John Sinclair 346 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3107-0 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Medusas Horrorblick.
Medusa lässt nicht mit sich spaßen - Wer es wagt, ihr in die Augen zu schauen, muss schwer dafür büßen, denn ihr Horrorblick lässt ihre Gegenüber zu Stein erstarren. Auch John Sinclair ist dieser Gefahr ausgesetzt. Wird er ein Gegenmittel finden ?
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Medusas Horrorblick
Der Mann stand auf dem Dach!
Angst verzerrte seine Züge. Er schaute auf die zahlreichen Fernsehantennen, sah die beiden Umspanner-Häuschen und auch das schräge Glasfenster, das sich wie eine schiefe Ebene von dem flachen Untergrund des Dachs abhob. Der Mann wusste, dass es zu öffnen war, und er wusste auch, dass dahinter das Grauen lauerte.
Wind peitschte ihm ins Gesicht, blähte das dunkelblaue Jackett, riss die dezent gestreifte Krawatte aus dem Ausschnitt und ließ sie flattern wie eine Fahne, während die grauen Haare auf seinem Kopf einen wirbelnden grauen Kranz bildeten.
Hinter dem Mann befand sich die Brandmauer. Nicht sehr hoch. Wenn er dagegenstieß, würde er kippen.
Straßenlärm drang trotz des steifen Windes an seine Ohren. Er brandete aus der Straßenschlucht zu ihm hoch und sagte ihm gleichzeitig, dass dort unten das Leben wartete.
Bei ihm lauerte der Tod!
Der Mann war lange genug auf der Flucht gewesen. Jetzt wusste er, dass er seinem Verhängnis nicht mehr entweichen konnte, denn hinter dem Glasfenster lauerte bereits der Schatten.
Er war groß, schemenhaft und besaß die Umrisse eines menschlichen Körpers.
Wohin?
Der Mann schaute nach rechts und nach links. Er sah die Mauer, die das Dach einschloss, aber es befanden sich weder ein Fahrstuhl noch eine Treppe in der Nähe, die er hätte erreichen können.
Ihm blieb der Tod.
Der Schatten hinter der breiten, schräg stehenden Milchglasscheibe bewegte sich. Provozierend langsam geschah dies. Er kostete die Angst des anderen aus, fasste nach dem Fensterhebel und drückte die schwere Glasscheibe langsam in die Höhe.
Der Grauhaarige auf dem Dach sah zu, wie der Spalt immer größer wurde. Sein Gesicht verzerrte sich noch mehr. Weit öffnete er den Mund. Die Worte, die dabei über seine Lippen drangen, waren nur mehr ein unverständliches Gestammel, ein Sammelsurium aus Lauten der Angst, denn ihm war klar, dass er nur mehr Sekunden zu leben hatte.
Wohin?
Er ging einen halben Schritt zurück, spürte den Widerstand der Brandmauer an seinen Beinen und tat etwas, das er eigentlich nicht hatte tun wollen. Er winkelte das linke Bein an, bis er den Fuß so hoch gehoben hatte, dass er ihn auf die Mauer stellen konnte. Dann drückte er sich ab und stellte den rechten Fuß neben seinen linken.
In diesem Augenblick wurde die Fensterklappe hochgedrückt. Sogar sehr schnell, und der Mann, der sie in die Höhe geschoben hatte, duckte sich gleichzeitig so tief, dass von ihm nur mehr die Hand und die Figur zu sehen waren, die er zwischen den Fingern hielt.
Das genau war sie, eine Figur, die goldfarben glänzte und völlig nackt war. Ihre Haut erinnerte an die einer Schlange.
Dazu kamen die roten Augen, die nur dann funkelten, wenn die Figur die Lider hob.
Und das konnte sie, denn sie lebte …
Noch hielt sie die Augen geschlossen, aber der Mann auf der Brandmauer wusste, was ihm bevorstand.
Im Unterbewusstsein hörte er die Sirenen, glaubte auch, Stimmen zu vernehmen und bekam mit, wie sich die Augen öffneten. Gleichzeitig bewegten sich auf dem Kopf der Figur die Schlangen, und die roten Pupillen strahlten den Mann an.
Es war ein Horrorblick!
Er schrie, riss die Arme hoch, geriet durch die heftige Bewegung aus dem Gleichgewicht und kippte nach hinten. Als er den rechten Arm dabei nach vorn bewegte, hörte er das Knirschen und spürte selbst, dass er an Gewicht zunahm.
Dann fiel er.
Der Schrei blieb in seiner Kehle stecken, als er über die Brandmauer kippte und in die Tiefe segelte.
Zwölf Stockwerke unter ihm befand sich die Straße.
Er hatte nicht die geringste Chance. Und die Fensterklappe auf dem Dach des Hauses schloss sich, als wäre nichts gewesen …
*
Man hatte einen Teil der Straße abgesperrt. Deshalb staute sich auch der Verkehr. Zudem drängten Neugierige aus ihren Fahrzeugen und behinderten die Anfahrt des Feuerwehrwagens.
Bis er kam, stand der Mann schon auf dem Dachrand.
Die Beamten beeilten sich, die Leiter auszufahren. Die Hydraulik schob die Leiter auseinander, und das sogar ziemlich schnell, damit der auf der obersten Sprosse der Leiter stehende Feuerwehrmann so rasch wie möglich an den Selbstmörder herankommen konnte.
War der Mann tatsächlich ein Selbstmörder?
Die Zuschauer, die ihre Köpfe nach hinten gelegt hatten und zum Dach hochstarrten, glaubten es.
Ich, der unter den Gaffern stand und aus beruflichem Interesse anwesend war, wollte nicht daran glauben. Nur fieberte ich ebenso um das Leben des Mannes, wie die Zuschauer, die Polizisten, die Feuerwehrmänner mit dem ausgebreiteten Sprungtuch und die Leute vom Rettungsdienst.
Ich schaute an der Fassade hoch. Die obere Hälfte der zwölf Stockwerke bestand aus Apartments. Die Scheiben der zahlreichen Fenster bildeten eine blitzende Front. In der unteren Hälfte hatten zahlreiche Firmen ihre Büroräume. Die Angestellten waren aus dem Haus gestürmt, standen auf der Straße, um sich den Selbstmörder anzuschauen.
Zudem barg das ziemlich neue Haus im Erdgeschoss eine Ladenstraße. Zahlreiche Geschäfte hatten hier ihren Verkaufsstandort gefunden. Boutiquen, ein Cafe, zwei Friseure, eine Videothek, eine Eisdiele, ein Geschäft mit Modeschmuck, ein Laden für Korbwaren, sie alle befanden sich in der Eingangspassage.
Nur die Pizzeria nahm einen Teil der Front ein. Ihr Besitzer hatte auch die Markise noch über die breite Fläche gezogen. Der Stoff war regendicht und schützte die weißen Tische und Stühle, die vor dem Lokal standen, aber unbesetzt waren.
Eine Pizza essen wollte keiner mehr. Nur gaffen.
Zu sehen gab es für die Leute genug. Und zu wetten. Engländer wetten gern. Ich hörte, wie sie die ersten abschlossen. Wer würde schneller sein? Der Feuerwehrmann oder der Selbstmörder?
Verdammt, mich widerte so etwas an. Man wettete nicht um das Leben eines Menschen.
Die Leiter fuhr höher. Hinter blaugrauen Wolken erschien der Ball einer fahlen Sonne. Ihre Strahlen trafen die lange Aluleiter und ließen sie aufblitzen.
Mir fiel die Haltung des Mannes auf, und ich wusste, dass ich zu spät gekommen war. Der angebliche Selbstmörder hatte noch soeben telefonieren können und meinen Chef, Sir James, angerufen. Er bat um Hilfe und hatte ausdrücklich mich verlangt.
Ich kannte den Mann nur dem Namen nach. Er hieß Peter Roling und kandidierte für einen Londoner Stadtteil als Bürgermeister. Seine Chancen standen gut, es lag kein Grund für einen Selbstmord vor.
Und jetzt stand er oben auf der Brüstung.
Ich besaß gute Augen, konnte erkennen, dass er seine Arme vorstreckte, als wollte er irgendetwas abwehren, das nur er sah und nicht ich. Natürlich hätte ich versuchen können, mit dem Lift hinaufzufahren, ich wäre immer zu spät gekommen, denn als ich eintraf, hatte der Mann bereits auf der Brandmauer gestanden.
Wie würde es enden?
Ein Kloß saß in meiner Kehle. Dieser Mensch, dessen Jackett von einem heftigen Windstoß aufgebläht wurde, hatte mich zu sprechen verlangt. Über den Grund wusste ich nichts, ich konnte nicht einmal spekulieren, da ich keinerlei Andeutungen bekommen hatte.
Die Entfernung täuschte. Für mich sah es so aus, als wäre der Feuerwehrmann auf der Leiterspitze schon zum Greifen nahe an den anderen herangekommen. Um besser sehen zu können, ging ich zwei Schritte nach rechts. Diese Perspektive war besser, sie zeigte mir auch gleichzeitig, dass nichts zu machen war.
Die rettende Leiter befand sich noch mindestens vier Stockwerke darunter.
Jeder Zuschauer sah das Zittern, das durch die Gestalt des Mannes ging. Einige Leute schrien, andere hoben ihre Arme, pressten die Hände gegen die Lippen, um Schreie zu unterdrücken.
Es war soweit.
Der Mann fiel.
Er kippte zurück. Eine unkontrollierte wilde Armbewegung fiel mir auf, danach fiel er wie ein Stein in die Tiefe. Er schlug nicht mit den Armen, er pendelte nicht, er bewegte sich überhaupt nicht und glich tatsächlich einem Stein.
Ich verfolgte den Flug. Ohne es zu merken, hatte ich die Hände zu Fäusten geballt. Je tiefer der Unglückliche in die Tiefe raste, umso lauter wurden die Schreie der Gaffer.
Er raste dicht an den Fensterfronten vorbei, wurde nicht einmal abgetrieben, näherte sich immer mehr dem Boden, durchschlug die Markise der Pizzeria und hämmerte zwischen die Tische und Stühle darunter. Sie sprangen und spritzten zur Seite, als wäre eine Bombe zwischen sie geschlagen. Bis auf die Straße rollten die Stühle, Tische folgten, sie waren verbogen, als hätte jemand mit einer Eisenstange dagegengeschlagen. Ein Stuhl prallte noch gegen einen Feuerwehrwagen.
Ich hatte den Körper aufschlagen sehen, den Laut gehört und das Krachen. Über meinen Rücken lief eine Gänsehaut. Eine seltsame Beklemmung überkam mich.
Ich gehörte zu den ersten, die auf die Leiche zuliefen, sprang über die Gehsteigkante, räumte einen runden Tisch zur Seite und blieb wie angewurzelt stehen, als ich mit der linken Fußspitze gegen etwas Hartes prallte.
Es war ein Arm.
Ein abgebrochener, abgerissener oder gespaltener Arm, der nicht zur Seite rollte, als ich gegen ihn gestoßen war.
Wieso nicht?
Ich hörte das Durcheinander nicht, das mich umgab. Kaum das Schrillen der Polizeipfeifen und auch nicht das hastige Rufen der Männer von der Feuerwehr und dem Rettungsdienst.
Mich interessierte der Tote.
Ich habe in meiner Laufbahn leider Gottes schon Leichen...
| Erscheint lt. Verlag | 15.7.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3107-7 / 3838731077 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3107-0 / 9783838731070 |
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