John Sinclair 355 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3116-2 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Die Bande der Nachzehrer.
Man sieht sie selten, aber man hört sie häufig auf alten Friedhöfen. Wenn man stehenbleibt, darf man keine Angst haben, denn die Laute, die sie von sich geben, sind nichts für Menschen mit schwachen Nerven.
Sind alle diese Voraussetzungen erfüllt, kann man sich auf sie konzentrieren. - Nicht jeder, der sie hört, weiß, mit wem er es zu tun hat. Manche würden Zombies sagen, andere wiederum bezeichnen sie als Ghouls. Doch sie sind weder das eine noch das andere, sondern eine Mischung aus beiden.
Es sind Nachzehrer! Und sie schmatzen, würgen, keuchen und stöhnen.
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Die Bande der Nachzehrer
»Du, mir ist dieser Ort nicht geheuer. Ich habe eine regelrechte Angst vor ihm!« Helga Koppec hatte die Worte gesprochen und schüttelte sich, als hätte jemand Wasser auf ihren Kopf gegossen.
Ihr Mann Karl hielt mit der Arbeit inne. »Wieso?«, fragte er.
»Ich weiß nicht so recht …«
»Unsinn, Mensch, denk an das Geschäft. Wenn wir hier unseren Stand aufbauen, können wir gut verdienen. Du weißt, dass uns das in diesen schlechten Zeiten guttut.«
»Schon, aber können wir nicht woanders hin?«
Karl Koppec schüttelte den Kopf. »Auf keinen Fall, meine Liebe. Ich habe mir die Mühe gemacht und bin im Sommer hergefahren. Hier wohnen Deutsche, Landsleute gewissermaßen, und die werden zu Weihnachten ebenso sentimental wie du oder ich. Glaub mir das. Und wenn Menschen sentimental sind, kaufen sie dir die Bude leer.«
Helga nickte, bevor sie meinte: »Wir sollten trotzdem auf das verdammte Geld verzichten!«
»Nein!« Karl Koppec wurde allmählich wütend. »Glaubst du im Ernst, ich habe Gefängnis riskiert, um jetzt den Schwanz einzuziehen? Die Bude ist aufgebaut. Der Weihnachtsmarkt wird eröffnet, und du wirst sehen, wie sie uns die geschmuggelten Souvenirs aus den Händen reißen werden. Das wirst du erleben.«
»Ich weiß nicht, Karl …«
»Du weißt nie etwas, nie weißt du etwas.« Während seiner Worte hatte sich der Mann gebückt und aus dem Karton einen nachgemachten Kölner Dom in Miniaturausgabe hervorgekramt. Er hielt ihn seiner Frau hin. »Da, Helga, sieh ihn dir an. Der besteht zwar nur aus Aluminium, aber was glaubst du, wie die Deutschstämmigen hier im fernen Rumänien scharf auf die Sachen sind. Das ist doch etwas. Da werden sie an die Heimat erinnert. Ich schmücke das Zeug noch mit Tannenzweigen und verkaufe es zum doppelten Preis. Das geht besser als Christbaumschmuck. Und nun sag du mir ein Argument dagegen. Ich warte darauf.«
»Ich … ich weiß ja auch keines.«
»Bitte.«
Helga schaute zu Boden. Sie war eine Frau, der das Leben nichts geschenkt hatte. Seit zwanzig Jahren wohnte die jetzt 45-jährige Frau in Rumänien. Gern wäre sie nach Deutschland gezogen, aber sie waren aus Russland gekommen und hatten froh sein müssen, ein wenig näher an ihrer Heimat leben zu können.
Inzwischen hatten sie die Hoffnung aufgegeben. Zudem fühlten sie sich für eine Ausreise zu alt, und so blieb ihnen nichts anderes übrig, als auch den Rest ihres Lebens in Siebenbürgen zu verbringen, wo noch immer zahlreiche Deutsche lebten. Auch fern der Heimat hielten sie als Minderheit ihre Kultur aufrecht.
Deshalb auch der Weihnachtsmarkt.
»Du sagst ja nichts, Helga.«
Die grauhaarig gewordene Frau hob die Schultern. »Was soll ich dir darauf erwidern? Mir fällt nichts ein. Im Prinzip hast du ja recht. Nur …«
»Was ist mit nur?«
»Mein Gefühl, Karl. Es sagt mir, dass uns noch etwas Schreckliches widerfahren kann.«
»Und was?«
»Keine Ahnung.«
»Oder denkst du an den Alten, der uns da diese komischen Worte gesagt hat?«
»Das vor allen Dingen.«
Karl Koppec legte den Kopf zurück und begann zu lachen. »Das darf doch nicht wahr sein«, beschwerte er sich. »Dieser Typ hat doch allen davon erzählt, wie verflucht der Ort ist, auf dem wir den Weihnachtsmarkt aufbauen und wir somit das Unheil anlocken wollen. Das ist Kinderkram, Helga, und das weißt du.«
Die Frau schob eine der vier brennenden Kerzen zur Seite, damit sie besser sehen konnte. »Nein, das weiß ich nicht, und ich möchte noch einmal betonen, dass wir nicht in Deutschland sind.«
»Das weiß ich. Leider sind wir nicht in Deutschland. Aber was hat das mit uns zu tun und mit deiner Angst?«
»Wir befinden uns in Rumänien, Karl. In einem Land, das seine Geheimnisse besitzt. Hier sind die Sagen und Legenden über Vampire und Werwölfe entstanden. In den dichten Wäldern haben sie gehaust, auf alten Friedhöfen ebenso wie in verlassenen Orten. Weißt du das denn alles nicht? Muss ich dich extra daran erinnern?«
»Brauchst du nicht.«
»Dann wundere ich mich über deine Reaktion.«
Karl Koppec schaute seine Frau an. Sie besaß noch immer die gleichen schönen Augen wie früher. Nur war die Haut inzwischen rauer und älter geworden. Falten hatten sich gebildet, ein hartes Leben hinterlässt eben Spuren.
Die schmalen Lippen besaßen einen Zug von Resignation. Das bestürzte Karl, denn er wusste, dass seine Frau darunter litt, nicht in der angestammten Heimat wohnen zu können. Und dabei wollte er so gern, dass seine Frau lächelte.
»Weißt du was, Helga? Ich versuche es noch einmal.«
»Was?« »Einen Ausreiseantrag zu stellen. Wir müssen sehen, dass wir hier wegkommen. Vielleicht erleben wir den Sommer schon in Bayern oder im Schwarzwald …«
Die Frau lächelte verloren. »Das ist lieb gemeint, Karl, aber es hat doch keinen Sinn. Du weißt, dass man uns drei Anträge abgelehnt hat. Einen Vierten werden sie sofort in den Papierkorb werfen.«
»Sag das nicht. Ich habe vor Kurzem einen Polit-Kommissar kennengelernt und mit ihm getrunken. Als er steif war, habe ich ihn gefragt, und er meinte, dass sich das Klima allmählich bessert. Unser großer Staatspräsident war vor Kurzem erst in Deutschland. Die anderen haben die Besuche abgesagt, er nicht. Das empfinde ich als ein gutes Zeichen, glaub mir das, meine Liebe.«
»Wenn du meinst, ich für meinen Teil will dir die Hoffnung nicht rauben.«
»Einverstanden. Kann ich denn jetzt auspacken?«
»Natürlich.« Helga lächelte und strich ihrem Mann über die Wange. Auch Karl war älter geworden. Im nächsten Jahr wurde er 50. Eigentlich kein Alter, um noch einmal neu anzufangen, aber das sagte sie ihm nicht. Sie wollte ihm nicht die letzte Hoffnung rauben. »Es gefällt mir trotzdem nicht hier. Ich gehe nach draußen.«
»Es ist doch dunkel. Was willst du denn da?«
»Frische Luft schnappen.«
»Willst du nicht lieber nach Hause?«, fragte er.
»Nein, das nicht. Ich möchte nur einmal um den Platz gehen und bin gleich wieder da. Dann helfe ich dir auch. Zunächst möchte ich mit meinen Gedanken ins reine kommen.«
»Wie du willst. Aber hast du keine Angst? Du wirst allein draußen sein.«
»Nicht weit entfernt sind ja die ersten Häuser. Lass mal, ich fürchte mich nicht.«
»Meinetwegen.«
Helga Koppec ging. Und sie gestand sich ein, ihren Mann belogen zu haben. Natürlich hatte sie Angst, sie dachte auch wieder an die warnenden Worte des alten Mannes, aber das brauchte Karl nicht zu wissen. Er hatte jetzt andere Sorgen.
Sie öffnete die Hintertür der kleinen Bude und spürte sofort die Kälte, die ihr entgegendrang. Vor den Lippen bildete der Atem kleine Wolken. Es hatte gefroren, war schneekalt, aber die weißen Flocken hatten sich noch zurückgehalten.
Helga und ihr Mann waren die letzten, die noch arbeiteten, aber Karl wollte das eingeschmuggelte Gut eben am späten Abend auspacken und kein Schwätzchen mit den anderen halten, um sich dabei noch beobachten zu lassen.
Das war eben nicht seine Art. Er war sowieso mehr ein Einzelgänger. Sehr viel Kontakt hatten sie im Dorf nicht.
Der Weihnachtsmarkt hatte im Laufe der Jahre Berühmtheit erlangt. Und in jedem Jahr kamen neue Buden hinzu. Zum ersten Mal hatten sie auf ein Gelände am Rande des Ortes ausweichen müssen. Hier war so viel Platz, dass jede Bude ihren Standort finden konnte und die Gassen zwischen ihnen auch breit genug waren, um mehr Menschen hindurchzulassen, die dazu noch bequem an den Ständen Platz fanden, um die entsprechenden Geschenke kaufen zu können.
Helga Koppec ging um ihren Stand herum und erreichte an der Vorderseite die Hauptgasse zwischen den Ständen. Hier schlenderte sie entlang, den Blick dabei zu Boden gerichtet, auf dem hin und wieder das dünn wachsende Gras kleine Inseln bildete.
Sie wollte nur ein paar Mal hin und herlaufen, um nachdenken zu können. Zudem tat ihr die Stille gut.
Das Dorf lag so weit entfernt, dass der Schein der Lichter darauf konzentriert blieb und auch nicht in seinen Ausläufern die Ansammlung der Verkaufsstände erreichte.
Im Dorf, es hieß Hacea, bewohnten sie für die Zeit ihres Aufenthaltes ein Zimmer. Es wurde ihnen stets für die Zeit des Marktes reserviert. Ein richtiges Zuhause besaßen die Koppecs nicht. Sie waren Reisende, die das Jahr über von einem Jahrmarkt und Fest zum anderen zogen, um ihren Krimskrams zu verkaufen.
Viel Geld brachte das nicht ein. Sie hielten sich so über Wasser, und es ging ihnen noch immer besser als dem Großteil der Bevölkerung, Parteibonzen ausgenommen.
Die Nacht war kalt geworden. Helga stellte auch den Kragen ihres Pelzmantels hoch und schaute auf ihre Stiefelspitzen, während sie sich Schritt für Schritt vom Verkaufswagen entfernte.
Es waren keine guten Gedanken, die sie auf ihrem Weg begleiteten. Sehr oft musste sie an die Worte des fremden Mannes denken, der sie gewarnt hatte, nicht auf diesem Platz den Wagen aufzustellen. Er hatte auch mit den anderen Schaustellern gesprochen. Die hatten ihn ebenso ausgelacht wie Karl Koppec.
Helga dachte da anders. Sie gehörte zu den Gefühlsmenschen und handelte auch danach, wenn ihr das Gefühl sagte, irgendetwas falsch oder richtig gemacht zu haben. In diesem Fall glaubte sie, alles falsch zu machen. Sie hätte nicht auf ihren Mann hören sollen.
Dann sah sie die Gestalt. Es war der Augenblick des Hochblickens gewesen. Zwischen den Bäumen, am Rand des Platzes, war sie erschienen. Eine huschende Bewegung, nicht mehr als ein Schatten, auch...
| Erscheint lt. Verlag | 22.7.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3116-6 / 3838731166 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3116-2 / 9783838731162 |
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