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John Sinclair 583 (eBook)

Schädeltanz am Hudson

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3363-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 583 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!

Schädeltanz am Hudson.

Jahrelang hatte er in dunkeln Nächten nach den alten Gräbern auf der Insel gesucht und sie endlich gefunden. Er hatte sie der Reihe nach geöffnet und sich im bleichen Schein des Mondes die Gebeine angeschaut.

Dann holte er aus dem letzten Grab den Schädel. Dabei blickte er nach Norden und flüsterte: »Die Heimat werde ich verlassen, doch die Stadt wird anfangen zu zittern, wenn der Schädeltanz am Hudson beginnt.« Nach diesem Versprechen beugte er sich vor und berührte mit den Lippen die Schädelplatte des Totenkopfs ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Schädeltanz am Hudson


New-York – Manhattan!

Das Licht der untergehenden Abendsonne gab den Wolkenkratzern einen roten Schein. Sie sahen aus wie schlanke Schmuckstücke, die aus einer Riesenschatulle hervorwuchs, um nach dem Himmel zu greifen. Der verlor allmählich seine Röte und zollte der abendlichen Dunkelheit Tribut.

Die letzten Tage waren auch in New York heiß gewesen. Da hatte es in den Straßenschluchten bereits gekocht, da waren die Menschen wilder geworden, doch mit dem Einbruch der Dunkelheit wehte vom Atlantik her eine südöstliche Brise, die auch Kühlung brachte und daran erinnerte, dass erst Frühling war.

Auch in der 80. Straße West war es heiß gewesen. Selbst die Nähe zum Hudson River hatte sich kaum ausgewirkt, es sei denn, man bezeichnete den fauligen Geruch als kühlend, der vom Fluss her gegen die Fronten der Häuser und Blocks drang.

Der Block!

Seit einiger Zeit war er in Manhattan ›in‹. Man wohnte in einem Haus, man wohnte in einer Straße, aber man sprach nur vom Block.

Der Block war alles und nichts. Eigentlich war er zweigeteilt, zwei Städte, zwei Kulturen, farbig und weiß, aber auch arm und immens reich. Hier staute man sich, hier lebten die Extreme zusammen, die Dealer, die Killer, die Yuppies und Broker.

Wohnungen unterschiedlich wie Tag und Nacht, ebenso verhielt es sich mit den Fassaden der Häuser, die zum Block gehörten. Kaum einen Steinwurf entfernt lagen sie auseinander. Das Haus mit Wohnungen für 200 000 Dollar und die Löcher für Kriminelle. Häuser, die kaum jemand genau kannte, wo die Wohnungen mehr Schlupfwinkeln glichen, wo man umgebaut und Gänge gegraben hatte.

Der Block in der 80. Straße West war die Heimat von rund 2300 Bewohnern. Er begann an der Ecke Columbus Ave, und genau dort stand auch das Haus Nr. 165, von den Beamten des 20. Polizeireviers Höllenloch genannt. Eine Ansammlung für Dealer und Kriminelle, ein Haufen menschlicher Abfall, wie es eine Zeitung mal formulierte, aber gleichzeitig so etwas wie die Seele des Blocks.

Denn hier lebte Roxie!

Eigentlich hieß sie Rosanna Chica, aber den Namen hatte sie längst vergessen. Siebenundfünfzig Jahre zählte sie, und seit dreißig Jahren lebte sie mit Hunden und Katzen in diesem Block. Die Monatsmiete von zweihundertfünfzig Dollar konnte sie nicht bezahlen, nur bekam man sie hier auch nicht raus, höchstens mit den Füßen voran.

Das traute sich niemand. Roxie war so etwas wie ein großes Tabu, sowohl für die Polizisten als auch für die Dealer.

Man konnte sie auch als die Seele des Blocks bezeichnen. Rosanna kannte, sah und wusste alles, und sie sah noch mehr, viel mehr, denn sie besaß, das wussten auch viele, das Zweite Gesicht.

Ihre Wohnung lag unten. Selbst im Winter stand das Fenster oft genug offen. Roxie bekam mit, was auf der Straße ablief. Sie hatte Szenen zum Lachen und Weinen gesehen, sie kannte die Menschen. Wer vor ihr stand, hätte das Gefühl, von ihren großen, dunklen Augen verschlungen zu werden. Roxie schaute bis auf den Grund der Seele.

Geboren war sie in der Karibik, ein Mischling mit dunkler Haut. In ihrem Gesicht fiel die sehr lange Nase auf, der Mittelpunkt zahlreicher Falten, die ein Muster zeichneten. Über dem breiten Nasenrücken leuchteten die dunklen Augen. Die Haare waren kaum zu sehen, denn Roxie trug stets eine blaue Wollmütze. Auf sie war die Frau stolz wie mancher Cop auf seine Uniform.

Roxie bewegte sich zwischen Dealern, Süchtigen und Yuppies so locker, als hätte sie nie im Leben etwas anderes getan. Sie war fast immer blank, trotzdem lebte sie.

Zu hungern brauchte sie nicht. Ein Dollar fünfzig reichten oft genug für einen Hähnchenschenkel, die besonders gut im ›La Minita‹ schmeckten, einem spanischen Supermarkt, wo man auch essen konnte. Dieser Supermarkt war Treffpunkt vieler Blockbewohner. Sogar für Rosannas Hund fiel hin und wieder etwas ab.

Ja, sie war schon eine Institution. Sie gehörte dazu, sie war akzeptiert, und es sollte sogar Leute geben, die sich bei ihr Rat holten.

Leider hörten nicht alle auf sie. Dabei hatte sie es ihnen gesagt, sogar den Cops. Die hatten sie ausgelacht. Roxie hatte sie nur sehr lange angesehen und gemeint: »Ihr werdet euch noch wundern. Bald sind die Nächte hier am Hudson nicht mehr so, wie sie einmal waren. Sie werden verändert sein, und ihr alle werdet es zu spüren bekommen. Wehe dem, der dann nicht auf der Hut ist.«

Sie war auf der Hut, denn ihr würden die Schädel nichts tun, ganz bestimmt nicht. Nördlich des Lincoln Centers sollte einiges anders werden.

Als Roxie sah, wie die Glut der untergehenden Sonne versickerte, wusste sie, dass es Zeit wurde, etwas zu unternehmen. Sie wollte hoch, auf das Dach, denn nur von dort besaß sie den nötigen Überblick.

In New York schließt man seine Wohnungen und Hotelzimmer besser doppelt und dreifach ab.

Nicht so Roxie. Sie konnte die Tür offenlassen. Niemand würde versuchen, ihr etwas zu stehlen. Selbst ein durchgedrehter Süchtiger nicht. Roxie war tabu.

Verirrte sich dennoch jemand in ihre Wohnung, wartete da Hunter, ein deutscher Schäferhund, der Roxie treu ergeben war und sogar mit den drei Katzen auskam, um die sich die Frau kümmerte.

Aufzüge existierten ebenfalls im Block. Einige Häuser weiter oder an der Rückseite, wo die Stars wohnten. Sie musste, wenn sie auf das Dach gehen wollte, die alte Stiege nehmen, die aussah, als würde sie jeden Augenblick zusammenbrechen.

Aber so hatte sie schon vor mehr als zwanzig Jahren ausgesehen. Sie würde wahrscheinlich weitere zwanzig Jahre halten.

Roxies breite Nasenlöcher verzogen sich, als sie den Hausflur betrat. Auch ihre Mundwinkel zuckten. Sie roch, sie schnüffelte und ärgerte sich darüber, dass es schon wieder nach Urin stank. Da hatte wieder jemand in die Ecke neben der Haustür gepinkelt. Es stank eigentlich immer nach Urin, im Sommer stärker als im Winter.

»Schweine!«, zischte Roxie, »verdammte Schweine.«

»He, meinst du mich, Mutter?« Aus dem Halbdunkel löste sich die Gestalt eines sehr kräftigen jungen Farbigen. Er trug nur ein schmuddeliges Unterhemd und glänzende Boxershorts. Seine breiten Füße steckten in Bastschuhen, die an den Seiten gerissen waren. Zwischen seinen Lippen qualmte ein Zigarettenstummel, den er sichtlich aus der Gosse geholt hatte.

»Hast du es getan?«, fragte sie lauernd.

»Sehe ich so aus, Mutter?«

»Ja, wasch dich mal.«

Er lachte kichernd. »Wo denn, Mutter?«

»Draußen, am Hydranten.«

»Ach, hör auf.« Er drehte sich um und schwankte davon. Der junge Mann hatte getrunken, typisch für diesen Teil des Blocks, aber auch für den anderen, denn dort hockten die Bewohner, die heimlich den Whisky in sich hineinschütteten, wenn niemand hinschaute.

»Es ist alles zum Kotzen!«, flüsterte die Frau mit dem Zweiten Gesicht. »Einfach alles. Aber das Jüngste Gericht wird über sie kommen und ihre Welt zerstören.« Bei diesen Worten verzogen sich ihre Lippen in die Breite, und die Augen leuchteten wissend.

Sie wirkte müde, als sie die alten Stufen hochstieg. Fünf Stockwerke besaß das Haus, jedes war so vergammelt wie die äußere Fassade. Beschmierte Wände, stinkend, dreckig. Wenn Lampen an den Decken hingen, so funktionierten sie meist nicht. In der Nacht musste man sich vortasten oder eine Taschenlampe mitnehmen.

In der vierten Etage flog plötzlich eine Tür auf. Eine Frau torkelte aus der Wohnung. Sie war noch jung und wohnte da oben mit zwei Kerlen, die sie auf den Strich schickten. An Times Square sollte sie Touristen anhauen und Geld machen.

»Geh schon, hau endlich ab!«

»Scheiße!«, brüllte das Mädchen. »Ich will nicht! Ich habe es satt. Es kotzt mich an!«

»Das werde ich dir zeigen, Schlange.« In der Tür erschien ein Weißer mit bleichen Haaren und verschwitztem Gesicht.

Das Mädchen klammerte sich an Roxie fest. »Hilf mir, verdammt! Tritt diesem Kerl in die …«

»Schon gut, Curry, schon gut.« Roxie schob die Kleine hinter sich und stellte sich breitbeinig hin. »Lass sie in Ruhe, Stinker! Lass sie, verdammt noch mal, in Ruhe!«

Der Mann bekam schmale Augen. Hinter ihm in der Wohnung lief die Glotze überlaut. In das Geräusch hinein brüllte eine Männerstimme. »Komm wieder, hier geht es rund.«

Schweigend drehte sich der Typ um und verschwand. Die Tür hämmerte er laut hinter sich zu.

Curry ’strich über ihre Wange. Das Mädchen war neunzehn, sah aber älter aus. »Dieser Hund, geschlagen hat er mich.«

Roxies Augen bekamen einen mitleidigen Ausdruck. »Warum haust du nicht ab, Kind?«

Curry kiekste, als sie lachte. »Abhauen? Wohin denn, zum Teufel? Wohin soll ich gehen?«

Roxie nickte. »Ja, du hast recht – wohin? Wer einmal hier lebt, der klebt. Eine Chance nur, Curry, eine kleine Chance, dann haben wir es hinter uns. Wir alle.«

»Die kommt doch nie.« Das Mädchen strich seine curryfarbenen gefärbten Zopfhaare zurück. Deshalb auch ihr Name.

»Man kann nie wissen, Kleine, man kann nie wissen. Vielleicht klappt es doch.«

»Meinst du?«

»Ich habe noch immer Hoffnung.«

»Du? In deinem Alter?«

»Manchmal haben wir einen besseren Durchblick als ihr jungen Küken, Kleine.«

Curry strich ihr schwarzes Fähnchen glatt. Es endete an den Oberschenkeln. Wegen der Kühle hatte sie noch eine Jacke übergestreift. »Ich gehe dann jetzt.«

Sie schlich davon. Roxie hörte sie weinen und dachte wieder einmal über dieses verfluchte Leben nach, das eigentlich keines war. Dabei konnte sie sich nicht beschweren, denn sie besaß...

Erscheint lt. Verlag 19.8.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3363-0 / 3838733630
ISBN-13 978-3-8387-3363-0 / 9783838733630
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