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John Sinclair 548 (eBook)

Knochen-Cowboy

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3326-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 548 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!

Knochen-Cowboy.

Das hohle Wimmern war kein Tiergeschrei, sondern der Wind, der von Westen her kam, auf Süden gedreht hatte, Wärme mitbrachte und jetzt über die Felsen strich, wo er sich in zahlreichen Spalten, Winkeln und hinter Vorsprüngen fing. Die Melodie hörte sich unheimlich an, als wäre sie mit knöchernen Instrumenten erzeugt worden. Sie schienen all das aus den Tiefen der Erde zu erwecken, was darin schlummerte. Der Wind wurde gehört, nicht von einem Menschen, auch nicht von einem Tier. Seit Stunden schon hatte das, was tief unter der Erde lag, dem Wimmern zugehört ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Knochen-Cowboy


Seit Stunden schon hatte das, was in der Erde lauerte, dem Wimmern des Windes gelauscht. Es hatte sich bewegt, gereckt, es hatte gespürt, dass man ihm die Botschaft übermitteln wollte, und es hatte sich darauf eingestellt.

Auch auf die plötzliche Stille, die eintrat, als das Jaulen des Windes verstummte.

Fast fühlbar hing die Ruhe zwischen den Felsen. Sie stand dort wie eine Wand und schien nach den verkrüppelten Bäumen, den Sträuchern und dem blank geputzten Gestein greifen zu wollen.

Zeit verstrich.

Der Himmel behielt seine Finsternis bei. Er war sehr grau, bedeckt mit wuchtigen Wolken, die wirkten wie ein Gespinst aus Glas. Hinter ihnen lugte eine beinahe volle Scheibe hervor.

Der Mond stand dort als bleiches Auge. Ein Überwacher, ein Aufpasser.

Die Stille wirkte lähmend. Kein Geräusch mehr war zu hören. Selbst die Tiere der Nacht hielten sich zurück. Ruhig und drohend lagen Felsen unter dem Licht des bleichen Scheins.

Irgendwo knackte es.

Das Geräusch hörte sich an, als wäre etwas gerissen. Es war nicht einmal laut gewesen, in der Stille aber klang es sehr weit und auch überdeutlich.

Etwas kollerte einen Hang hinab.

Ein Stein, der sich gelöst hatte. Dem Ersten folgte ein Zweiter, dann ein Dritter, bis sie sich zu einer kleinen Lawine gesammelt hatten, die talabwärts floss und von einer natürlichen Barriere gestoppt wurde. Aus eigener Kraft hatten sich die Steine nicht aus ihrem Verbund gelöst. Jemand trug dafür eine Verantwortung.

Keine menschlichen Hände, auch nicht die Pfoten eines Tieres. Die Kraft war aus dem Gestein selbst hervorgekommen und dachte nicht daran, ihren Vormarsch zu stoppen.

Es ging weiter …

Wieder riss das Gestein auf. Hässliche Geräusche, verbunden mit einem explosionsartigen Knacken. Staub wölkte in die Höhe und bildete über dem Felsen einen flachen Pilz.

Noch einmal erklang das Reißen. Diesmal allerdings lauter und auch viel länger.

Im Felsen war ein Spalt entstanden. Quer zu einer abschüssigen, glatten Fläche zog er sich hin, bekam aus der Tiefe noch mehr Druck, nahm an Breite zu und war schließlich so groß, dass eine Hand quer hindurchgepasst hätte.

Erschreckt floh ein Eichhörnchen aus der unmittelbaren Nähe und jagte auf einem Baumstamm zu, den es blitzschnell hochkletterte.

Der Spalt blieb.

Wie ein großes Auge leuchtete der Mond ihn an. Der Himmelskörper schien allein für den Spalt am Firmament zu stehen. Er füllte ihn mit seinem Licht aus, tauchte in die Tiefe, wo das lebte, was in den letzten Minuten längst erwacht war.

Und es kam …

Ein Zuhörer hätte das Schaben aus dem Innern der Erde vernehmen können, doch es befand sich kein Mensch weit und breit, sodass das Böse die Chance bekam, ungesehen und ungehört die Tiefe zu verlassen.

Aus der Spalte drang ein Kratzen. Es dauerte nicht lange, da hatte sie sich wieder verbreitert. An den Rändern sprang das Gestein weg, als hätte jemand mit einem Hammer dagegen geschlagen. Dabei verstärkte sich der Druck noch weiter, damit dem mehr Platz geschaffen werden konnte, der aus der Tiefe hervorwollte.

Er befand sich schon längst auf dem Weg und hatte den größeren Teil der Strecke hinter sich gelassen. Nur noch ein paar Yards, dann lag die Gefangenschaft hinter ihm.

Etwas erreichte den Rand der Spalte. Mit einem schleifenden Geräusch schob es sich höher, bewegte sich zitternd und krümmte sich zusammen, als hätte es einen Schlag bekommen.

Es war eine Hand, allerdings keine normale, sondern eine gelbweiße Knochenklaue.

Aus der Tiefe kroch ein Skelett!

Noch war nur die Hand zu sehen, das allerdings änderte sich sehr bald, denn die Finger krallten sich in das Gestein wie harte Nägel. Für einen Moment rührte sich die Hand nicht. Das, was an ihr hing, schien erst Kraft schöpfen zu wollen.

Die Kraft war vorhanden. Auf einmal tauchte ein gelbbleiches Gelenk auf, zudem ein Arm, eine Schulter, ein Hut und ein blankes Knochengesicht, auf dem der Hut saß, der stetsonförmige Ausmaße besaß. Was an dieser einsamen Stelle aus dem Boden kroch, glich einem schwarzmagischen Wunder.

Ein mit Kleidung bedecktes Skelett, das an einen Revolvermann aus dem Wilden Westen erinnerte.

Mit seiner Knochenklaue hatte sich der Unheimliche aus der Spalte gezogen. Noch kniete er und ließ den Mond auf seinen Rücken scheinen. Es dauerte Minuten, bis er sich bewegte und vorsichtig aufrichtete. Dabei knackten seine Knochen, als würden sie an den Gelenken auseinandersplittern.

Plötzlich stand es aufrecht! Es schlenkerte mit den Armen, drehte sich etwas nach links, um vom Mondschein getroffen zu werden. Die Pose wirkte so unnatürlich wie die eines Laien, der vor einem Fotografen steht und auf das Bild gebannt werden sollte.

Vom Gesicht der Gestalt war nichts mehr übrig geblieben als gelbliches Gebein. Wo einmal die Augen, der Mund und die Nase gesessen hatten, war nichts mehr.

Wie festgeleimt saß der dunkle Hut auf dem Schädel. Er war etwas nach vorn gedrückt worden, zeigte zur Stirn hin einen leichten Knick und besaß dicht über der Krempe ein etwas hell schimmerndes Band aus Schlangenhaut.

Der Knöcherne trug ein dunkelblaues Hemd mit langen Ärmeln, darüber eine rosarote Weste, eine enge, dunkelblaue Röhrenhose und Stiefel mit hohen Hacken.

Wie eben ein echter Cowboy!

Und wie ein echter Cowboy, so war der Knöcherne auch bewaffnet. Um die Hüften hatte er einen Patronengurt geschlungen, in dessen Halfter und ziemlich tief an der rechten Seite ein schwerer 45er Colt steckte, dessen Griff aus einem Walnusskolben bestand.

Wie von selbst bewegte sich die Hand des Knöchernen. Die Finger berührten den Kolben, als wollten sie ihn streicheln. Es war erkennbar, wie sehr sich das Skelett auf diese Waffe verließ.

Noch blieb die Knochenklaue auf dem Kolben liegen. Der aus dem Boden Gekrochene schien sich nicht zu trauen. Er bewegte die rechte Schulter, vollführte eine Art von gymnastischer Übung und zog die Waffe mit einer blitzschnellen Bewegung aus der Halfter hervor, legte an, schoss aber nicht. Statt dessen ließ er den Colt um seinen Zeigefinger rotieren und mit einer glatten Bewegung in der Halfter verschwinden. Die linke Hand näherte sich dem Hut. Er zupfte die Krempe zurecht, hob die Schultern an und setzte sich in Bewegung.

Dann ging er – steifbeinig wie ein Cowboy oder Revolverheld. Es schien, als müsste er das Laufen erst noch lernen. Er schwankte, zudem senkte sich das Gelände. Seine Hacken wühlten Staub auf, der ihn als kleine Wölkchen begleitete.

Schon bald waren seine Schritte verklungen. Das Schaben, das Rollen der kleinen Steine, vielleicht auch das Knirschen unter den Sohlen, all das verschluckte die Stille der Nacht.

Und auch der knöchernde Cowboy war nicht mehr zu sehen. Verstecken aber würde er sich nicht.

Seine Zeit war da – endlich …

*

»Es ist Schluss, du bekommst nichts mehr«, sagte Link McAssig, der Wirt des einsamen Pubs außerhalb der Ortschaft und an der alten Poststraße gelegen, über die jetzt allerdings Fahrzeuge rollten und keine Kutschen mehr.

Ein Rülpsen war die Antwort.

»Geh nach Hause, Charly!«

Charly, der letzte Zecher, hockte an einem der vier Tische. Vor ihm stand ein fast leerer Krug. Charly stierte aus rotgeäderten Säuferaugen gegen das Glas des Krugs und hob die Schultern. »Warum willst du mich los werden, Link?«

»Weil du genug hast.«

Charly lachte glucksend. »Ich habe noch Geld. Verdien es dir, Link.«

»Ich kann auch darauf verzichten.« Dass Charly Geld hatte, wusste er genau. Man konnte ihn als einen wohlhabenden Junggesellen bezeichnen. Er wohnte noch bei seinen Eltern, die eigentlich das Geld hatten. Charly war vierzig, sah aber um mindestens zehn Jahre älter aus. Wie angeklatscht lag das graue Haar auf seinem Flaschenkopf.

»Einen letzten Abkipper …«

Link stöhnte auf. Es war immer das gleiche. Charly beehrte ihn dreimal in der Woche. Wenn er schon so gut wie abgefüllt war, wollte er noch einen Abkipper nehmen.

Den bekam er auch stets. »Whisky oder Brandy?«

»Whisky, aber den guten. Ich merke genau, wenn du mir den billigen andrehen willst.«

»Ist ja klar.« Link McAssig schenkte ein. Über die Theke hinweg schaute er auf seinen letzten Gast, der in den Taschen herumwühlte und nach Geld suchte.

Er förderte einen zerknitterten Schein zutage, legte ihn auf den Tisch und begrub ihn unter seiner Handfläche. Erst als der Wirt den Whisky vor ihm hinstellte, gab er den Schein frei. »Du bist wirklich ein wahrer Freund, Link.«

»Ja, das weiß ich.«

Charly lachte. »Sei doch nicht so pingelig. Ich habe es ehrlich gemeint.«

»Ich auch.«

Der Schluckspecht griff zum Glas, setzte es an die Lippen und kippte das Zeug mit einem geübten Ruck in seine Kehle. Er verdrehte die Augen, leckte über die Lippen und gab wieder ein sattes Rülpsen von sich. »Ahhh, das hat geschmeckt.«

»Du bekommst noch Wechselgeld zurück, Charly.«

Mit einer tapsigen Bewegung winkte der Gast ab. »Egal, nimm es als Vorschuss.«

»Danke.«

Charly stand auf. Das geschah sehr langsam, als wollte er sich jede Bewegung überlegen. Er stützte sich auf der Tischplatte ab, stierte in das leere Whiskyglas, hob die Schultern und murmelte mit schwerer Stimme: »Es ist keine Liebe mehr unter den Menschen. Nein, wirklich nicht, keine Liebe mehr.« Zum Abschied stieß er noch einmal auf, bevor er sich herumdrehte, den Kopf abwandte, weil er nicht gern in das Licht der Deckenlampe schauen...

Erscheint lt. Verlag 12.8.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3326-6 / 3838733266
ISBN-13 978-3-8387-3326-5 / 9783838733265
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