Ebenholz und schwarze Tränen
Kadera-Verlag
978-3-944459-45-5 (ISBN)
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Reimer Boy Eilers Seine Kindheit verlebte der vielseitige Autor in den fünfziger und sechziger Jahren auf Helgoland – mit einem Onkel als Haifischer und einem Großvater als Leuchtturmwärter, umweht vom Duft der weiten Welt, umspült vom Wasser, das in alle Richtungen führt. In der Familie wurde er Boy gerufen, eine Reminiszenz an englische Kolonialtage. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und arbeitete an der Universität. Dann entdeckte er die Literatur für sich – und wurde sogleich mit dem Debüt-Preis der Frankfurter Buchmesse 1984 auf diesem Weg bestätigt. Seit vielen Jahren ist Reimer Boy Eilers Landesvorsitzender des Verbands deutscher Schriftsteller in Hamburg und Mitglied im Syndikat, der Vereinigung deutschsprachiger Kriminalschriftsteller. Seine Schwerpunkte sind Reiseliteratur (Bosnien, Patagonien und Feuerland, Sansibar und das ostafrikanische Festland, Segeln und Inseln), Lyrik (besonders in Verbindung mit beschrifteten Objekten) und der (Kriminal-)Roman. Reportagen und Essays in verschiedenen Zeitschriften und zahlreichen Anthologien. Das Meer ist ein Grundelement in seinen Werken – der Hafen eine Faszination?.
Auch aus der schwarzen Ecke der Windrose enden die Geschichten geradewegs im Hafen. Warum sollte es in diesem Winter anders sein? Am Afrikahöft, wo Eisschollen knirschend in die Strömung schwenkten, trieb eine Ratte mit hinaus in die offene Fahrrinne. Warum ich das erwähne? Logisch – ein perfekt korrekter Ermittler liefert seinen Kunden Berichte, die aus der Unmenge an Beobachtungen mehr als ein Groschenprotokoll machen. Also Ambiente oder 'ß-timmung', wie wir in Hamburg sagen. Stimmung mit spitzem EssTee. Eistee. Eins meiner Hamburger Lieblingslieder geht so: Stimmung, Stimmung und Humor. Im Original begleitet von einer Quetschkommode, und die Lyrik dargeboten von Richard Germer als superhumorvollem Tenor. Im Lokal zur Prallen Emmy ist mal wieder Remmidemmi. Wir sind nun aber nicht im warmen Mief einer Kiez-Kneipe, sondern im arschkalten Hafen, und da geht mein Blick wieder zur Ratte. Der Nager zitterte hungrig auf dem Treibeis. Er war bei anbrechender Dunkelheit aus der Bilge eines Überseeschiffs gekrochen und hatte noch nie den Hamburger Winter erlebt. Sein Zeitfenster schloss sich in bestürzender Weise, es war zu schmal für die Neugier, um sich noch zu adaptieren. So haben Nager, Bücher und Menschen ihre Schicksale. Wie der Urhamburger Richard Germer singt: Kleine Panne, kommt mal vor. Wo kein Ball ist, fällt kein Tor. Stimmung, Stimmung und Humor. Im Holzhafen am Reiherstieg löschte die MS Southern Star Festmeter um Festmeter an Bongossiholz. Es gibt immer Auftraggeber, die sich verschärft für Dinge interessieren, die im Hafen geschehen. Deshalb erwähne ich diese Umstände gerne. Bongossiholz ist eisenhart. Es wird speziell für Wasserbauarbeiten verwendet. Ein perfekter anti-ökologischer Kreislauf. Man schlägt die Bäume in den Tropen, um dann mit ihrem Holz in Mitteleuropa Bäche in Abflussrinnen zu verwandeln. Soviel zu meinem Marketing, und wenn das Drumherum neben der Kundenorientierung kein Erkenntnisgewinn ist, was dann? Das Bongossiholz gehört ja nicht direkt zu diesem Fall. Weil es kein Edelholz ist. Aber es dient mehr noch als die Äquatorratte zur Einstimmung. Bei dem Tierchen kann der Klient, dem ich meinen Bericht rüberschiebe und für den er im Gegenzug gut löhnen soll, erschrocken mitfühlen, wie schlimm es ist, wenn man sich im Winter nicht auf dem Kai, sondern buchstäblich im Hafen darunter befindet. Dann ist auch schon Schluss mit lustig, die Geschichte vorbei, während Tropenholz ja das Generalthema in diesem Fall abgibt. Wäre ein Basso continuo sozusagen, wenn das Bongossiholz zur Abwechslung mal zu einer wohltemperierten Marimba, statt zur misslichen Rinne verarbeitet wird. Mein Gewerbe hält sich demnach mit einer Mischung von Fakten, Fantasie und Kundenfang über Wasser. Unser Kunde war damals Timus Wallraven. Wir brauchten ihn gar nicht zu fangen, denn er kam freiwillig. Und ich sage auch gleich, warum: a) Unser fantastischer Ruf. b) Es ging um Mord im winterlichen Hafen, rein ins kalte Wasser, logisch. Also die Kacke war am Dampfen, jetzt mal mit einem schiefen, weil zu warmem Bild gesprochen. Timus Wallraven heißt in Wirklichkeit natürlich anders, weil ziemlich prominent, und es genügt, wenn ich als Ziel seines Vereins den radikalen Naturschutz angebe. Den Mord habe ich klaro nicht gesehen, er war schon passiert, als Wallraven zu uns kam, denn er war ja die Ursache seines Besuches. Puh, verwickelt. Aber Moment, ich beschreibe den Fall gleich so lebendig, wie ich die Umstände aufklären konnte. Naja, lebendig ist nicht immer der passende Ausdruck. Aber ich denke, dass der Bericht unserem Klienten das Geld wert ist. Auch freiwillige Kunden müssen bei der Stange gehalten werden. Noch sind wir ja bei der Stimmung. Weiter oben am Reiherstieg, Richtung Steinwerder, lugte die Frau durch das offene Bullauge in die Pantry eines Frachters. 'Have you many friends?' Der Schwarze wiegte den Kopf. 'Come back tomorrow.' Hier darf der Leser nun nicht den ersten Eindruck für bare Münze nehmen. Die Frau ist keine Nutte, und der Mann, der einige Schritte entfernt am Kotflügel des Wagens lehnt, ist kein Zuhälter. Die beiden handelten zu der Zeit gerade mit Uhren, elektronisch und zollfrei. Zwanzig Euro, aber der Schwarze wollte nur fünf geben, und jetzt ging es um den Mengenrabatt. Wir gehen endlich, ich sage nicht genau an welchen Kai: Nehmen wir an, irgendwo auf dem Kleinen Grasbrook zwischen Reiherstieg und Afrikahöft. Es ist kalt unter dem Mond und den Peitschenlampen. Und manchmal ist es auch stockfinster. Geduld ist das reinste Kapital für den Schnüffler. Bleib im Schatten der Backsteinmauer stehen und beobachte, mein Junge. Eine schwarze Wolke schiebt sich irgendwann über den Himmel. Vergiss die gefakten Uhren, die Schieber und sonstigen Eierdiebe. Sobald die Sicht wieder frei wird, hängt der Mond blass und starr vor einem Kran am Haken. Er bescheint auch den Nager auf dem Eis, der jetzt sehr müde ist und alle Viere von sich gestreckt hat. So enden hier Geschichten, bevor unser Geschäft anfängt. Das Licht glitzerte auf dem Wasser Das starre Mondlicht glitzerte auf der Wasserfläche. Dr. Bill Paddy stand auf einem der alten Kais östlich des St.-Pauli-Elbtunnels im Freihafen, und blickte hinaus auf die Fahrrinne. Er war tief in Gedanken versunken. Vor einer reichlichen Stunde hatte er bei Einbruch der Dunkelheit den Kongress der Edelholzimporteure verlassen, um einen Spaziergang zu machen. Er würde rechtzeitig zum Kalten Buffet zurück sein. Durch den Tunnel war es nicht allzu weit bis zum Hotel oberhalb der Landungsbrücken. Der zweite Mann drückte sich in den Schatten der Werfthalle, die längst nicht mehr benutzt wurde und nun allmählich verfiel. Vorn auf dem Kai brannte eine armselige Laterne. Eduard Loblich verwünschte den Vollmond. Er liebte die Finsternis. Aber die blasse Scheibe am Himmel sollte ihn nicht von seinem Auftrag abhalten. Behutsam zog er die schwarz-weiß gestreiften Handschuhe aus seiner Manteltasche. Eduard Loblich war ein Spezialist und gesucht. Seine Brutalität versteckte er hinter extravaganten Accessoires. Oder was man in gewissen Kreisen dafür hielt. Jedenfalls konnte er sie sich leisten. Wie die Ereignisse im Detail abliefen, wie genau die Situation kippte (und Dr. Paddy mit ihr), kann ich natürlich nicht wissen, weil, ich war schließlich nicht anwesend, Gott sei Dank. Aber so stelle ich mir das vor; die Hand darauf. Und ich muss es am besten wissen, weil niemand sonst den Fall so genau kennt. Ich habe meine Haut dafür zu Markte getragen, um alles ganz genau zu erfahren. Na ja, okay, nicht hundertpro ehrlich, meine Vorstellung, die habe ich auf den Punkt gebracht wegen dem Kundendienst, das Thema hatten wir schon. Und wegen Herrn Dr. Seiler, meinem Chef, weil, wie der seine Detekteiberichte schreibt, das kann ich besser.
Auch aus der schwarzen Ecke der Windrose enden die Geschichten geradewegs im Hafen. Warum sollte es in diesem Winter anders sein? Am Afrikahöft, wo Eisschollen knirschend in die Strömung schwenkten, trieb eine Ratte mit hinaus in die offene Fahrrinne. Warum ich das erwähne? Logisch - ein perfekt korrekter Ermittler liefert seinen Kunden Berichte, die aus der Unmenge an Beobachtungen mehr als ein Groschenprotokoll machen. Also Ambiente oder 'ß-timmung', wie wir in Hamburg sagen. Stimmung mit spitzem EssTee. Eistee. Eins meiner Hamburger Lieblingslieder geht so: Stimmung, Stimmung und Humor. Im Original begleitet von einer Quetschkommode, und die Lyrik dargeboten von Richard Germer als superhumorvollem Tenor. Im Lokal zur Prallen Emmy ist mal wieder Remmidemmi.Wir sind nun aber nicht im warmen Mief einer Kiez-Kneipe, sondern im arschkalten Hafen, und da geht mein Blick wieder zur Ratte. Der Nager zitterte hungrig auf dem Treibeis. Er war bei anbrechender Dunkelheit aus der Bilge eines Überseeschiffs gekrochen und hatte noch nie den Hamburger Winter erlebt. Sein Zeitfenster schloss sich in bestürzender Weise, es war zu schmal für die Neugier, um sich noch zu adaptieren. So haben Nager, Bücher und Menschen ihre Schicksale.Wie der Urhamburger Richard Germer singt: Kleine Panne, kommt mal vor. Wo kein Ball ist, fällt kein Tor. Stimmung, Stimmung und Humor.Im Holzhafen am Reiherstieg löschte die MS Southern Star Festmeter um Festmeter an Bongossiholz. Es gibt immer Auftraggeber, die sich verschärft für Dinge interessieren, die im Hafen geschehen. Deshalb erwähne ich diese Umstände gerne. Bongossiholz ist eisenhart. Es wird speziell für Wasserbauarbeiten verwendet. Ein perfekter anti-ökologischer Kreislauf. Man schlägt die Bäume in den Tropen, um dann mit ihrem Holz in Mitteleuropa Bäche in Abflussrinnen zu verwandeln.Soviel zu meinem Marketing, und wenn das Drumherum neben der Kundenorientierung kein Erkenntnisgewinn ist, was dann? Das Bongossiholz gehört ja nicht direkt zu diesem Fall. Weil es kein Edelholz ist. Aber es dient mehr noch als die Äquatorratte zur Einstimmung. Bei dem Tierchen kann der Klient, dem ich meinen Bericht rüberschiebe und für den er im Gegenzug gut löhnen soll, erschrocken mitfühlen, wie schlimm es ist, wenn man sich im Winter nicht auf dem Kai, sondern buchstäblich im Hafen darunter befindet. Dann ist auch schon Schluss mit lustig, die Geschichte vorbei, während Tropenholz ja das Generalthema in diesem Fall abgibt. Wäre ein Basso continuo sozusagen, wenn das Bongossiholz zur Abwechslung mal zu einer wohltemperierten Marimba, statt zur misslichen Rinne verarbeitet wird.Mein Gewerbe hält sich demnach mit einer Mischung von Fakten, Fantasie und Kundenfang über Wasser. Unser Kunde war damals Timus Wallraven. Wir brauchten ihn gar nicht zu fangen, denn er kam freiwillig. Und ich sage auch gleich, warum: a) Unser fantastischer Ruf. b) Es ging um Mord im winterlichen Hafen, rein ins kalte Wasser, logisch. Also die Kacke war am Dampfen, jetzt mal mit einem schiefen, weil zu warmem Bild gesprochen. Timus Wallraven heißt in Wirklichkeit natürlich anders, weil ziemlich prominent, und es genügt, wenn ich als Ziel seines Vereins den radikalen Naturschutz angebe.Den Mord habe ich klaro nicht gesehen, er war schon passiert, als Wallraven zu uns kam, denn er war ja die Ursache seines Besuches. Puh, verwickelt. Aber Moment, ich beschreibe den Fall gleich so lebendig, wie ich die Umstände aufklären konnte. Naja, lebendig ist nicht immer der passende Ausdruck. Aber ich denke, dass der Bericht unserem Klienten das Geld wert ist. Auch freiwillige Kunden müssen bei der Stange gehalten werden. Noch sind wir ja bei der Stimmung.Weiter oben am Reiherstieg, Richtung Steinwerder, lugte die Frau durch das offene Bullauge in die Pantry eines Frachters. 'Have you many friends?'Der Schwarze wiegte den Kopf. 'Come back tomorrow.'Hier darf der Leser nun nicht den ersten Eindruck für bare Münze nehmen. Die Frau ist keine Nutte,
| Erscheint lt. Verlag | 27.7.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Yakub Singer |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 125 x 190 mm |
| Gewicht | 275 g |
| Einbandart | Paperback |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Auftragskiller • Hamburg-Krimi • Hamburg; Krimis/Thriller • Kiez • Politthriller • Pulp Fiction Thriller • Tropenholz-Mafia |
| ISBN-10 | 3-944459-45-8 / 3944459458 |
| ISBN-13 | 978-3-944459-45-5 / 9783944459455 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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