John Sinclair 455 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3216-9 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Der Lord und die Geister-Lady.
Gilbert, der Butler, war ein ergebener Diener. Was der Lord jedoch auf dem Friedhof von ihm verlangte, ging zu weit. Lady Danforts Grab sollte er öffnen, weil der Lord seine Frau sehen wollte.
Gilbert schaufelte unter Protest, legte nach einer Weile den Sarg frei und nahm den Deckel ab. Seine Gefühle liefen Amok, als Lady Danfort plötzlich die Augen öffnete und ihn ansprach. Gilbert war mit seinen Nerven am Ende. Dabei beginnt hier erst eine Geschichte, die alle Sinclair-Leser in Atem halten wird.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Der Lord und die Geister-Lady
»Sir, was soll ich tun?«
»Öffnen Sie das Grab, Gilbert!«
Der Butler schluckte. »Dieses Grab hier, Sir?«
»Ja, das meiner Frau.« Lord Danfords Stimme klang bereits ungeduldig. Er hasste Fragen. Besonders dann, wenn sie vom Personal gestellt wurden.
Noch einmal widersprach Gilbert: »Aber sie ist tot.«
»Ich weiß. Seit fünf Tagen. Das macht aber nichts. Fangen Sie an, Gilbert. Die Werkzeuge stehen bereit!«
Gilbert, der Butler, war viel gewohnt. Die neue Aufgabe ging aber zu weit, außerdem hatte er Angst. Nicht einmal eine Woche lag die Beerdigung zurück. Im engsten Kreise war Lady Mary Danford zu Grabe getragen worden. Der Lord war hinter dem Sarg hergeschritten, ohne Gefühle zu zeigen.
»Wollen Sie nicht, Gilbert?«
»Doch, Sir, doch.« Gilbert drehte sich um. »Ich muss mich nur erst an die Lage gewöhnen.«
»Tun Sie das.« Der Lord nickte, griff in die Tasche seines dunkelgrauen Staubmantels und holte eine Zigarette hervor. Als er das Stäbchen anzündete, befand er sich bereits auf dem Weg zurück. »Ich werde in einer Stunde kommen und nachschauen, wie weit Sie mit der Arbeit sind, Gilbert.«
»Sehr wohl. Sir.«
Der Lord blieb stehen, schaute seine Zigarette an und danach den Butler. »Noch eine Bitte, Gilbert. Wenn Sie auf den Sarg stoßen sollten, bevor ich wieder bei Ihnen bin, seien Sie vorsichtig – ja?«
»Selbstverständlich, Sir.«
»Gut, die Lady wird es Ihnen danken, Gilbert.« Lord Danford nickte noch einmal, drehte sich um und schritt davon.
Der fünfzigjährige Butler starrte seinem Brötchengeber mit offenem Mund nach. Auf seinem Rücken lag eine Gänsehaut. Die Lady wird es Ihnen danken, hatte der Alte gesagt. Verdammt, die Lady war tot. Tot und begraben. Sie lag unter der Erde und würde sich hüten, wieder zurückzukehren.
So sah der Normalfall aus.
Andererseits war Lord Danford ein außergewöhnlicher Mann. Sehr belesen, er war viel gereist. Auf seinem Landsitz hatte er Forschungen betrieben und sich dabei mit den Naturwis— senschaften beschäftigt. Besonders die Toxikologie, die Giftkunde, hatte ihm am Herzen gelegen. Man wusste bei dem Lord nie, woran man eigentlich war, und Lady Mary hatte diese Haltung akzeptiert.
»Es geht mich ja auch nichts an!«, murmelte der Butler. »Sollen die doch machen, was sie wollen.« Mit diesem Vorsatz drehte er sich um und schaute nach dem Werkzeug, das tatsächlich vom Gärtner bereitgestellt worden war.
Eigentlich hatte sich Gilbert auf dem Friedhof nie unwohl gefühlt. Das war nun anders. Nachdem er erfahren hatte, was in der nächsten Stunde seine Aufgabe war, kam ihm der Friedhof zu dieser Zeit, es war der Einbruch der Dämmerung, unheimlich vor.
Er fürchtete sich vor den vereinzelt stehenden Grabsteinen, die von den starken Zweigen und Ästen der Laubbäume beschützt wurden. Von den Bergen fiel ein kalter Wind. Oben im Norden hatte es bereits geschneit. Der Schnee würde zu dieser Jahreszeit aber wieder wegtauen.
Dennoch war es kalt. Schon jetzt trieben einige Blätter durch die Luft. Das Zeichen für einen frühen Herbst.
Der Boden war weich, wenn man die gepflegten und kiesbestreuten Wege des Friedhofs verließ. Eine Schaufel und einen Spaten hatte Gilbert mitgenommen. Neben dem Grab blieb er stehen und wunderte sich zum ersten Mal darüber, dass Lady Mary Danford hier und nicht in der Familiengruft beerdigt worden war.
So etwas war allerhand und eigentlich noch nie geschehen. Aber der Lord hatte manchmal ungewöhnliche Ideen, auch der Tod seiner Frau war so plötzlich gekommen, dass einige Leute schon darüber redeten, schließlich war die Lady gesund gewesen.
Aber weshalb wollte der Lord den Sarg seiner Frau wieder aus der Erde haben? Sollten die Gerüchte stimmen? Dem Butler rann es kalt den Nacken und den Rücken hinab. Diese Aufgabe gefiel ihm nicht. Weigern konnte er sich auch nicht. Der Lord konnte auch unangenehm werden.
Und so machte sich Gilbert an die ungewohnte Arbeit. Er nahm zuerst den Spaten und stach die weiche Erde auf. Sie war allerdings auch feucht und dementsprechend schwer, das merkte Gilbert besonders, wenn er die Last zur Seite schleuderte.
Die Dämmerung nahm zu. Erste Nebelschwaden krochen durch den Park, der den Landsitz der Danfords umgab. Sie waren wie feuchte Tücher, die sich um Baumstämme und Grabsteine wickelten. Trotz der Kühle geriet der Butler ins Schwitzen, die ungewohnte Arbeit strengte ihn an, sein Rücken war gekrümmt, dadurch verspürte er Schmerzen, und er legte jetzt öfter eine Pause ein als zu Beginn.
Hin und wieder fluchte er auch leise vor sich hin und schrak zusammen, als er plötzlich vom breiten Strahl eines Scheinwerfers erfasst wurde, der über ihm im Baum installiert worden war.
Die Bemerkung verschluckte er aber, denn er wusste plötzlich, dass der Lord vom Haus her den Scheinwerfer eingeschaltet hatte. Die Lampen waren an einigen exponierten Orten des Gartens installiert worden, und das Licht sollte für den schwer arbeitenden Butler eine Hilfe sein. Durch den Strahl trieben die bleichen Nebelschleier, wallten und drehten sich. Das Licht hatte die Atmosphäre nach Meinung des Butlers noch unheimlicher werden lassen, und er schüttelte sich einige Male, bevor er wieder zum Spaten griff und das Blatt ins feuchte Erdreich versenkte.
Er gab nicht auf, schaute auch nicht auf seine Uhr, schätzte aber, dass die Zeit bald vorbei war.
Hin und wieder hörte er in den weiter entfernt liegenden Büschen ein Rascheln. Es gab hier Füchse. Wahrscheinlich waren sie unterwegs, um nachzuschauen, was der Mensch in dieser frühen Abendstunde dort alles tat.
Längst stand er im Grab, und immer wieder rammte er das Blatt des Spatens in die feuchte, klebrige und harte Erde, bis er plötzlich auf den ersten Widerstand stieß.
Er vernahm ein dumpfes Geräusch und erschrak. Hastig zog er den Spaten wieder zurück und wäre fast aus dem Grab geklettert. Der nächste Schreck erreichte den Butler, als er plötzlich die Stimme hörte.
»Na, schon fertig?«
Gilbert fuhr herum. Sein Blick fiel auf eine hochgewachsene Gestalt am Grabrand, die von Nebelschwaden umgeistert wurde.
Da stand der Lord. Noch immer trug er seinen Mantel. Die Hände hielt er in den Taschen verborgen. Aus dem Mantelausschnitt am Brustbein schaute die unvermeidliche Fliege. Sein eisgraues Haar war sorgfältig gekämmt. An der Stirn war es gelichtet. Weiter oben zeigte es eine fast jugendliche Dichte. Der ebenfalls eisgraue Schnauzer saß auf seiner Oberlippe wie angemalt.
»Noch nicht ganz, Sir!«, gab Gilbert krächzend zurück, als er seinen ersten Schreck überwunden hatte. »Aber ich habe bereits Kontakt bekommen, Sir.« Er hob den Spaten an und drückte ihn wieder nach unten, sodass der Lord das dumpfe Geräusch hörte, als das Blatt den Sargdeckel traf.
»Das ist nicht schlecht«, sagte der Lord. »Nur würde ich vorschlagen, dass Sie nun die Schaufel nehmen, Gilbert. Ich gebe sie Ihnen.« Die beiden Männer tauschten die Werkzeuge aus.
Der Lord lehnte den Spaten an einen Baumstamm und schaute zu, wie sein Butler jetzt vorsichtiger zu Werke ging und den Sargdeckel allmählich freilegte.
Der Scheinwerferstrahl leuchtete geradewegs in das offene Grab. So war zu erkennen, dass der Lord am Sarg für seine Frau nicht gespart hatte. Aus dunklem Ebenholz war er gefertigt worden. Das Material hatte auch seinen eigenen Glanz in den letzten fünf Tagen nicht verloren.
Gilbert stach auch die Erde an den Sargseiten ab, bis er die golden schimmernden Griffe freigelegt hatte. Dann blickte er hoch auf seinen Brötchengeber. »Tut mir leid, Sir, ich kann den Sarg allein nicht aus dem Grab heben.«
»Das ist mir klar.« Der Lord bückte sich. »Können Sie ihn vielleicht kanten?«
»Ich werde es versuchen, Sir.«
»Ich helfe Ihnen.«
Sosehr sich Gilbert auch bemühte, es klappte nicht. Das Grab war einfach zu eng. »Tut mir leid, Sir, das ist die Tücke des Objekts, mit der ich zu kämpfen habe.«
Lord Danford schabte über sein Kinn. »Es wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als den Sarg im Grab zu öffnen. Können Sie das übernehmen, Gilbert?«
Der Butler hob die Schultern. »Sir, so etwas habe ich noch nie gemacht, wenn Sie verstehen.«
»Man macht immer etwas zum ersten Mal im Leben, auch wenn man so alt wie Sie ist, Gilbert.«
»Verstehe, Sir.«
»Schauen Sie mal nach.«
Es war sehr eng im Grab, sodass es dem Butler Mühe bereitete, sich zwischen Sarg und Grabwand zu bewegen. Trotzdem schaffte er es, die Verschlüsse des Sargs freizulegen.
»Es klappt, Sir.«
»Habe ich mir gedacht«, erwiderte der Lord in einem etwas gespannten Tonfall, der seinem Butler durchaus auffiel. Und wieder einmal verspürte Gilbert einen dicken Klumpen im Magen. Er wusste nicht, was der Lord im einzelnen vorhatte. Dass es aber etwas Außergewöhnliches war, konnte er sich schon vorstellen.
Manchmal war ihm dieser Mensch unheimlich. Da hatte er einen Blick in den Augen, der nicht nur Angst machte, sondern dem anderen tief in die Seele dringen konnte.
»Sind Sie soweit, Gilbert?« Die Stimme des Lords unterbrach die Gedanken des Butlers.
»Fast.«
»Ich warte.« Danford hatte sich vorgebeugt und starrte in das geöffnete Grab.
Gilbert war dabei, soeben die letzten Verschlüsse an der linken Seite zu lösen. »Jetzt kann ich den Deckel anheben, Sir«, erklärte er mit zitternder Stimme.
»Dann tun Sie es.«
»Ja, sofort, Sir.« Gilbert schluckte. Er fürchtete sich vor diesem letzten Schritt, doch er...
| Erscheint lt. Verlag | 5.8.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3216-2 / 3838732162 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3216-9 / 9783838732169 |
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