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Red Rising - Tag der Entscheidung (eBook)

Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2016
666 Seiten
Heyne (Verlag)
978-3-641-14743-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Red Rising - Tag der Entscheidung - Pierce Brown
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Das fulminante Finale der New York Times-Bestsellertrilogie

Um eine unmenschliche und grausame Gesellschaft zu stürzen, ist der Minenarbeiter Darrow selbst zum Goldenen, zum Mitglied der verhassten Oberschicht, geworden. Doch jetzt wurde sein Geheimnis entdeckt und er schwebt in tödlicher Gefahr. Wenn er sein Ziel erreichen will, muss er alles riskieren.

Nach dem Collegeabschluss hätte Pierce Brown eigentlich nichts dagegen gehabt, seine Studien in Hogwarts fortzusetzen. Da es ihm dafür leider an der nötigen magischen Gabe fehlte, versuchte er es mit verschiedenen Jobs in der Medienbranche. Seine Red-Rising-Saga wurde ein so sensationeller Erfolg, dass Pierce Brown sich jetzt ganz dem Schreiben widmen kann. Der Autor lebt in L.A.

1    Nur die Finsternis

Tief in der Finsternis, fern von Wärme, fern der Sonne und der Monde, liege ich still wie der Stein, der mich umgibt und meinen gekrümmten Körper wie ein entsetzlicher Schoß gefangen hält. Ich kann mich nicht aufrichten. Kann mich nicht strecken. Ich kann mich nur zu einer Kugel zusammenrollen wie die leblose Versteinerung des Mannes, der ich einst war. Die Hände hinter dem Rücken gefesselt. Nackt auf kaltem Felsen.

Ganz allein mit der Finsternis.

Es scheint Monate, Jahre, Jahrtausende her zu sein, dass meine Knie gestreckt waren und ich meine Wirbelsäule aus der gekrümmten Lage aufrichten konnte. Die Schmerzen machen mich wahnsinnig. Meine Gelenke verschmelzen miteinander wie verrostetes Eisen. Wie viel Zeit ist vergangen, seit ich meine Goldenen Freunde auf dem Gras verbluten sah? Seit ich den Kuss des sanften Roque auf meiner Wange spürte, als er mir das Herz brach?

Die Zeit ist kein Fluss.

Nicht hier.

In dieser Grabkammer ist die Zeit wie der Stein. Es ist die immerwährende und starre Finsternis, deren einziges Maß die beiden Pendel des Lebens sind – mein Atem und mein Herzschlag.

Ein. Ba … wump. Ba … wump.

Aus. Ba … wump. Ba … wump.

Ein. Ba … wump. Ba … wump.

Und es wiederholt sich beständig. Bis … Bis wann? Bis ich an Altersschwäche sterbe? Bis ich mir den Schädel am Stein zerschmettere? Bis ich mir die Schläuche herausnage, die mir die Gelben in den Unterleib geschoben haben, um Nährstoffe hineinzupressen und den Abfall hinauszubefördern?

Oder bis du wahnsinnig wirst?

»Nein.« Ich knirsche mit den Zähnen.

Doch!

»Es ist nur die Finsternis.« Ich atme ein. Beruhige mich. Berühre die Wände in meiner besänftigenden Routine. Rücken, Finger, Steißbein, Fersen, Zehen, Knie, Kopf. Noch einmal. Dutzendmal. Hundertmal. Warum nicht auf Nummer sicher gehen? Also tausendmal.

Ja. Ich bin allein.

Ich hätte gedacht, dass es schlimmere Schicksale als dieses gibt, aber jetzt weiß ich, dass es nicht schlimmer sein kann. Der Mensch ist keine Insel. Wir brauchen jene, die uns lieben. Wir brauchen jene, die uns hassen. Wir brauchen die anderen, die uns ans Leben anbinden, die uns einen Grund geben, zu leben, zu fühlen. Mir ist nur die Finsternis geblieben. Manchmal schreie ich. Manchmal lache ich in der Nacht, am Tag. Wer weiß es schon? Ich lache, um die Zeit zu vertreiben, um die Kalorien zu verbrennen, die mir der Schakal gibt, und um meinen Körper in den Schlaf zittern zu lassen.

Ich weine auch. Ich summe. Ich pfeife.

Ich lausche den Stimmen über mir. Die aus dem endlosen Meer der Finsternis zu mir kommen. Dazu das unerträgliche Rasseln von Ketten und Knochen, das durch meine Gefängnismauern vibriert. Es ist alles so nah und doch Tausende von Kilometern entfernt, als würde jenseits der Finsternis eine komplette Welt existieren, die ich weder sehen, berühren, schmecken noch fühlen kann und deren Schleier ich nicht durchdringen kann, um wieder dazuzugehören. Ich bin in der Einsamkeit gefangen.

Ich höre die Stimmen jetzt. Die Ketten und Knochen sickern in mein Gefängnis.

Sind das meine Stimmen?

Ich lache über diesen Gedanken.

Ich fluche.

Ich schmiede Pläne. Töte.

Schlachte ab. Stich nieder. Zerreiße. Lösche aus.

Ich bettle. Ich halluziniere. Ich feilsche.

Ich winsele Gebete an Eo, bin glücklich, dass ihr ein solches Schicksal erspart geblieben ist.

Sie hört dir nicht zu.

Ich singe Kinderlieder und zitiere aus Die sterbende Erde, Der Laternenanzünder, dem Ramayana, der Odyssee auf Griechisch und Latein, dann in nicht mehr gesprochenen Sprachen wie Arabisch, Englisch, Chinesisch und Deutsch – all das Wissen, das Matteo mir eintrichterte, als ich noch ein Junge war. Ich versuche, Kraft aus dem unberechenbaren Argiver zu schöpfen, der nur seinen Weg nach Hause finden wollte.

Du vergisst, was er getan hat.

Odysseus war ein Held. Mit seinem hölzernen Pferd riss er Trojas Mauern ein. So wie ich Bellonas Armeen im Eisernen Regen über dem Mars durchbrach.

Und dann …

»Nein«, schnauze ich. »Ruhe!«

… die Männer fielen in Troja ein. Sie trafen auf Mütter. Sie trafen auf Kinder. Rate mal, was sie taten.

»Sei still!«

Du weißt genau, was sie taten. Knochen. Schweiß. Fleisch. Asche. Tränen. Blut.

Die Finsternis kichert schadenfroh.

Schnitter, Schnitter, Schnitter … Alle Taten, die überdauern, sind in Blut gemalt.

Schlafe ich? Bin ich wach? Ich bin verwirrt. Alles fließt zusammen, ertränkt mich in Visionen, Geflüster und Geräuschen. Immer wieder zerre ich an Eos zerbrechlichen kleinen Fußknöcheln. Zertrümmere Julian das Gesicht. Höre, wie Pax, Quinn, Tactus, Lorn und Victra den letzten Seufzer tun. So viel Schmerz. Und wozu? Um meine Frau zu enttäuschen. Um mein Volk zu enttäuschen.

Und um Ares zu enttäuschen. Deine Freunde zu enttäuschen.

Wie viele sind überhaupt noch übrig?

Sevro? Ragnar?

Mustang?

Mustang. Und wenn sie weiß, dass du hier bist …? Wenn es ihr egal ist …? Warum sollte es sie interessieren? Du hast sie verraten. Du hast gelogen. Du hast ihren Geist missbraucht. Ihren Körper. Ihr Blut. Du hast ihr dein wahres Gesicht gezeigt, und sie ist fortgelaufen. Und wenn sie es war? Wenn sie dich verraten hat? Könntest du sie dann lieben?

»Sei still!«, schreie ich mich in der Finsternis an.

Denk nicht an sie. Denk nicht an sie.

Warum nicht? Sie fehlt dir.

Sie erscheint mir in der Finsternis wie schon so oft – ein Mädchen, das über ein grünes Feld von mir wegreitet, sich im Sattel umdreht und mich anlacht, damit ich ihr folge. Das Haar flattert wie Sommerheu, das vom Karren eines Bauern weht.

Du sehnst dich nach ihr. Du liebst sie. Das Goldene Mädchen. Vergiss dieses Rote Biest.

»Nein.« Ich schlage mit dem Kopf gegen die Wand. »Es ist nur die Finsternis«, flüstere ich. Es ist nur die Finsternis, die mir einen Streich spielt. Trotzdem will ich Mustang vergessen, Eo vergessen. Es gibt keine Welt jenseits dieses Ortes. Mir kann nichts fehlen, was es gar nicht gibt.

Aus alten Krusten, die jetzt wieder aufgebrochen sind, sickert warmes Blut über meine Stirn. Es tropft von meiner Nase. Ich strecke die Zunge heraus, taste damit auf dem kalten Stein, bis ich die Tropfen finde. Ich koste das Salz, das marsianische Eisen. Sachte. Sachte. Damit dieser neue Sinneseindruck anhält. Damit der Geschmack bleibt und mich daran erinnert, dass ich ein Mann bin. Ein Roter aus Lykos. Ein Höllentaucher.

Nein. Der bist du nicht. Du bist ein Nichts. Deine Frau hat dich verlassen und dir dein Kind gestohlen. Deine Hure hat sich von dir abgewendet. Du warst nicht gut genug. Du warst zu eitel. Zu dumm. Zu gemein. Du bist längst vergessen.

Bin ich das?

Als ich das Goldene Mädchen zuletzt sah, kniete ich neben Ragnar in den Stollen von Lykos und forderte Mustang auf, ihre eigenen Leute zu verraten, um für mehr zu leben. Ich wusste, wenn sie mit uns geht, würde sich Eos Traum verwirklichen. Eine bessere Welt wäre in greifbarer Nähe. Stattdessen ging sie. Konnte sie mich vergessen? Hat sie ihre Liebe für mich verloren?

Sie hat nur deine Maske geliebt.

»Es ist nur die Finsternis. Nur die Finsternis. Nur die Finsternis«, murmele ich immer schneller und schneller.

Ich sollte nicht hier sein.

Ich sollte tot sein. Nach Lorns Tod sollte ich Octavia übergeben werden, damit ich von ihren Graveuren seziert werde, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, wie ich zu einem Goldenen wurde. Um zu sehen, ob es andere wie mich geben könnte. Aber der Schakal machte einen Deal. Behielt mich für sich. Er folterte mich auf seinem Anwesen in Attica, fragte mich nach den Söhnen des Ares aus, über Lykos und meine Familie. Ohne mir je zu sagen, wie er hinter mein Geheimnis gekommen war. Ich bettelte darum, dass er mein Leben beendete.

Am Ende gab er mir Stein.

»Wenn alles verloren ist, verlangt die Ehre nach dem Tod«, hatte Roque einmal zu mir gesagt. »Es ist ein edles Ende.« Aber was weiß ein reicher Dichter schon vom Tod? Die Armen kennen den Tod. Sklaven kennen den Tod. Doch obwohl ich mich danach sehne, fürchte ich mich davor. Denn je mehr ich von dieser grausamen Welt sehe, desto weniger glaube ich daran, dass sie ein gutes Ende nehmen wird.

Das Tal gibt es nicht.

Es ist eine Lüge, die Mütter und Väter ihren hungrigen Kindern erzählen, um den Schrecken zu rechtfertigen. Es gibt keine Rechtfertigung dafür. Eo ist gegangen. Sie hat nie miterlebt, wie ich für ihren Traum kämpfte. Es war ihr egal, was mir am Institut widerfuhr oder ob ich Mustang liebte, denn am Tag, als sie starb, wurde sie zu nichts. Es gibt nur diese Welt. Sie ist unser Anfang und unser Ende. Unsere einzige Chance, etwas Glück vor der Finsternis zu erleben.

Ja. Aber du musst nicht sterben. Du kannst von hier entkommen, flüstert mir die Finsternis zu. Sprich die Worte aus. Sag sie. Du kennst den Weg.

Richtig. So ist es.

»Du musst nur ›Ich bin gebrochen‹ sagen, dann nimmt das...

Erscheint lt. Verlag 12.9.2016
Reihe/Serie Red-Rising-Reihe
Red-Rising-Reihe
Übersetzer Bernhard Kempen
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel Red Rising - Book 3
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Die Tribute von Panem • Dystopie • eBooks • Fantasy • Mars • New York Times Bestseller • Serien • Verfilmung • Weltraum
ISBN-10 3-641-14743-3 / 3641147433
ISBN-13 978-3-641-14743-3 / 9783641147433
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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