John Sinclair 628 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3408-8 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Die Geister vom Leichenbaum (1. Teil).
Der fünfte Orkan in diesem Jahr fiel über Halifax her wie eine Katze über die Maus!
Der Mann war gewarnt worden, doch er hatte nur abgewinkt und kalt gegrinst.
Nun musste er die Zeche bezahlen!
Er hockte in seinem spinatgrünen Lancia, den er vor wenigen Wochen erst gekauft hatte, und musste erleben, wie sich die Welt um ihn herum in eine Hölle verwandelte ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Die Geister vom Leichenbaum (1. Teil)
Wie der Orkan über das Land fegte, die Bäume dem Boden entgegenbog, mit ihnen machte, was er wollte und keine Rücksicht darauf nahm, ob sie nun zehn oder dreihundert Jahre alt waren.
Er toste, er vernichtete und war nicht aufzuhalten. Halifax, ein abgebrühter Bursche, bekam es plötzlich mit der Angst zu tun. Okay, in den Tropen hatte er Tornados erlebt oder Hurrikane, aber das hier war schlimmer.
Es konnte auch daran liegen, dass er sich allein auf weiter Flur befand und sein Fahrzeug über einen Weg preschte, der nicht mehr als ein alter Pfad war. Noch hatte er Glück, weil die Strecke nicht direkt in den Wald hineinführte. Was sich als langer Streifen an seiner linken Seite entlangzog und durch den Sturm in ein wildes Kulissenspiel geraten war, hatte früher einmal den Namen Wald verdient. Jetzt war es nur mehr eine wogende, tosende knatternde Masse, aus der sich ab und zu Teile lösten, die ihre Reise durch die Luft antraten und auch den daherschleifenden Lancia nicht verschonten.
Bei jedem Schlag, den der Wagen mitbekam, verzog Halifax das Gesicht und keuchte einen Fluch. Er verfluchte sich, er verfluchte den gesamten Umstand der Reise, und er verfluchte das Wetter.
An die Geräusche würde er sich nie gewöhnen können, weil sie ständig wechselten.
Manchmal hatte er den Eindruck, von schreienden und heulenden Tieren umgeben zu sein, die an seinem Wagen zerrten und ihn aus der Spur bringen wollten.
Dann wieder fuhr er hinein in das heftige Brausen aus dem tiefsten Höllenschlund, das seinen Lancia zu einem Spielball machte und das Gleiche mit den Wolken tat, die der Wind über den Himmel jagte, als wollte er sie zerstören.
Es war schon eine Hölle, durch die er fuhr, und er hätte viel Geld dafür gegeben, jetzt an einem sicheren Ort zu hocken, mit einer Flasche Rum oder Gin, einem Weib und einem breiten Bett.
Das war nicht möglich. Er musste weiter. Bis zum Landsitz seines Onkels waren es noch einige Meilen.
Der Sturm nahm zu.
Halifax meinte, dass er sich nur auf ihn zu konzentrieren schien. Er räumte auch am Boden auf, denn er schleuderte gewaltige Staubfontänen in die Höhe, die vor dem Wagen tanzten und so aussahen wie gefährliche Windhosen.
Die hätten ihm gerade noch gefehlt. In Florida hatte er gesehen, welche Verwüstungen Windhosen hinterlassen konnten.
Windhosen entstanden dann zwar doch nicht, aber dieser Sturm peitschte und wühlte sich ebenfalls durch.
Urplötzlich erwischte er den Wagen. Zuerst hatte sich der Fahrer ablenken lassen, weil an der linken Seite aus dem Wald ein gewaltiges Krachen erklang.
Ein unsichtbarer Riese schien dort seine Axt zu schwingen und wahllos Bäume zu fällen.
Da waren Kronen, die sich nicht nur dem Boden entgegenbeugten, nein, sie fielen auch.
Krachend sprangen mächtige Stämme in der Mitte entzwei. Bäume wurden halbiert – und kippten!
Halifax saß wie erstarrt, als er den gewaltigen Baum sah, der eine Drehung bekommen hatte und ihm praktisch entgegenfiel. Das Geäst erinnerte ihn an Arme, die erst umfingen, dann zerstörten.
Halifax wollte sich in Sicherheit bringen. Er riss das Lenkrad nach rechts um Distanz zwischen sich und dem fallenden Baum zu bringen, aber der von rechts kommende Windstoß erwischte seinen Wagen und hob ihn kurz an.
Dabei blieb es nicht, denn er schleuderte ihn in die entgegengesetzte Richtung, dem fallenden Baum entgegen.
»Scheiße!«, brüllte Halifax und tat das einzig richtige in seiner Lage. Er stieß die Tür auf, hechtete aus dem Fahrzeug, mitten hinein in den Sturm und konnte sich nicht halten, denn die Bö packte ihn, als wäre er nur ein Stück Papier.
Sie schleuderte ihn hoch, drückte ihn zu Boden, wo er weiter um sich selbst rollte, dabei aber eine genügende Distanz zwischen sich und dem Lancia bekam.
Das war sein Glück.
Der Baum war auf den Wagen gefallen und hatte ihn zerdrückt wie eine Blechschachtel. Unter den gewaltigen Zweigen lag das Gebilde aus Blech, Glas, Reifen und Polstern.
Halifax schaute nicht hin. Er wollte sich nur so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone bringen.
Laufend schaffte er das nicht. So musste er auf dem Boden bleiben, dem Sturm so wenig Widerstand bieten wie möglich und sich wie ein Rekrut kriechend weiterbewegen.
Der aufgewirbelte Staub hüllte ihn ein wie beißender Nebel. Er konnte nicht sehen, wohin er kroch, aber im Gegensdatz zu vielen anderen Menschen besaß Halifax einen eisernen und gut trainierten Überlebenswillen, das hatte man ihm beigebracht. Zuerst beim Militär, dann bei den Söldnern.
So leicht ließ er sich nicht fertigmachen.
Irgendwie erreichte er das Unterholz, ein wildes Sammelsurium aus zahlreichen Pflanzen, hohem Unkraut und Farnen.
Gräser drangen in seinen offenen Mund, schnitten mit ihren scharfen Kanten in seine Lippen, rissen sie blutig, woran sich Halifax nicht störte, denn er war andere Dinge gewöhnt.
Vielleicht war es genau das Verkehrte, bei diesem Sturm in den Wald zu kriechen, denn gespaltene und fallende Bäume brachten Lebensgefahr, aber der Wald konnte ihm möglicherweise auch die nötige Deckung geben.
Über ihm tobte eine Hölle. Sie produzierte Geräusche, die er noch nie gehört hatte.
Da klapperte und schlugen die Zweige gegeneinander, als wollten sie das Stockfechten üben. Da jaulte der Wind, da heulte er wie Tausende von jammernden Seelen, da schrien Geister ihre Not hinaus, da wirbelten Äste und Zweige durch die Luft wie Papierschlangen, erreichten irgendwann einmal den Boden, schlugen oder streiften gegen Halifax, der das Fluchen eingestellt hatte. Es kostete ihn nur Kraft, und Kraft brauchte er, um zu überleben.
Auch wenn er die Augen öffnete, konnte er nicht viel erkennen. Um ihn herum war die Welt zu einem rasanten Wirbel geworden. Er zerrte an ihm, die Hände waren einfach überall, etwas klatschte feucht gegen sein Gesicht. Staub drang in seine Augen und wurde erst vom Tränenwasser wieder hinausgespült.
Irgendwann rutschte er plötzlich, ohne sich festhalten zu können. Er war in eine Mulde gekrochen, sank hinein in das Laub wie in ein großes Kissen.
Plötzlich überkam ihn ein Glücksgefühl, er lachte in den Sturm hinein, wühlte sogar mit seinen eigenen Händen noch Blattwerk hoch. Die Erleichterung über das Finden dieses Platzes, musste sich einfach Bahn verschaffen, und er schrie dem Sturm entgegen: »Du kriegst mich nicht, du verfluchter Orkan.«
Die Worte wurden ihm von den Lippen gefetzt, was ihm auch nichts ausmachte, er kippte nach hinten und schaute in die Höhe, weil er von den Bewegungen des Waldes etwas mitbekommen wollte, um es in seinem Gedächtnis zu bannen.
Es war eine andere Welt. Obwohl Nacht, wirkte der Himmel nicht so dunkel. Halifax dachte daran, dass der Sturm sogar die Zeiten verschieben wollte. Aus der Nacht machte er den Tag, und aus dem Tag die Nacht, denn ein ähnliches Bild bot der Himmel über den Baumkronen.
Dunkelheit und fahle Helle. Licht, Schatten und gewaltige Wolkenwülste. Das war schon beeindruckend. Der Himmel zeigte wirklich ein gewaltiges Inferno.
Weshalb er laut auflachte, wusste Halifax wohl selbst nicht. Vielleicht deshalb, weil er an seinen Onkel dachte, diesen vertrauensseligen Narren, der ihn unbedingt nach so vielen Jahren hatte sehen wollen und sich bestimmt nur wundern würde, denn die Pläne des Neffen sahen ihm gegenüber sehr böse aus.
Nichts um ihn herum war ruhig. Alles bewegte sich. Die Bäume, der Boden, der Humus, das Krachen und Schlagen war die perfekte Begleitmusik. Je mehr Zeit verging, umso stärker gewöhnte sich der Mann an das Inferno und schaffte es zudem, einen klaren Gedanken zu fassen. Die Furcht und die Wut waren etwas zurückgedrängt worden, er konnte darangehen, seine neue Umgebung zu betrachten.
Trotz der nächtlichen Finsternis sah er den Wald als eine unheimliche Kulisse eines Bühnenbildes an.
Sie bewegte sich, sie ächzte, sie stöhnte, sie wurde umheult, und selbst mächtige Eichen hatten Mühe, der Gewalt des stürmischen Infernos zu trotzen.
Ein besonders stark gewachsener Baum mit einem gewaltige Stamm stand in seiner Nähe. Halifax brauchte nur den Kopf etwas nach links zu drehen, um ihn zu erkennen.
Einen derartigen Baum hatte er in diesen Breiten noch nie gesehen. Das war schon ein Ereignis, so wuchtig und mächtig, so stark.
Auch er wurde geschüttelt, als die Böen in ihn hineinfuhren und sich wild auf ihn stürzten.
Doch der Stamm hielt.
Oder nicht?
Halifax hatte sich abwenden wollen, als ihm plötzlich etwas auffiel, was ihm einen Schauer über den Rücken trieb. Eine besonders starke Windbö war gegen den Baum geschlagen und hatte wie gewaltige Hände in die Erde hineingegriffen.
Davon war die unmittelbare Umgebung des Baumes betroffen worden, und der mächtige Stamm schien sich aufbäumen und noch einmal stark Luft holen zu wollen.
Er konnte es nicht sehen, aber Halifax wusste sehr genau, dass er totenbleich wurde. Sein Gefühl sagte ihm, dass etwas mit dem Baum geschehen würde. Dabei dachte er nicht einmal daran, dass er auf ihn zustürzen und ihn unter sich begraben würde, nein, ein anderes Gefühl – fast ein Wissen – hatte ihn überkommen.
Der Baum stand noch!
Für Halifax wäre es die Chance, aus der Mulde zu flüchten, nur wäre er da vom Regen in die Traufe geraten, denn der Wald außerhalb der Mulde konnte für ihn leicht zu einer Todesfalle werden.
Der Baum bewegte sich.
Halifax bekam noch größere Augen. Es kam ihm vor, als wären Hände dabei, den Baum anzuheben. Ihn aus der...
| Erscheint lt. Verlag | 26.8.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3408-4 / 3838734084 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3408-8 / 9783838734088 |
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