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John Sinclair 613 (eBook)

Mandragoros grausamer Garten

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3393-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 613 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!

Mandragoros grausamer Garten.

Die Hand pflückte die Blume, die Augen sahen das zarte Gesicht mit der apricotfarbenen Haut, die traurigen Kreise der Pupillen und die gläsernen Tropfen der Tränen, die wie klares Schmelzwasser an den Wangen entlangrannen.

Aus einer alten Weissagung des Landes zwischen den Welten.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Mandragoros grausamer Garten


Wer behauptet, das Leben sei frei von Überraschungen, der hat entweder nie richtig gelebt oder ist ganz einfach am Leben vorbeigegangen.

Ich will mich bei Gott nicht als Maßstab aller Dinge ansehen, aber arm an Überraschungen ist mein Leben bestimmt nicht, was ja inzwischen einigermaßen bekannt ist.

Und gerade deshalb freut man sich auf die ruhigen Tage, die auch hin und wieder zu langen Mussestunden einladen, wo der Mensch über sich selbst und sein Leben nachdenken kann.

So erging es mir an diesem Sonntag im späten November. Es war einer der typischen trüben Tage, mit dem tiefen Himmel, den bleigrauen Wolken, einer Temperatur dicht über dem Gefrierpunkt und einem Wind, der manchmal böig und wild in die Straßen blies, als wollte er das letzte Herbstlaub vom Asphalt fegen.

Ab und zu öffneten sich die Wolken und entließen heftige Regenschauer, die in den höheren Regionen mit Schnee vermischt waren. London blieb davon verschont.

An solchen Tagen wollte es auch nicht richtig hell werden. Man hatte den Eindruck, als wäre es die Sonne leid, sich zu zeigen. Sie blieb hinter den Wolken und überließ die Menschen sich selbst.

Da stiegen die Anfälle von Depressionen, da zerrte das Alleinsein an vielen Nerven, da wurden Selbstmordgedanken geboren, und da wünschen sich viele, dass dieser lange, trübe, sonnenlose Sonntag endlich vorüber war.

Selbst die Straßen waren ziemlich leer, man bekam sogar noch Parkplätze. Selbst Touristen hielten sich in ihren Hotels versteckt, anstatt mit gierigen Blicken durch die Straßen zu laufen und nach geöffneten Geschäften zu suchen.

Auch ich verspürte nicht die geringste Neigung, meine Wohnung zu verlassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen stimmte mich das Wetter nicht traurig. Die sonntägliche Ruhe tat mir gut, denn die Zeiten waren normalerweise hektisch genug für mich, da konnte ein derartiger Tag zum Balsam für die Seele werden.

Ich hatte mir vorgenommen, die Beine und ebenfalls die Seele so richtig baumeln zu lassen und nicht an irgendwelche Dämonen oder Teufel zu denken. Mal spät aufstehen, länger duschen als gewöhnlich, mal das Frühstück in Ruhe genießen und schöne Musik hören. An diesem Tag stand ich auf Klassik, lauschte einem Violinkonzert von Beethoven und fühlte mich rundherum wohl.

Vielleicht auch deshalb, weil ich zu den Menschen gehörte, die sich mit sich selbst beschäftigen können. Allerdings hatte ich schon ein etwas schlechtes Gewissen. Anstatt hier herumzusitzen, hätte ich eigentlich in Frankreich sein sollen, um dem Abbé Bloch und seinen Templern die Ikone aus dem Templerschatz zu bringen. Es war ein sehr wertvolles Stück. Wenn sie es verkauften, würden sie ein kleines Vermögen dafür bekommen, und Geld konnte die Gruppe gut gebrauchen, um sich über Wasser zu halten.

Die Reise hatte ich nicht deshalb aufgeschoben, weil mir die Lust fehlte, nein, es war einfach zu viel dazwischengekommen. Der Job ließ mich nicht los. Zuletzt hatte ich, zusammen mit Jane Collins, eine gefährliche Hexe besiegt, die sich ein gewaltiges Reich hatte aufbauen wollen und Männer zu einer Liebesnacht in ihr Schloss lockte.

Mit dem linken Auge schielte ich zum Fenster. Am Himmel hatte sich nichts verändert. Noch immer bildeten die Wolken ein bleigraues Meer. Sie schienen mir sogar tiefer gesunken zu sein.

Ich konzentrierte mich wieder auf die Musik, rauchte eine Zigarette, hatte die Beine ausgestreckt und die Augen halb geschlossen. Dabei dachte ich darüber nach, ob ich die restlichen Stunden des Tages tatsächlich nur in der Wohnung verbringen oder zu einem Spaziergang aufbrechen sollte. Mir den kalten Wind um die Nase wehen zu lassen, dem Wasser der Themse zuzuschauen, durch das feuchte Laub des Hyde Park laufen, all das wäre nicht schlecht gewesen.

Zu nichts konnte ich mich entscheiden, denn ich war einfach zu träge. Was Suko vorhatte, wusste ich nicht. Er wohnte nebenan und hatte ebenfalls davon gesprochen, einen ruhigen Tag zu verleben. Es wäre auch nicht schlecht gewesen, mal wieder richtig schön essen zu gehen, mir fehlte in diesem Jahr noch der Gänsebraten, aber allein in einem Lokal zu sitzen, dazu hatte ich auch keine Lust.

Glenda und Jane wären bestimmt nicht mitgekommen. Aus Figurgründen verzichteten sie auf Gänse, was mich allerdings nicht störte. Ich konnte essen, was ich wollte, und behielt mein Gewicht bei.

So richtig faul sein, herrlich. Wieder musste ich die Arme ausstrecken und genoss es wie eine Katze, die sich wohl fühlte. Ich dachte nicht einmal daran, die Platte umzudrehen oder eine andere Scheibe aufzulegen. Der Weg vom Sessel bis zum Plattenspieler erschien mir einfach als zu lang.

Bis es klingelte!

Zuerst wollte ich es nicht zur Kenntnis nehmen. Ich weigerte mich einfach, empfand das Geräusch als Provokation, mich in meiner herrlichen Ruhe so zu stören, doch beim dritten Klingeln konnte ich nicht anders und wälzte mich förmlich aus dem Sessel, wobei einige kaum druckreife Worte über meine Lippen flossen.

Ich ging durch den schmalen Flur und blieb vor der Wohnungstür stehen, die in Augenhöhe ein Guckloch besaß.

Dahinter zeichnete sich ein bekanntes Gesicht ab. Es gehörte einem der Hausmeister, der in diesem großen Wohnblock seinen Dienst versah. Mein Misstrauen schwand etwas, und bevor er noch einmal klingeln konnte, öffnete ich die Tür.

»Sorry, Mr. Sinclair, ich wollte Sie nicht stören, aber da ist etwas für Sie abgegeben worden.«

»Wie – für mich?«

»Ja, hier.« Mit einem etwas verlegenen Lächeln überreichte er mir einen Karton, um den jemand eine große grüne Schleife gewickelt hatte. Der Karton war mehr lang als breit und besaß die Höhe, wie sie auch bei Schuhkartons üblich war.

»Wer hat ihn abgegeben?« Ich nahm ihn noch nicht entgegen. Bei nicht erwarteten Geschenken erwachte jedes Mal mein gesundes Misstrauen.

»Es war ein Bote.«

»Firma?«

»Flower Express, Mr. Sinclair. Ja, der kam von einem Blumenladen. Mehr kann ich Ihnen auch nicht sagen. Wollen Sie das Ding nun annehmen oder nicht?«

»Okay, geben Sie es her.« Ich nahm ihm den Karton aus der Hand und wunderte mich über dessen geringes Gewicht. Eine Bombe schien er nicht zu enthalten.

Der Hausmeister tippte gegen den Schirm seiner flachen Mütze und zog sich wieder zurück.

Ich trug den Karton auf beiden Händen. Im Wohnraum stellte ich ihn ab, blickte das Geschenk nachdenklich an, dachte daran, dass wir in einem Monat Weihnachten hatten, aber für Geschenke war es trotzdem noch zu früh, wie ich fand.

Möglicherweise hatte mir jemand ein faules Ei ins Nest gelegt und Weihnachten mit Ostern verwechselt. So etwas sollte ja auch vorkommen, wie ich wusste.

Die grüne Schleife bildete auf dem Deckel einen Knoten, den ich auseinanderzupfte, das Band zur Seite legte und den Deckel noch nicht abhob, weil ich zunächst mein Ohr gegen ihn legte, um nach einem verdächtigen Geräusch zu lauschen.

Bomben tickten, das wusste ich, aber hier tat sich nichts. In dem Karton herrschte eine nahezu beklemmende Stille. Ich schimpfte über mein eigenes Misstrauen und dachte daran, dass mir jemand nur eine Freude machen wollte. Dann allerdings hätte er seinen Absender hinterlassen können. Vielleicht fand ich ihn auch im Karton. Mit spitzen Fingern umfasste ich den Deckel, zog etwas daran und konnte ihn tatsächlich in die Höhe hieven.

Mein Blick fiel auf – Seidenpapier!

Ja, dieses dünne Zeug, mit dem man Lücken ausstopfte, wenn ein Gegenstand nicht genau in das Gefäß hineinpasste.

Mein Präsent musste unter dem Papier verborgen sein, das ich vorsichtig zur Seite zupfte.

Und dann hatte ich das Gefühl, einen schrecklichen Traum zu erleben. Einen Traum eingepackt mit Blütenduft und grünen Blättern, denn im Karton lag eine Blume.

Sie besaß einen langen Stiel, dazu breite, grüne, fleischige Blätter, die zur Seite gedrückt worden waren, damit die Blüte in der Mitte freiliegen konnte.

Aber welch eine Blüte!

Nein, keine normale. Sie bestand, ich wollte es kaum glauben, aus einem Menschenkopf …

*

Die folgenden Sekunden bekam ich nicht mit. Ich hatte mehr den Eindruck, als wäre die Zeit stehen geblieben, und es gelang mir einfach nicht, den Blick von diesem ›Geschenk‹ abzuwenden.

Eingepackt in einen Blütenkelch und umhüllt von Blütenblättern lag dieser Menschenkopf, als wäre er ein Teil der Blüte. Sein Gesicht war so genau nachgezeichnet, als würde es leben, die Augen bewegen, mir zuzwinkern oder mich im nächsten Moment anlächeln.

Es war der Kopf eines Mannes, der nicht mehr zu den jüngsten Menschen gehörte. Die Sechzig musste er meiner Schätzung nach überschritten haben, und ich schaute genauer hin, weil in meinem Kopf etwas eingerastet war. Eine Idee zuckte auf, sehr fern, noch längst nicht konkret, aber immerhin begreifbar.

Ich kannte das Gesicht!

Urplötzlich stand es für mich fest. Ja, zum Henker, ich hatte es schon einmal gesehen.

Aber wo?

Ich begann damit, in meiner Erinnerung zu kramen. Jedenfalls musste es lange hergewesen sein, als ich zum letztenmal in das Gesicht geschaut und mit dem Mann gesprochen hatte, zu dem es gehörte.

Natürlich hatte ich nicht nur Freunde in meinem Alter, es waren auch ältere dabei, und dieser Mann, dem das Gesicht gehörte, passte dazu. Mir kam überhaupt nicht in den Sinn, dass es sich um einen Feind handeln konnte. Mich warnte auch kein Gefühl, dieses Gesicht musste mir einfach vertraut sein, nur kam ich im Augenblick nicht auf den Namen und ließ meine Überlegungen vorerst...

Erscheint lt. Verlag 26.8.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3393-2 / 3838733932
ISBN-13 978-3-8387-3393-7 / 9783838733937
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