John Sinclair 599 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3379-1 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Die Kralle.
Die Beerdigung des Mannes war schlimm, besonders für die Person, die mit Ricardo verlobt gewesen war.
Für sie schien der Albtraum kein Ende zu haben. Sie stand am Grab, nahm die Beileidsbekundigungen der Menschen entgegen, konnte nur nicken, aber nicht sprechen.
Als letzter kam Dacros zu ihr, Ricardos bester Freund. »Nicht alles, kleine Deliah, ist tot, was in der Erde liegt.« Er lächelte wissend und nickte dabei. »Warte es ab, warte es nur ab. Und hüte dich davor, nicht in seinem Sinne zu leben ...«
Über ein Jahr später verdichteten sich diese Worte für Deliah Courtain zu einem grausamen Albtraum ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Die Kralle
Die Beerdigung des Mannes war schlimm, besonders für die Person, die mit Ricardo verlobt gewesen war.
Für sie schien der Albtraum kein Ende zu haben. Sie stand am Grab, nahm die Beileidsbekundigungen der Menschen entgegen, konnte nur nicken, aber nicht sprechen.
Als letzter kam Dacros zu ihr, Ricardos bester Freund. »Nicht alles, kleine Deliah, ist tot, was in der Erde liegt.« Er lächelte wissend und nickte dabei. »Warte es ab, warte es nur ab. Und hüte dich davor, nicht in seinem Sinne zu leben …«
Über ein Jahr später verdichteten sich diese Worte für Deliah Courtain zu einem grausamen Albtraum …
*
Der warme Nachtwind schüttelte das Laub von den alten Bäumen. Einige Blätter, nicht fest genug an den Zweigen hängend, lösten sich, taumelten dem Erdboden entgegen und blieben auf dem alten Friedhof liegen.
Es war ein ungastlicher Ort, in der Nacht noch viel mehr als am Tag. Die Bäume, die Steine, die alten Gräber, selbst neue waren schon nach wenigen Wochen verwildert. Liebespaare schreckten von einem Besuch des Totenackers zurück. Sie trauten sich nicht zwischen die moosbedeckten Grabsteine, weil sie ständig das Gefühl hatten, von den Toten beobachtet zu werden.
Zudem wirkten viele Grabstätten so, als hätten sie Geheimnise zu verbergen. Besonders die älteren duckten sich in die langen Schatten der Hecken und Sträucher, als wollten sie sich zurückziehen und auf keinen Fall entdeckt werden.
Eine der längeren Grabstätten lag am Rande des Friedhofs, wo wilde Brombeerbüsche selbst die Steinmauer überwuchert hatten. Das Grab gehörte zu den neueren; vor gut einem Jahr war hier jemand zur letzten Ruhe gebettet worden.
Dennoch hob es sich kaum von den anderen ab. Auf der Fläche breitete sich Efeu aus. Die Pflanze wucherte schlangengleich von verschiedenen Seiten heran, um das Rechteck zu bedecken. Selbst die Kantsteine an den Seiten waren nicht mehr zu sehen. Der Grabstein selbst schaute wie ein drohend erhobener Zeigefinger aus dem weichen Erdreich, als wollte er gegen den dichten Wirrwarr des Brombeerbusches kratzen.
Ein Name hatte mal auf dem Stein gestanden. Feuchtigkeit und wachsendes Moos hatten schon innerhalb eines Jahres die Lücken gefüllt, sodass von den Buchstaben nichts mehr zu erkennen war.
Wer hier lag, der war vergessen worden, denn keine frische Blume stand auf dem Rechteck, niemand pflegte das Grab.
Es war so jung und blieb doch so verlassen.
Tage und Nächte wechselten sich ab. Der Friedhof lag da und lauerte auf neue Besucher.
Hin und wieder wurde hier jemand begraben, Leute, die diesen Wunsch bereits zu Lebzeiten schriftlich niedergelegt hatten. Ansonsten war der Privatfriedhof tabu.
So konnte er dahindämmern wie ein gewaltiges, müdes Monster, das nur ab und zu einmal Luft holte.
Aber es blieb nicht ruhig. In einer der warmen und schwülen Sommernächte, als der Wind wie ein kaum abgekühlter Hauch aus der Hölle über den Totenacker strich, mit den Zweigen der Büsche spielte, die Blätter zittern ließ, da geschah das Unheimliche.
Es passierte dort, wo das einsame Grab fast geduckt in der Ecke verborgen lag. Der Grabstein blieb wie ein Wächter stehen, als wollte er nach vorn schauen, wo sich die braune, von Efeu überwucherte Erde urplötzlich bewegte.
Es entstanden keine Risse, dazu war der Boden zu feucht, aber der von unten her hochsteigende Druck sorgte für die Wellenbewegungen der Graberde.
Irgendetwas tat sich in der Tiefe. Es wirkte so, als wollte der Tote sein feuchtes Erdreich verlassen.
Käfer krabbelten silbrig schimmernd aus den Lücken. Kleine Klumpen rollten zur Seite, wurden von den Kantsteinen gestoppt, und die Erde öffnete sich noch weiter.
Es war nichts zu sehen, eine Lücke, wenn sie mal entstand, wurde sehr schnell wieder aufgefüllt, aber das Etwas, das in der Grabtiefe lauerte, gab nicht auf.
Es drückte weiter …
Höher und höher kam es. Sein Druck war wie ein Befehl aus der Tiefe, und nichts existierte mehr, das ihn hätte stören können. Das Grab musste dem harten Pressen Tribut zollen.
Wer kam aus der Tiefe?
War es wirklich der Tote, der es nicht mehr ausgehalten hatte? Niemand war da, der den unheimlichen Vorgang beobachtete und eine Antwort hätte geben können.
In den Bäumen hockten die Vögel und schliefen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt flatterten sie plötzlich hoch, herausgerissen aus dem tiefen Schlaf. Hastig flogen sie weg.
Die sensiblen Tiere hatten sehr genau gespürt, dass das Grauen nicht mehr aufzuhalten war.
Und es stieg weiter!
Urplötzlich stach es aus der Erde hervor, als wollte es sich irgendwo festhaken.
Ein jeder hätte mit einer Skelett-oder Totenhand gerechnet, das aber war es nicht.
Aus der Grabmitte schaute eine matt glänzende Klauenhand aus Metall hervor …
Der Anfang war gemacht, ein unheimlicher Rächer kehrte zurück, um abzurechnen …
*
»Holst du die Post, oder soll ich sie holen?«, fragte Bill Conolly, der auf der Terrasse saß, die Beine ausgestreckt hatte und seiner Frau Sheila fragend zulächelte.
»Geh du mal.«
»Immer ich!«, stöhnte Bill und schwang seinen gebräunten Körper in die Höhe. Er trug Bermudas, schlüpfte in die Sandalen und hörte vom Pool her das Lachen seines Sohnes Johnny, der dort mit zwei Klassenkameraden tobte. Die Jungen waren dabei, sich gegenseitig von der Luftmatratze zu stoßen, die, wenn sie aufgeblasen wurde, die Form eines Sessels bekam.
Sheila schaute ihrem Mann nach. Auch sie genoss das warme Wetter. Am Morgen konnte man es noch aushalten. Gegen Mittag wurde die Schwüle unerträglich, so etwas hatte es auf der Insel schon lange nicht gegeben. Dieser Sommer würde in Erinnerung bleiben. Glücklicherweise regnete es in der Nacht oft kurz und heftig, sodass die Conollys darauf verzichten konnten, den Rasen zu sprengen oder die Blumen zu gießen.
Auch Sheila trug nur einen Badeanzug. Einen schwarz-weißen Einteiler mit sehr hohem Beinausschnitt. Aufregend!
Der Himmel war nicht wolkenfrei. Eine Dunstschicht hatte sich über ihn gelegt und ließ den Ball der Sonne wie ein verwaschenes, gelbes Auge erscheinen.
Die Conollys waren in diesem Sommer nur kurz weggefahren. Kleine Trips aufs Festland, ansonsten hatten sie die algenverseuchten Strände des Südens gemieden und die Tage in ihrem Bungalow im Londoner Süden verbracht, was Sheila sehr lieb gewesen war. Auch Bill hatte in Familie gemacht, Dämonen und ähnliche Geschöpfe hatten sie in den letzten Wochen anderen überlassen.
Sheila fühlte sich wohl. Auch deshalb, weil es Johnny, ihrem Sohn so gut ging. Er hatte den letzten gefährlichen Fall gut überstanden, als eine Klassenfahrt fast tödlich geendet hätte.1
Daran dachten sie nicht mehr, sie hatten die letzten schönen Wochen genossen.
Bill stand mittlerweile am Briefkasten und schaute die Post durch. Seine Stirn umwölkte sich, als er die Absender las. Drei Rechnungen waren dabei, natürlich Reklame, aber auch eine Einladung, deren Büttenpapier sich von den anderen abhob.
Damit ging Bill zurück, die anderen Dinge ließ er in der Diele auf einer Ablage liegen.
Sheila schaute hoch, als der Schatten ihres Mannes über sie fiel. »Ist was?«, fragte sie.
»Ja, wir sind eingeladen worden.«
»Wie schön. Von wem?«
Deliah Courtain und ein gewisser Prosper van Meeren. Kennst du die beiden?«
»Du nicht?«
»Nein.«
Sheila nahm die Sonnenbrille ab und setzte sich aufrecht. Dann nickte sie. »Klar, Deliah Courtain ist mir ein Begriff. Ich habe mal mit ihr gearbeitet, als ich unbedingt in der Modebranche Fuß fassen wollte. Sie gehört zu den Personen, die mehr Geld haben, als sie ausgeben können. Ihre Eltern haben das Vermögen gemacht.«
»Wie schön für sie«, sagte Bill. »Und die lädt uns also ein.«
»Weshalb denn?«
»Ich schaue mal nach.« Bill öffnete den Umschlag und zog eine aufklappbare Karte hervor. Dann lachte er. »Die Sache ist einfach. Wir sollen zu ihrer Hochzeit kommen.«
»Tatsächlich?«
»Ja, auf einem Schloss wird gefeiert oder in einem alten Landhaus. Sie und dieser Prosper van Meeren heiraten.«
»Wann?«
»Am nächsten Wochenende. Hier, lies selbst.« Bill gab seiner Frau die Karte.
Sheila schob die dunkle Brille wieder vor die Augen. »Vornehm, vornehm«, murmelte sie, »Deliah Courtain und Prosper van Meeren geben sich die Ehre. Und das schon am Wochenende.«
»Richtig«, sagte Bill. »Normalerweise verschickt man Einladungen dieser Art früher.«
»Das meine ich auch.«
»Hat man uns vergessen?«
Sheila hob die Schultern. »Keine Ahnung. Ich bin zwar nicht beleidigt, aber komisch finde ich es schon.«
Bill setzte sich, trank einen Schluck Saft und schaute den drei Jungen zu, die aus dem Pool geklettert waren, um ins Haus zu rennen, wo sich Nadine, die Wölfin, aufhielt, denn draußen in der Sonne war es ihr einfach zu heiß.
»Was habt ihr vor?«, rief Bill.
»Wissen wir noch nicht, Dad.«
Er ließ sie laufen und zeigte mit dem Finger auf Sheila. »Eine Frage, wie gut kanntest du Deliah?«
»Na ja, wie man sich so kennt in der Branche. Wir haben hin und wieder gemeinsam gegessen und über Mode gesprochen. Deliah Courtain hatte die Verbindungen, die man braucht, um Mode richtig vertreiben zu können, wenn du verstehst.«
»Ja, das ist mir klar.«
»Wir verloren uns dann aus den Augen. Ich weiß nicht einmal, ob sie noch in der Branche tätig ist. Wenn ja, dann nicht mit eigenen...
| Erscheint lt. Verlag | 19.8.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3379-7 / 3838733797 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3379-1 / 9783838733791 |
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