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John Sinclair 605 (eBook)

Das Gespenst vom Tower

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3385-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 605 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989! Das Gespenst vom Tower. Jeden Abend sagt der Beefeater, der königliche Torschließer des Tower, dieselben Worte. »Ist der Tower Ihrer Majestät verschlossen und gesichert - und alles ist gut!« Ein historischer Satz, der nie verfremdet gesprochen wird. Alles ist gut, so dachte man. Es war nicht alles gut. Ein Schlupfloch existierte auch nach Mitternacht. Doch das kannte nur einer. Die Person war gefährlich, denn sie war das Gespenst vom Tower! Und besessen von einem unheilvollen Mordtrieb ... John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Das Gespenst vom Tower


Sie hatten sich dort kennengelernt, wo sich zumeist die reife Jugend hingezogen fühlt, wenn sie tanzen wollte. Also die Männer und Frauen über dreißig. Für Teenies waren das schon Grufties.

Anne Baker und Justin Gold. – Eigentlich war es Zufall, dass sie zusammentrafen, und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Anne hatte an der Bar gestanden, das Glas mit dem Drink in der Hand. Irgendwann hatte sie sich etwas zu hastig umgedreht.

Justin Gold hatte nicht mehr ausweichen können und auch nicht wollen. Der gefärbte Drink schwappte aus dem Glas und auf sein helles Jackett.

»Ach Gott, nein!«

»Ach Gott, ja«, sagte er und grinste. Himmelblaue Augen starrten ihn an. Dann ging es weiter wie in einer Liebesschnulze. »Wie kann ich das je wieder gutmachen, Mister?«

»Gestatten – Gold, Justin Gold.« Er sagte es so, als würde sich James Bond vorstellen.

»Ich heiße Anne Baker.«

»Da wissen wir schon einiges. Außerdem wüsste ich, wie Sie es gutmachen können. Sie brauchen mir das Jackett nur zu reinigen.«

Da wurden die himmelblauen Augen noch größer. »Das ist hier doch nicht möglich.«

»Das braucht es auch nicht zu sein.«

»Sie wollen weg?«

»Ja.«

»Und wohin, bitte?«

Gold fuhr durch sein angegrautes Haar. »Ich hätte da etwas Romantisches. Lieben Sie Romantik, Anne?«

»Und wie.«

»Auch die Themse?«

»Es kommt darauf an.«

Er lächelte. »Ich kenne da ein kleines Hausboot. In diesem prächtigen Sommer habe ich es gemietet und feststellen müssen, dass auch der September noch wunderbare Tage hat.«

Anne lächelte kokett. »Aber jetzt haben wir Abend. Es ist schon dunkel.«

Er legte ihr eine Hand auf die Schulter und spürte, dass sie anfing zu zittern. »Lassen Sie mich ausreden. Die Nächte auf der Themse sind nämlich noch wunderbarer.«

»Ach ja?«

»Darf ich es Ihnen beweisen?«

»Auf dem Hausboot?«

»Aber ja.«

Anne nickte. »Nun gut, Sir. Sie werden die Situation doch nicht auskosten wollen, nicht wahr?«

»Es geschieht nichts, womit Sie nicht einverstanden wären, Anne. Sie haben schon gezahlt?

Dann lassen Sie mich das übernehmen.« Justin Gold erledigte so etwas locker. Überhaupt war er ein Mann, dem es mal wieder leichtgemacht worden war. Dass diese Anne schon jetzt weich in den Knien war, hatte er sofort gespürt. Sie war zwar nicht unbedingt sein Typ, weil sie etwas zu aufgesetzt reagierte, aber was sollte es? Er wollte in dieser Nacht noch zum Schuss kommen.

Sie wartete neben der Tanzfläche, durch deren Glasboden ein Muster aus Farben floss und dabei noch kreiste. Wer zu lange hinschaute, bekam es mit den Augen.

»Sie hatten einen Mantel?«

»Nein, Mr. Gold.«

»Sagen Sie um Himmels willen Justin.«

»Abgemacht.«

Nicht einmal vierzig Minuten später befanden sie sich auf dem Hausboot, und Anne Baker konnte nur staunen. Sie hatte einen verstaubten Kahn erwartet, genau das Gegenteil hatte sie vorgefunden. Dieses Boot sah aus, als wäre es erst vor einer Woche vom Stapel gelaufen. Anne stand in einem prächtigen Raum, der den Namen Kajüte nicht verdiente. Er war Schlaf-und Wohnraum zugleich.

Die breiten Liegen, das warme Mahagoniholz, die herrliche Bar, der schmale Durchgang zu einem mit hellen Fliesen gekachelten Bad, die leicht schaukelnden Lampen unter der Decke, das alles kam ihr vor, als würde sie einen besonders interessanten Traum erleben, aus dem sie im nächsten Moment aufwachen würde.

Es war kein Traum. Anne merkte es spätestens dann, als warmer Atem und weiche Lippen fast gleichzeitig über ihre Schulter hinwegstrichen und Hände die Linie ihrer Arme nachzeichneten.

»Gefällt es dir?«

»Es … es … ist einfach ein Traum, Justin. Und das gehört alles dir allein?«

»Natürlich.« Er verschwieg ihr, dass er das Boot nur gemietet hatte, noch für zwei Wochen. Bis dahin würde er Anne längst vergessen haben.

Sie trat an eines der Fenster. »Der Fluss und der Tower«, flüsterte sie. »Ich weiß nicht, welchen Aus- oder Anblick ich am meisten bewundern soll.«

»Ist dir der Tower nicht zu düster?«

»Nein, was wäre London ohne ihn?«

»Das stimmt allerdings.« Justin war dicht hinter seine neue Flamme getreten und ließ seine Blicke an ihrer etwas für seinen Geschmack zu dick gepolsterten Rückseite entlanggleiten. »Was möchtest du trinken?«, fragte er mit seiner Verführerstimme.

»Jedenfalls nichts Hartes.«

Justin räusperte sich. »Wie wäre es mit Champagner? Ich habe einen auβergewöhnlichen kaltgestellt.«

»Ha!«, quiekte sie, »dann wusstest du, dass du an diesem Abend jemand abschleppen würdest?«

»Nein«, erklärte er erstaunt. »Es ist ein reiner Zufall gewesen, dass ich dich getroffen habe. Ich bin glücklich darüber. Einfach happy. Wunderbar ist das.« Er küsste sie leicht auf die Wange, und Anne erschauderte. »Bis gleich, Darling.«

Anne hörte ihn weggehen und wechselte auch ihren Standort. Sie ging auf die Steuerbordseite. Wenn sie dort durch das Fenster schaute, konnte sie die dunklen und mächtigen Mauern des Towers sehen. Nie hatte sie dieses gewaltige Bauwerk so bewundert wie an diesem späten Abend. Es war schon komisch. Da wohnte sie seit ihrer Geburt in London und dachte erst jetzt über das Bauwerk nach.

Das Hausboot lag nicht still auf dem Wasser. Aus und gegen das Ufer laufende Wellen wiegten es auf und ab. Für einen Moment schloss sie die Augen und schalt sich innerlich eine Närrin, dass sie sich hatte einfangen lassen wie ein Teenager, der seine erste Liebe erlebt. Vielleicht war es auch so; möglicherweise reagierte man beim Älterwerden wieder wie in der Jugend, aus Angst, etwas zu verpassen.

Anne hatte schon einiges hinter sich. Zwei Verlobungen waren geplatzt, danach hatte sie keine feste Bindung mehr eingehen wollen, und sie wusste auch, dass es bei Justin nicht lange dauern würde.

Es war warm unter Deck. Der schon zuvor genossene Alkohol und das Wiegen des Hausboots sorgten für ein Gefühl der Schläfrigkeit. Gleichzeitig hatte sie auch das Gefühl, von irgendwelchen Schwingen weggetragen zu werden. Ihretwegen ruhig in den Siebten Himmel. Die Realität würde sie früh genug wiederhaben.

Sie öffnete – und … Der Schrei erstarb ihr auf den Lippen. Direkt schaute sie auf das viereckige Bordfenster, und dicht dahinter sah sie ein fürchterliches Gesicht, mit einer dünnen, bräunlichen Haut und sehr breiten Lippen. Quer zwischen ihnen und noch breiter als das Gesicht steckte ein bleicher Knochen …

*

»Justin!!!!«

Ihre Stimme kippte fast über, als sie den Namen des Mannes rief und gleichzeitig mit dem rechten Fuß auftrat. Der Schrei drang durch das Hausboot und alarmierte den Mann.

Er stürzte in den Raum zurück. Sein Jackett hatte er ausgezogen, die obersten drei Knöpfe des beigen Hemds standen offen, die Krawatte lag irgendwo, und er sah eine Frau, die sich einkriegen wollte, die Hände zu Fäusten geballt hatte, gegen eines der Fenster starrte und deren Schreien in einem leisen Wimmern zerfloss.

Er fasste ihre Schultern, drückte seine Fingerkuppen in die weiche Haut und schüttelte Anne. »Bist du verrückt geworden? Was hast du? Bist du krank? Dann sag es gleich.«

»Nein, nein, Justin, nichts.« Sie schüttelte den Kopf. »Ich bin weder krank noch verrückt. Ich habe es nur gesehen.«

»Aha, und was?«

Sie flüsterte die Antwort und drehte sich dabei herum. Diesmal krallte sie ihre rotlackierten Nägel in den Hemdstoff. »Das Gesicht, Justin, die Fratze …«

»Tatsächlich?«

»Ja, zum Teufel.« Sie ließ ihn los und deutete mehrmals auf das Fenster. »Dahinter. Genau hinter dieser Scheibe ist es aufgetaucht. Urplötzlich war es da, und es war so grauenhaft, dass ich einfach schreien musste, denn im Maul steckte quer ein bleicher Knochen. Der … der sah aus wie eine Kannibale.«

»Ach ja?« Justin wollte grinsen oder die Frau für verrückt erklären, aber er sah, dass die Angst in ihrem Gesicht echt war. Wenn er da nichts gegen unternahm, konnte er den Rest der Nacht vergessen und sich selbst einen antrinken.

»Du musst mir glauben, Justin, du musst es! Ich habe mich nicht geirrt. Wirklich nicht.«

»Tatsächlich?«

»Du glaubst mir nicht, wie?«

»Sagen wir mal so. Es fällt mir schwer.« Er fasste sie an. Zuerst an den Schultern, dann ließ er seine Handflächen über ihre Brusthügel gleiten, bevor er sie zu einer Couch führte. »Hier bleibst du jetzt sitzen und wartest, bis ich wieder zurück bin. Okay, Anne?«

»Willst du weg?«

»Klar.«

Sie wollte aufstehen, er drückte sie nieder. »Nicht von Bord. Ich hole uns nur etwas zu trinken. Champagner ist immer gut gegen einen derartigen Schock. Das musst du mir glauben, ich kenne mich da aus.«

Das glaube ich, dass du dich auskennst, dachte sie. Überhaupt gehörte er zu den Männern, die hier eine routinierte Schau abzogen. Ein Typ, der nichts anbrennen ließ. Sie schaute ihm nach, wie er den Raum verließ. Dabei kam ihr sein Gang verändert vor. Er wirkte siegessicherer, auch das leise Summen passte dazu.

Anne Baker aber dachte an das Gesicht. Sie hatte es sich auf keinen Fall eingebildet. Es war dicht hinter der Scheibe erschienen, schrecklich verzerrt, und sogar die Haare hatten in die Höhe gestanden und sie an lange, schwarzbraune Zweige erinnert.

Die Angst war nicht verflogen. Sie zitterte ein wenig und hatte die Hände zu Fäusten geballt und starrte ohne Unterlass gegen das kleine...

Erscheint lt. Verlag 26.8.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3385-1 / 3838733851
ISBN-13 978-3-8387-3385-2 / 9783838733852
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