John Sinclair 502 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3272-5 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Disco-Hexe Tessy.
Harter, pumpender Rock jagte durch die Disco. Tessy & the Monsters heizten ihrem Publikum ein. Das Konzert glich einem Feuerwerk, das vor den Massen abgebrannt wurde. Dirigiert wurde das Spektakel von der Hexe Tessy, einem Rasseweib, dem die hungrigen Männer zu Füßen lagen. - Noch lief die Show, noch ahnte niemand etwas von Tessys dämonischer Vergangenheit ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Die Disco-Hexe Tessy
Nur allmählich verstummte das Raunen, Murmeln und Wispern der zahlreichen Stimmen. Gleichzeitig senkte sich die Dunkelheit über den Raum. Die Spannung stieg.
Jeder Gast wusste, was ihn erwartete. Manche hatten es schon drei-, viermal erlebt, doch für sie war es stets wie eine Premiere. Es war auch immer anders, obwohl der Vorgang auf der Bühne eigentlich stets gleich ablief.
Jemand hüstelte noch.
Ein anderer regte sich darüber auf. »Halt die Schnauze, verflucht!« »Du mich auch …«
Der Scheinwerfer platzte auf. Es war wie eine grelle Explosion, die dicht unter der Decke stattfand, sich ausbreitete und auch ein bestimmtes Ziel haarscharf erwischte.
Die Mitte der Bühne.
Noch ein kurzes Zucken, ein huschendes Hin und Her, dann stand der Gegenstand wie gemalt im Licht des runden Scheinwerferkegels.
Es war ein pechschwarzer Sarg!
Absolute Stille herrschte jetzt. Die Zuschauer bekamen das Gefühl, hineintauchen zu können. Nur an den Notausgängen des großen Raumes brannten noch Lampen. Rötliche Streifen, eingefasst in ein Rechteck aus Glas und mit gelben Pfeilen versehen.
Von der Bühne aus war von den Zuschauern nichts zu sehen. Sie bildeten innerhalb der Finsternis eine düstere, kompakte Masse, die atmete, sich bewegte, von einer kaum zu unterdrückenden Unruhe zeugte, die roch und schwitzte und voller Erwartung steckte.
Hier und da blitzte an verschiedenen Stellen Modeschmuck auf, ohne dass er von einem Lichtstrahl erwischt worden wäre.
Es dauerte immer eine gewisse Zeit, bis die Show begann. Die Zuschauer sollten sich an das Unheimliche gewöhnen, an dieses düstere Flair, das der Sarg abstrahlte.
Eine halbe Minute verging …
Die Spannung nahm zu. Wieder hüstelte jemand. Ein Mädchen sprach flüsternd von seiner Angst, was dem Begleiter nur ein müdes Grinsen entlockte.
Vielleicht hätten einige den Saal gern verlassen, doch alle blieben. Möglicherweise hatten sie Angst oder wollten nicht als Feiglinge gelten.
So hielten es die Gäste aus. Sie waren außerdem gekommen, um diese große Show zu erleben.
Und die begann.
Scharf konturiert, überdeutlich stand der pechschwarze Sarg innerhalb des Scheinwerferrunds. Jeder, der genau hinschaute, konnte sehen, wie sich der Deckel bewegte.
Es war nicht mehr als ein Zittern, jedoch mit Geräuschen verbunden. Dabei entstand ein Knarren, als würde eine alte Tür allmählich aufgezogen. Dann glitt der Deckel in die Höhe.
Langsam, sehr langsam und Spalt für Spalt. Ein Zwischenraum entstand, in den der Kegel gnadenlos hineinleuchtete, als wollte er die Ruhe des Todes stören.
Der Deckel kippte weiter hoch. Die Zuschauer starrten auf seine Innenfläche. Sie war mit rotem Samt ausgelegt. Jetzt sahen sie auch noch mehr. Eine Hand, ein Arm, beides nackt. Haut, die im grellen Kegel bleich aussah.
Die Finger lagen unter dem Deckel. Sie bewegten sich, als sie ihn hochdrückten, sie streichelten den Samt wie Haut. Lackierte Nägel glänzten wie gefrorenes Blut.
Im rechten Winkel blieb der Sargdeckel stehen. Er kippte nicht mehr nach hinten.
Pause …
Wieder verstrichen Sekunden. Dann der Trommelklang. Leise, raunend, fast böse und gleichzeitig fordernd. Düster im Hintergrund zu vernehmen. Eine rhythmische Drohung, die den Zuschauern weismachen sollte, was auf sie zukam.
Musik aus einer fernen Welt, mit dem Hauch des Bösen untermalt. Ein Klang, der sich auch steigerte und seinen Rhythmus veränderte.
Noch immer hielt die Hand den Deckel. Der Arm zuckte jetzt. Er bewegte sich im Klang der Trommeln.
Wie Voodoo-Zauber …
Kenner der Szene wussten bereits, dass es nicht mehr lange dauern würde. Dann explodierte die Gestalt, sie würde aus …
Es geschah!
Ein Schrei drang aus der prächtigen Totenkiste. Hoch, schrill, wütend und erlösend zugleich. Ein Signal, das der Teufel hätte erfinden können. Der Schrei jagte über die Köpfe der Gäste hinweg, füllte den Raum aus, und mit ihm kam sie.
Tessy, die Disco-Hexe!
Sie jagte wie ein Phantom aus dem Sarg. Eine Gestalt so wild wie ein tosender Fluss, der durch eine Cañonenge schäumt. Aufgeputscht, angeheizt, wild und unbezähmbar in ihren Bewegungen, eingepackt in einen schwarzen Umhang mit rotem Innenfutter. Eine wilde Furie, die sich zuckend im Kegel des Scheinwerfers bewegte, der vom Sarg weggewandert war und den Lauf der dunkelhaarigen Schönen genau verfolgte.
Sie war ein Vulkan, sie sprühte vor Sex!
Tessy stellte alles in den Schatten. Das rabenschwarze Haar war in der Mitte geteilt. Es stand wie ein Vorhang zu beiden Seiten hinweg und bildete eine Haube, die sich nicht einmal bewegte, als sie mit den Füßen aufstampfte.
Tessy trug hochhackige Schuhe. Innerlich begleitete sie den dumpfen Rhythmus der Trommeln. Ihr wildes, rassiges Gesicht war der Mittelpunkt auf der Bühne.
Zum Kinn hin lief das stark geschminkte Gesicht schmal zu, es bildete fast ein Dreieck. Den Hals zierte ein Band aus schwarzem Samt, das an der Vorderseite durch eine goldene Brosche gehalten wurde.
Mit einer Hand hielt Tessy ihren Mantel vor dem Körper zusammen. Sie starrte schräg in die Tiefe, wo die Gäste sich zusammendrängten und hin und wieder ein blasses Gesicht zu sehen war.
Sie lächelte.
Jeder bekam den Eindruck, als würde Tessy gerade ihn anlächeln. Diese junge Frau strahlte etwas aus, das kaum jemand in Worte fassen konnte. Es war Sex, aber auch Erotik und eine ungezähmte Wildheit. In ihr brodelte ein Vulkan, das Blut war wie heiße Lava. Man hatte ihr den Namen Disco-Hexe Tessy gegeben, und er traf hundertprozentig auf sie zu.
Tessy streckte die Linke aus, als wollte sie die Faust gegen irgendein blasses Gesicht schlagen. Dann öffnete sie die Hand und spreizte die Finger. Ihre Geste besaß etwas Hypnotisches. Sie war diejenige Person, die Macht über ihre Gäste besaß und allein durch ihr Erscheinen dafür sorgte, dass viele wiederkamen, um nur sie zu sehen.
»Gleich passiert es!«, flüsterte ein junger Mann. »Verdammt, gleich ist es soweit.«
»Was denn?«, fragte ein Neuling.
»Das wirst du schon sehen.«
Tessy zog ihre Hand zurück. Mit der anderen hatte sie noch den Mantel vor ihrem Körper zusammengerafft. Noch hielten die beiden Hälften, einen Moment später jedoch klafften sie auseinander.
Der Mantel flog in zwei Richtungen weg, als wäre er von einem gewaltigen Windstoß erfasst worden. Er fing an zu flattern, faltete sich auseinander, und durch die Reihen der Zuschauer und starren Gaffer lief ein lautes Raunen.
Tessy war nackt – oder fast nackt!
An der wichtigsten Stelle trug sie nur ein Dreieck aus goldenem Metall. Eine Maske, die auch ein Gesicht zeigte.
Das Gesicht eines Tieres, eines Teufels vielleicht. In die Maske waren Mund, Nase und Augen eingraviert worden, aber sie war ohne Leben. Nur das Licht warf blitzende Reflexe und verlieh der Maske ein kaltes Leben.
Tessy besaß einen außergewöhnlichen Körper. Sie war sehr gut proportioniert, mit einer schmalen Taille, ausladenden Hüften und straffen Brüsten.
Sie lächelte die Zuchauer an und schritt am Bühnenrand entlang. Das Trommeln war geblieben. Aus dem dunklen Hintergrund flog etwas in den Lichtkegel hinein, blitzte für einen Moment auf, dann schnappte Tessy nach dem Gegenstand.
Es war ein Mikrofon. Ein schmaler Stab mit einer roten Kugel darauf. Die dünne Schnur peitschte hinter dem Mikro her wie eine Schlange.
Tessy erstarrte.
Sie schloss sekundenlang die Augen, ein Zeichen der höchsten Konzentration. Dabei beugte sie auch den Kopf nach vorn. Die Haare fielen nicht mit, sie blieben in dieser haubenartigen Stellung, als lägen unter ihnen zwei Drahtnetze. Sekunden später »explodierte« Tessy Lamar.
Ein gellender Startschrei drang aus ihrem Mund, verstärkt noch durch das Mikrofon.
Die Gäste wurden gleichzeitig für einen Augenblick geblendet, denn jetzt jagten von der Seite her ein roter und ein giftgrüner Kegel auf die Bühne, huschten hinter Tessy vorbei und rissen die Gestalten aus der Finsternis, die zuvor im Dunkel der Bühne gewartet hatten.
Es war Tessys Band.
Eine Band, die Furore gemacht hatte, die Hard-Rock spielte, die unheimlich heavy und in London bereits zu einer Institution geworden war.
Tessy and the Monsters!
Das war die Gruppe, die Furore gemacht hatte. In der Werbung hieß es, dass sie aus den Tiefen der Hölle aufgestiegen wären, um den Menschen die Botschaft des Teufels musikalisch näherzubringen.
Teuflisch sahen die drei Typen auch aus.
Die zwei Gitarrenspieler rahmten Tessy von beiden Seiten ein. Sie standen versetzt hinter ihr. Einer von ihnen sah aus wie ein Skelett. Er musste ein fleischfarbenes Trikot übergestreift haben, das mit bleichen Knochen bemalt worden war, sodass der Gitarrist aussah wie ein lebendes Skelett.
Der zweite Gitarrenspieler trug eine wilde Frisur, die einem Mob ähnelte. Sein Gesicht war bleich, starr, maskenhaft. Es wirkte wie eine Frankenstein-Maske, selbst auf der breiten Stirn waren noch dünne Nähte und Blutfäden zu sehen.
Blieb der Dritte, der Trommler.
Ein Typ wie Tarzan. Er schien aus dem Dschungel zu stammen. Sein nackter Oberkörper glänzte, als wäre er mit Öl eingerieben worden. Vielleicht schwitzte er auch, obwohl er nur einen Lendenschurz trug. Sein Körper war muskulös. Er ließ die Trommelstöcke wirbeln. Er war es auch, der einen Urschrei ausstieß und dabei noch lauter trommelte.
Gleichzeitig schlugen auch die anderen beiden Musiker ihre Gitarren...
| Erscheint lt. Verlag | 12.8.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3272-3 / 3838732723 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3272-5 / 9783838732725 |
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