John Sinclair 534 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3306-7 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Die Hexen des Spuks.
Irgendwann kamen die Würmer und Käfer! Sie fraßen sich durch das harte Holz der Särge und ergriffen von den toten, menschlichen Körpern Besitz, immer auf der Suche nach Nahrung. Um einen Sarg jedoch machten sie einen großen Bogen. Hätten sie hineinschauen können, hätten sie eine auf dem Rücken liegende, wachsbleiche Gestalt gesehen, deren Lippen zu einem ungewöhnlichen Lächeln verzogen waren. Es sah aus, als würde sie noch leben ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Die Hexen des Spuks
»Wie viele Gräber müssen sie noch ausheben?«, fragte der zuständige Mann vom Amt, der gekommen war, um auf dem Friedhof seinen Kontrollgang durchzuführen.
Karl Lange hockte auf einem Grabstein und aβ sein Butterbrot. Er mochte den dürren Beamten, der sich in der Hierarchie hochgedient hatte, nicht besonders. Auch jetzt stand er vor ihm, als würde ihm der Friedhof gehören.
»Noch acht Gräber!«
»Was, so viele?«
Karl grinste. »In dieser Reihe ist es noch ein Grab.«
»Das wollte ich wissen.« Der dürre Inspektor mit der Nickelbrille schaute über das Geländer. »Sie werden es bis zum Feierabend wohl geschafft haben.«
»Jetzt mache ich erst mal Pause.«
»Ja, das sehe ich.«
Karl Lange grinste. »Auch als Arbeiter im Öffentlichen Dienst hat man seine Pausenregelung.«
Der Inspektor nickte heftig. »Ich weiß, dass Sie in der Gewerkschaft sind, Herr Lange. Ich werde am Abend noch einmal vorbeischauen und mir die Sache ansehen.«
»Lieber am Nachmittag. Abends muss ich in eine Sitzung.«
»Das meinte ich auch.«
»Arsch«, murmelte Karl Lange und biss in sein Brot. Er mochte die Kerle vom Amt nicht. Das waren samt und sonders Typen, die konnte man in der Pfeife rauchen, wenn der Sommer zu trocken wurde. Es war zwar kein Sommer, dafür Frühling, doch der April arbeitete daran, die wetterbedingten Fehler des Märzes wieder auszugleichen. Die Temperaturen waren angenehm.
Karl Lange und seine Kollegen arbeiteten auf dem Friedhofsamt, dem die städtischen Gärtnereien angeschlossen waren. Sie sorgten nicht allein für die Pflege der Friedhöfe, sie waren auch dafür verantwortlich, dass die Gräber, die sich nicht im Privatbesitz befanden, nach 30 Jahren aufgelöst wurden, um neue Plätze für die Bestattung der Toten zu schaffen. Zahlreiche Gräber wurden ausgehoben. Knochen, die gefunden wurden, sammelte man ein.
Die kleinen Bagger hatten mit ihren Reifen Spuren hinterlassen. Das war nicht schlimm, denn ganze Gräberreihen wurden neu gestaltet. Es wurde planiert und Gras gesät. Dann ruhte das Gelände für ein bis zwei Jahre.
Karl Lange war so etwas wie ein Vorarbeiter. Seine Kollegen, die ebenfalls pausierten, hockten in der Sonne. Karl hatte seinen Platz im Schatten gefunden.
Der Inspektor hatte den Friedhof verlassen. Lange sah, wie er mit seinem roten Sierra davonfuhr. Seine Kollegen winkten ihm zu. »Was wollte der Kerl denn?«, rief jemand.
»Schnüffeln.«
»Den sollte man plattwalzen.«
Die anderen lachten, auch Karl konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Er schaute auf die alten Gräber. Eigentlich tat es ihm leid, sie zerstören zu müssen. Er war der Ansicht, dass man auch den Toten nach vielen Jahren ihre Ruhe gönnen musste, aber der Gesetzgeber hatte halt anders entschieden.
Karl faltete das Butterbrotpapier zusammen und holte eine Selbstgedrehte aus der Blechschachtel. Die Zigarette wollte er sich noch gönnen, bevor es weiterging.
Nicht weit entfernt stand der Bagger. Er gehörte nicht zu den großen Maschinen, für die Gräber allerdings reichte er aus.
Der Friedhof lag am Rande der Stadt. Jenseits davon führte eine Schnellstraße vorbei. Hin und wieder hörten die Männer das Zischen der Wagen, wenn sie den Friedhof passierten.
Ein Wetter zum Urlaubmachen, dachte Lange, als er gegen den herrlich blauen Himmel schaute. Weiße Wolkenberge verteilten sich auf der glatten Fläche. Sie wirkten so, als hätte man sie an die Fläche festgeklebt.
Lange warf die Zigarette weg. Die Glut trat er mit der Hacke aus. Dann stand er auf, reckte sich und gab seinen Kollegen ein Zeichen. Auch die erhoben sich, um nach ihren Werkzeugen zu greifen. Spaten, Schaufeln, Hacken. Sie ebneten das wieder ein, was der Bagger aufgewühlt hatte. Nicht weit entfernt stand ein kleiner Lkw mit offener Ladefläche.
Der Wagen war dafür vorgesehen, Erde abzutransportieren, falls sich dies als nötig erwies.
Der Bagger erzitterte, als Karl den Motor anließ. Auf seinen Kettenrädern fuhr er noch ein Stück vor, bis Lange den gewünschten Winkel erreicht hatte.
Ein Grab noch in dieser Reihe, dann wollte er sich um die anderen kümmern.
Das letzte Grab lag ein wenig versteckt. Vor fünfzig Jahren war hier jemand beerdigt worden, das hatte Karl den Unterlagen entnommen. Eine Frau, wie er wusste. Ihren Namen allerdings hatte er vergessen. Während die Schaufel ihre zinkenartigen Zähne in den Boden drückte, dachte Karl Lange darüber nach, wer diese Frau wohl gewesen sein konnte und welches Schicksal sie gehabt hatte.
Vor fünfzig Jahren hatte die Welt noch anders ausgesehen. Da stand Deutschland vor einem wahnsinnigen Krieg, der niemals hatte gewonnen werden können. Überhaupt hasste Karl den Krieg und wünschte sich, dass so etwas niemals mehr geschah.
Er arbeitete geschickt und fast schon im Schlaf. Bei ihm saß jede Handbewegung. Sie waren ihm in Fleisch und Blut übergegangen.
Die Metallzähne der Schaufel fraßen sich tiefer in das Erdreich, schaufelten es hoch.
Ein paarmal noch würde sie zupacken, dann war die Tiefe erreicht.
Karl spürte Widerstand an der Schaufel, und er hörte ein Kreischen, das aus dem Grab drang.
Lange wurde vorsichtig. Er stoppte den Arm sofort, dachte über das Geräusch nach und ließ ihn schließlich anheben. Sehr langsam fuhr er in die Höhe.
Die Zinken erschienen – und ein Stück dunkles Holz, das sich dazwischen festgeklemmt hatte.
Holz im Grab?
Das konnte Lange nicht glauben. Über sein breitflächiges Gesicht huschte ein ungläubiges Staunen, als er sich den Holzrest näher betrachtete. Es bestand kein Zweifel, dass es sich dabei um Sargholz handelte. Wenn das tatsächlich stimmte, war mit dem Grab einiges nicht in Ordnung. Nach 50 Jahren war auch der beste Sarg vermodert und die Leiche verwest.
Lange schossen gewisse Gedanken durch den Kopf. Er dachte daran, dass es die sogenannten Mafia-Beerdigungen gab. Da legte man einfach zwei Leichen in einen Sarg oder packte einen Toten in ein bereits feststehendes Grab hinein.
Sollte das hier der Fall gewesen sein?
Karl Lange schwitzte plötzlich. Er schaltete den Motor ab und stieg vom Bagger.
Auch seine Leute hatten mitbekommen, dass etwas nicht stimmte. »Ist was nicht in Ordnung, Karl?«, rief jemand.
»Ich schaue nur nach.«
»Sag uns dann Bescheid!«
»Ja, ja.« Lange hatte die Antwort automatisch gegeben. Er war dicht an den Rand des alten Grabes herangetreten, schaute jetzt in das von der Schaufel aufgewühlte Loch und bekam das, was man im Volksmund große Augen nennt.
Was er sah, konnte er nicht glauben. Vor ihm stand tatsächlich ein Sarg in der Erde.
Er sah im Prinzip aus wie neu. Nur dort, wo ihn die Zinken erwischt hatten, war er aufgerissen.
Karl Lange wischte über seine Augen. Er war kein ängstlicher Mensch, jetzt allerdings rollte eine Gänsehaut über seinen Rücken, denn er wusste nicht, was das zu bedeuten hatte.
Am Rand des aufgeworfenen Grabes stehend, drehte er sich um und winkte seinen Kollegen. »Kommt mal her, aber bringt eure Werkzeuge mit. Hier gibt es Arbeit.«
»Was denn?«
»Werdet ihr schon sehen.«
Die Arbeiter waren zu dritt. Sie kannten Karl Lange gut genug. Wenn der so sprach, hatte er Ärger oder wusste selbst nicht mehr weiter. Neben ihm blieben sie stehen.
»Seht euch das an!«
Die Männer schauten in das aufgewühlte Grab und verstummten. Auch sie waren einiges gewohnt, doch der Anblick hatte ihnen die Sprache verschlagen.
Erwin, der bereits mit bloßem Oberkörper arbeitete und seine langen Haare mit einem Stirnband zusammengebunden hatte, lachte kratzig auf. »Da hat sich einer einen Scherz erlaubt und auf den längst verfaulten Sarg noch einen anderen gestellt.«
»Meinst du?«
»Ja.« Erwin löste sich von seinem Platz und umrundete das Grab. An der Stirnseite blieb er stehen, bückte sich, starrte nach unten und meinte: »Ach du Kacke!«
»Was ist denn jetzt?«
»Komm mal her, Karl.«
Lange trat neben ihn. Auch sein Blickwinkel war nicht nur anders, auch besser geworden. Die Zinken der Baggerschaufel hatten den Sargdeckel aufgerissen und eine Lücke hinterlassen, in die beide Männer hineinschauen konnten. Durch die Öffnung sahen sie etwas Weißes schimmern.
»Das … das kann ein Totenhemd sein«, bemerkte Erwin und rang nach Worten.
»Du spinnst.«
»Nein, Karl. Der Sarg ist nicht zerstört, und die Leiche ist auch nicht verwest.«
»Die liegt seit fünfzig Jahren da unten!«
»Bist du sicher?«
»Ja, ich habe es nachgelesen.« Karl Lange nickte heftig. Auch die anderen beiden Kollegen kamen zu ihm. Einer stand schon dicht vor der Pensionsgrenze und hatte sein halbes Leben auf dem Friedhof verbracht. Er schaute auf den Sarg und durch die Öffnung. »Da ist eine Leiche nicht verwest«, stellte er fest.
»Kannst du mir den Grund nennen?«
»Nein, Karl. Ich würde vorschlagen, wir legen den Sarg ganz frei und holen ihn hervor.«
Lange überlegte kurz, bevor er sich einverstanden erklärte. Das Werkzeug hatten die Männer mitgebracht. Auch Karl half mit, den Sarg freizuschaufeln.
Als sie genug Platz geschaffen hatten, um in das Grab klettern zu können, sprangen sie hinein. Zu viert hoben sie den Sarg an und stemmten ihn aus dem Grab. Sie schoben ihn über den Lehmboden bis an den Rand einer blühenden Buschgruppe. Felsenbirken bildeten ein schützendes Dach aus blühenden Knospen.
»Öffnen!«
Wohl war ihnen nicht, als sie die Aufforderung...
| Erscheint lt. Verlag | 12.8.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3306-1 / 3838733061 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3306-7 / 9783838733067 |
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