John Sinclair 465 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3226-8 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Heute Engel - morgen Hexe.
Oberinspektor Sinclair wird zu einem merkwürdigen Fall gerufen. In einer Hochhauswohnung liegt die junge Gitty Oldman. Ihre Augen und ihr Körper haben sich verändert. Jeder Laie hätte geglaubt, eine Tote vor sich zu haben, doch Gitty lebte, wenn auch auf schwarzmagische Weise. Und bevor John Sinclair eingreifen kann, findet sie in dem neugierigen Hausmeister ihr erstes Opfer ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Heute Engel – morgen Hexe
»Hier riecht es nach Tod und nach Blut, Mr. Sinclair, das können Sie mir glauben. Ich war lange genug beim Hilfsdienst und habe Dinge machen müssen, vor denen andere weggelaufen sind.« Der noch junge Hausmeister mit den kurz geschnittenen Haaren schaute mich ängstlich an. Er trug einen grauen Kittel. Die Nase saß ein wenig schief in seinem Gesicht. Seine blauen Augen spiegelten seine Gefühle wider.
Ich hob die Schultern. »Mal sehen.«
»Sie glauben mir nicht, wie?«
»Bisher habe ich noch keinen Beweis. Wenn Sie aber die Tür öffnen, werden wir ihn bekommen.«
»Ja, natürlich.«
Trick Stockman hieß der Hausmeister. Er trug die Verantwortung für zwei Hochhäuser, die in einem kleinen Park standen.
Wer hier wohnte, war anonym, weil sich, wie Stockman erklärte, kaum einer um den anderen kümmerte.
Meine Laune war nicht besonders gut. Dieser Fall ging mich eigentlich nichts an, er wäre etwas für einen normalen Polizisten oder Kriminalbeamten gewesen, aber nicht für einen Geisterjäger.
Schuld daran, dass ich hier neben dem Hausmeister stand, trug eigentlich Sir James. Sein Anruf hatte mich unterwegs erreicht, als ich mich auf der Fahrt vom Yard Building zu meiner Wohnung befand. Ich hatte nur kurz abzubiegen brauchen.
»Warum haben Sie denn gleich beim Yard angerufen?«, fragte ich, als Stockman einen Schlüsselbund aus der Kitteltasche holte.
Er grinste jungenhaft. »Sie kennen doch das alte Sprichwort. Nicht kleckern, sondern klotzen. Da dachte ich, haust mal zu. Hätte ich ein Revier angerufen …« Er hob die Schultern. »Ich habe keine sehr guten Erfahrungen mit der Polizei gemacht, wissen Sie.«
»Wir sind auch nur Menschen.«
»Aber Sie sind gekommen.«
»Wären das die uniformierten Kollgen nicht?«
»Vielleicht irgendwann mal, wenn sie Zeit gehabt hätten.«
»Die habe ich eigentlich auch nicht.«
Er nickte. »Verstehe schon. Okay, ich werde mich beeilen.« Stockman bückte sich. Er leuchtete das Schloss an. Die kleine Lampe befand sich am Bund. Dann hatte er den richtigen Schlüssel gefunden, führte ihn ins Schloss und schüttelte den Kopf.
»Was haben Sie?«
»Kann sein, dass ich mich irre, Mr. Sinclair, aber ich glaube, dass jemand am Schloss manipuliert hat.«
»Einbrecher?«
»Vielleicht.«
Der Lift befand sich hinter uns. Er hielt, und zwei Frauen traten in den Gang. Sie sahen aus, als hätten sie nach Büroschluss noch schnell eingekauft. Sie waren auch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie uns mehr als einen Blick gegönnt hätten.
»Jetzt habe ich es«, sagte Rick Stockman. In seiner Stimme schwang ein leichter Triumph mit. Er richtete sich auf. »Wollen Sie die Wohnung zuerst betreten, Mr. Sinclair?«
»Ja.«
Es war ihm anzusehen, dass er froh war, mir den Vortritt lassen zu können.
Wie hatte er gesagt? Es riecht nach Blut und Tod.
Verdammt noch mal, er hatte sich nicht geirrt. Auch ich nahm diesen Geruch wahr, als ich über die Schwelle trat und einen ersten Schritt in den Flur ging.
Blutgeruch war mir bekannt. Hier konzentrierte er sich so stark, dass ich ihn sogar auf der Zunge schmeckte.
»Habe ich zu viel versprochen?«, fragte Stockman dicht hinter mir.
»Eher zu wenig.«
»Das meine ich doch.«
Die Türen zu den einzelnen Zimmern waren nicht verschlossen. Sie standen spaltbreit offen. Vier zählte ich und fragte den Hausmeister, welche Räume hinter ihnen lagen.
»Küche, Bad, Wohnraum und Schlafzimmer.« Er räusperte sich. »Neben uns befindet sich das Bad.«
Dessen Tür stieß ich auf. Es war leer. Die beigen Kacheln glänzten matt.
»So sind alle Bäder eingerichtet«, erklärte mir der Hausmeister. »Hier befinden sich nur normale Wohnungen.«
»Wie heißt denn der Mieter?«
»Es ist eine Mieterin. Gitty Oldman.«
»Wohnt sie schon lange hier?« Während der Frage öffnete ich die zweite Tür.
»Seit ungefähr einem Jahr.«
Der Blick in die Küche zeigte mir, dass die Mieterin wohl zu den ordentlichen Personen gehörte. Sie hatte alles aufgeräumt und geputzt.
Wir gingen weiter. »Und ist sie irgendwie unangenehm aufgefallen?«, fragte ich weiter.
»Nein.«
Ich öffnete die Tür zum Wohnraum. »Kennen Sie Freunde von ihr? Hat sie oft Besuch?«
»Das kann ich Ihnen auch nicht sagen.«
Ich grinste. »Da sind ältere Kollegen aber anders. Die wissen viel über ihre Mieter.«
»Mag sein. Ich kümmere mich mehr um meinen eigentlichen Job.«
Auch im Wohnraum hielt sich die Mieterin nicht auf. Die Möbel waren modern, aber nicht sehr teuer.
»Wenn niemand hier ist, Mr. Sinclair, dann frage ich mich, woher der Blutgeruch stammt.«
»Vorsicht. Noch haben wir das Schlafzimmer nicht eingesehen.«
»Meinen Sie, dass …?«
Ich schob ihn zur Seite, weil er mir den Weg in die Diele versperrte. »Als Polizist meint man nichts. Da verlässt man sich lieber auf die Tatsachen, Mr. Stockman.«
»Sorry, ich vergaß.«
Die Tür zum Schlafzimmer lag schräg gegenüber. Wurde der Blutgeruch hier intensiver? Ich konnte es nicht mit Sicherheit behaupten, zögerte aber, die letzte Tür zu öffnen.
»Haben Sie was, Mr. Sinclair?«
Ich winkte ab. »Moment noch, mein Lieber. Keine Eile.« Meine Hand fand die Klinke. Sehr vorsichtig drückte ich sie nach unten. Der Druck im Magen hatte sich verstärkt. Ich rechnete mit einem schlimmen Anblick, war sehr vorsichtig, schaute in den Raum und sah zunächst das Fenster, durch dessen Scheibe graues Novemberlicht sickerte.
Die Bewohnerin hatte ihr Zimmer mit einem französischen Bett ausstaffiert. Es stand in der Mitte. Die Laken und die Bettwäsche waren frisch.
Und in dem Bett lag – zugedeckt bis zur Kinnspitze – eine dunkelhaarige Frau. »Ist das Gitty Oldman?«, fragte ich leise.
Der Hausmeister war blass geworden. »Ja, das ist sie. Und sie sieht aus, als würde sie schlafen.«
Ich erwiderte nichts darauf. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, wenn sich eine wie schlafend aussehende Person plötzlich als Tote entpuppt hätte.
»Sie bleiben an der Tür«, ordnete ich an.
»Okay, Sir, aber spüren Sie es nicht? Hier riecht es viel intensiver nach Blut.«
»Das stimmt.« Auf Zehenspitzen näherte ich mich der Frau. Gitty Oldman hatte schwarzes Haar. Es war leicht gelockt, wuchs halblang und hatte sich auf dem blütenweißen Kissenbezug verteilt. Die hochgezogene Decke endete am Kinn.
Gittys Haut war bleich, wie die einer Toten. Ihre Augen hatte sie halb geschlossen. Ich sah die langen Wimpern, die kleine Nase und berührte die Decke.
Rick war an der Tür stehen geblieben und schaute mir zu. Er wirkte nervös.
Wo dieser verfluchte Geruch herkam, hatte ich noch nicht herausbekommen.
Sollte das Geheimnis möglicherweise unter der Bettdecke verborgen sein? Schwungvoll riss ich sie hoch.
Der Schock traf mich voll. Was ich da zu sehen bekam, war hart. Die Frau besaß noch einen Körper, und sie trug keinen Fetzen an Kleidung. Aber er schillerte in einer Farbe, die tatsächlich an geronnes Blut erinnerte …
*
Ich wollte tief einatmen, aber das verkniff ich mir, denn der Geruch war schrecklich. Ob die Frau tot war, wusste ich jedoch immer noch nicht.
Ich tat auch nichts, als sich Stockman in Bewegung setzte und den gleichen Weg nahm wie ich. Neben mir blieb er stehen und sah sich die Mieterin an.
»Ist sie das?«, fragte ich.
Er nickte nur und presste die Hand vor den Mund.
Der Körper sah in der Tat scheußlich aus. Man konnte den Eindruck bekommen, als wäre er mit zahlreichen Blutergüssen bedeckt. Dunkelrot schimmerte er, mit einem Stich ins Violette. Nur das Gesicht war bleich wie ein frisch gewaschenes Laken.
Neben mir ließ Stockman die Hand langsam sinken. Er atmete zischend aus. Schweiß bedeckte sein Gesicht. Der Hausmeister wirkte so, als suchte er etwas, woran er sich festhalten konnte. »Das ist … das ist ungeheuerlich!« , flüsterte er. »Ich … ich habe dafür keine Erklärung. Sehen Sie eine Wunde, Mr. Sinclair?«
»Nein.«
»Und doch sieht es so aus, als wäre sie völlig ausgeblutet. Aber nichts ist verschmutzt.«
»In der Tat.«
»Weshalb hat sich das Gesicht nicht verändert?«
»Ich weiß es nicht.« Ich war tatsächlich ratlos. Mir war nicht einmal bekannt, ob die Frau lebte oder schon längst verstorben war.
Ich fragte mich auch, ob mir in diesem Fall der Zufall weitergeholfen und mich auf eine magische Spur gebracht hatte. Gitty Oldmans Zustand brachte ich automatisch mit Schwarzer Magie in Verbindung. Da konnte ich mir einfach nichts anderes vorstellen, und auch eine logische Erklärung fehlte.
»Was machen wir denn jetzt?«, fragte der Hausmeister.
»Zudecken«, erwiderte ich und legte das Laken wieder so hin, wie es gelegen hatte.
»Ist sie tot?« Stockman beugte sich vor, ich drückte ihn zurück.
»Lassen Sie mal, das werde ich schon prüfen.«
Der Hausmeister trat leise zurück, während ich Gitty Oldmans Gesicht untersuchte. Mit den Fingerspitzen berührte ich ihre Haut. Die war normal temperiert. Atem drang nicht über ihre Lippen.
Da sie die Augen halb geschlossen hatte, konnte ich von ihren Pupillen nichts erkennen. Deshalb beugte ich mich noch weiter vor, fasste ein Lid sehr vorsichtig an und zog es zurück.
Ich erschrak, als ich die weißen Augäpfel sah. Dafür hatte ich keine Erklärung. »Kommen Sie mal, Rick!«
Er...
| Erscheint lt. Verlag | 5.8.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3226-X / 383873226X |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3226-8 / 9783838732268 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich