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John Sinclair 458 (eBook)

Der Zombie-Zug

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3219-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 458 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!

Der Zombie-Zug.

Die Stille des Todes liegt über dem kleinen Haus am alten Bahndamm. Gilbert Claim bereitet sich auf die große Reise vor ...

Das Fenster steht offen, und der Sterbende lauscht hinaus in die Nacht. Geduldig wartet er auf das Zeichen ...

Endlich ertönt ein schriller Pfiff.Der Zombie-Zug kündigt sich an. Er rattert über die verrosteten Schienen und nimmt die Seelen der Sterbenden mit ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Der Zombie-Zug


Es war nie sehr laut im Haus der Familie Claim gewesen – das alte Ehepaar lebte völlig allein –, aber seit zwei Stunden hatte sich eine andere Stille ausgebreitet. Die Stille des Todes … Gilbert Claim war gestorben. Sanft entschlafen, würden andere sagen, und seine Frau Madge dachte so. Sie hatte die letzten Stunden an seinem Sterbebett verbracht und keinen Arzt gerufen, weil ihr Mann es nicht wollte. Er hatte sie nur gebeten, das Fenster zu öffnen.

Madge war dem Wunsch nachgekommen. So wehte der kühle Wind von dem Highland in den Raum und brachte den feuchten Geruch faulender Blätter mit.

Der Sterbende hatte sich darüber gefreut und seine Frau gebeten, vom Fenster wegzugehen.

»Ich muss ihn hören, Madge. Wenn er mich ruft, ist es soweit.«

Die Frau wusste nicht, von wem ihr Mann da gesprochen hatte. Sie hatte auch nicht mehr nachgefragt. Ruhig, als hätte sich Gilbert nur zum Schlafen niedergelegt, lag er im Bett. Sein Gesicht war eingefallen, er sah schon aus wie ein Toter. Die gichtkrummen Finger lagen auf dem hellen Laken und hoben sich in ihrer Farbe kaum davon ab. Seltsam bläulich schimmerten die Fingernägel. Sie waren auch lang geworden, als wären sie in der letzten Stunde noch gewachsen.

Der Nebel quoll lautlos durch den Raum, als wäre er durchsetzt mit den Geistern der Toten, die schon jetzt angetreten waren, um den alten Gilbert Claim zu begrüßen.

Madge hatte den Anblick nicht lange ertragen können. Obwohl es sich nicht gehörte, war sie gegangen. Sie konnte ihn einfach nicht mehr sehen. In der Küche hing eine Strickjacke über dem Stuhl. Sie zog diese über, kehrte zurück und hatte soeben die Tür geöffnet, als sie den schrillen Pfiff hörte, der ihr einen kalten Schauer über den Rücken trieb.

Gleichzeitig richtete sich der Sterbende noch einmal auf. Farbe kehrte in sein blasses Gesicht zurück. Er schaffte es sogar, beide Arme zu heben und rief mit lauter Stimme: »Jaaaa … ich habe euch gehört. Ich werde kommen. Wartet auf mich … wartet …« Dann sank er zurück, legte sich fast sanft nieder – und starb.

Madge hatte sich nicht rühren können. Schweigend, entsetzt und bestürzt blieb sie auf der Türschwelle stehen. Erst Minuten später ging sie zum Totenbett ihres Mannes, drückte ihm die Augen zu und wollte ihm noch die Hände auf der Brust zusammenfalten, was ihr aber nicht gelang.

Sosehr sie sich auch bemühte, die starren Finger wollten einfach nicht ineinandergreifen. Sie zuckten immer wieder zurück und blieben schließlich zu beiden Seiten des Körpers starr liegen.

« Teufelsspuk!«, flüsterte Madge. »Das ist Teufelsspuk. Der Barmherzige hat die Seele meines Mannes nicht haben wollen. Jetzt besitzt sie der Teufel. O nein …« Sie drehte sich um und verließ fluchtartig den Raum. Wenn es eben möglich war, wollte sie nicht mehr zurückkehren.

In der Küche blieb sie hocken. Das elektrische Licht sparte sie sich. Statt dessen zündete sie im Gedenken an ihren Mann eine einfache weiße Kerze an.

Ihr Gesicht wurde auch von diesem Schein erfasst. Es bekam einen rötlichen Schimmer, der die harten, von Müh und Arbeit gezeichneten Züge weich erscheinen ließ. Tränennass waren ihre Wangen, die Mundwinkel zuckten immer dann, wenn sie an ihren verstorbenen Gatten dachte. Dass sie etwas unternehmen musste, war ihr klar, nur besaß sie jetzt nicht die Kraft, es zu tun.

Viele Freunde hatten sie im Ort nicht. Die Menschen in ihrem Alter waren fast alle gestorben, und die Jungen, mein Gott, die verließen die Highlands, um in die großen Städte zu gehen, weil sie dort eine bessere Chance hatten, Arbeit zu bekommen.

Am nächsten Morgen wollte sie ihren Pflichten nachkommen. Der Pfarrer und der Bürgermeister mussten benachrichtigt werden, auch der Tischler, denn er stellte die Särge her.

Madge wurde müde.

Die letzten Tage hatten an den Kräften der Frau gezehrt. Ohne es eigentlich zu wollen, sank ihr Kopf nach vorn, und sie wäre vielleicht sogar mit ihrem grauen Haar in den Schein der Kerze geraten, hätte es nicht an der Tür geschellt.

Zwar hielt sie in der Bewegung inne, aber sie traf keinerlei Anstalten, sich zu erheben und zur Haustür zu gehen. Auch als es zum zweiten Mal klingelte, winkte sie nur müde ab.

Ein drittes Mal wurde nicht geläutet, doch der Besucher machte sich auf eine andere Art und Weise bemerkbar. Er klopfte so hart gegen das Küchenfenster, dass Madge Claim erschrak.

»Machen Sie doch auf, Mrs. Claim! Bitte, ich möchte mit Ihnen reden.«

Sehr langsam erhob sich die alte Frau. »Sie, Mr. Field?«

»Ja, wer sonst?«

»Aber …«

»Bitte öffnen Sie!«

Madge hob die Schultern, verließ die Küche und schlurfte durch den schmalen Flur, in dem es nach irgendwelchen Salben roch, mit denen sie ihren Mann in den letzten Tagen ständig eingerieben hatte.

James Field gehörte zu den jüngeren Menschen. Er war nicht ganz 40 Jahre alt und hatte Arbeit gefunden, denn er war so etwas wie der Dorfkonstabler.

Dorfpolizist, Junggeselle und ein Mann, mit dem man reden konnte. Auch als älterer Mensch. Deshalb scheute sich Madge Claim auch nicht, die Haustür zu öffnen.

Field trug seinen Helm unter dem Arm. Das blonde Haar stand wie ein Borstenkamm auf seinem Kopf. Sogar der Oberlippenbart erinnerte an einen hellen Stachel. Darunter war der Mund kaum zu sehen, und am eckig wirkenden Kinn wiederholte sich der Borstenstreifen des Barts, hatte dort aber eine rötliche Färbung angenommen.

»Guten Abend, Mrs. Claim«, grüßte der Polizist höflich.

Die Frau nickte zurück. »So spät kommen Sie noch zu mir, Konstabler?«

»Ich hatte gerade in der Nähe zu tun und wollte vorbeischauen. Wie geht es Ihrem Mann?«

»Gilbert?« Sie staunte den Polizisten an und trat einen Schritt zurück. Dabei sah es so aus, als wollten ihre Beine jeden Moment nachgeben. »Gilbert … er … er ist vor einer halben Stunde …«

Field ließ die Frau nicht erst ausreden. Er sprang über die Schwelle und stützte Mrs. Claim ab. »Mein Gott, was ist mit Ihnen, und was ist mit Ihrem Mann?«

»Tot«, hauchte sie. »Er ist tot …«

James Field schloss für einen Moment die Augen. Er hielt die Frau fest, sonst wäre sie noch vor Schwäche zusammengebrochen. So zitterte sie in seinem Griff und bekam nicht einmal mit, dass ihr Besucher sacht die Tür zudrückte.

Einige Sekunden gab er ihr Zeit. Sie weinte, sehr leise nur, aber es war trotzdem zu hören. Als er glaubte, dass sie sich wieder etwas erholt hatte, drückte er den Kopf der Frau hoch. »Kommen Sie, ich bringe Sie jetzt in die Küche.«

Madge erwiderte nichts und ließ sich anstandslos wegführen. Am Tisch stand noch ein zweiter Stuhl, auf dem sonst Gilbert gesessen hatte. Jetzt nahm James darauf Platz.

Die Kerze war bis auf einen daumendicken Stummel heruntergebrannt. Field wollte das Licht einschalten, aber die Frau wehrte sich. Sie bat den Mann, aus der Küchenschublade eine neue Kerze zu holen.

Er kam der Bitte nach und zündete den Docht an der Flamme der ersten Kerze an. Etwas Wachs träufelte er auf den Teller und klebte die Kerze fest. Dann erkundigte er sich nach einem scharfen Getränk.

»Im Küchenschrank muss noch Gin sein.«

Der Konstabler fand nicht nur den Gin, auch zwei Gläser. Im Gegensatz zur Flasche waren sie sauber. Field pustete den Staub von der Flasche und schenkte die Gläser zu je einem Drittel voll. »Da sollten Sie mal einen kräftigen Schluck nehmen, Mrs. Field.«

Sie zögerte, ihre Mundwinkel zuckten. James musste ihr das Glas förmlich in die Hand hineindrücken und sie dann zum Mund führen. »Bitte, Sie müssen etwas trinken.«

»Ja, ja, danke …«

Beide nahmen einen kräftigen Schluck. Der Konstabler vertrug das Zeug, die ältere Frau weniger. Sie schnappte nach Luft und begann gleichzeitig zu keuchen, sodass sich Field gezwungen sah, ihr auf den Rücken zu klopfen.

»Geht es?«, fragte er dann.

»Ja, ja, wissen Sie, ich bin das nicht gewohnt. Auch Gilbert hat selten getrunken. Früher mal Whisky, aber jetzt …«

»Ich kannte ihn ja.«

Madge hob den Blick. »Was immer auch gewesen sein mag, er war ein guter Mann.«

»Da habe ich nicht widersprochen.«

»Sie meine ich auch nicht damit. Die anderen Leute im Dorf. Sie haben ihn gemieden, nur weil er nicht in die Messe ging. Er wollte einfach nicht, und man kann einen Menschen dazu nicht zwingen, so denke ich jedenfalls darüber, Mr. Field.«

»Das ist gut so.«

»Danke.« Sie wollte noch etwas sagen, aber beide schraken plötzlich zusammen, als sie den schrillen Pfiff hörte, der selbst vom Mauerwerk und den Fenstern nur schwach gedämpft wurde. Der Konstabler runzelte nur die Stirn, aber Madge wurde blass. »Wie vorhin«, sagte sie. »Kurz bevor er starb, ertönte der Pfiff. Da richtete er sich noch einmal auf und schrie. Verstehen Sie das, Konstabler?«

James Field nickte, als hätte er alles verstanden. Dabei sagte er: »Das war der Pfiff einer alten Dampflok, und er ist dort aufgeklungen, wo auch die alte Bahnstrecke entlangführt.«

»Da fährt aber schon lange kein Zug mehr«, sagte Madge. »Es muss jemand anderer gepfiffen haben.«

»Das glaube ich nicht. Es war eine Lok, verlassen Sie sich darauf.«

»Wenn Sie wollen, Konstabler. Ich habe mich nur gewundert, als beim ersten Pfiff mein sterbenskranker Mann so unnatürlich reagierte. Sonst hatte er keine Kraft mehr. Er konnte nicht einmal allein einen Arm heben, die Schwäche war wie Gift. Plötzlich richtete er sich auf und schrie sogar noch durch das offene Fenster...

Erscheint lt. Verlag 5.8.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3219-7 / 3838732197
ISBN-13 978-3-8387-3219-0 / 9783838732190
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