das Viertel gefahren, das von einigen Menschen die Bezeichnung Ghetto bekommen hatte, die dann von anderen übernommen worden war.
Unter Ghetto versteht man ein Gebiet, in dem nur bestimmte Menschen wohnen. In London gibt es mehrere Ghettos. Das der Chinesen, der Puertorikaner, der Inder, der Orientalen … Ich war nicht dafür, konnte die Politik und all das, was im Laufe der Jahre gewachsen war, nicht ändern und hatte mich einfach damit abzufinden.
Ins Ghetto also!
Der Wintertag war sonnig und kalt. Die Menschen, die in diesem Gebiet lebten, befanden sich zwar schon lange in London, an die Kälte jedoch hatten sie sich nie richtig gewöhnen können, denn sie stammten zumeist aus den wärmeren Gefilden der Karibik.
Und so sah es auch in den Straßen aus. Dass wir uns in London befanden, konnten wir vergessen. Auch in der Kälte verlor die Gegend nichts von ihrer Buntheit. Die alten, oft baufälligen Häuser waren farbig angestrichen worden. Auf manchen Fassaden war das düstere Grau völlig unter dem Grün der Palmen verschwunden, über denen zudem noch ein kräftiger Sonnenball stand und leuchtete.
Dies alles deutete darauf hin, wie sehr die Menschen in diesem Viertel die Sonne vermissten.
Geschäfte, kleine Kneipen, Restaurants, sogar im Winter auf den Gehsteigen aufgebaute Marktstände und kleine Garküchen, deren scharfer Geruch sich mit der kalten Luft vermischte.
Dazwischen trieben, Nebelwolken gleich, die Dunstwolken aus den Garküchen, wo Fleisch und Würste auf offenen Feuerstellen ihren Platz gefunden hatten.
In einem schmalen Haus befand sich sogar ein Gewürz-Basar. Daneben verkaufte ein Händler Gemüse und Südfrüchte, wobei er achtgeben musste, dass ihm seine Ware nicht erfror, denn die Temperaturen lagen in Gefrierpunktnähe.
Auch die hier lebenden Menschen gehörten nicht zu den typischen Londonern.
Braunhäutige Männer, Frauen und Kinder, mit großen, dunklen Augen. Die jungen Mädchen strahlten einen natürlichen Sex aus, der allerdings bei dieser Witterung unter dicker Kleidung verborgen lag.
Natürlich hörten wir auch Musik. Neuerdings war der Lambada zu einem Modetanz geworden. Seine Klänge schallten aus zahlreichen kleinen Bars und Kneipen, vermischt mit Mambo- und Sambarhythmen. Trotz der Kälte wurde ich den Eindruck nicht los, dass dieses Viertel ständig in Bewegung war und vor sich hin swingte.
Wir sahen aber auch andere Dinge. Die an die Hauswände gesprayten Parolen, die für mehr oder weniger radikale Reformen warben und den Thatcherismus verdammten.
Irgendwo brodelte es hier immer. Der Untergrund war nicht ruhig. Er kochte, und es gab Leute, die noch immer davon überzeugt waren, aus den Ghettos hervor die Revolution ausrufen zu können.
»Und wo finden wir diesen Aci?«, fragte Suko.
Diesen Namen hatte uns Sir James gegeben. Er sollte Einfluss besitzen, guten Kontakt zu seiner Heimat, und es sollte ihm auch gelungen sein, eine alte Magie einzuführen. Jedenfalls hatte es Opfer gegeben. Keine Toten, aber Menschen, die lautschreiend durch die Straßen gerannt waren und sich als Monster oder Dämonen fühlten, wobei sie noch Waffen getragen und andere verletzt hatten.
Die Polizei hatte sie eingefangen verhört und war auf den Namen Aci gestoßen.
Die normalen Beamten konnten mit den Aussagen nichts anfangen. Sir James hatte das anders gesehen und uns auf Acis Spur gesetzt. Wir mussten ihn allerdings erst einmal finden.
Eine genaue Adresse gab es nicht. Er sollte sein Reich in einem Lokal errichtet haben oder in der...
| Erscheint lt. Verlag | 26.8.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3394-0 / 3838733940 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3394-4 / 9783838733944 |
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