John Sinclair 523 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3293-0 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Julies schöne Zombie-Schwester.
Ich hatte geglaubt, der Fall Julie Gladstone sei erledigt gewesen. Ein Irrtum, wie sich herausstellte, denn Julie umgaben noch weitere Geheimnisse.
Aus der Vergangenheit meldete sich jemand, zu dem Julie angeblich gehörte, und so ging es für uns alle in die entscheidende Phase, die nur von einer Frage beherrscht wurde: War Julie noch zu retten, oder würde sie in den Bann ihrer blonden Zombie-Schwester geraten?
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Julies schöne Zombie-Schwester
»Sie ist nackt, schön, hat lange, blonde Haare und einen tätowierten Rücken«, sagte Stefan Klein und deutete durch ein Nicken den Ernst seiner Worte an.
Kommissar Will Mallmann lächelte. »Das soll ich dir alles glauben, Stefan?«
»Und wie.«
»Es fällt mir zumindest schwer.«
»Was?« Klein sah den Kommissar erstaunt an. »Wir kennen uns lange genug, Will.«
»Eben. Ich weiß auch, was du von Beruf bist: Rundfunk-Moderator, immer auf der Suche nach einer heißen Story. Ob sie nun der Wahrheit entspricht oder nicht …«
»So kannst du das nicht sagen«, unterbrach Stefan seinen alten Bekannten. »Was ich über den Äther bringe, stimmt.«
»Sonst wäre ich deinem Ruf ja nicht gefolgt.«
»Dafür bin ich dir auch denkbar. Ich wollte ja einen guten Zeugen vorzeigen können, wenn sie erscheint.« Klein deutete auf seine hochempfindliche Kamera. »Außerdem besitzt auch sie ein unbestechliches Auge.«
Will kannte die Geschichten seines alten Freundes Stefan Klein. Die beiden Männer hatten sich bei einem Interview vor rund zehn Jahren kennengelernt und waren seit dieser Zeit in einem losen Kontakt geblieben.
Stefan Klein war zu einem Privatsender gewechselt, der öffentlichrechtliche hatte ihn zu sehr eingeengt, wie er sagte. Klein gehörte zu den Leuten, die auf der Suche nach besonderen Geschichten waren. Da kam ihm die Sache mit der blonden Frau gerade recht, die immer in langen Winternächten vor einer alten Steinbrücke erschien und die Menschen erschreckte, ob es nun Autofahrer, Radler oder Fußgänger waren.
Den Begriff »immer« hatte Stefan Klein eingeschränkt. Es handelte sich bei der Frau mehr um eine Sage, und sie war eigentlich vor gut hundert Jahren zum vorletztenmal erschienen, allerdings im Januar des Jahres 1988 wieder häufiger.
Stefan Klein hatte davon Wind bekommen. Er wäre kein guter Reporter gewesen, hätte er sich darum gekümmert und sich gleich rückversichert, indem er Will Mallmann Bescheid gab.
»Eigentlich hätte ich etwas Besseres zu tun, als mir mit dir schon die zweite Nacht um die Ohren zu schlagen«, beschwerte sich der Kommissar.
»Was willst du? Es ist doch gemütlich.«
»Wo – hier?«
»Klar.«
Will schüttelte den Kopf. »Das kann auch nur einer sagen, der beim Rundfunk ist.«
Mallmann hatte mit seiner Beschwerde recht. Sie hockten praktisch unter der alten Steinbrücke, wo es verdammt zog und das vorbeirauschende Wasser des schmalen Flusses noch zusätzliche Kühle brachte, obwohl es bisher ein überdurchschnittlich warmer Jahresbeginn gewesen war. Ein Januar ohne Schnee. Selbst in den Alpen sehnte man sich nach der weißen Pracht.
Will Mallmann und Stefan Klein hockten an der Böschung, eingepasst in eine flache Mulde. Als Kleidung trugen sie dicke, gefütterte Parkajacken mit Kapuzen, die sie über die Köpfe gestreift hatten, denn der Wind konnte eklig werden.
»Was ist denn, wenn sie nicht erscheint?« , fragte Will.
»Du hast mir noch eine dritte Nacht versprochen, denk daran.«
Der Kommissar strich über den schmalen Rücken seiner gebogenen Römernase. »Wie sich das anhört, Stefan.«
»Ist aber so.«
»Meinetwegen.«
Klein fummelte wieder an seiner schussbereit vor der Brust hängenden Kamera herum. Er war um einige Jahre jünger als der Kommissar. Sein angegrautes Haar trug er wie eine Perücke auf dem Kopf. Dauerwellen hatten es lockig gemacht, während es lang in seinen Nacken fiel.
Laut Aussagen eines Zeugen war das unheimliche Mädchen stets gegen Mitternacht erschienen und sogar einmal zu einem der Anhaltenden in den Wagen gestiegen. Sie hatte dem vor Schreck starren Mann etwas gesagt, eine Botschaft mitgeteilt, doch dem Mann waren die Worte entfallen. Er konnte sich an nichts mehr erinnern.
Zu Beginn ihrer Warterei hatte Mallmann einen Begriff geprägt, an dem er auch jetzt noch festhielt. Eine Nacht zum Weglaufen. Naßkalt, sehr dunkel, ohne Sterne, und auch der Mond hielt sich vornehm versteckt. Nur der Wind war nicht eingeschlafen.
Der kleine Fluss, an dem sie hockten, führte Hochwasser. Es überschwemmte dabei einen Teil der Böschung. Die alte steinerne Rundbogenbrücke trotzte den Wassermassen, die um die im Fluss stehenden Fundamente gurgelnde Wirbel produzierten.
Das Rauschen des Flusses hatte Will zunächst als störend empfunden, sich später aber daran gewöhnt. Jetzt befand er sich bereits in einem Zustand, wo er es kaum noch hörte.
»Möchtest du was essen?«, fragte Klein.
Will grinste. »Du willst mich wohl bei Laune halten?«
»Das sowieso.«
»Nein, danke.«
»Ich habe den berühmten Pausensnack eingesteckt.«
»Dann iß du ihn.«
»Auf was hättest du denn Hunger?«
»Auf ein Eisbein mit Sauerkraut und ein anständiges Bier. Danach ein Bett.«
»Wie fade.«
»Ich gehöre eben zu den typischen
Deutschen.«
»Hast aber in England deine Freunde.«
»Sicher. Das wäre auch ein Fall für John Sinclair hier, sollte es sich nicht als Finte herausstellen.«
Stefan Klein biss in seinen Pausensnack und schüttelte den Kopf. »Es ist keine Finte, glaub mir.«
»Schon gut.«
Die nächste Minute verbrachten sie schweigend. Klein kaute still vor sich hin.
Ein Geräusch riss sie aus ihrer Warterei. Noch ziemlich weit entfernt, aber dumpf und irgendwie donnernd klingend.
Der Kommissar richtete sich auf. »Das kann sie doch nicht sein …«
Klein schüttelte den Kopf. »Hört sich nach einem Motorrad an.«
Da beide sichergehen wollten, kletterten sie hoch bis zum Rand der Böschung, versteckten sich aber noch im harten, braungrünen Wintergras und schauten nach links, denn von dort war das Geräusch aufgeklungen. Rechts von ihnen lag die Brücke, über die die schmale Straße und weiter in das Dorf führte.
Von den Häusern sahen sie nicht allzu viel. Nur der Kirchturm zeichnete sich vor dem Himmel wie gemalt ab.
Links zuckte ein Lichtfleck hin und her. Der Motorradfahrer schien sich in Kurventechnik zu üben. Vielleicht hatte er auch zu viel getrunken.
»Das ist eigentlich ihre Zeit«, sagte Stefan Klein und blickte zur Brücke hin.
Mallmann musste ein Gähnen unterdrücken. »Vielleicht kommt sie ja noch. Man soll die Hoffnung nie aufgeben.«
»Scherzbold.«
Ein breiter Lichtstreifen fiel über die Fahrbahn. In der letzten Kurve vor der Brücke erschien der Motorradfahrer. Viel war von ihm nicht zu sehen, weil der Scheinwerfer wie ein großes, weißes, glotzendes Auge wirkte und diejenigen blendete, die hineinschauten.
Er jagte heran.
»Der fährt zu schnell«, sagte Klein.
Zwei Sekunden später befand er sich mit den Männern auf gleicher Höhe – und bremste.
Will und Stefan erschraken. Damit hatten sie nicht gerechnet. Okay, ein Zurücknehmen der Geschwindigkeit wegen der schmalen Brücke, das konnte in Kauf genommen werden, aber nicht diese Vollbremsung.
Sie war so plötzlich erfolgt, dass der Fahrer seine Maschine nicht mehr unter Kontrolle bekam, mit dem Hinterrad ausbrach, sich drehte und über den Boden rutschte, sodass eine Funkenspur die Maschine bei ihrer unfreiwilligen Reise in den Straßengraben auf der anderen Seite begleitete.
Die Räder drehten sich noch. Dem Fahrer schien nicht viel passiert zu sein, er fluchte lauthals. Die beiden Beobachter wussten plötzlich, weshalb er so stark gebremst hatte.
»Ich werde zum Büffel!«, ächzte Stefan Klein. »Das ist sie, das ist sie tatsächlich!«
Mitten auf der Brücke stand – einer Spukgestalt ähnlich – eine nackte Blondine …
*
»Hallo, Suko!«
Julie Gladstone, das Mädchen, das schon mehrere Male gelebt hatte und jetzt dank unseres Eingreifens sein wohl letztes Leben führte, strahlte meinen Freund und Partner an, als hätte sie nur auf ihn gewartet.
Suko stürmte aus der Küche. »Ja, wen haben wir denn da!«, rief er. »Unsere Julie!« Er fasste sie unten unter, hob sie hoch und drehte sie einige Male im Kreis, bevor er sie wieder auf den Boden stellte, wo Julie zu einem Sessel hinlief und sich hineinfallen ließ.
Ich schloss derweil die Tür, nickte Suko zum Gruß zu und zog die Nase hoch.
»Was ist denn?«
»Wonach riecht es hier?«
»Ich habe euch schließlich zum Essen eingeladen und entsprechend alles vorbereitet.«
»Chinesisch?«
»Denkst du etwa Italienisch.«
»Hätte ja sein können. Es soll sogar Menschen geben, die den Horizont ihrer Kochkünste im Laufe der Zeit erweitern. Zu denen scheinst du nicht zu gehören, Suko.«
Er drohte mir mit einer Pfannenschaufel. »Was kannst du denn kochen, John?«
»Das ist …«
»Überhaupt nichts«, unterbrach Suko mich und nickte Julie zu. »Der lässt sogar das Wasser anbrennen.«
Das zehnjährige Mädchen wollte sich ausschütten vor Lachen und lachte noch lauter, als es in der Küche zischte und Suko wie ein Sprinter startete.
»Ich esse aber gern chinesisch!«, rief sie dem Inspektor noch als Trost hinterher.
»Beeil dich nur nicht«, gab ich meinen Senf dazu. »Wir haben Zeit genug.«
»Hol dir doch Chips and Fish!«, rief Suko aus der Küche.
»Erst will ich wissen, was es bei dir gibt?«
»Eine Hühnersuppe mit Glasnudeln als Vorspeise. Danach Schweinefleisch süßsauer.«
»Hört sich gut an.«
»Sag’ich doch.«
»Und als Dessert?«
»Hör auf!«, stöhnte Suko. »Weshalb willst du überhaupt ein Dessert haben? Vorspeise und...
| Erscheint lt. Verlag | 12.8.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3293-6 / 3838732936 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3293-0 / 9783838732930 |
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