John Sinclair 514 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3284-8 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Macumbas Totenhöhle.
Wer über Macumba lachte, bekam dessen Rache zu spüren, wer ihm dagegen neue Opfer zuführte, wurde als Held gefeiert.
Wir hatten Macumbas Totenhöhle einen Besuch abgestattet, um nach dem Rechten zu sehen, und entdeckten Jane Collins, die gerade dem Herrscher der Totenhöhle geopfert werden sollte ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Das keuchende Atmen verstummte. Nur gab der Angesprochene keine Antwort. Dann wieder die Stimme.
»Virgil!«
»Jaaa …« Die Erwiderung glich mehr einem lang gezogenen Stöhnen. Sie klang auch so, als wollte der Angesprochene überhaupt nicht reden, nur gezwungenermaßen.
»Wie fühlst du dich, Virgil?«
»Ich will raus!«
»Das kann ich mir denken!«
»Ich will weg!«, entgegnete Virgil.
»Du darfst auch. Aber hast du die Kraft dazu?«
»Ja!«
»Tatsächlich?« Trotz der leichten Verzerrung durch den Lautsprecher war deutlich Spott aus der Stimme herauszuhören.
»Ich kann es!«
»Dann beweise es mir!«
Virgil schwieg. Vielleicht konnte er auch nicht begreifen, dass der andere ihn freilassen wollte. Jedenfalls reagierte er nicht.
»Möchtest du nicht, Virgil? Habe ich mich in dir geirrt? Hast du mich enttäuscht?«
»Nein!« Ein Schrei zitterte durch den stockfinsteren Raum.
»Dann los, Virgil!«
Der Angesprochene tat noch nichts. Er wartete ab und atmete nur. Wieder war es dieses schwere Keuchen, das die Finsternis erfüllte, an den Wänden hochzukriechen schien, sich in den Ecken einnistete, um dort hocken zu bleiben.
Wer immer Virgil sein mochte, er war ein Mensch, kein Tier. Er konnte reden, Antworten geben, damit stand er über den Tieren.
Das Geräusch veränderte sich. Es bekam eine andere Klangfarbe. Nicht mehr dieses fürchterliche Atmen drang gegen die kahlen Wände. Dafür ein leises Schaben, dazwischen war auch das Patschen zu hören, als würden Hände oder Tatzen flach auf den kalten, grauen und glatten Betonboden schlagen.
In regelmäßigen Intervallen klangen die Laute auf. Virgil bewegte sich weiter. Er hockte nicht mehr wie ein lebloser Gegenstand in der Ecke, er wollte etwas erreichen.
Dann verstummten die Laute.
Stille senkte sich in die Finsternis. Ein sehr langer Augenblick ging vorbei. Er wurde beendet durch ein tiefes Atemholen und ein sich anschließendes kaltes Lachen.
»Jetzt, Virgil, jetzt!«
Die Stimme hetzte ihn voran. Eine akustische Peitsche, die in seine Sinne drang.
»Jaaaa …!«, brüllte er und nahm Anlauf.
Das schnelle Tappen war zu hören, als hornhautstarke Fußsohlen über den Boden hämmerten.
Virgil rannte, er war wie eine Maschine, die jemand aus dem Gefängnis befreit hatte.
Und er kam an.
Ein Krach ertönte, fast schon mit einer dumpfen Explosion zu vergleichen. In das Echo des Krachs hinein erklang auch das Splittern, als der schwere Körper – wuchtig vorangestoßen – die Tür durchbrach.
Er rannte hinaus und hinein in das Helle, in das Licht, in die dampfende, kalte Dunkelheit.
Virgil war unterwegs!
*
Lady Sarah Goldwyn, wegen ihres Faibles für alles, was mit Grusel zusammenhing, auch Horror-Oma genannt, schaute ihren Schützling Jane Collins nachdenklich an. »Mädchen, du gefällst mir gar nicht. In der letzten Zeit ißt du wenig, wirst immer blasser, nimmst auch ab. Das kann nicht so weitergehen.«
Über den gedeckten Abendbrottisch hinweg schauten sich die beiden unterschiedlichen Frauen an. Die blonde Jane sah den Ernst in Sarahs Augen. Ihr Lächeln fiel spärlich aus, bevor sie fragte: »Ist das denn ein Wunder?«
Mrs. Goldwyn lehnte sich zurück. »Was soll ich darauf erwidern, Kind?« Sie spielte mit einer ihrer Ketten und ließ die Perlen gegeneinander klimpern. »Es gäbe nur die eine Antwort.«
»Eben. Und darüber komme ich nicht hinweg.« Jane Collins senkte den Kopf.
Das Schicksal hatte ihr in ihrem Leben so manchen furchtbaren Streich gespielt. Jane Collins war eine Gebrandmarkte und würde immer eine Gebrandmarkte sein.
Als völlig normaler Mensch geboren und auch aufgewachsen, war sie in den grauenvollen Kreis der teuflischen Hexenmagie hineingeraten, zur Hexe umfunktioniert worden, hatte auf der Seite des Bösen gestanden und war wieder befreit. Dann war ihr ein Kunstherz eingepflanzt worden. Damit hatte es sich leben lassen. Nach einigen Irrungen und Wirrungen hatte Jane den Weg wieder nach London zurückgefunden, bei Lady Sarah Goldwyn eine neue Heimat erhalten, um letztendlich doch den Mächten der Finsternis Tribut zahlen zu müssen.
Grausam hatten sie zurückgeschlagen und ihr beim Hexenpolterabend bewiesen, dass mit ihnen nicht zu spaßen war.
Sie war zwar keine direkte Hexe mehr, dem Geisterjäger John Sinclair war es gelungen, sie zu befreien, der fürchterliche Fluch jedoch lastete wie ein Schwert über ihrem Kopf.
Ihr war ein schlimmes Erbe geblieben. Eine gespaltene Persönlichkeit, ein höllischer Zwitter.
In der Dunkelheit sah Jane Collins aus wie immer. Eine hübsche, junge Frau, der das Leben bestimmt noch etwas zu bieten hatte. Doch am Tage traf sie der Fluch voll.
Da verwandelte sich ihr Kopf in einen gelblichweißen Skelettschädel, auf dem helle, strähnige und drahtige Haare wuchsen. Erst wenn die Dunkelheit die Dämmerung ablöste, wurde Jane Collins wieder zu einem normalen Menschen.
Darüber kam sie nicht hinweg. Dieses grausame Schicksal zehrte an ihr, es war wie ein permanenter Messerstich, der in ihrem Körper steckenblieb und nie mehr hervorgeholt werden würde.
»Ich weiß, dass Ratschläge in dieser Lage nichts fruchten, Kind«, sagte Lady Sarah, »aber du solltest mal versuchen, auszugehen. Triff dich mit John. Meide ihn nicht wie einen Aussätzigen.«
»Ich bin doch die Aussätzige!«, rief Jane. »Ich!« Sie zeigte mit dem Finger auf sich.
»Nein, das bist du nicht.«
»Für dich nicht, für John und seine alten Freunde auch nicht. Aber für die übrigen Menschen. Ich halte mich vor der Welt versteckt. Wenn es tagsüber bei dir klingelt, kann ich nicht an die Tür gehen. Da bleibe ich in meinem Zimmer und …«
»Ich glaube noch immer daran, dass sich dies eines Tages mal ändern wird, Jane.«
»Eines Tages.« Sie nickte. »Ja, das sind zwei Worte, die kommen mir, wenn ich sie ausspreche und richtig betone, endlos vor. Endlos wie mein Schicksal, das ich aber nicht so lange ertragen kann und auch nicht will!«
»Dann musst du dagegen ankämpfen?«
»Wie denn?«, schrie Jane. »Wie? Sag es mir doch! Ich bin kein Mensch, zur Hälfte Dämon, zur anderen Hälfte, was weiß ich …«
»Bitte, Jane …«
Die Detektivin schluchzte auf. »Entschuldige, es ist heute wieder besonders schlimm. Es kommt in Intervallen über mich. Man hat mich furchtbar bestraft.«
Lady Sarah sagte nichts mehr. Trost hatte sie schon genügend gesprochen, nur geholfen hatte es Jane kaum etwas.
»Ich … ich bin so verzweifelt«, drang es aus ihr hervor. Sie saß da mit gesenktem Kopf. »So furchtbar verzweifelt. Ich weiß nicht mehr, was ich noch machen soll. Manchmal denke ich an etwas Schlimmes.«
»Doch nicht …«
»Ja, Sarah, an Selbstmord. Jetzt kannst du mich verachten, aber es ist eben so.«
»Man wirft kein Leben weg, Jane!«
»Leben!«, trotz des Tränenwassers bekamen ihre Augen einen starren Ausdruck. »Ist das noch leben, Sarah?«
»Ja, das ist Leben«, widersprach Mrs. Goldwyn. »Du kannst essen, trinken, lachen, weinen, dich bewegen. Du hast Empfindungen, du kannst deinen Verstand gebrauchen …«
»Und bin ein Monster«, sprach Jane dazwischen.
»Nein!«
»Doch!« Jane stand auf. »Ich fühle mich so. Ich fühle mich als Monstrum, als ein Lebewesen, das es nicht wert ist, noch weiter zu existieren. Du kannst dagegen sprechen, du wirst meine Ansicht nicht ändern.« Sie ging zum Fenster und schaute durch die Scheibe. Dabei sah sie zu, wie ihr Atem gegen das Glas schlug.
Draußen war es dunkel. Es wallte zwar kein dicker Nebel durch Londons Straßen, aber der Novemberdunst reichte auch aus, um viele Lichter verwaschen wirken zu lassen.
»Früher habe ich gelacht, bin ausgegangen, habe chic gegessen, habe getanzt …« Sie nickte sich selbst zu. »Ja, das alles habe ich getan. Und heute?« Jane räusperte sich. »Nichts ist davon mehr zurückgeblieben. Ich lebe wie eine Gefangene. Wenn du ehrlich bist, Sarah, kannst du mir da nicht widersprechen.«
»Das hatte ich auch nicht vor.«
»Woher nimmst du dann deinen Optimismus, mich noch aufheitern zu wollen?«
»Weil sich alles wieder ändern kann!«
Jane drehte sich um, weil sie die Horror-Oma ansprechen wollte. »Wann kann sich das ändern, Sarah? Morgen, übermorgen? In zehn Jahren, in fünfzig vielleicht? Muss ich so lange tagsüber mit einem verfluchten Knochenschädel herumlaufen?«
»Nein. Denk an John …«
Jane nickte. »An ihn denke ich oft, Sarah. Öfter als mir vielleicht selbst lieb sein kann. Aber was will John tun? Er hat versucht, mir zu helfen. Er wird mir auch helfen, dessen bin ich mir sicher. Nur kann er mir den Knochenschädel nicht wegzaubern, der tagsüber auf meine Schultern sitzt. John Sinclair ist gut, aber in meinem Falle möchte ich ihn als hilflos bezeichnen.«
»Du weißt auch, dass er daran arbeitet, dir helfen zu können«, sagte Lady Sarah.
»Kann sein. Ich will ihm keinen Vorwurf machen. Ich kann keinem einen Vorwurf machen. Ihr seid alle sehr nett und lieb zu mir.«, sie lief zu einem Sessel und ließ sich hineinfallen. »Vielleicht sogar zu nett, ich weiß es selbst nicht. Aber ich möchte kein Mitleid, ich möchte …« Sie unterbrach sich und musste schlucken. Mit stockender Stimme sprach sie weiter. »Ich möchte akzeptiert und nicht mitleidig angeschaut werden. Verstehst du das?«
Jane Collins sah Sarah Goldwyn nicken. Allerdings verschwommen, weil die Tränen einen Schleier vor den klaren Blick gelegt hatten. Es war wieder...
| Erscheint lt. Verlag | 12.8.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3284-7 / 3838732847 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3284-8 / 9783838732848 |
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