John Sinclair 424 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3184-1 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Das lebende Bild.
Will Mallmanns Kollege Robert sammelte alte Bilder. Keine Kunstschätze, sondern preiswerte Ölbilder relativ unbekannter Maler. Die ganze Sammlung hätte man getrost vergessen können, wäre da nicht das lebende Bild gewesen. Ein gigantischer Schinken mit Furcht einflößenden Monstern, die direkt aus dem Jenseits zu kommen schienen. Jedem Besucher lief beim Betrachten ein Angstschauer über den Rücken. Nicht so Robert Moor. Er sah das lebende Bild jeden Tag, hatte sich daran gewöhnt und unterschätzte die von ihm ausgehende Gefahr. Das wurde ihm irgendwann zum Verhängnis ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Das lebende Bild (1. Teil)
Es war exakt drei Minuten nach Mitternacht, als Robert Moor durch ein schrilles Heulen aus dem Schlaf gerissen wurde. Er jagte hoch, wollte die Nachttischlampe anknipsen und fegte sie in der Dunkelheit zu Boden.
Kopfschmerzen quälten ihn. Und das schrille Heulen schwang in seiner Erinnerung wie ein Echo nach. Wer hatte es ausgestoßen?
Ein Hund?
Nein, der heulte anders. Außerdem blieben die Hunde des Nachbarn des Nachts im Haus. Es musste ein anderes Tier gewesen sein …
Robert Moor schwang seine Beine aus dem Bett. Er fuhr in die kühlen Pantoffeln und spürte auch die Kälte des Schlafzimmers, die ihn frösteln ließ.
Das Fenster lag an der Rückseite des Hauses. Jenseits des kleinen Gartens lief ein Weg entlang, danach begann der Hang. Dort wohnte sein ›direkter‹ Nachbar.
Da war alles dunkel.
Ebenso wie auf der Straße, obwohl der dicke Schnee eine gewisse Helligkeit abgab. Die Laterne stand rechts vom Haus und warf ihren Lichtkreis auf die weiße Fläche. In ihrer Nähe parkte ein Wagen. Auf dem Dach lag eine dicke Haube.
Der Mann atmete tief durch. Erst jetzt war er richtig wach geworden, tappte zurück zum Bett und hob die Lampe auf. Als er sie wieder auf den Nachttisch gestellt hatte, merkte er, dass der Stecker aus der Dose gerissen worden war. Er stöpselte ihn wieder ein und hatte danach endlich Licht.
Nichts hatte sich verändert. Da stand der Schrank, die Kommode war auch vorhanden, und selbst die alte Waschschüssel hatte niemand weggenommen. Kein Einbrecher also, der sich im Haus aufgehalten hatte.
Trotzdem war Robert Moor vorsichtig. Er näherte sich der Tür auf leisen Sohlen, öffnete sie und schaute in die dunkle Diele. Manchmal spürt man, ob Menschen in der Nähe sind, auch Moor stand lauschend da, ohne einen Laut zu hören.
Vielleicht befanden sich Eindringlinge im Haus. Moor besaß einige Dinge, die Einbrecher sehr wohl interessieren konnten, deshalb wollte er sich bewaffnen, bevor er den Raum betrat. Die Dienstwaffe, eine Pistole der Marke Walther, lag in der Schublade des Nachttisches. Robert Moor zog sie vorsichtig auf, nahm die Waffe heraus und zog seinen dünnen Morgenmantel über. Die Walther schussbereit in der Hand, betrat er die Diele. Ein rechteckiger Teppich dämpfte seine Schritte. Bis zur Tür war es nicht weit. Robert Moor kannte sich auch im Dunkeln aus. Er blieb für einen Moment an der Tür stehen und legte sein Ohr gegen das Holz.
Nein, er hörte nichts.
Sollten sich im dahinterliegenden Zimmer tatsächlich Einbrecher versteckt halten, so handelten sie profihaft. Durch kein Geräusch gaben sie sich zu erkennen.
Moor wusste auch nicht, ob er die Tür zugezogen hatte, jetzt jedenfalls war sie geschlossen.
Er drückte die Klinke nach unten, stieß die Tür auf, zog gleichzeitig die Waffe hervor und richtete die Mündung in den Raum, wobei er selbst auf der Türschwelle stehen blieb.
Es erfolgte kein Angriff!
Aber es war jemand im Zimmer. Er sah ihn nicht, dafür roch er den Schweiß.
Moor dachte wieder an dieses furchtbare Heulen, ging einen Schritt, schaute nach links – und sah die vier kalten, dennoch glühenden Punkte, die ihn anstarrten.
Das waren Augen.
Plötzlich rann eine Gänsehaut über seinen Rücken. Das Gesicht verzerrte sich, er griff zum Lichtschalter, doch so weit kam seine Hand nicht. Die beiden Augenpaare erschienen dicht vor ihm, er sah auch noch Schatten, dann fielen sie über ihn her.
Robert Moor starb einen fürchterlichen Tod, und niemand hörte sein Schreien …
*
Kommissar Mallmann sah das Grinsen seines Chefs und bekam dann seinen neuen Auftrag. »Machen Sie eine Reise nach Nürnberg und kümmern Sie sich mal ein wenig um den Tod des Kollegen Moor.«
Mallmann hob die Hand. »Soviel ich weiß, war der Oberkommissar bei der Kripo.«
»Na und?«
»Wir sind beim BKA.«
»Das macht doch nichts. Manchmal muss man die Kollegen eben ein wenig unterstützen.«
»Und das haben die gern?«
Der Kriminalrat hob die Schultern. »Was heißt gern? Ich möchte Ihnen nur noch etwas zeigen.«
Will Mallmann bekam Aufnahmen zu sehen, die so schrecklich waren, dass sich ihm der Magen umdrehte. Er wurde bleich, in seinen Augen lag ein metallischer Glanz. »Mein Gott!«, hauchte er nur. »Das ist ja furchtbar.«
»Haben die Kollegen von der Kripo auch gedacht und sind über ihren eigenen Schatten gesprungen, als sie uns um Mithilfe baten. Ich habe an Sie gedacht.«
»Weshalb gerade an mich?«
»Mallmann, Sie sind unser großer Rätselauflöser. Ich habe mit dem Arzt geredet. Verletzungen, wie der Kollege Moor sie aufwies und an denen er letztendlich gestorben ist, sind nicht normal. Da muss jemand fürchterlich gewütet haben.«
»Ein Mensch?«
»Der Arzt glaubt nicht daran.«
»Wer war es dann?«
»Das, mein lieber Kommissar Mallmann, sollen Sie eben herausfinden. Gute Reise.«
»Ich danke.«
Und jetzt befand sich Will Mallmann in einer Stadt, die fast im Schnee erstickte. Dieser Winter war furchtbar. Er wollte einfach kein Ende nehmen.
Der Kommissar hatte nicht in der Innenstadt gewohnt, sondern ein wenig außerhalb, nördlich der Burg, wo es auch zum Flughafen ging. Auf der Höhe lag noch mehr Schnee, aber der mit Winterreifen ausgerüstete Manta schaffte auch diese Strecke.
Neben einem hohen Schneehaufen hatte der Kommissar seinen Wagen abgestellt. Es hatte zu schneien aufgehört. Die Dämmerung war über das Land gekommen, und die Temperaturen waren weiter gefallen. Der Schnee auf den Fahrbahnen war plattgefahren und glatt.
Oberkommissar Robert Moor hatte in einem kleinen Haus gewohnt. Ein Erbstück seiner Eltern. Er war geschieden gewesen, und seine Frau hatte nichts haben wollen. Sie war mit einem Industriellen verschwunden. Moor hatte seinen Dienst als Beamter immer gewissenhaft versehen. Mit der ruhigen Art eines Franken war er an die Fälle herangegangen und hatte die meisten von ihnen fast gelöst.
Der Beruf war sein Hobby gewesen, bis er nach der Scheidung auf die Idee gekommen war, Antiquitäten zu sammein. Natürlich nicht die teuren, die waren für einen Beamten unerschwinglich, aber der Oberkommissar hatte sich ausgekannt und so einige Schnappschüsse machen können.
Will Mallmann war allein. Er hatte noch kurz mit den ermittelnden Kollegen gesprochen, die sich sehr betroffen zeigten, und er hatte erfahren, dass im Haus nichts verändert worden war.
In der rechten Manteltasche des Kommissars steckte der Haustürschlüssel. Das Haus stand allein. Die Nachbarn wohnten ein Stück entfernt. Dazwischen lagen Gärten.
Kein Mensch ließ sich blicken. Nur am Ende der kleinen Straße wendete ein schneebedeckter Daimler, um rückwärts durch das offene Tor in eine Garage fahren zu können. Die Scheinwerferkegel strichen wie suchend über den Schnee.
Auf dem Haus lag eine dicke weiße Haube. Vom dunklen Dach war nur mehr die Rinne zu erkennen. Wie lange Messer klebten die Eiszapfen an der Rinne.
Um das Grundstück betreten zu können, musste Will ein kleines Tor aufschieben. Der Eingang lag an der linken Hausseite. Über der Tür schützte ein Dach ein kleines Treppenpodest. Auf den Stufen lag noch der in den letzten Stunden gefallene Neuschee.
Auch die Spuren der zahlreichen Kollegen, die ein- und ausgegangen waren, konnte Will nicht mehr erkennen. Er stieg vorsichtig die Treppe hoch und hielt den Schlüssel bereits in der Hand. Er schob ihn in das Schloss, musste ihn zweimal drehen, dann konnte er die Haustür aufstoßen.
Will betrat einen schmalen Flur. Im Haus selbst war es ziemlich kalt. Jemand hatte die Heizung abgestellt. Leise drückte der Kommissar die Tür hinter sich zu. Seine Fellmütze hatte er im Wagen gelassen. Er trug über dem Anzug den Thermomantel, ging in die kleine Diele und blieb an der untersten Treppenstufe stehen.
Es konnte Einbildung sein, aber er glaubte, Blut zu riechen.
Wieder dachte er an die gestochen scharfen Polizeifotos, die er gesehen hatte, und daran, dass auch ein Tier für die Tat verantwortlich sein konnte.
Es war klar, dass er nichts fand, dafür arbeitete die Spurensicherung einfach zu gut. Trotzdem wollte er sich im Haus umsehen.
Er fand eine Küche, eine Toilette, ein Zimmer, in dem der Kommissar Gäste untergebracht hatte. Dort standen nur ein Doppelbett, zwei Stühle und ein Kleiderschrank.
An den Fenstern sah er Eisblumen wachsen. Das erinnerte ihn wieder an seine Jugend. Früher, als es noch keine Heizungen gab, wuchsen oft Eisblumen an den Scheiben hoch, und Will konnte sich auch daran erinnern, oft mit der Zunge darüber geleckt zu haben.
Wie lange lag das schon zurück?
Der Tote war in der oberen Etage gefunden worden, und dort wollte der Kommissar auch hin.
Er verließ die kleine saubere Küche im Erdgeschoss und stieg die enge Treppe hoch. Man hatte früher platzsparend gebaut und die Stufen entsprechend steiler angelegt. Ein grünbeiger Teppich bedeckte sie in der Mitte.
Der Flur oben war ebenfalls schmal. Darüber befand sich noch ein Spitzbogen. Er konnte durch eine Luke betreten werden, die allerdings geschlossen war.
Mallmann sah drei Türen. Als er die Erste öffnete, schaute er in das Bad. Ein viereckiger, fensterloser Raum, dessen Wände mit grünen Kacheln bedeckt waren.
Daneben, aber nur über den kleinen Flur zu erreichen, lag das Schlafzimmer. Auch dort hatten die Kollegen schon gearbeitet, aber im Prinzip alles so gelassen, wie es gewesen war. Will schaute auf das zerwühlte Bett. Robert Moor war in der Nacht ermordet...
| Erscheint lt. Verlag | 29.7.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3184-0 / 3838731840 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3184-1 / 9783838731841 |
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