John Sinclair 683 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3413-2 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Die Verdammten der Nacht (1. Teil).
Vor dem Kino traf Brenda Evans der Schock!
Da sah sie ihren Sohn Mike in der Schlange der Wartenden stehen. Ein völlig normaler Vorgang, nichts Ungewöhnliches.
Für Brenda Evans schon, denn ihr Sohn Mike war bereits seit acht Monaten tot!
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Die Verdammten der Nacht (1. Teil)
Vor dem Kino traf Brenda Evans der Schock!
Da sah sie ihren Sohn Mike in der Schlange der Wartenden stehen. Ein völlig normaler Vorgang, nichts Ungewöhnliches.
Für Brenda Evans schon, denn ihr Sohn Mike war bereits seit acht Monaten tot!
Der Film hieß »Night of the living Dead«. Es war Romeros Meisterwerk als farbige Reklame, das von einem bestimmten Publikum stark angenommen worden war, was auch die Schlange vor diesem Kino bewies.
Der »tote« Mike trug hellblaue Jeans, ein violettes Sweat-Shirt, darüber ein graues Jackett. Das Haar hatte er zurückgekämmt. Es war blond, wuchs lang und glänzte durch das Gel ölig.
Als Achtzehnjähriger war er gestorben, jetzt war er ein Jahr älter, und er stand da wie auch die anderen. Er unterhielt sich, er lachte, er nickte oder schüttelte den Kopf und machte alles. Nur eben nicht den Eindruck eines Toten.
Brenda Evans war wie vor den Kopf geschlagen. Sie saß in ihrem kleinen Fiat und wollte um die Ecke fahren, denn dort lag der Supermarkt, wo sie einige Einkäufe tätigen musste. Das alles hatte sie vergessen. Sie hockte wie auf glühenden Kohlen und konnte den Blick nicht von Mike lassen, der weitergeschoben wurde und ihr jetzt den Rücken zuwandte.
Sie schwitzte. Eine klebrige Furcht wand sich in ihr hoch und erreichte die Kehle, die sie unwillkürlich mit der rechten Hand umklammerte. Das Herz klopfte rasend. Der Wagen war zu einer Zelle geworden, bei der sich die Wände immer weiter zudrückten.
Das war ein Wahnsinn, das war verrückt. Er konnte nicht mehr leben, sie hatte ihn selbst begraben.
Irgendwo hatte sie einmal gelesen, dass es von einem jeden Menschen auf der Welt noch einen Doppelgänger geben sollte. Doch einen Doppelgänger mit einer derartigen Ähnlichkeit, das war unbegreiflich.
Aber auch zum Fürchten …
Sie überlegte, ohne einen klaren Gedanken fassen zu können. Diese plötzliche Erkenntnis war auf sie hereingestürzt wie ein gewaltiger Schwall. Es wäre leicht gewesen, einfach auszusteigen und zu Mike hinzulaufen, das wiederum schaffte sie auch nicht.
Mike stand noch immer in der Schlange.
Jetzt drehte er sich um.
Brenda schaute ihn an. Direkt gegen sein Gesicht richtete sie ihren Blick. Und auch er musste in den Wagen sehen können, denn der Fiat besaß keine getönten Scheiben.
Was tat er?
Er tat nichts.
Es war aber sein Gesicht, doch der Ausdruck darin zeigte eine Gleichgültigkeit, mit der jemand einen Fremden anschaute. Brenda war ihm gleichgültig geworden.
Seine Mutter …
Unsinn, du bist verrückt, du …
Er wandte sich wieder ab. Vor ihm stand ein Mädchen, das sich zurücklehnte, während er beide Hände auf die Schultern der jungen Dame legte. Beide lachten.
Brenda glaubte sogar, das Lachen bis in den Wagen zu hören. Tatsächlich waren es andere Geräusche. Sie versperrte den Weg. Hinter ihr stand eine Schlange aus Fahrzeugen, andere schoben sich an ihr vorbei. Die Fahrer zeigten ihr einen Vogel. Einer streckte sogar seinen Mittelfinger in die Höhe.
Fast alle hupten.
Ein Gesicht erschien an der rechten Seite. Jemand klopfte, öffnete die Tür.
Das verschwitzte Gesicht eines Mannes starrte sie an. »Was ist los? Haben Sie Probleme?«
»Ja, ich … nein …«
»Verdammt noch mal, was ist denn? Entscheiden Sie sich. Ja oder nein?«
»Mein Sohn, verstehen Sie … ich …« Brenda schaute in das Gesicht des Mannes, entschuldigte sich und sagte dann: »Es ist schon okay, Mister, ich werde fahren.«
»Aber flott, Madam.«
Beim Anblick ihres »Sohnes« hatte sie den Motor vor Schreck abgewürgt. Sie drehte den Zündschlüssel, als der Mann zurücktrat. Er hämmerte die Tür wieder zu und verschwand kopfschüttelnd.
Brenda startete. Sie fuhr wie im Traum. Zum Glück kannte sie die Umgebung, hier war ihr nichts fremd. Ihre Gedanken strömten immer schneller, schufen Bilder, die schlimm waren, beinahe wie Albträume.
Sie sah sich auf dem Friedhof, schaute in die blassen Gesichter der anderen Trauergäste, sah das Nichtbegreifen in den Augen der Menschen über den frühen Tod ihres Sohnes. Sie hörte die gemurmelten Kondolationen, die alle von dem Unfassbaren sprachen, was Mike widerfahren war.
Ein Unglück war es gewesen, ein verdammtes Unglück. Er hatte es nicht überleben können, es war das Grauen an sich gewesen, ein Verkehrsunfall, wie er jeden Tag vorkam.
Die Bilder der Erinnerung verblassten. Grelleres Licht schob sich in ihr Sichtfeld. Selbst am Tage war die Reklame des Supermarkts eingeschaltet. Er war neu. Eine amerikanische Kette startete hier in London ein Pilotobjekt und hatte auch genügend Parkraum für die Kunden geschaffen.
Brenda fuhr wie im Traum in eine Lücke. Sie stellte den Motor aus und blieb sitzen. Ihre Hände sanken nach unten, bis die Handflächen auf den Oberschenkeln liegen blieben.
Sie starrte durch die Scheibe und gleichzeitig ins Leere. Was um sie herum geschah, bekam die Frau nicht mit. Sie sah nicht die Menschen, die mit Tüten oder prallgefüllten Einkaufswagen zu ihren Fahrzeugen hasteten.
Das Normale wurde zur Farce, das Unnormale nahm bei ihr Gestalt an. Sie hatte ihren Sohn gesehen.
Es war Mike gewesen. Für sie gab es keinen Zweifel. Aber Mike Evans war tot. Verdammt noch mal, er war tot! Sie hatte ihn selbst zu Grabe getragen.
Brenda presste beide Hände gegen ihr Gesicht, so erschüttert war sie. Jetzt musste sie weinen. Es tat vielleicht gut, wenn sie den Tränen freien Lauf ließ.
Die Zeit war unwichtig geworden. Hin und wieder schaute jemand in ihren Wagen. Keiner kümmerte sich um die verzweifelte Frau, die irgendwann den Kopf hob und ein Taschentuch hervorzog, um ihre Tränen zu trocknen. Das Gesicht war geschwollen. Unter den Augen zeichneten sich rote Flecke ab. Sie musste sich einige Male die Nase putzen. Die Scheiben waren inzwischen von innen beschlagen. Sie kam sich vor, als würde sie in einem nebligen Käfig sitzen.
Dann schaute sie hoch.
Im Innenspiegel zeichnete sich ihr Gesicht ab. Brenda erschrak über sich selbst. Sie sah aus wie eine gebrochene Frau. Aber das wollte sie nicht sein. Mein Gott, sie war eine Person, die mitten im Leben stand, die einen guten Beruf hatte, anerkannt wurde und im letzten Jahr die Leiter der Karriere sogar nach oben geklettert war, denn den Schmerz über den Tod ihres Sohnes hatte sie durch Arbeit kompensiert. Sie hatte es gelernt, ihre Ellenbogen einzusetzen, doch heute war alles zusammengebrochen wie ein Kartenhaus.
Das Image hielt nicht mehr, ihr Selbstbewusstsein war zerstört, die alten Wunden rissen wieder auf.
Automatisch öffnete sie ihre Handtasche, wo sie einige Schminkutensilien fand.
Brenda puderte ihre Nase, sie wischte die dunklen Flecken des zerlaufenen Augenbrauenstiftes ab, legte etwas Rouge auf und zwang sich dazu, klar und nüchtern zu denken.
Es fiel ihr sehr schwer, aber sie ballte die Hände zu Fäusten, spürte die Fingernägel im Fleisch, zählte langsam bis zehn und glaubte dann, den normalen Tagesablauf fortsetzen zu können.
Sie stieg aus.
Plötzlich war ihr kalt, obwohl über London ein wunderschöner Frühlingstag lag. Es war beinahe zu warm für März. Viele Menschen saßen bereits im Freien in der Sonne und gaben sich der ersten Wärme hin.
Brenda setzte ihre dunkle Brille auf, bevor sie den Supermarkt betrat. Sie war Ende Dreißig und eine sehr attraktive Frau. Mike hatte sie schon sehr früh bekommen. Ihre Ehe war allerdings nach drei Jahren geschieden worden. Sie und ihr Mann hatten einfach nicht zusammengepasst. Ein Irrtum, der aber ausgebügelt werden konnte.
Der Supermarkt begrüßte die Kunden mit bunten Reklameflächen und Musik, die nie störend war, aber zum Kauf anreizen sollte, wie Psychologen angeblich festgestellt hatten.
Brenda Evans tat alles automatisch. Sie nahm den Wagen, durchbrach die Abtrennung aus Gummilaschen, schob den Wagen wie im Traum vor. Manchmal strich sie dabei durch ihre gewaltige rote Haarfülle.
Vor der Entdeckung hatte sie noch gewusst, was sie einkaufen wollte. Damit kam sie jetzt nicht zurecht. Sie schob den Wagen vor sich her, schaute gegen die gefüllten Regale, und die dort ausgestellten Waren verschwammen vor ihren Augen.
Wahllos griff sie zu.
Nahm hier ein Paket, dort eine Dose, mal eine Flasche, packte Käse ein, Wurst, auch etwas zu trinken.
Sie kaufte und wusste nicht einmal, ob sie es auch gebrauchen konnte. Es gab mehrere Kassen. Vor keiner brauchte sie lange zu warten. Die Kassiererinnen arbeiteten wie Automaten. Sie trugen eine freundliche hellblaue Kleidung. Selbst ihr Lächeln wirkte, als hätten sie es kurzerhand eingeknipst.
Brenda bezahlte die Rechnung, wurde freundlich verabschiedet. Ein Lehrling packte ihr die Waren ein und erkundigte sich, ob er die schwere Tüte zum Wagen tragen sollte.
»Ja bitte.«
»Welcher Madam?«
»Ich sage Ihnen Bescheid. Warten Sie, ich gehe vor.« Brenda lauschte dem Klang der Stimme nach. Sie hörte sich normal an, kam ihr trotzdem fremd vor, denn sie kratzte irgendwo im Hals.
Der Lehrling ging hinter ihr her. Sie hatte eine Lücke ungefähr in der Mitte des Parkplatzes gefunden.
Der Wagen besaß eine Heckklappe, die sie öffnete. Der Lehrling stellte ihr die Tüte hinein, bekam ein Trinkgeld und verschwand mit eiligen Schritten, um sich einen nächsten Kunden zu angeln.
Brenda Evans hielt den Autoschlüssel in der Hand. Sie war nachdenklich geworden. Eigentlich hätte sie jetzt einsteigen und wegfahren können, aber da war etwas, das sie daran...
| Erscheint lt. Verlag | 26.8.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3413-0 / 3838734130 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3413-2 / 9783838734132 |
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