John Sinclair 493 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3262-6 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Janes Umkehr (Teil 1).
Irgendwann hatten die Menschen ihre Angst überwunden. Da stellten sie sich gegen die Diener der Hölle. Und auch der große Hexenmeister Abandur wurde eingekesselt, gefangen, gefesselt und bei lebendigem Leibe begraben.
Ihn gab es nicht mehr, doch seine Dienerinnen, die Hexen, hatten überiebt. Und sie lebten weiter. All die Jahre, bis der Zeitpunkt kam, wo sie den Befehl erhielten, Abandur zurückzuholen.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Janes Umkehr (1. Teil)
Als der Nachtwind die Blätter der Bäume schüttelte und über die alten Mauerreste hinwegpfiff, blieben die vier alten, dunkel gekleideten Weiber stehen.
Für einen Moment drehten sie ihre angespannten Gesichter mit der dünnen, hellgrauen Totenhaut dem Wind zu, dann öffneten sie die Mäuler und begannen zu lachen.
Sie freuten sich darüber, dass sie gekommen waren und alles so vorfinden würden, wie es versprochen war.
Ihr Lachen wurde zum Kichern. Hoch, schrill, abgehackt, dann wieder lang gezogen, vermischte es sich mit den Geräuschen des Windes.
Wie auf Kommando verstummte das Lachen. Nur mehr die Geräusche des Windes waren zu hören, dieses leichte Säuseln, vermischt mit einem singenden Heulen, dem die vier alten Weiber nachlauschten.
»Es ist der Totenwind, der uns begrüßt!« , flüsterte eine von ihnen und rieb ihre Handflächen gegeneinander. Es hörte sich an, als wollte sie verbranntes Papier zerreißen.
»Ja, der Bote.«
»Wir sind auf der richtigen Spur«, erklärte die Dritte.
Das vierte Weib meinte: »Wir holen ihn raus. Er hat lange genug gelegen. Er wird alles ändern.«
»Sicher, sicher!« Die Erste kicherte. In ihre Augen trat ein ungewöhnlicher Glanz. Sie streckte die Arme seitlich aus. Die anderen drei Weiber kannten die Geste und wussten genau, was sie zu bedeuten hatte. Auch sie griffen zu, berührten einander, sodass sie den Kreis schließen konnten.
Der Kreis war wichtig. Er gab ihnen das Gefühl der Gemeinsamkeit, der Zusammengehörigkeit, denn sie gehörten einer besonderen Gruppe an, die seit vielen Jahrhunderten schon von den Menschen gefürchtet und auch verachtet wurde.
Sie waren – Hexen!
Vier Frauen, irgendwie alterslos, hässlich, so wie man damals die Hexen dargestellt hatte. Die Schönheit war vergangen, aber sie würde zurückkehren, davon waren sie überzeugt. Erst jedoch mussten sie ihre Aufträge erledigen.
Der von den Hexen erwähnte Totenwind weht noch immer über das karge Hügelgelände einer trostlosen Landschaft. Steine, dürres Gras, Bodenpflanzen, Strauchwerk verteilten sich bis hin zum Horizont, wo die Sonne schon verschwunden war und den langen Schatten der Nacht hatte Platz machen müssen.
Die Gegend war einsam. Sie sah noch so aus wie vor einigen Jahrhunderten. Nichts hatte sich verändert, selbst die Ausflügler der großen Städte mieden diesen Fleck. Er war ihnen zu windig, zu rau und auch zu einsam.
Zudem hielt sich die Mär, dass es in dieser windigen Ecke unheimlich sei und nicht mit rechten Dingen zuging. Was genau vorgefallen war, wusste niemand. Es wurden auch keine weiteren Fragen gestellt, man nahm es einfach hin.
Niemand hatte die vier Hexen gesehen. Sie wollten auch nicht erkannt werden. Was sie vorhatten, ging niemanden etwas an. Und so schlichen sie weiter, nachdem sie den Kreis gelöst hatten. Ihre Füße schleiften durch das hohe Gras. Manchmal zogen sie die Köpfe ein, wenn ein Windstoß in ihren Nacken blies. Sie gingen hintereinander über den Kamm einer Mulde, bevor sie anschließend in ihrem Innern verschwanden.
Es war ein kleines Tal mit sanft ansteigenden Hängen, auf denen das Gras vom Wind regelrecht gekämmt wurde.
Der Boden war steinig, an vielen Stellen auch aufgerissen. Wärme und Kälte hatten ihre Spuren hinterlassen. Steine bedeckten ihn. Sie sahen aus wie eine vergessene Beute.
Manche Steine erreichten die Größe von Menschen. Sie sahen aus wie Klötze, hin und wieder abgerundet, dann aber eckig und scharfkantig. Die Hexen kannten den Weg, obwohl sie ihn nie zuvor gegangen waren. Sie wichen den größeren und kleineren Hindernissen aus und näherten sich schnurstracks ihrem eigentlichen Ziel.
Die vier Weiber trugen dunkle Kleidung. Der Wind peitschte gegen den Stoff. Er war dünn, manche hätten Lumpen dazu gesagt. Menschen hätten gefroren, den vier Hexen machte es nichts aus. Es schien, als würden sie den Wind genießen.
Sie näherten sich dem Zentrum der Schüssel, wo sie auch bleiben wollten. Hier besaßen sie mehr Platz, aber ein markanter Punkt war dennoch zu sehen.
Ein Stein!
Simpel, nichts Besonderes, und doch ungeheuer wichtig für die vier Weiber.
Er ragte wie ein großer Daumen vor ihnen hoch, warf noch einen Schatten und sah aus, als wäre er von Menschenhänden geformt worden. Ob es stimmte, wussten die Hexen nicht, möglicherweise war der Stein als Warnung aufgebaut worden, nur hatten sie keine Furcht davor.
Als sie ihn erreichten, umstellten sie ihn von allen vier Seiten und schauten dagegen.
Nur der Wind war zu hören, der über ihnen hinwegwehte und erste, dunkle Wolken heranschaufelte.
Die blasse Scheibe eines abnehmenden Mondes war hin und wieder zu sehen. Der Erdtrabant wirkte wie ein einsamer Beobachter, der es nur auf die vier Hexen abgesehen hatte.
»Hier ist es!«, sagte die Anführerin und bückte sich. Sie strich mit ihren dünnen, gespreizten Spinnenfingern über die raue Oberfläche, als wollte sie diese liebkosen.
»Liegt er darunter?«
»Ja.«
»Wie bekommen wir ihn weg?«
Die Anführerin kicherte. »Ihr sollt nicht zweifeln und nicht fragen. Ihr müsst vertrauen. Vertrauen wir auf unsere Kräfte. Wir sind es, die die Natur beherrschen. Was vor Urzeiten geboren und vererbt wurde, steckt auch in uns.«
»Wollen wir beginnen?«
»Ja, schließ den Kreis. Wir werden den Menschen beweisen, zu was wir Hexen fähig sind.« Die Anführerin breitete abermals ihre Arme aus. Sie bewegte dabei auffordernd die Finger, und ihre drei Artgenossinnen verstanden das Zeichen.
Auch sie breiteten die Arme aus. Die Entfernung zwischen ihnen reichte aus, um sich zu berühren. Jetzt war der Kreis wieder geschlossen. In der Mitte stand der Stein.
Dunkel, ein Hinweis auf etwas Furchtbares, das unter der alten Erde lag.
»Du bist vergraben, du bist geschändet und gefoltert worden, aber du bist nicht vergessen. Lass die Zeiten vergehen, wir aber werden verstehen. Immer wenn der Hexenmeister seine Dienerinnen rief, kamen sie. So war es, so wird es auch bleiben. Wir sind hier, Hexenmeister. Wir sind gekommen, um dich aus einem unwürdigen Grab zu holen. Du, großer Abandur, sollst wieder über uns herrschen. Wir haben die Aufgabe von Lilith, unser aller Meisterin, übertragen bekommen, um eine Aufgabe zu erfüllen, die schon lange wartet. Mit deiner Hilfe wird es uns gelingen. Deshalb sollst du nicht länger unter Maden, Käfern und Würmern begraben liegen. Du sollst das Licht des Mondes genießen, das auf dich wartet. Du wirst die Kraft schöpfen, die wir dir in Liliths Namen geben, und du wirst wieder eine Braut bekommen und die Schwarze, dämonische Hochzeit feiern, wo wir tanzen werden und dem Teufel huldigen. Die alten Zeiten waren verschüttet, aber vergessen sind sie nicht …«
Die Hexe hatte sehr laut gesprochen. Nicht nur ihre drei Hexenschwestern schienen ihr zugehört zu haben, auch der Wind hatte ihre Stimme vernommen. Er war es, der ihr eine Antwort gab. Ein Stoß wehte in die Senke, umspielte den Stein und tanzte auch in die Gesichter der alten Hexen.
Die Anführerin fuhr fort. »Erinnern wir uns an unsere Kräfte, die so gewaltig sind, dass wir die Natur aus den Angeln heben können. Zeigen wir allen, zu was wir fähig sind. Holen wir den Hexenmeister zurück, meine Schwestern!«
Sie alle wussten, auf was es ankam. Dass sie ihre Gedanken jetzt sammeln und auf einen Punkt konzentrieren mussten. Sie durften keine Fehler machen und sich ablenken lassen.
Aus der Natur war die Große Mutter entstanden, ihrer aller Königin. Die Natur wurde von ihr beherrscht, und ihre Kräfte gingen auch über auf die Dienerinnen.
Und so konzentrierten sie sich auf ihre Aufgabe. Aus dem Boden schien die Kraft zu dringen, die in ihre Körper stieg und ihre Köpfe erreichte. In den Augen spiegelte sie sich wider. Sie nahmen einen anderen Ausdruck an.
Die Blässe verschwand. Tief in den Schächten der Pupillen regte sich etwas.
Licht und Leben …
Unheimliches Leben. Kalt und tot, dennoch voller Kraft und Willen steckend.
Münder verzogen sich, Lippen klafften auf, Köpfe wurden nach hinten gedrückt, um den Mond anschauen zu können, dessen kaltes Licht wie ein Schleier auf die Erde fiel.
Die Hexen »tranken« das Licht. Sie liebten es. Der Mond war ein Stück Natur, er galt als Freund schwarzmagischer Gestalten, und er ließ sie auch hier nicht im Stich.
So füllte er mit seinem Licht ihre Augen, während der Wind weiterhin das unheimliche Totenlied sang.
Die Hexen erstarkten. Eine jede von ihnen hatte das Gefühl, fliegen zu können. Die neue Kraft strahlte aus ihren Augen, die einen roten Höllenschein angenommen hatten.
Kalte Blicke waren auf den Stein gerichtet. Natur gegen Natur. Wer war stärker?
Der Stein stemmte sich gegen die geballte Hexenkraft. Er wollte nicht verlieren, doch wer die Natur beherrschte, konnte sie auch vernichten.
Die Hexen dachten nicht an die Zeit, die verging. Sie kamen sich selbst zeitlos vor und erreichten einen ersten Erfolg, als sie sahen, wie das Gestein anfing, abzubröckeln.
Es war ein leises Knacken und Reißen zu hören. Aus Rissen stiegen dünne Dunstschwaden wie langgestreckte Staubwolken hervor.
Das war der Anfang.
Ein hartes Lachen durchdrang die Stille. Die Anführerin hatte es ausgestoßen, und sie war dabei, ihre Schwestern auch weiterhin zu motivieren.
Reserven mussten ausgeschöpft werden, um dieses große Hindernis zu knacken. Was in langen Jahren geschaffen worden war, konnte nicht so einfach zerstört werden.
Der Stein setzte...
| Erscheint lt. Verlag | 5.8.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3262-6 / 3838732626 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3262-6 / 9783838732626 |
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