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John Sinclair 410 (eBook)

Tödliche Perücken

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3170-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 410 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!

Tödliche Perücken.

Barney Brookman war ein Star, ein Meister seines Fachs. Als kreativer Haarstylist beeinflusste er den Trend. Barney Brookman machte Mode und er hatte Erfolg. Als ich ihn zum ersten Mal sah, kam er mir unheimlich abgeschlafft vor, total desinteressiert, als hätte er es schon hinter sich oder stünde über den Dingen. - Über den Dingen? Ja, das war's. Jetzt glaubte ich, auch seinen magischen Atem zu spüren. Aber ich brauchte Beweise. Als mein Kreuz auf den Meister ansprach, beschloss ich, mir den Kerl unter die Lupe zu nehmen. Schließlich bin ich Oberinspektor bei Scotland Yard und für solche Fälle zuständig.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Tödliche Perücken


An der Station Camden Town war die Frau zugestiegen. Da hatten sich die Fahrgäste in der Tube, der Londoner U-Bahn, noch gedrängt. Zwei Stationen weiter war der Wagen fast leer geworden, und Ches Grady hatte freien Blick.

Er gehörte zu den Typen, die so schläfrig wirkten, tatsächlich aber ihre Umgebung ständig im Auge behielten. Seine gespielte Schläfrigkeit war sofort vorbei, als er die scharfe Braut ein paar Schritte vor sich im Wagen sah.

Der Anblick traf ihn wie eine Eisdusche.

Obwohl genügend Plätze frei waren, hatte sich die Kleine nicht gesetzt. Sie lehnte lässig an einer der metallisch glänzenden Haltestangen und kaute unablässig auf einem Kaugummi. Das Schütteln und Rütteln des Wagens balancierte sie stets geschickt aus, ohne dabei ihre Beine zu bewegen.

Grady hatte gesessen, und er saß auch noch, als er sich vornahm, die Kleine anzumachen …

Was ihn an dieser Braut so faszinierte, konnte er nicht genau sagen. Vielleicht war es die Haarfarbe. Einmal ein bräunliches Rot, zum anderen ein giftiges Grün. Beide Farben standen in einem scharfen Kontrast zueinander.

Auch die Kleidung fiel aus dem Rahmen. Das Girl trug einen Winterrock, dessen Blumenmuster wohl einen Hauch von Sommer zaubern sollte. Die karierte Jacke war vielleicht zu dünn bei dieser Kälte, aber das war nicht Gradys Problem. Wenn die Kleine fror, würde er sie schon wärmen.

Hoffentlich stieg sie nicht schon an der nächsten Station aus. Sobald die Bahn wieder anfuhr, wollte Grady sie anmachen.

Der Zug raste durch den Schlund.

Obwohl alles normal war, das flackernde Licht, das Rattern, das Schaukeln, der Geruch nach Feuchtigkeit, Schweiß und Rauch. Der Schmutz auf dem Boden, die vergessenen Zeitungen in den Ablagen, die Coladose, die im stetigen Rhythmus von einer Richtung in die andere rollte, bevor der Weg sie wieder zurückführte, das alles war auch bei anderen Fahrten zu sehen, zu hören und zu riechen.

Aber da war diese Frau.

Ches Grady schluckte, bevor er die Lippen anfeuchtete. Die Kleine hatte noch nichts bemerkt. Sie nahm von seinen Blicken überhaupt keine Notiz.

Das sollte sich ändern!

Die lange Schlange schaukelte weiter. Wie gespenstische Wesen huschten an der Scheibenreihe die schwachen Lichter der Tunnelbeleuchtung vorbei.

Ein Gegenzug kam.

Zischend wurde die Luft zwischen den beiden Zügen zusammengedrückt. Die erleuchteten Fenster bildeten eine flirrende Lichterkette, die innerhalb einer kurzen Zeit vorbeigehuscht war. Kein Gesicht war zu sehen gewesen.

Dann wurde der Bremsvorgang eingeleitet. Wände erschienen. Schmutziggelbe Kacheln, manchmal mit Plakaten überdeckt und »verschönert« durch Graffiti-Malereien.

Stieg sie aus?

Es war die Sekunde der Wahrheit. Grady kannte die Bewegungen der Fahrgäste, wenn sie aussteigen wollten. So verschieden die Menschen auch waren, sie reagierten stets gleich, wenn der Zug in eine Station einfuhr und jeder der Erste an der Tür sein wollte.

Da ging durch ihre Körper ein Ruck. Nicht so bei dem Mädchen, sie blieb stehen. Nur einmal hob sie träge den Kopf, und die Haare gerieten ebenso träge in Bewegung, als wären sie aus dem Schlaf erwacht.

Grady bekam feuchte Hände. Er fluchte über sich selbst. Sogar eine innere Stimme riet ihm, auszusteigen, aber er blieb. Er musste einfach bleiben. Eine solche Chance durfte er sich nicht entgehen lassen! Diese Braut musste er haben.

Den hellbeleuchteten Bahnhof empfand Ches als nahezu schmerzlich. Er wartete darauf, dass der Zug wieder abfuhr und auch niemand in seinen Wagen einstieg.

Ein Mann schritt an der Fensterscheibe vorbei und schaute in den Wagen. Er wirkte wie ein Büroangestellter, war blass, trug einen Hut, und Ches hob einmal kurz die Faust an, als der Knabe zu intensiv durch das Fenster glotzte.

Der Mann verstand.

Hastig und wie ein ertappter Sünder zog er sich zurück. Sein Ziel war der nächste Wagen.

Noch standen die Türen offen. Von der Station her drang der Geruch von Fish und Chips herein.

Eine Horde Punks lungerte auf den Stufen des Aufgangs herum. Sie ließen die Flasche und den Joint kreisen. Dabei lauschten sie Hardrockklängen, die aus den Boxen eines Transistors dröhnten.

Dann gingen die Türen zu.

Und niemand hatte den Wagen betreten.

Bis Brent, der nächsten Station, hatte Ches Zeit. In den folgenden Minuten hatte er seinen Auftritt.

Bevor sich der Zug noch in Bewegung gesetzt hatte, stand er auch auf. Schon beim ersten Ruck hatte er Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Mit einem raschen Griff fing er sich an der Haltestange und ging los.

Auf seinen Handflächen lag Schweiß. Das war ihm noch nie passiert. Als sträubte sich sein Körper gegen diesen Plan.

Ches hörte nicht auf diese Warnung.

Er ging weiter.

Schritt für Schritt näherte er sich seinem Ziel. Dabei hatte er vergessen, wo er sich befand. Der Wagen kam ihm auf einmal nicht mehr so schmutzig vor, auch der Geruch interessierte ihn nicht. Er glaubte sich auf einer abgeschiedenen Insel im fernen Meer.

Nur er und sie.

Ches Grady setzte seine Schritte schneller, auch lauter. Die Braut reagierte nicht. Nicht einen Blick hatte sie für ihn übrig.

Nach zwei weiteren Schritten stand Ches neben ihr. Er sah nur ihr Haar und hatte den Eindruck, als würde es alt und modrig riechen. Er lachte sich selbst aus und sprach sie an.

»Na, Süße, wo steigst du denn aus?«

»Geh.«

»He, ich rede mit dir!«

»Ich aber nicht mit dir, setz dich auf deinen Arsch und lass mich in Ruhe!«

Ches, der sich für einen Anmacher hielt, stand kurz vor einem Wutausbruch. Er packte die Braut an der Schulter, zog sie zu sich herum. Kalte Augen schauten ihn an. »Lass mich los, du Bock!«

»Nein, Süße.« Er grinste breit. »Außerdem sind wir allein hier. Verstehst du? Allein, kein weiterer Fahrgast. Das wird ein Spaß, glaub mir. Wie gesagt, allein. Du könntest netter zu mir sein.«

»Mensch, hau ab. Zum letztenmal!«

»Nie!«

»Willst du sterben?«, fragte sie.

Er begann zu lachen. »Durch dich?«

Eine Antwort bekam er vorerst nicht. Der Wagen rollte in die nächste Station. Ches wunderte sich, wie schnell die Zeit vergangen war. Da war etwas mit seinem Plan durcheinandergeraten.

Jetzt hatte sie die Chance, auszusteigen, wenn sie wollte, aber sie blieb stehen, als sich die Türen mit den typischen Zischgeräuschen öffneten.

Grady verstärkte seinen Druck. Ihr machte es nichts aus. Sie blieb gelassen.

Die Zeit verstrich. Ches kam es wie eine kleine Ewigkeit vor, bis sich die Türen endlich wieder schlossen. Er kannte die Strecke auswendig. In Hendon Central würden sie wieder anhalten. Das war die drittletzte Station vor dem Ende der Strecke.

Noch standen die Türen offen. »Du kannst gehen!«, flüsterte die Braut. »Deine Chance ist da.«

»Ich bleibe aber«, erklärte er und grinste süffisant.

»Okay, deine Schuld. Ich habe dich gewarnt.«

Der Zug fuhr an.

Dieser Ruck war auch für Ches Grady das Signal. Er hatte seinen Griff nicht gelockert.

Mit einem heftigen Ruck riss er sich herum, schaute sie an und sah, dass sich der Blick ihrer Augen verändert hatte. Er war irgendwie trübe geworden, als würde ein Schleier über den Pupillen liegen. Vermischt mit einem Wissen, dass der andere keine Chance mehr hatte.

Ches Grady ahnte etwas, aber er wollte es nicht wahrhaben. Bisher war er immer Sieger geblieben, natürlich in seinen gewissen Grenzen. Ganz nach oben war er nie gekommen, dazu fehlte ihm einfach das gewisse Etwas, aber in seinem Kreis war er der King.

Er zog das Girl zu sich heran. Er wollte sie küssen, gierig, wie es seine Art war, doch er zuckte zurück, denn etwas Kaltes war über sein Gesicht geglitten.

Ches hob den Blick, während er gleichzeitig über die berührten Hautstellen wischte.

Er sah es und wollte es nicht glauben. Er stand hier in einem Zug, der durch die Tunnelröhre ratterte und sah vor sich eine Szene, die in einen der zahlreichen Horror-Streifen hätte hineinpassen können. Die Haare auf dem Kopf bewegten sich. Sie hatten sich zu dicken Zöpfen zusammengefunden, und sie lebten, waren Schlangen …

»Ich habe dir doch gesagt, dass du aufhören sollst!«, flüsterte die Braut und starrte ihn an. Ihr Blick war kalt, während sich die Schlangen auf dem Schädel aufrichteten und dem Vergleich mit einem armdicken Gewürm standhielten.

Grady überlegte, wo er so etwas schon mal gesehen oder gelesen hatte. In einem Film, der von einer killenden Frau mit Schlangenhaar handelte.

Jetzt fiel ihm auch der Name wieder ein, und er fragte die Braut danach. »Bist du eine Medusa?«

»Vielleicht …«

»Aber wir sind doch nicht im Kino!«

»Nein, das sind wir nicht.« Sie lächelte bei dieser Antwort. Ches Grady empfand es als teuflisch.

Was sollte er tun? Aus dem Wagen konnte er nicht ausbrechen. Erst in Brent hatte er die Chance. Bis dorthin verging einige Zeit, zu viel Zeit für ihn.

Wenn sie sich wenigstens auf eine weitere Diskussion eingelassen hätte, daran dachte sie aber wohl nicht, als sie sich langsam vorschob und Ches Grady in die Defensive drängte.

Er musste einfach zurück!

»Du hattest mich doch anmachen wollen!«, verhöhnte sie ihn. »Ich habe dich schon lange beobachtet. Jetzt hast du die Chance. Komm her, Söhnchen. Komm ruhig zu mir. Ich zeige dir schon, wo es langgeht …«

Ches wollte nicht mehr. Er schaute über seine Schulter zurück. Rechts und links sah er die...

Erscheint lt. Verlag 29.7.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3170-0 / 3838731700
ISBN-13 978-3-8387-3170-4 / 9783838731704
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