John Sinclair 477 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3246-6 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Tanzplatz der Verfluchten.
Plötzlich waren sie da! Bleiche Gebeine, schimmernde Knochen, ein Totenschädel dazwischen, und sie kamen über den Tanzplatz der Verfluchten mit der Geschwindigkeit eines Sturmwindes. Kenneth wusste nicht, was er noch machen sollte. Es gab nur die Flucht. Verfolgt von den Gebeinen, die mit gnadenloser Härte auf seinen Körper einschlugen, rannte er weg ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Er hatte gewusst, wer ihn besuchen kam, er hatte seinem Gast durch Knopfdruck die Haustür geöffnet und jetzt auch die Wohnungstür, doch der Mann, der über die Schwelle taumelte, sah nur noch aus wie Kenneth Kudelke, ansonsten war er fertig, ausgelaugt, am Ende, und er stolperte in die ausgebreiteten Arme des blonden G-man Abe Douglas.
»Ken, was ist …?«
»Die Tür, Abe. Die Tür zu, verdammt!« , keuchte Kudelke.
Douglas schloss die Wohnungstür. Kenneth lehnte an der Wand, wo das Telefon angebracht worden war. Er rang nach Atem. Sein Mund stand weit offen, sein Haar war feucht, das Gesicht zeigte an den Wangen dunkle Schatten. Bartstoppeln wuchsen auf dem Kinn. Kudelkes Kleidung sah schmutzig aus. Der breitschultrige Mann war einfach am Ende, das hätte jeder sofort gesehen.
»Nun komm erst mal in den Wohnraum. Da sprechen wir weiter«, schlug Abe vor.
»Du bist allein?«
»Ja, Ken.«
Kudelke schielte auf die Tür, als könnte er es nicht glauben. Abe Douglas war Menschenkenner genug, um nichts zu sagen. Er ging vor und schenkte seinem Bekannten einen Whisky ein. Mit dem Glas ging er wieder in den Flur. »Nimm einen Schluck, Ken.«
Kudelke trank. Er kippte das Zeug in den Rachen und schluckte es hastig hinunter. »Ja, das tat gut, aber es hilft nicht. Nichts hilft mehr, Abe. Gar nichts.«
»Komm rein! Im Wohnraum ist es bequemer.«
Kudelke zögerte nicht mehr. Er folgte seinem Bekannten. Douglas gab sich sehr gelassen. Innerlich war er gespannt, was Kudelke zu berichten hatte. Die beiden waren zwar nicht gerade Kollegen, aber Kenneth Kudelke arbeitete hin und wieder für das FBI. Er erledigte dann Spezialaufträge, die nicht ganz astrein waren. Die G-men brauchten dann nicht in Erscheinung zu treten.
So war es auch jetzt gewesen. Kudelke hatte einfach nur etwas nachprüfen sollen. In der Gegend nördlich von New York.
Er schlich in den Raum. Abe Douglas wohnte privilegiert. Das Apartment befand sich an der Ostseite des Central-Parks. Er konnte sowohl nach Osten als auch nach Süden schauen, da das Fenster über Eck gebaut worden war. Und wer dann noch sehr hoch lebte, wie eben G-man Abe Douglas, der besaß einen herrlichen Blick tief in das südliche Manhattan hinein, in Richtung Osten bis nach Brooklyn und Staten Island.
Abe hatte eine Platte auf dem Teller liegen. Frank Sinatra sang »My way.« Auch der Besucher hörte den Song, blieb stehen und nickte.
»Hast du was?«, fragte Douglas.
»Ja, das Lied.«
»Was ist damit?«
»Es ist ein Schicksalslied. My way.« Kudelke drehte sich um. »Verdammt, Abe, das ist mein Schicksal. Ich habe es auch hinter mir, ich bin am Ende.«
Douglas schaute Ken an. Der Mann wirkte gebrochen. Sein Gesicht erinnerte in der Farbe an altes Schmalz. Von Sommerprossen war es regelrecht übersät. Die Lippen zitterten, und die dunklen Flecken im Gesicht wollten nicht weichen.
»Kann einer hier hereinschauen?«, fragte Kudelke plötzlich.
»Nein, nicht direkt.«
»Das ist gut.«
Auch Abe nahm einen Whisky. »Willst du noch einen?«
»Ja.«
Kenneth trank und schielte zum Fenster. »Es ist gut, dass niemand hereinschauen kann, glaub mir.«
»Was hast du vor?«
Kudelke stellte das Glas weg. »Das wirst du gleich sehen. Eines sage ich dir. Wundere dich über nichts, einfach über gar nichts. Hast du verstanden?«
»Klar.«
Einen Augenblick später wunderte sich Abe Douglas doch, denn Kenneth Kudelke begann damit, sich auszuziehen. Er warf seine Jacke weg, öffnete die Knopfleiste des Hemdes und zog es aus. Die Hose folgte, das Unterhemd ebenfalls, sodass der Rothaarige nurmehr mit der Unterhose bekleidet, vor dem überraschten G-man stand, ihn anschaute und annickte.
»Ja und?«, fragte Douglas.
»Mach Licht.«
»Es brennt …«
»Nein, mehr. Du hast Strahler.«
»Ja, stimmt.« Sie bildeten eine Linie und waren an einer Schiene unter der Decke befestigt. Douglas knipste sie an. Ihre harten Strahlen fielen schräg zu Boden und stachen wie Lanzen gegen Kenneth Kudelke.
»Komm näher, Abe. Tritt dicht an milch heran. Dann kannst du es sehen. Schau genau hin. Ich sehe im Gesicht ebenso aus wie am Körper. Komm schon, komm …«
Er hatte es eilig, und Douglas tat ihm den Gefallen. Er blieb so dicht vor Kudelke stehen, dass er diesen genau anblicken konnte. Sein Blick streifte den Körper. Er begann am Kopf, glitt weiter über die Brust, die klar und deutlich im Licht der Strahler lag.
»Was siehst du?«
»Deine Haut ist hell, Ken. Aber nicht überall. Du bist eigentlich mehr ein Albiono-Typ, sorry, wenn ich das sage, aber …«
»Das ist gut, Abe, sogar sehr gut. Da kannst du wenigstens mehr sehen und alles auch genauer.«
»Ja, die Flecken.«
»Richtig, Abe, die Flecken. Sie sind überall auf dem Körper.« Ken sprach über den Rücken des G-man hinweg. »Sie befinden sich wie Inseln auf dem Rücken, der Brust, den Beinen und den Armen. Blutunterlaufene Flecken, Rückstände …«
»Bist du geschlagen worden, Ken?«
»Ja, du hast es erfasst. Man hat mich geschlagen. Rücksichtslos. Ich wurde regelrecht verprügelt. Mir tat und mir tut alles weh. Ich habe das Gefühl, mich überhaupt nicht richtig bewegen zu können. Es ist scheußlich, wenn du verstehst.«
»Kann ich mir vorstellen. Aber was soll das, Ken? Wer hat so etwas getan?«
»Wer?« Kudelke trat einen Schritt zurück, und Abe richtete sich auf, sodass er in das Gesicht seines Bekannten schauen konnte. »Ich war da, wo ihr mich hingeschickt habt. Ich habe das Gelände gesehen und geprüft. Aber ihr habt mich nicht gewarnt, ihr Hundesöhne. Ich habe in der Nacht miterlebt …«
»Wovor hätten wir dich warnen sollen?«
Kenneth Kudelke begann schrill zu lachen, trank einen Schluck und putzte Tropfen von der Lippe. »Ich habe sie gesehen. Sie waren plötzlich da, sie schwebten in der Luft, Abe, und sie fingen an, auf mich einzuprügeln. Sie schlugen wie die Irren. Sie hämmerten auf meinen Körper, erwischten meinen Kopf, sie … sie …«
»Wer denn, Kenneth?«
Kudelke bekam einen starren Blick. »Das will ich dir sagen, verdammt. Es waren die Knochen. Die Gebeine, die Teile der Skelette. Sie tanzten vor, hinter und neben mir. Sie waren überhaupt nicht aufzuhalten, verstehst du das?«
»Nein.«
Kudelke winkte ab. »Die Knochen kamen aus dem Nichts. Sie zerhämmerten mich. Sie prügelten auf mich ein, sie schlugen mich zusammen, sie waren brutal. Ich konnte mich nicht wehren, obwohl ich die Arme hochgerissen hatte.«
»K … Knochen?«
»Ja, bleiche Gebeine. Ich wusste nicht, wo sie herkamen. Jedenfalls waren sie da, und mir, Abe Douglas, ging es so dreckig, dass ich dich verflucht habe. Dich und den verdammten Job, den du mir aufgehalst hast. Ich weiß jetzt noch nicht, wie ich wegkam. Die Knochen verfolgten mich bis zu meinem Wagen. Ich höre jetzt noch ihr Hämmern, als sie gegen die Karosserie hieben.«
Douglas rieb über sein Kinn. »Knochen also«, sagte er leise und schüttelte den Kopf. »Das ist fast der perfekte Wahnsinn.«
»Leider stimmt es.«
»Aber du bist weggekommen.«
»Sicher. Ich konnte fliehen. Irgendwann habe ich dann angehalten, bevor ich mich zu dir durchschlug. Du hast mir schließlich diesen verdammten Job verschafft.«
»Er war harmlos.«
Kenneth Kudelke lachte auf. »Das dachte ich auch.« Er deutete auf seinen Körper. »Bis ich die verdammten Gebeine sah und die Knochen auf mich einschlugen. Dann war alles aus, verstehst du?« Er wischte durch sein Gesicht. »Es ist ein Wunder, dass ich überhaupt weggekommen bin.«
»Setz dich doch.«
»Willst du die blauen Flecken nicht mehr bei mir sehen. Oder glaubst du mir etwa nicht?«
»Doch, doch, du bist geschlagen worden.«
»Von Knochen. Von tanzenden Gebeinen.« Kudelke hatte sich vorgebeugt und starrte Douglas ins Gesicht.
»Das ist eben die Frage«, sagte der G-man.
»Ach nein.« Kudelke nickte heftig. »So kommst du mir also. Willst mir nicht glauben, aber du hast mich in diesen verdammten Job hineingebracht, Abe.«
Der G-man hob die Schultern. »Verstehe mich doch, Ken. Wenn ich einen Bericht schreibe und erwähne, dass du von irgendwelchen Skeletten angegriffen worden bist …«
»Knochen, Abe, Knochen. Gebeine, wenn du es genau wissen willst. Es waren Gebeine.«
»Egal, was dich da geputzt hat. Ob Knochen oder Gebeine. Das ist alles unwahrscheinlich. So etwas kann ich nicht schreiben. Das musst du begreifen. Verdammt, du bist schon länger in dem Job.« Douglas ballte die Hand und schlug mit der Faust auf den Tisch.
Kudelke zog sich wieder an. »Was sollen wir tun? Mach einen Vorschlag, Douglas.«
»Nichts. Wir behalten es für uns. Es bleibt unser Geheimnis« Der FBI-Mann grinste.
Kudelke zog sich weiter an und knöpfte sein Hemd zu. »Sag mal, kommst du dir dabei eigentlich nicht blöd vor?«
»Ein wenig schon.«
»Dann gib die Sache weiter, verflucht!«
»Kann ich nicht, Ken.«
Kudelke ließ sich in einen Sessel fallen und federte wieder hoch. »Klar, das kannst du nicht. Ihr könnt erst eingreifen, wenn ich tot bin. Wenn man mich erschlagen hat.«
Ken hatte spöttisch gesprochen, aber Douglas blieb ernst. »So sieht es fast aus, mein Lieber. Ja, wir können tatsächlich erst eingreifen, wenn dir etwas zugestoßen ist.«
»Davon habe ich nichts mehr.«
»Schon gut, Ken. Du stehst noch unter Druck. Betrachte die Sache mal nüchterner.«
»Ich bin nicht betrunken.«
»Das weiß ich. Doch wie soll...
| Erscheint lt. Verlag | 5.8.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3246-4 / 3838732464 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3246-6 / 9783838732466 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich