John Sinclair 393 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3153-7 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Diablitas Mörder-Gnome.
Lesen Sie John Sinclairs Überlebenskampf! Begleiten Sie John Sinclair auf seiner Reise ins Mittelalter. Feuern Sie ihn an, wenn er antritt gegen den Ritter Gérard de Besancon und Diablitas Mörder Gnome!
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Diablitas Mörder-Gnome
In dieser Nacht musste die Entscheidung fallen!
Es sollte der Zweikampf der stärksten Ritter werden, und er sollte in der Dunkelheit stattfinden, um den Reiz dieses Kampfes noch zu erhöhen. Für die Königin war dieses Turnier das Ereignis des Jahres!
Gegen Abend war Wind aufgekommen. Warm und trocken wehte er von den im Süden liegenden Bergen und brachte braunen Staub mit, manchmal vermischt mit feinen, gelben Sandkörnern. Wimpel und Fahnen der Zelte flatterten lustig im Wind.
Viele waren gekommen.
Bauern und Edelmänner. Stolze Ritter, verwegene Knappen und auch einsame Männer aus den Bergen, die sich einen Kampf nicht entgehen ließen. Wirte, Marketender, viel Volk und zahlreiche Huren hatten sich eingefunden, denn das Fest sollte drei Tage und drei Nächte dauern …
Da mussten die Menschen essen und trinken. So trug der Wind den Duft zahlreicher Schweine- und Wildbraten mit sich, die sich über offenen Feuern an Spießen drehten und den Verkäufern fast aus den Händen gerissen wurden.
Man sprach dem Wein kräftig zu. Ein Helfer war nur abgestellt, um Fässer heranzurollen, damit der Durst der Männer gelöscht werden konnte.
Mädchen tanzten und hoben dabei die Röcke. In ihren Augen funkelte es, und so mancher Mann fing ihre begehrlichen Blicke auf. Die Nacht des Kampfes war auch stets eine Nacht der Freude oder der Lust.
Musiker spielten auf ihren Instrumenten. Flöten und andere Blasinstrumente herrschten vor. Dazwischen vernahmen die Zuhörer hin und wieder die Klänge einer Leier.
Ein jeder wusste, dass die Königin das bunte Treiben liebte. Sie wollte die Menschen fröhlich sehen und erleben, wie sie aus sich herausgingen.
Die Königin selbst wohnte in dem größten und prächtigsten Zelt. In seiner Form erinnerte es an aufeinander zulaufende Wellen. In einem Sechseck war es aufgebaut, und der breite Mittelträger ragte über das Dach hinaus. Das daran befestigte Banner der Königin flatterte stolz im Wind.
Allein ihr Zeichen war darauf zu sehen. Zwei gekreuzte Schwerter, von deren Klingen Blut tropfte. Nicht wenige hatten die Grausamkeit der Königin Diablita erlebt. Hatte sich jemand eines Vergehens schuldig gemacht, wurde er bestraft, wobei sie selbst zuschaute und ihre Augen stets einen wilden Glanz bekamen.
Manche sprachen davon, dass sie mit übermächtigen Kräften in Verbindung stand. Andere wiederum bezeichneten sie als die Tochter des Höllenherrschers, aber sowohl die einen als auch die anderen irrten. Wer die Königin tatsächlich war, wussten nicht einmal ihre engsten Vertrauten.
Und wieder drangen Schreie aus dem prächtigen Zelt. Man hatte einen Dieb erwischt. Seine Hände waren noch fettig vom saftigen Fleisch des Wildschweinbratens. Er kniete vor ihr, wurde von zwei Männern gehalten, die seine Arme in die Höhe gerissen hatten, damit er sich nicht bewegen konnte.
Die Königin saß vor ihm auf dem Thron. Kalt war ihr Gesicht. Die Haut erinnerte an Marmor. Die dunklen Augen wirkten wie vergessene Waldseen, und das schwarze Haar erinnerte an das Gefieder eines Raben.
»Du hast gestohlen, Elender!«, rief sie mit harter Stimme aus. »Du hast dieses Fest der Freude entweiht. Deshalb werde ich dich persönlich bestrafen.«
Der Dieb bettelte. Er trug zerfetzte Kleidungsstücke. Den Stoff hatten bereits die Peitschen der überall aufpassenden Häscher aufgerissen, sodass aus den langen Wunden Blutfäden rannen und sich in den Resten festsaugten.
»Nein, nein! Ich habe noch nie gestohlen. Ich habe einen langen Weg hinter mir. Lumpenpack raubte mich aus! Sie nahmen mir das letzte Geld, und ich hatte solch entsetzlichen Hunger, weil ich mir nichts kaufen konnte.«
Das Gesicht der Königin verzog sich zu einem bitterbösen Lächeln. »Du lügst nicht schlecht, du Dieb. Aber nicht gut genug für mich. Merke es dir.«
»Ich sage die Wahrheit. Ich …«
»Mein Schwert!« unterbrach die Stimme der Königin sein Jammern. Als der Dieb diesen Befehl hörte, wusste er, was ihm bevorstand. Er lamentierte und schrie noch lauter, bettelte um Gnade, aber die Königin behielt ihr bittersüßes Lächeln bei und sagte nichts.
Ein Mann mit Tartarenzopf brachte die Klinge. Er trug nur eine rote Hose aus weichem Samt. Der Oberkörper war nackt. Das Gesicht glich einem Ball mit zwei geschlitzten Augen. Kein Muskel rührte sich darin. Nur auf der haarigen Brust hatten sich einige Schweißtropfen abgesetzt. Sie sammelten sich zu Bahnen und rannen bis in den Bund der Hose, in dessen breiten Gürtel eine Axt steckte.
Der Mann mit dem Zopf hieß Aik. Von einem fernen Land war er als Sklave angeboten und von der Königin, die seine furchtbaren Qualitäten schnell erkannt hatte, gekauft worden.
Für die Königin ging Aik durchs Feuer. Er hätte ihr sein eigenes Leben geopfert, und mit einer Verbeugung reichte er der dunkelhaarigen Frau mit dem prachtvollen blauen Gewand die Waffe.
Sie nickte huldvoll und senkte den Kopf, während sie gleichzeitig die Klinge hob.
Der Dieb kniete noch immer. Seine Arme wurden gehalten. Die Gesichter der beiden Häscher waren kalt und grausam. Dafür hatten sich die zwei Kammerzofen der Königin abgewandt, weil sie das Schreckliche nicht sehen wollten.
Dicke Kerzen brannten in hölzernen Ständern. Nahe dem Eingang steckten zwei brennende Fackeln in eisernen Gestellen.
»Schau mich an, Dieb!«
Als der Mann nicht gehorchte, hob die Königin ein Bein und trat ihm gegen den Kopf.
Da erst hob der Dieb den Kopf.
Er verdrehte die Augen und begegnete dem Blick der Königin. Kein Bedauern, keine Gnade las er darin. Sie blieben so dunkel, so erbarmungslos und verschwiegen.
Der Dieb schwieg, flehte nur noch mit ängstlichen Blicken, und die Königin erwies ihm das, was sie als Gnade bezeichnete.
Sie schaffte es tatsächlich, dieses bittersüße Lächeln beizuhalten, als sie die folgenden Worte sprach, die gleichzeitig ein Urteilsspruch waren. »Ich werde dir eine hohe Gnade erweisen, du kleiner Dieb. Aus einem fernen Land, in dem die Söhne der Wüste zu Hause sind, überbrachte mir ein Bote die Kunde von einer Bestrafung, die ich auch hier einführen möchte. Da ich nicht weiß, mit welcher deiner Hände du das Fleisch gestohlen hast, sehe ich mich gezwungen, dir beide abzuschlagen. Los, strecke deine Arme aus und lege sie mir auf die dritte Stufe meines Thrones.«
Das waren eindringliche, wenn auch furchtbare Worte. Ein jeder hatte sie verstanden, auch der Dieb, der es aber nicht glauben konnte, denn sein Gesicht wurde fahl.
Auch die Häscher sprachen nicht, die Zofen pressten ihre Handballen vor die Lippen, um Laute des Entsetzens zu ersticken. Damit hatten sie nicht gerechnet. Noch nie hatte die-Königin jemand auf diese Art und Weise bestraft. Aber hieß sie nicht Diablita? Leitete sich dieser Name nicht von Diablo ab, den das Volk im Süden, die Spanier, als Begriff für den Teufel gefunden hatten?
Ja, sie war teuflisch …
Ein ärgerlicher Zug kerbte die Mundwinkel der Königin. »Hast du meinen Befehl nicht gehört?«, fragte sie. »Oder wolltest du nicht hören? Lasst ihn los, ihr beiden!«
Die Häscher gehorchten. Sie öffneten ihre Fäuste. Wie zwei dünne Stämme fielen die Arme des Diebs auf den Boden. Und seine Finger verkrallten sich in dem kostbaren Teppich aus chinesischer Seide, der vor dem Thron lag.
Diablita bewegte ihre rechte Hand. Damit führte sie auch die Schwertklingen vor, und die Spitze der im Feuer geschmiedeten Waffe tippte gegen die Stirn des Knienden, wo sie eine kleine Wunde hinterließ, aus der eine Blutperle rann.
Den scharfen Schmerz spürte auch der Dieb. Er blickte wieder hoch und hörte den gnadenlosen Befehl. »Strecke deine Arme aus, Hundsfott!«
Der Mann schüttelte den Kopf. »Nein, Herrin, nein! Das kannst du nicht tun. Um Himmels willen, du darfst es nicht!«
»Lass den Himmel aus dem Spiel!«
Der Dieb streckte die Arme aus, faltete die Hände und bat darum, getötet zu werden.
Die Königin schüttelte den Kopf. Sie mochte es, wenn andere litten, und sie gab den beiden Häschern mit den Augen einen kurzen Wink. Die Männer griffen sofort zu.
Der Dieb brüllte auf, als seine Arme an den Schultern gepackt und nach vorn gedrückt wurden. Einer der Männer stemmte seinen Fuß auf den Rücken des Bedauernswerten und presste ihn auf den Boden. Der Mann konnte nichts anderes tun, als sich zu strecken.
Er sah nicht hin, aber er spürte genau, wie seine Hände eine Thronstufe berührten.
Das war vielleicht noch schlimmer, ebenso wie das Schweigen, das sich im Zelt ausbreitete.
Er nahm für einen winzigen Moment den Luftzug wahr, der über seine Haare streifte, dann schlug die Hölle mit ihren gnadenlosen Schmerzen und dem alles verzehrenden Feuer zu.
Durch seine Arme raste es, er glaubte, sterben zu müssen. Und bevor er schreien konnte, erschien die breite Pranke vor seinem Gesicht, die ihm einen schmutzigen Knebel zwischen die Zähne schob, um seine Schreie zu ersticken …
Die Königin nahm alles gelassen hin. Sie übergab ihrem Leibwächter das Schwert zur Reinigung und befahl den Kammerzofen, das Blut vom Teppich zu wischen.
Zu den Häschern sagte sie: »Schafft mir diese Kreatur aus den Augen und werft ihn in den Fluss. Seine Hände aber nagelt ihr am Eingang des Festplatzes an die hohen Pfosten unter den Fahnen. Sie sollen dort als Abschreckung für alle anderen hängen, damit diese wissen, wie ich Diebe bestrafe.«
Die Befehle der Königin wurden ausgeführt. Der Dieb...
| Erscheint lt. Verlag | 22.7.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3153-0 / 3838731530 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3153-7 / 9783838731537 |
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