John Sinclair 374 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3135-3 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Der Inka-Henker.
Die Inkas waren ein hochentwickeltes Volk und berühmt für ihre technischen Leistungen. Sie lebten in Frieden, bis die Europäer kamen. Und als die Eindringlinge von den ungeheuren Schätzen der Inkas erfuhren, gerieten sie in einen nie dagewesenen Blutrausch. Gnadenlos und auf schreckliche Weise vernichteten sie das Volk der Inkas.
Natürlich wehrten sich die Inkas nach Kräften. Einer der wenigen, die dabei Erfolg hatten, war der Inka-Henker.
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Der Inka-Henker
Es war die Stille des Todes, die den großen Talkessel beherrschte. Hinzu kamen die sengenden Sonnenstrahlen, die erbarmungslos auf die braune Erde brannten und das Blut der toten Inka-Krieger verdampften.
Heere von schwarzen, dicken Fliegen umsummten die Leichen, deren Körper durch die schrecklichen Hiebe spanischer Waffen gezeichnet waren.
Die Inkas hatten zuerst Widerstand geleistet, es dann aber aufgegeben, weil sie einsahen, dass sie gegen die Schwerter, Macheten und Lanzen der plündernden und marodierenden Spanier nicht ankamen, denn diese Menschen kannten keine Gnade. Sie wollten das Gold und die Schätze, deshalb mordeten sie.
So drangen sie ein in das einsam gelegene Hochtal und machten auch die Menschen nieder, die sich ihnen waffenlos in den Weg stellten.
Jetzt lebte niemand mehr.
Nur ein schwerer süßlicher Blutgeruch durchwehte die Talebene, und manchem Konquistador wurde es übel. Die Soldaten steckten in Rüstungen, die panzerartiges Format hatten und die Oberkörper umspannten. Helme schützten die Köpfe der Spanier, Schweiß rann über die verzerrten Gesichter, und die Klingen der Waffen waren blutverklebt.
Anführer dieser plündernden Horde war Juan Lazarro, ein grausamer Statthalter, den der König extra auf die Reise geschickt hatte, um auch das letzte, gut versteckte Inka-Gold zu holen.
Jetzt stand er dicht vor dem Ziel.
Er ließ seine Männer antreten.
Sie kamen nur langsam heran. Gezeichnet von der Anstrengung, dem Grauen und den schlimmen Taten, die hinter ihnen lagen. Die älteren Soldaten kümmerten sich nicht so sehr darum. Für sie war das »Erobern« zu einer schrecklichen Routine geworden, aber es waren auch jüngere darunter, denen das Erlebte noch im Gesicht zu lesen stand.
Verluste hatten die Spanier nicht erlitten. Ein Mann war durch einen Steinwurf im Gesicht getroffen worden. Er wurde getragen und stöhnte unter grässlichen Schmerzen.
Juan Lazarro warf ihm nur mehr einen gleichgültigen Blick zu. Er nahm auf andere keine Rücksicht, und ebenso reagierte er auch bei seinen eigenen Leuten.
Wenn diese Aufgabe hier erledigt und sie wieder nach Spanien zurückgekehrt waren, sollte er in den Adelsstand erhoben werden, das hatte ihm der König versprochen. Aus diesem Grunde wollte er nicht mit leeren Händen das Heimatland erreichen. Das Schiff sollte bis zur Lastgrenze beladen werden. Gold, Schmuck und andere wertvolle Beutestücke sollten mitgenommen werden. Und sie mussten sich beeilen, denn vor den ersten Herbststürmen musste der Atlantik überquert sein.
Die Rede war nur kurz. Jeder Soldat wusste im Prinzip, was er zu tun hatte. Lazarro wollte seine Leute nur noch einmal daran erinnert haben. Er schaute ein letztesmal in die Gesichter, sah sie starr werden und sagte mit lauter Stimme: »Für Spanien und den König.«
»Für Spanien und den König!«, lautete die Antwort.
Dann gingen sie und stürmten den Tempel. Sie machten Lärm, sie schrien, denn auch sie standen noch unter dem Eindruck der schrecklichen Morde und mussten sich so Luft verschaffen.
Juan Lazarro ließ sie laufen. Er selbst beteiligte sich nicht an der Plünderung. Seine Zeit würde später kommen, wenn die Schätze geraubt waren. Dann wollte er noch einmal zurückkehren. So hatten seine Männer fast einen Tag Zeit, die Kammern des Tempels zu plündern und die wertvollen Beutestücke auf die Esel zu verladen. Das alles war Sache der Soldaten.
Lazarro sollte etwas anderes holen. Schon immer war die Rede von einer Statue gewesen. Niemand hatte sie bisher gesehen, aber zurückkehrende Konquistadoren hatten davon berichtet. Eine Legende rankte sich darum. Diese Statue sollte alles bisher Dagewesene in den Schatten gestellt haben. So kostbar, so wertvoll war sie.
Der König wollte die Statue unbedingt haben, und er hatte Lazarro mit dieser Aufgabe betraut.
Woher sie stammte und wen sie darstellen sollte, wusste keiner. Man sprach auch über magische Kräfte, die angeblich in ihr steckten. Ein Dämon sollte sie nach seinem Ebenbild erschaffen haben. All das waren Spekulationen. Juan Lazarro würde es bald wissen.
Er hatte auf einem Stein Platz genommen, der im Schatten stand. Dennoch schwitzte der Mann. Viel schlimmer erging es seinen Männern, die mit Schätzen überladen den stufenförmig und pyramidenartig gebauten Tempel der Inkas verließen.
Er schaute ihnen zu. Hin und wieder nahm er einen Schluck Wasser. Die Flüssigkeit gluckerte in einem Beutel aus Ziegenleder.
Und die Sonne brannte weiterhin erbarmungslos auf die zahlreichen Toten nieder, die niemand gezählt hatte.
Die Fliegen umsummten auch den einsam dasitzenden Konquistador, der aufgehört hatte, nach den Quälgeistern zu schlagen, während er zuschaute, was seine Männer in Tragekörben aus dem Tempel schleppten.
Es waren wahre Schätze. Unter den Strahlen der Sonne funkelte das Gold und schimmerte kostbares Geschmeide. Der Wert dieser Dinge war für Lazarro kaum auszurechnen. Und Juan Lazarro trieb seine Leute mit immer neuen Befehlen an. Er wollte endlich selbst in den Tempel und sich um die Statue kümmern.
Am Nachmittag war es soweit. Ein Melder kam zu ihm. Verdreckt, keuchend und verschwitzt.
»Die Kammern sind leer!«
Lazarro stand auf. »Gut, ich werde mich umsehen und komme anschließend nach. Lasst einen Esel zurück!«
»Bueno, Señor!«
Juan Lazarro ging. Der große Eingang des Tempels schluckte ihn. Die plötzliche Kühle tat ihm gut. Für einen Moment blieb er stehen, atmete tief durch und war froh, dass er den Blutgeruch der Leichen aus der Nase hatte.
Eine große Vorhalle hatte ihn aufgenommen. Wenn er sie durchquerte, erreichte er die Treppe.
Da wollte er nicht hin. Lazarro hatte schon einige Tempel ausgeraubt. Er wusste, wo sich die Schatzkammern zumeist befanden, immer im unteren Teil und nicht auf dem oft hoch und außen liegenden Opferaltar.
Der Mann hatte eine Fackel mitgenommen, denn das durch den Eingang fallende Licht verlor sich im Tempel.
Jeder Tempel besaß die gleiche Atmosphäre, das hatte Lazarro mittlerweile gespürt, denn es war nicht der Erste, den er ausraubte. Innerhalb der wuchtigen Steinmauern lauerte eine Gefahr, über die er nicht Bescheid wusste. Sie war vorhanden, aber nicht greifbar, nicht zu fühlen, mehr ein Hauch oder ein Erbe.
Selbst der abgebrühte Mörder besaß Gefühle und musste sie erst überwinden. Das dauerte einige Minuten, danach hatte er seine alte Sicherheit stets zurückgefunden.
Er leuchtete in die Kammern hinein.
In ihnen hatten sich die Schätze befunden. Einige waren völlig leer, bei anderen lagen noch Goldstücke auf dem Boden, die einen feurig, goldenen Glanz bekamen, wenn sie vom Licht der Fackel gestreift wurden.
Nur die Schritte des Mannes waren zu hören. Sie allein unterbrachen die lastende Stille.
Im Schein des flackernden Fackellichts schienen sich gespenstische Wesen aus dem Boden zu erheben und lautlos über den Untergrund zu huschen, um anschließend an den Wänden bizarr und unförmig hochzukriechen.
Der Odem einer fernen Zeit durchwehte die Räume des Tempels, aber der Eindringling hatte das große Heiligtum noch nicht gefunden. Er suchte weiter.
Der Tempel nahm ihn gefangen. Lazarro vergaß die Zeit. Er wusste nicht, dass die Sonne schon längst hinter den hohen Flanken der Berge verschwunden war und es allmählich kühl wurde.
Davon ahnte der Mann nicht einmal etwas. Ein Fieber hatte ihn gepackt. Er spürte weder Hunger noch Durst, war nur erfüllt von seiner Aufgabe, die wertvolle Statue zu finden, von der man ihm berichtet hatte. An gewissen Tagen sollte sie sogar ins Freie geschafft werden. Lazarro konnte sich vorstellen, dass die Inkas sie nicht allzu tief innerhalb des Tempels versteckt hielten, damit sie sie nicht über zu große Entfernungen zu transportieren brauchten.
Aber er fand sie nicht!
Es gab Tempel, in denen man sich verlaufen konnte. Als Lazarro stehenblieb, hatte er das Gefühl, nicht mehr zu wissen, wo er sich befand. Die Suche nach der Beute hatte ihn unvorsichtig werden lassen, sodass es ihm nicht mehr gelungen war, auf den Weg zu achten.
Er hatte eine der größten Fackeln mitgenommen und musste gestehen, dass sie nicht mehr lange brennen würde, da das Pech mittlerweile aufgebraucht war.
Es sah nicht gut aus …
Dennoch ging er weiter. Er war einfach besessen von seinem Plan. Dieses Gefühl zeichnete auch sein Gesicht. Ein menschliches Aussehen besaß es zwar, dennoch war der dämonische Eindruck darin nicht zu verkennen. Die Augen wirkten wie runde Spiegel, in denen das Fieber des Wahnsinns leuchtete, die reine Besessenheit, doch noch an das große Ziel zu gelangen.
»Ich werde es schaffen!«, flüsterte er. »Ich werde das große Ziel finden.« Er nickte sich selbst dabei zu und schaute nach, wie zahlreiche Schweißtropfen von seiner Stirn fielen und zu Boden schlugen.
Nach einer Drehung konnte er in einen schmalen Gang leuchten, der nicht breiter war als ein Kamin.
Ging es dort zum Ziel?
Eigentlich hätte Juan Lazarro gewarnt sein und sich an den Rückweg machen müssen, aber seine Besessenheit blockierte den Verstand. Dieser Gang sah ihm so aus, als würde er zu einem Geheimversteck führen. Wer so schmal baute, hatte etwas im Sinn.
Plötzlich lachte er.
Kein normales Lachen drang über seine Lippen. Das waren bereits die schrillen Laute eines Gezeichneten oder eines dem Wahnsinn verfallenen Menschen.
Er schob sich in den Gang. Bereits nach dem ersten Schritt stellte er fest, dass dieser Schlauch zu schmal für seinen Körper war. Mit den...
| Erscheint lt. Verlag | 22.7.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3135-2 / 3838731352 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3135-3 / 9783838731353 |
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