Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

John Sinclair 558 (eBook)

Aus dem Jenseits entlassen

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3338-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 558 - Jason Dark
Systemvoraussetzungen
1,99 inkl. MwSt
(CHF 1,90)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!

Aus dem Jenseits entlassen.

Es gibt keinen bunten Nebel, dachte Gerty Camrun. Verdammt, den kann es einfach nicht geben, das ist doch ...

Ihre Gedanken wurden dahingerafft, denn die farbigen Schwaden umfingen sie wie ein seichtes Meer, durch das sie wanderte.

Es waren keine grellen Farben, sie passten sich dem Nebel an, weich, konturenlos, verwischend, wie Wellen, die aufeinanderzu- und dann auseinanderliefen.

Sie ruderte mit beiden Armen, als könnte sie durch diese Bewegungen die kreisenden, farbigen Wolken zur Seite schieben. Sie ging, aber sie schwebte gleichzeitig.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Aus dem Jenseits entlassen


Es gibt keinen bunten Nebel, dachte Gerty Camrun. Verdammt, den kann es einfach nicht geben, das ist doch …

Ihre Gedanken wurden dahingerafft, denn die farbigen Schwaden umfingen sie wie ein seichtes Meer, durch das sie wanderte.

Es waren keine grellen Farben, sie passten sich dem Nebel an, weich, konturenlos, verwischend, wie Wellen, die aufeinanderzu- und dann auseinanderliefen.

Sie ruderte mit beiden Armen, als könnte sie durch diese Bewegungen die kreisenden, farbigen Wolken zur Seite schieben. Sie ging, aber sie schwebte gleichzeitig.

Sie befand sich in einem Raum, in dem die Schwerkraft weniger stark war als auf der Erde. Ähnlich musste es Raumfahrern ergehen, wenn sie sich durch ihre Kapsel bewegten. Jeder Schritt kam ihr ungemein weit vor, langsam und schnell zugleich. Fliegend und dennoch gehend.

Gerty hatte Erfolg!

Der Nebel teilte sich. Irgendwo mussten Kräfte ansetzen, die ihn zu beiden Seiten wegschoben. So entstand ein geheimnisvoller Tunnel, ein schmaler Gang, flankiert von farbigen Nebelbänken, die sich nicht mehr fortbewegten und nur eine zitternde Wand bildeten.

Plötzlich spürte sie, dass ihr Schädel unter Druck stand. Nur durch das Sprengen des Schädels schienen sich die Kräfte freie Bahn verschaffen zu können.

Gerty musste weiter. Ich kann nicht länger bleiben, hämmerte sie sich ein. Der verdammte Tunnel konnte nicht ins Unendliche führen. Und so rannte sie durch den Gang, das Gesicht verzerrt. Die braunen Haare hingen wie eine nasse Matte auf ihrem Kopf und klatschten mit den Spitzen auch gegen die Ohren.

Wie lang war er noch?

Die junge Frau hörte sich schreien. Sie warf den Kopf nach rechts und links, als könnte sie durch diese Bewegungen den Druck aus ihrem Schädel schleudern.

Das aber war ihr nicht möglich, der Druck blieb, allerdings verflachte ihre Konzentration, denn sie sah das Ende des Tunnels.

Genau dort schimmerte das Licht!

Hoffnung?

Sie lief schneller, jedenfalls glaubte sie daran. Das Licht stand nicht still, es bewegte sich und formte dabei ständig neue Figuren. Je näher sie kam, um so deutlicher kristallisierte sich das Geschehen hervor, nahm an Schärfe zu, sodass sie erkannte, um was es sich handelte.

Es war ein Bild!

Ein Gemälde, eine bemalte Wand, ziemlich groß. Sie ruderte trotzdem weiter, weil ihr das Bild als Ziel vorkam. Wieder verging Zeit. Wieviel, das konnte sie nicht sagen. Ob eine Minute oder eine Stunde, alles war irgendwie zeitlos geworden. Nur konnte sie die Zeit nutzen und sich das Motiv genauer anschauen.

Es zeigte eine grauenvolle Szene: Zwei Schimmel zogen eine schwarze Leichenkutsche. Vier Laternen verstreuten ein blasses Licht, das sich als Schleier über den glänzenden Aufbau der Kutsche gelegt hatte.

Auf dem Kutschbock saß ein Skelett. Es war in Schwarz gekleidet und trug auf dem haarlosen Schädel einen ebenfalls schwarzen Zylinder. Zwischen ihm und der Kleidung leuchtete bleich der Totenschädel. Das war nicht alles. Die Kutsche führte auf der Ladefläche etwas mit sich, das genau passte.

In einem gläsernen Sarg sah Gerty eine Gestalt auf dem Rücken liegen, von der sie nicht sagen konnte, ob es sich bei ihr um einen Mann oder um eine Frau handelte.

Sie wollte sich auch nicht darauf konzentrieren, denn das Bild zeigte noch mehr.

Eine Trauergemeinde oder Menschenmenge, die sich hinter dem Gefährt anschloss. Erst beim Näherkommen war für die Frau zu erkennen, um welche Art von Trauergästen es sich handelte.

Sie glichen dem Kutscher auf dem Bock, denn auch sie waren schwarz gekleidete Skelette. Nur trugen sie keine Hüte oder Zylinder. Dafür hielten sie brennende Kerzen in der Hand, deren Licht ihnen den Weg wies.

Wer immer dieses Bild gemalt hatte, es war ein Meister seines Fachs gewesen, ein Detailkünstler und ein Könner, der mit Farben hatte umgehen können.

Das Grundmotiv war düster, es musste einfach düster sein, denn zu diesem Motiv passte einfach nicht Helles. Es war auch von der Perspektive her gelungen, denn die Schlange der Skelette, die hinter der Kutsche einen Halbbogen geschlagen hatte, verkleinerte sich zum Ende hin, sodass sich auch der Schein der Kerzen allmählich verlor.

Das Bild zog sie magisch an. Gerty konnte es kaum erwarten, das Ende des Tunnels zu erreichen. Sie musste dorthin, weil es etwas gab, das sie von diesem fürchterlichen Run und dem Druck im Schädel erlösen konnte.

Nach wie vor flankierte sie den seichten, farbigen Nebel und sorgte dafür, dass Gerty Camrum keine andere Richtung einschlagen konnte. Sie musste einfach auf die Leichenkutsche zulaufen.

Dann war sie da.

Die Frau erschrak selbst darüber, dass sie so plötzlich vor dem Bild stand. Sie hörte sich keuchen, schloss die Augen, spürte die Erschöpfung und ihr Herzjagen.

Sie hätte gern eine Erklärung für dieses Phänomen gehabt, doch sie war nicht in der Lage, sich diese selbst zu, geben. Allerdings gestand sie sich ein, dass sie das Bild auf eine besondere Art und Weise faszinierte. Von ihm strahlte etwas aus, das sie mit dem Begriff Leben im weitesten Sinne umschreiben konnte, obwohl das Motiv eher den Tod und das Danach glorifizierte.

Gerty stand da wie ein kleines Kind vor dem geschmückten Weihnachtsbaum. Nur strahlten ihre Augen nicht, sie waren weit aufgerissen, vielleicht vor Entsetzen, vor Grauen oder Angst. Es gab dafür zahlreiche Begriffe.

Langsam hob sie die Arme an. Auch wenn sie sie ausbreitete, war es ihr nicht möglich, die beiden seitlichen Rahmen zu umfassen. Das Gemälde war einfach zu groß.

Ihr heftiger Atem beruhigte sich. So konnte sie sich auf Einzelheiten konzentrieren.

Der Kutscher war derjenige, der sie am meisten faszinierte. Er hockte zwar starr auf seinem Bock, aber er schaute sie genau an. Trotz der leeren Augenhöhlen in seinem bleichen Schädel brannte sein Blick ihr entgegen. Darin las sie ein Lauern, vielleicht auch eine Aufforderung und das Wissen.

Bewegte er sich?

Gerty stand starr, wirkte wie eingefroren, denn der Schädel des Kutschers neigte sich langsam zur Seite, wobei er zusätzlich noch den Kopf drehte.

Der Blick sollte sie bannen!

Aber es geschah etwas völlig anderes. Hinter der bemalten Leinwand bewegte sich etwas, das gegen das Material drückte, es ausbeulte – und zerplatzen ließ.

Der Gegenstand stieß hervor.

Ein Schwert, eine Lanze, ein Messer – es konnte alles sein. Jedenfalls ein Instrument, mit dem gemordet werden konnte.

Über den Kopf des Skeletts hinweg rammte der Gegenstand aus dem Bild und genau auf den Hals der Frau zu.

Sie drehte den Kopf zur Seite. Düsternis und das Blitzen der Klinge gingen ineinander über, der Schmerz machte sie rasend.

Gerty Camrum schrie auf. Das Bild, der Nebel, alles zerplatzte vor ihren Augen, war plötzlich weg wie ein Spuk in der Nacht. Sie war allein – und erwachte …

*

Plötzlich hörte sie sich stöhnen und gleichzeitig jammern. Etwas umgab sie wie die Arme eines Kraken. Es, war die verfluchte Finsternis, die den Nebel zur Seite gedrängt hatte.

Schweiß bedeckte ihr Gesicht und klebte auch auf ihrer Haut. Das dünne Nachthemd war ebenfalls durchgeschwitzt. Trotzdem floss eine Gänsehaut über ihren Rücken. Sie fror und schwitzte zugleich. Ihre feuchten Handflächen rutschten über etwas Weiches. Es dauerte Sekunden, bis ihr klar geworden war, dass es sich dabei um das Laken des Oberbetts handelte. Etwas brannte dort, wo sie von der Messerklinge erwischt worden war. Gerty schaute hilflos nach vorn, als sie sich etwas aufgerichtet hatte.

Schwach malte sich in der Wand ein Rechteck ab, das Fenster. Ein Flügel stand offen. Der Wind wehte gegen die Gardine und warf sie wie einen feinen Schleier in das Zimmer hinein.

Links neben sich hörte sie die üblichen, leicht röchelnden Atemzüge. Dort schlief Paul, ihr Mann.

Sollte sie ihn wecken und ihm von diesem unheimlichen Albtraum berichten?

Nein, Paul brauchte seine Ruhe. Es reichte, wenn einer von ihnen die Nacht schlecht verbrachte.

Eine Nacht, die für Albträume und schweres Leid wie geschaffen schien. Düster, schwarzgrau, dunstverhangen, passend in den Trauermonat November. Nur die Temperaturen wollten nicht so recht mitspielen. Sie lagen viel zu hoch. In den Nachmittagstunden war das Thermometer fast bis auf zwanzig Grad geklettert.

Völlig unnatürlich für diese Jahreszeit. Das passte einfach nicht und war für Mensch und Tier bedrückend. Da handelte man völlig quer, da kamen eben die Träume, da wurde das Innere nach außen gekippt.

Nicht ohne Grund schliefen die Camrums bei offenem Fenster. Es wäre sonst einfach zu warm im Zimmer geworden.

Gerty blieb auf dem Rücken liegen. Sie wollte dafür sorgen, dass sich ihr Atem beruhigte. Wenn sie nach rechts schaute, schälten sich die Umrisse des viertürigen Kleiderschranks aus dem Dunkel. Er kam ihr vor wie ein Monstrum.

Auch die Kehle saß zu. Wenn sie einatmete, spürte sie den widerlichen Geschmack des Schleims im Mund. Er kam ihr scharf vor, als hätte sich dort etwas anderes gebildet.

Plötzlich hasste sie den klebrigen Schweiß auf ihrem Körper. Gerty kam sich vor, als würde sie dampfen und sich dieser vom Körper abgegebene Dampf unter der Decke zu einem Kondensat niederschlagen.

Sie drückte die Decke vorsichtig zur Seite und schwang sich aus dem Ehebett.

Paul schlief auch weiterhin. Er war zu beneiden, Albträume schienen ihn nicht zu plagen.

Neben dem Bett standen die flachen Schuhe. Sicher schlüpfte sie hinein, stellte sich hin und setzte sich sofort...

Erscheint lt. Verlag 19.8.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3338-X / 383873338X
ISBN-13 978-3-8387-3338-8 / 9783838733388
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
HORROR | Die Vorgeschichte des Katz-und-Maus-Duetts

von H. D. Carlton

eBook Download (2025)
VAJONA (Verlag)
CHF 11,70