John Sinclair 427 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3187-2 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Die Knochen-Küste.
Jane Collins saß am Strand und schaute auf die anrollenden Wellen. Sie spürte den Wind in den Haaren und am gesamten Körper.
Ihre Gedanken glichen den Wellen. Sie rollten heran und machten neuen Platz. Untermalt wurde das Rauschen und Klatschen von der hellen Stimme des Kindes. >>Schauen Sie mal, Miss, was ich gefunden habe!<<
Jane Collins drehte sich um und wurde blass. Was der Junge in den Händen hielt, waren bleiche Knochen.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Die Knochen-Küste
»Nehmen Sie sich drei Tage Zeit und fahren Sie zu ihr. Sie hat es verdient. Und Sie auch, John. Versuchen Sie dabei gleichzeitig, ein wenig auszuspannen.«
So hatte Sir James gesprochen, und Suko, der neben ihm stand, hatte genickt.
Ich kam mir vor wie ein Angeklagter. Dabei hatte ich nichts getan. Aus Marokko war ich zurückgekehrt und hatte den Fall des Schattenwürgers noch nicht richtig verdaut, als man mir diese Dinge sagte.
Natürlich wusste ich mittlerweile, was sich in London getan hatte. Jane Collins war zurückgekehrt. Sie hatte es in Frisco nicht mehr ausgehalten, wollte wieder in ihre Heimat und hatte eines Tages vor Sukos Tür gestanden.
Jane, Shao und Suko hatten Zeit gehabt, miteinander zu reden, während ich mich in Marokko herumtrieb. Die drei waren der Meinung, zunächst einmal Abstand gewinnen zu müssen. Sie überredeten Jane, an die Küste zu fahren. Nicht in das mondäne Brighton, dafür nach Seaford, einen kleinen Nachbarort.
Ich sollte ihr also hinterherfahren.
»Was bringt das?«
»Ihr müsst euch aussprechen, John«, sagte Suko. »Am besten verlasst ihr dafür London, damit ihr Ruhe habt. Wir hätten sie auch in die Berge schicken können, aber Sir James meinte, dass die frische Seeluft so manchen Denkvorgang beschleunigt.«
Ich hob die Schultern. »Keine Ahnung, ob es ihr überhaupt recht ist, wenn ich sie besuche. Habt ihr mit ihr darüber gesprochen?«
»Nein.«
»Dann könnte es eine Überraschung werden.«
»Sicher.«
Die beiden schauten mich so an, dass es für mich praktisch keine andere Möglichkeit gab, als zu fahren. Sie hatten alles beschlossen. Na klar, über meinen Kopf hinweg.
»Ihr hättet mich ja fragen können«, beschwerte ich mich.
Sir James lächelte. »Haben wir das nicht jetzt?«
»Ich sehe es als eine sanfte Erpressung an.«
»Nein, wir wollten Ihnen einen Gefallen tun.«
»Wer weiß noch davon?«, fragte ich.
Suko hob nur die Schultern. So recht wollte keiner mit der Antwort heraus.
Ich winkte ab. »Das kann ich mir schon denken. Wann soll ich die Koffer packen?«
Sir James gab wieder eine diplomatische Antwort. »Noch haben wir ruhiges Märzwetter …«
»Verstehe, Sir. Je früher, desto besser. Wie Sie meinen.«
Dann ging ich. Dass ich ohne Gruß den Raum verließ, hatte seinen Grund. Ich war sauer, dass man einfach so über meinen Kopf hinweg entschieden hatte. So etwas konnte ich nicht ab. Ich war gern mein eigener Herr.
Den Weg in mein Büro ging ich sehr nachdenklich. Glenda Perkins saß im Vorzimmer. Sie drehte sich um, als ich eintrat. Ich roch den Duft des frisch gekochten Kaffees und hörte ihre Frage.
»Möchtest du eine Tasse?«
»Klar, es wird sowieso für einige Tage die letzte gute sein, die ich bekomme.«
Glenda erwiderte nichts. Sie schwieg auch, als sie den Kaffee einschenkte.
Ich hatte mich auf die Kante ihres Schreibtisches gesetzt und bedankte mich mit einem Nicken, als ich das Getränk entgegennahm. Glendas prüfender Blick glitt über mein Gesicht, das ernste Züge zeigte.
Ich trank die ersten Schlucke. »Du weißt Bescheid?«, fragte, ich, als ich die Tasse neben mich stellte.
»Sie ist wieder da.«
»Genau.«
»Und was machst du?«
Ich schaute Glenda an. Ihr Gesicht war blass geworden. Ich konnte mir vorstellen, was sie fühlte. Früher hatte eine Eifersucht zwischen den beiden Frauen bestanden. Sie war bestimmt auch heute noch vorhanden und hatte sich bei Glenda sicherlich verstärkt, denn inzwischen waren wir beide uns einige Male sehr nahe gekommen.
»Ich fahre hin.«
»Das wusste ich.«
»Man hat dich also eingeweiht?«
Glenda ließ sich auf einen Stuhl fallen. »Natürlich, was sonst? Mir wurde gesagt, dass Jane Collins zurückgekehrt sei und auch in London bleiben möchte.«
»Das ist nichts Verwerfliches.«
Glenda lachte leise. »Du brauchst sie nicht in Schutz zu nehmen. Ich denke ebenso wie du, aber ich frage mich, ob sich einiges verändert hat oder noch alles so geblieben ist wie früher?«
»Wie früher wird es nicht sein.«
»Das glaubst du?«
»Davon bin ich sogar überzeugt.«
»Entschuldige, aber ich kann es nicht sein. Jane wird versuchen, zwischen uns zu treten.«
»Moment, das ist nicht sicher. Sie weiß sehr genau, dass sich einiges verändert hat. Sie ist ebenfalls nicht mehr die Gleiche wie damals, als sie noch als Detektivin arbeitete. Ihr Hexendasein und die Operation mit dem Einsetzen des künstlichen Herzens haben Spuren bei ihr hinterlassen. Das glaub mir.«
»Spuren, die vergehen werden.«
»Ich glaube das nicht, Glenda. Dafür war es zu einschneidend. Was Jane unternehmen will, weiß ich nicht. Darüber möchte ich in Ruhe mit ihr sprechen. Zudem ist sie ein armer Mensch. Ich glaube noch immer, dass sie gejagt wird. Die andere Seite schiebt ihr die Schuld an Wikkas Vernichtung zu. Sie haben versucht, Jane zu töten. Auf der Gefangenen-Insel Alcatraz konnte es Yakup soeben noch verhindern, und ich bin mir sicher, dass man ihr auch weiterhin auf der Spur geblieben ist.«
»Dann willst du sie also beschützen?«
»So sehe ich das. Es hat aber nicht nur etwas mit Jane zu tun. Auch dich hätte ich ebenso beschützt. Ich möchte zunächst einmal mit ihr reden. Mir hat nur nicht gefallen, dass mich einige Leute als Schachfigur benutzt haben. Aber ich war in Marokko, da hatte Sir James Zeit genug, einen Plan auszutüfteln.«
»Darüber hat er auch mit mir gesprochen. Schließlich ist er nicht dumm und weiß, was zwischen uns beiden vorgefallen ist.«
Ich war beeindruckt. »Es wundert mich, dass er dich zu Rate zog, Glenda.«
»Irrtum, ich gab ihm keinen Rat. Das konnte ich auch nicht. Er wollte nur meine Meinung hören.«
»Wie lautete die?«
»Ich war ebenfalls dafür, dass du zu ihr reist und mit ihr einiges besprichst. Zudem finde ich es positiv, dass dies fernab von London geschieht und ihr nicht gestört werdet.«
»So schlimm ist es nicht.«
»Doch, John, das ist es. Ihr müsst Ruhe haben, um wieder zueinanderzufinden.« Bei den letzten Worten war Glendas Stimme leiser geworden, bis sie schließlich in einem trockenen Schluchzen verstummte. Sie schüttelte den Kopf, hob die Schultern, nahm ein Taschentuch und trocknete Tränen aus ihren Augenwinkeln. »Entschuldige«, flüsterte sie, »dass ich so gedacht habe, aber irgendwie habe ich doch recht, oder?«
»Nein. –
Nein, du siehst das zu persönlich. Wir werden uns zusammensetzen und über die Zukunft sprechen.«
»Eine gemeinsame?«
»Ja und nein. Du brauchst keine Angst zu haben, dass wir zusammenziehen. Es war früher nicht der Fall, und heute werde ich ebenso handeln. Da kannst du beruhigt sein.«
»Aber was will Jane machen?«
»Ich habe keine Ahnung, Glenda. Wir müssen das auf uns zukommen lassen. Zudem rechne ich damit, dass sie auch noch von ihren ehemaligen Artgenossen verfolgt wird. Das ist alles möglich. Wenn es stimmt, bin ich froh, sie beschützen zu können.«
»Ich sehe das etwas anders, John.«
»Kann ich verstehen, aber Jane ist nun mal zurückgekommen, und damit müssen wir uns abfinden.«
»Ich weniger als du.« Glenda schaute mich an. Ich sah ihre rotgeweinten Augen, bückte mich und legte beide Hände gegen ihre Wangen. Sie senkte den Blick, weil sie mir nicht in die Augen schauen wollte. »Bitte, John, kein Trösten und auch keine Sentimentalitäten. Pack deinen Koffer und fahr erst mal zu ihr. Du kannst mir ja später etwas sagen, falls es überhaupt was zu sagen gibt.«
»Ist schon gut.« Ich wusste, dass Glenda keinen großartigen Abschied wollte. Deshalb verließ ich grußlos das Vorzimmer.
Suko stand auf dem Gang. Er lehnte mit dem Rücken an der Wand, dicht neben der Tür. »Ich wollte euch nicht stören«, sagte er.
Ich nickte. »Das war ein großartiger Plan, wirklich. Ihr habt mich voll erwischt.«
»Was sollten wir tun?«
»Euch raushalten.«
»Mal ehrlich, John. Hätten wir das gekonnt? Hättest du dich von meinen Problemen ferngehalten, wenn ich an deiner Stelle gewesen wäre? Ich glaube nicht.«
»Ja, das stimmt schon.«
»Eben. Jane ist zurückgekehrt. Es gibt beide. Sie und Glenda. Du musst taktieren.«
»Weiß sie eigentlich, dass ich komme?«
»Keine Ahnung.«
»Ehrlich, Suko.«
Er rutschte zur Seite. »Ich habe mit ihr nicht gesprochen. Ich könnte mir vorstellen, dass es Sir James getan hat. Er riet ihr auch, zunächst einmal Urlaub zu machen. Die beiden verstanden sich wohl gut. Sie haben stundenlang miteinander gesprochen.«
»Dann wird sie vielleicht Bescheid wissen.«
»Wie fühlst du dich, John?«
Ich zog die Mundwinkel nach unten und hob die Schultern. »Wie ein Hamburger, der zwischen zwei Sandwich-Hälften liegt und das Gefühl hat, zerdrückt zu werden, obwohl die beiden sich ums Verrecken nicht ausstehen können.«
»Das war gut gesagt, aber du wirst es schon packen. Sollte irgendetwas sein, na ja, du weißt Bescheid.«
»Gibt es sonst noch etwas?«
»Bill ist aus dem Nürnberger Krankenhaus entlassen worden. Er liegt schon zu Hause und wartet auf deinen Besuch.«
»Später. Weiß er denn von Jane?«
»Bestimmt. Shao hat sich auch mit Sheila darüber unterhalten. Der wird informiert sein.«
»Dann lass ihn schmoren.« Ich reichte Suko die Hand. »Wie lange ich bleibe, weiß ich selbst noch nicht. Ich rufe auf jeden Fall an und gebe dir Bescheid. Grüß Glenda noch...
| Erscheint lt. Verlag | 29.7.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3187-5 / 3838731875 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3187-2 / 9783838731872 |
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