John Sinclair 370 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3131-5 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Albtraum-Comic.
Ein Schauer lief über den Rücken des jungen Zeichners. >>Das ist super<<, flüsterte er, >>wie echt. - Nein, die sind echt<<, verbesserte er sich. Seine Fantasiegebilde lebten! Harold konnte es kaum fassen. >>Sie leben<<, hauchte er immer wieder. Und er war stolz, dass ihm nach vielen Versuchen während entbehrungsreicher Jahre endlich sein Meisterwerk gelungen war ...
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Albtraum-Comic
Ein Schauer lief über den Rücken des jungen Mannes, als er auf das schräggestellte Brett mit dem großen Zeichenblatt starrte. »Das ist super!«, keuchte er. »Das ist so gut, besser kann man es nicht machen. Fast wie echt!«, flüsterte er. »Nein, das ist echt. Das ist so, als würden sie leben. Sie, meine Geschöpfe, meine Monster, meine Fantasiegebilde.«
Er legte den Kopf in den Nacken, begann zu lachen und trat zwei Schritte zurück. Damit geriet er auch außerhalb des Lichtkreises, den die große Lampe auf das Zeichenbrett warf. »Echt!«, flüsterte er wieder. »So echt!« Er konnte es kaum fassen und wischte mit einer fahrigen Handbewegung durch sein braunes Haar, das mal wieder nicht richtig liegen wollte. Harold C. Painter war glücklich. Er hatte es geschafft. Nach all den vergeblichen Versuchen, nach den langen, entbehrungsreichen Jahren war ihm nun ein Meisterwerk gelungen.
Kaum traute er sich, es aus der Nähe zu betrachten. Er wollte sich einfach nicht vorstellen, dass er es war, der diese Zeichnung geschaffen hatte, und so waren seine Schritte auch zögernd, als er wieder auf das Zeichenbrett zuging und in den Lichtkreis der Lampe geriet, in dem sein hageres Gesicht noch bleicher wirkte. Fast jeder Tropfen Schweiß auf seiner Stirn war überdeutlich zu sehen, und er spürte ein Zittern wie nie zuvor in seinem 22-jährigen Leben.
Es war vollbracht. Er, Harold C. Painter, hatte sich endlich durchgebissen, und er wusste auch, dass seine Arbeit mit der Fertigstellung noch nicht beendet war. Im Gegenteil, sie würde erst richtig anfangen, denn die Folgen waren einfach grandios.
Am liebsten hätte er die Cordjacke weggeschleudert, aber in der Bude war es kalt, der Ofen funktionierte nicht. Da er schwitzte, hätte er sich leicht eine Lungenentzündung holen können, und die konnte er nicht gebrauchen.
Als wollte er eine Frau an sich ziehen, so breitete er die Arme aus und stemmte die Handballen auf beide seitlichen Kanten des Zeichenbretts. So blieb er stehen und starrte auf das Blatt.
Es waren zwei Seiten, die einmal ein Comicheft zieren sollten. Noch befanden sie sich in der Rohfassung, waren nicht eingefärbt, aber das würde sich ändern.
Jeweils drei Bilder zeigten die Seiten. Sprechblasen waren nicht vorhanden, die Zeichnungen sprachen für sich. Zusätzlich standen Erklärungen in den größten Boxen. Auch der Text war sein Entwurf, vielleicht würden die Redakteure etwas daran ändern, das war ihm auch egal.
Sechs Bilder, die eine Geschichte erzählten.
Eine schaurige, unheimliche Mär und dabei so realistisch nachempfunden, als wären gewisse Attribute nicht gezeichnet, sondern fotografiert worden.
Das oberste Bild auf der linken Seite bedeckte die Hälfte des Blattes und auch deren gesamte Breite. Es zeigte einen schweigenden nächtlichen Wald mit viel Unterholz. Aus ihm leuchteten mehrere Augenpaare, die einen gefährlichen, gelben Raubtierglanz besaßen, wie es eben bei Wölfen üblich ist. Über den Bäumen schwebte noch als flache Scheibe der volle, etwas blasswirkende Mond, dessen Konturen von keiner Wolke getrübt wurde. Einen Wolf hatte er besonders hervorgeholt. Er schlich auf den Betrachter des Bildes zu, hatte sein Maul geöffnet, den Kopf nach links gedreht und starrte auf das, was vor ihm aus der Erde wuchs.
Es war die obere Hälfte eines Totenschädels!
Painter atmete ziehend und nickte sich selbst zu. Dieses Bild war ihm hervorragend gelungen, ebenso das nächste, links unter dem oberen, das einfach nur Blitze auf einem nachtdunklen Himmel zeigte.
Sie jagten wie hastig hingekritzelte Zickzack-Pfeile aus den Wolken, und den folgenden Donnerschlag hatte der junge Mann durch das Wort Broom gekennzeichnet.
Das Bild daneben zeigte ein altes Schloss. Es stand ebenfalls in der Düsterins, war aber von ihm heller gezeichnet worden, damit es sich auch vor dem dunklen Hintergrund abhob.
Die nächste Seite.
Wieder ein großes Bild, das die Seite zur Hälfte einnahm. Abermals ein Wald mit gespenstisch anmutenden Bäumen und einer ansonsten leeren Fläche. Das sollte nicht so bleiben, denn Harold C. Painter musste noch etwas hineinmalen. Einen Plan hatte er bereits.
In der Box links unten hatte er das Gesicht einer wunderschönen dunkelhaarigen Frau geschaffen. Ein kleines Meisterwerk. Die Frau sollte Angst haben. Und Harold war es tatsächlich gelungen, dieses Angstgefühl der Frau ins Gesicht zu »schreiben«. Wer die Frau betrachtete, erlebte ihre Panik mit. Die schockgeweiteten Augen nahmen den Betrachter gefangen.
Ja, das Bild war gut. Painter lobte sich selbst und warf einen Blick auf die letzte Zeichnung.
Er hatte schon immer Fledermäuse geliebt. Es waren Tiere der Nacht, so wie er ein Mensch war, der am liebsten die Dunkelheit hatte, denn tagsüber wurde er durch zu viele Dinge abgelenkt. Erst wenn die Dämmerung hereinbrach, fühlte er sich wohl. Dann gehörten die letzten Stunden des Tages ihm.
Um diese Zeit erwachten auch die Fledermäuse. Er hatte nur eine gezeichnet, die dafür übergroß und so, dass der Betrachter des Bildes den Eindruck haben musste, als würde das Tier haargenau auf ihn zufliegen.
Es war schon gut. Painter rieb seine Hände. Er spürte den Schweiß dazwischen und ließ sich auf den Drehhocker fallen, denn er war noch nicht fertig.
Eine Person fehlte noch.
Die Tiere hatte er gezeichnet, einen düsteren Wald, ein altes Schloss, die ängstliche Frau, die Fledermaus, das Gewitter, eigentlich war das Märchen fertig.
Das Comicmärchen …
So würden wohl alle denken, die seine Zeichnungen einmal zu sehen bekamen. Nur ahnten sie nicht, dass seine Werke etwas ganz Besonderes waren, außergewöhnlich und sehr realistisch.
Ihm gefiel das große Bild auf der rechten Seite immer weniger. Da musste er einfach etwas daran ändern, hinzufügen, ihm ein gewisses Leben einhauchen.
Aber nicht mit noch mehr Landschaft. Er wollte auch keine Gestirne durch die kahlen Stellen zwischen den Baumästen schimmern lassen, das gab ihm alles nicht das, was er brauchte.
Es fehlte der Mensch.
Nur das Frauengesicht reichte ihm nicht. Da musste noch ein Mann hin, jemand, der mit den Wölfen möglicherweise zusammenlebte und sich ihnen auch anpassen konnte.
Wer würde das sein? Wie konnte er aussehen? Über diese beiden Fragen grübelte der Zeichner nach. Bisher war alles an seiner Arbeit perfekt gewesen, und auch das letzte Detail sollte so perfekt wie möglich sein.
Painter hatte automatisch zum Federhalter gegriffen. Er zeichnete stets mit Tusche, doch als er die Spitze ansetzte, schüttelte er den Kopf. Nein, so nicht. Er wollte es diesmal anders machen. In dieses Bild aus Schwarz und Weiß musste eine Figur, ein Mensch, der »leben« sollte, der farbig war, der völlig normal und realistisch aussah, Kleidung trug und …«
Auf einmal kam es über ihn. Er war von einer wahren Besessenheit erfüllt, als er sich daran begab, seine Vorstellungen zu verwirklichen. Diesmal zeichnete er eine farbige Figur, einen Menschen eben. Und er gelang ihm so gut wie das Übrige.
Vielleicht sogar eine Idee besser …
Über eine Stunde zeichnete er. Vergaß die Zeit und hatte nicht bemerkt, dass sich schon die Nacht dem Ende zuneigte. Er war keine Maschine, er brauchte Schlaf, den wollte er sich holen.
Auch fühlte er, dass sein Rücken schmerzte. Er verzog das Gesicht, als er den Körper durchbeugte, scharf atmete, wieder nach vorn fiel und mit der Stirn das Zeichenblatt berührte.
Irgendwann musste einmal Schluss sein, auch für ihn. Als er den Drehhocker verließ, wäre er fast gefallen, so wenig Kraft steckte noch in seinen Beinen.
Irgendwo stand das Bett. Er fand es wie ein Schlafwandler, ließ sich nach hinten fallen, schloss die Augen, war im Nu eingeschlafen und begann prompt von seiner Arbeit zu träumen.
Harold C. Painter hatte sein Lebenswerk fertiggestellt. Ein Comic nur, mehr wollte er nicht, aber das musste reichen.
Während draußen allmählich der Tag anbrach, brannte in dem kleinen Künstlerzimmer noch immer die Lampe. Ihr Licht ließ die Bilder nicht schöner erscheinen, sondern düster, irgendwie kalt und auch regelrecht abweisend.
Auch der Mensch.
Es war ein Mann. Normal aussehend, blond, ziemlich groß, und er stand inmitten des Waldes. Sein Gesicht zeigte einen gespannten, vielleicht etwas überscharfen Ausdruck. Dazu trugen auch die leicht verengten Augen bei, mit denen der Mann den Betrachter des Bildes anschaute. Zudem hatte seine Haltung etwas Sprungbereites an sich, wie bei einem Raubtier. Die Figur war einfach klassisch gezeichnet, und so echt, als hätte der Zeichner seinen besten Freund abgebildet.
Dabei kannte er den Mann nicht.
Er konnte ihn überhaupt nicht kennen, da dieser erst später geboren werden sollte.
Und doch war er vor seiner Geburt schon als Erwachsener gezeichnet worden.
Und er hatte einen Namen.
Um den nicht zu vergessen, hatte ihn Harold C. Painter in einer Ecke des Bildes in Druckbuchstaben niedergeschrieben.
JOHN SINCLAIR!
*
Ich schüttelte den Kopf, wechselte mit dem rechten Fuß vom Gas auf das Bremspedal und hielt an. Zum Glück befand ich mich in einer ruhigen Straße, und in der Nacht war hier sowieso nicht viel los. Da floss der Verkehr noch dünner.
Weshalb stand ich hier? Wieso hatte ich mich in meinen Wagen gesetzt und war kurz vor Mitternacht, ohne einen Grund zu haben, losgefahren? Das alles wirbelte durch meinen Kopf, wobei es mir nicht gelang, die Gedanken, Vermutungen und Tatsachenentscheidungen in die richtigen Bahnen zu lenken.
Fest...
| Erscheint lt. Verlag | 22.7.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3131-X / 383873131X |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3131-5 / 9783838731315 |
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