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John Sinclair 360 (eBook)

Die Rache des Kopflosen

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3121-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 360 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989! Die Rache des Kopflosen. Das Gesicht des Mannes war schmerzgepeinigt, als er sein Richtschwert hob und auf den Delinquenten starrte, der seinen Kopf in das Oval des Richtblocks gelegt hatte. In den Augen des Henkers schimmerten Tränen. »Auch wenn du mein Bruder bist, ich muss es tun!« »Ja, mach es!«, zischte der Bruder des Henkers. »Aber der Teufel wird dir die Quittung überreichen. Irgendwann komme ich ...« Da schlug der Henker zu und brach Sekunden später selbst zusammen. Die Zuschauermenge schwieg. In die Stille hinein klang das Krächzen eines Raben. Er kündigte die Rache des Kopflosen bereits an. John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!

Die Rache des Kopflosen


Das Gesicht des Mannes war schmerzgepeinigt, als er das Richtschwert hob und auf den Delinquenten starrte, der seinen Hals in das Oval des Richtblocks gelegt hatte. In den Augen des Henkers schimmerten Tränen. »Auch wenn du mein Bruder bist, ich muss es tun!«

»Ja, mach es!«, zischte der Bruder des Henkers. »Aber der Teufel wird dir die Quittung überreichen. Irgendwann komme ich  …«

Da schlug der Henker zu und brach Sekunden später selbst zusammen. Die Zuschauermenge schwieg. In die Stille hinein klang das Krächzen eines Raben. Es hörte sich an wie ein Todesgruß  …

Als wäre er eingefroren, so hockte der Rabe auf der höchsten Querstange eines Klettergerüsts. Es setzte sich aus mehreren Würfeln zusammen und verjüngte sich nach oben.

Der Rabe bewegte sich nicht. Er wirkte tatsächlich wie eingefroren oder ausgestopft, aber das täuschte.

Er lebte. Und seine Augen glichen zwei gefährlichen schwarzen Kugeln.

Ein gefährliches, unheilvolles und lauerndes Leben garantierte dem Raben die Existenz.

Man konnte es schon als ungewöhnlich bezeichnen, dass dieser eine Vogel dort hockte, denn die anderen hielten sich versteckt. Weder Spatzen, Meisen, Drosseln noch Amseln waren zu sehen, nur eben dieser Kolkrabe, der wie ein stummer Aufpasser wirkte.

Manchmal plusterte er sein Gefieder auf. Dann bekam er Ähnlichkeit mit einem schwarzen Ball.

*

London versank im Schnee. In den Außenbezirken war weniger geräumt und gestreut worden, und die Kälte drückte. Der Januar hatte Kälterekorde aufgestellt und die meisten Vögel in ihre Verstecke getrieben.

Nur diesen Raben und die Kinder nicht. Dieser versteckt in einem Park liegende Spielplatz war auch im Winter für sie ein Paradies. Hier konnten sie im Schnee toben. Burgen aus Eis bauen oder die berühmten Schneemänner errichten. Niemand störte sie, wenn sie über lange Rutschen glitten, um in einem Schneewall weich und sicher zu landen.

Lag der übrige Teil des Parks auch unter einer nahezu eisigen Ruhe, vom Spielplatz konnte man das nicht behaupten. Hier regierte der Lärm der Kinderstimmen. Dieser Platz schien eine magische Anziehungskraft auf die Kleinen zu besitzen, denn er war fast ebenso gut besucht wie im Sommer.

Ihre Schlitten hatten die Kinder stehen lassen. Sie tobten im Schnee. Ein Junge im hellblauen Schneeanzug war der wildeste von allen. Immer wieder türmte er mit seinen kleinen Händen Schneeberge auf und schleuderte sie den anderen Kindern entgegen, die sich lachend unter dem Gestöber hinwegduckten.

An einer Seite des Spielplatzes waren die Bänke aufgestellt, auf denen im Sommer oft genug Mütter und Väter saßen, um ihre Kleinen zu beaufsichtigen.

Jetzt waren die Bänke verwaist. Eine dicke Schicht aus Schnee bedeckte sie.

Und der Rabe beobachtete. Im Augenblick den Jungen im hellblauen Schneeanzug.

Und das Kind merkte nichts  …

Es war nicht allein auf den Spielplatz gekommen. Eine junge Frau hatte es begleitet. Sie stand am Rand des Areals zwischen zwei Bänken und hatte die Kapuze des braunen Teddymantels über den Kopf gestreift, um sich vor der Kälte zu schützen. Sie hatte die Hände tief in den Manteltaschen vergraben. Hin und wieder drehte sie eine Runde um die Bank.

Dabei hatte sie eine zweite Frau getroffen, die ebenfalls auf ihr Kind achtgab. Diese Person trug zu einer gefütterten Lederjacke eine Thermohose und hatte ihre Haare unter einer dicken Wollmütze vergraben. Der um den Hals geschlungene Schal ließ nur mehr die obere Gesichtshälfte frei.

Die beiden Frauen unterhielten sich.

»Gehören Sie auch zu den Idealisten?«

»Wie meinen Sie?«

»Wir stehen hier herum. Andere sind im warmen Haus.«

»Ach, ich bin ganz froh, dass ich mal Luft schnappen kann. Außerdem wollte Johnny unbedingt auf den Spielplatz. Ich habe ihm den Gefallen halt getan.«

»Bei mir war es ähnlich.«

»Wer ist denn Ihr Sohn?«

»Keiner von denen«, erwiderte die Person im Mantel. Ich bin nur das Kindermädchen, wenn Sie verstehen. Der Junge im hellblauen Schneeanzug gehört zu mir.«

»Dann spielt er ja mit Johnny.«

»Das ist Ihrer?«

»Ja, der Kleine im dunkelroten Anorak. Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle? Mein Name ist Sheila Conolly.«

»O angenehm. Ich heiße Helen Murphy, Mrs. Conolly.«

»Und Sie sind ein Kindermädchen?«

»Ja, den Beruf habe ich gelernt.«

Sheila nickte. »Er ist schön, aber auch anstrengend, nicht wahr?«

Helen lachte auf. »Das können Sie laut sagen. Ich hatte ihn mir leichter vorgestellt. Jetzt bin ich schon zwei Jahre bei den Watsons. Wissen Sie, wir kommen nicht von hier und sind in London eigentlich nur zu Besuch bei Verwandten. Die Watsons haben eine große Verwandtschaft. Zudem ist die Familie reich  …«

Das Kindermädchen redete und redete. Sie war froh, endlich jemanden gefunden zu haben, und sie lenkte Sheila Conolly auch von den Kindern ab.

Der Rabe sah das anders.

Noch hockte er auf dem Gerüst. Seine Augen befanden sich jetzt in ständiger Bewegung. Mit einem nahezu tödlichen Blick starrte er auf den Jungen im hellblauen Schneeanzug. Es war ein abschätzendes Fixieren, ein irgendwie wissender und grausamer Blick, der etwas enthielt, das man mit einer tödlichen Drohung umschreiben konnte.

Der Junge merkte nichts davon. Er hatte sich mit dem kleinen John Conolly angefreundet, und die beiden bildeten ein gutes Team. Sie überlegten, was sie anstellen sollten. Eine Schneeballschlacht hatten sie bereits hinter sich, sie wollten auch keine neue mehr beginnen, sich stattdessen aber um andere Dinge kümmern.

»Sollen wir noch rutschen?«, fragte Johnny.

Der andere Junge nickte. »Ja.«

»Wie heißt du eigentlich?«

»Doug.«

»Ich bin Johnny.«

Doug wischte sich mit seinen nassen Handschuhen den Schnee aus dem Gesicht. »Der Name gefällt mir besser als meiner. Und wie heißt du weiter?«

»Conolly.«

»Ich Watson. Das ist aber egal.«

»Na, ja«, sagte Johnny und deutete auf die vereiste Rutschbahn. »Sollen wir da runter?«

»Meinetwegen.«

Sie rannten los. Der Schnee war inzwischen von ihren Füßen festgestampft worden, sodass sie jetzt besser laufen konnten. Um den kürzesten Weg zur Rutsche zu nehmen, mussten sie dicht an dem Gerüst vorbei, auf dem noch immer der Rabe hockte.

Er bekam alles mit.

Der Ausdruck seiner Augen hatte sich ein wenig verändert. Ein rötlicher Schimmer füllte jetzt die gesamte Pupille aus, sodass dieses Augenpaar einen unnatürlichen Glanz bekommen hatte.

Und einen gefährlichen  …

Keiner hatte bisher auf den Vogel geachtet. Erst Douglas fiel er auf. Er blieb stehen und deutete mit der ausgestreckten Hand schräg in die Höhe. »Johnny, guck mal, der Vogel.«

»Na und?«

»Dass der hier sitzt.«

Der kleine Conolly holte ein paar Mal Luft. Er hatte knallrote Wangen bekommen, in seinen Augen leuchtete es, und der Vogel schien ihn überhaupt nicht zu interessieren. »Ist doch egal, dass der hier sitzt.«

»Weil die anderen alle verschwunden sind.« Douglas musste schreien, um sich überhaupt verständlich machen zu können, denn andere Kinder rannten lärmend an ihnen vorbei.

»Aber seine Augen  …« Doug ließ nicht locker.

»Was meinst du damit?«

»Guck doch mal! Die sind richtig komisch. So rot.«

Jetzt schaute auch Johnny hoch. Der Rabe hatte bemerkt, dass über ihn gesprochen wurde, er senkte den Kopf. Wiederum plusterte er sich auf und breitete sogar seine Schwingen aus. Ein leises, irgendwie höhnisch klingendes Krächzen drang den beiden Kindern entgegen, wobei sie sich wie auf einer Insel vorkamen, denn der Rabe besaß nur Augen für sie und schlug sie regelrecht in seinen Bann. Besonders Doug.

Johnny zupfte ihn schließlich am Ärmel. »Komm schon, was sollen wir noch hier?«

»Der Vogel, Johnny.«

»Was ist denn?«

»Der schaut mich an.«

»Mich auch.«

»Aber nicht so böse. Du, ich habe vor ihm Angst. Ehrlich, richtige Angst.«

»Vor dem Vogel?« Johnny lachte.

»Ja, Mann. Der ist mein Feind. Wenn ich jetzt eine Fletsche hätte, würde ich ihn da wegschießen.«

»Das geht doch nicht!«, entrüstete sich Johnny. »Man kann doch nicht so einfach Tiere töten. Jeder Vogel ist wichtig, hat mein Daddy gesagt. Die fressen auch das Ungeziefer!«

»Das weiß ich auch.« Doug wollte sich nicht blamieren, obwohl ihm dies niemand gesagt hatte. »Trotzdem guckte der mich so richtig böse an. Ich will weg.«

»Vom Spielplatz?«

»Erst noch rutschen.«

Damit war Johnny einverstanden. Die beiden Jungen liefen auf die Rutsche zu und sahen nicht, dass ihnen der Rabe nachschaute.

In seinen Augen leuchtete tatsächlich ein böses Licht. Er fixierte die Rücken der Kinder, wie ein Profikiller vor dem Angriff. Bei einem Menschen hätte man diesen Ausdruck mit einem gewissen Grinsen umschreiben können. In diesem Tier schien tatsächlich die Seele eines anderen zu stecken.

Johnny hatte die Rückseite der Rutsche als Erster erreicht und kletterte auch vor seinem Spielkameraden hoch. Die beiden Frauen waren im Gespräch vertieft. Weder Sheila noch das Kindermädchen achteten auf ihre Schützlinge.

Die Stufen der Rutsche waren glatt, aber Johnny wusste, wie er zu klettern hatte. Er war den Weg nicht zum ersten Mal gegangen.

An dem zweiseitigen Geländer hielt er sich fest und erreichte die kleine Plattform. Dort blieb er geduckt stehen, drehte sich um und...

Erscheint lt. Verlag 22.7.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3121-2 / 3838731212
ISBN-13 978-3-8387-3121-6 / 9783838731216
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