John Sinclair 329 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3090-5 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Der Ghoul der meinen Tod bestellte.
So etwas hatte die Welt noch nicht gesehen! Da ging ein stinkender Schleimzwerg in das Büro eines Buchmachers, stellte sich als Ghoul vor und forderte den fassungslosen Mann hinter dem Tresen auf, mich zu töten. Eigentlich unwahrscheinlich, dass es so was gab, aber er existierte tatsächlich.
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Der Ghoul, der meinen Tod bestellte
Ed Gurny grinste breit, setzte seine Brille auf und legte den Packen Geldscheine mit einer peniblen Geste in den Tresor, dessen Tür er sorgfältig schloss.
Gurny benötigte genau zweieinhalb Schritte, um die Tür des Hinterzimmers zu erreichen. Sie verband beide Geschäftsräume. Gurny öffnete und blieb abrupt auf der Schwelle stehen.
Etwas störte ihn.
Es war niemand in sein Geschäft eingedrungen, um es auszurauben, außerdem hätte das auch keiner gewagt, nein, da war etwas anderes, das nicht passte.
Der Geruch!
Ed Gurny zog die Nase hoch. Die Nasenflügel weitete er, sie zitterten, sie waren sensible Antennen in seinem Gesicht, und die Geruchsnerven gaben Alarm.
Es roch wie auf einem Friedhof!
Eigentlich noch schlimmer. Da war kein sommerlicher Blütenduft wahrzunehmen, sondern der Gestank alter, verwesender Körper.
So stanken Leichen!
Gurnys Mund bewegte sich, ohne dass ein Wort über seine Lippen gekommen wäre. Er konnte sich den Leichengeruch nicht erklären und handelte auf seine ihm angeborene und auch weiterentwickelte Art und Weise.
Der Mann zog seinen Revolver!
Es war ein.38er Colt. Eine sehr schwere Waffe. Ein Freund hatte sie ihn in den Staaten besorgt, und Ed Gurny verließ sich auf sie. Er war mittlerweile zu der Überzeugung gelangt, dass jemand in seinem Laden Eintritt gefunden hatte.
Gurny ging vor. Die Augen hinter den Brillengläsern hatten sich verengt. Sein Schreibtisch stand links von der Tür, hinter einem Tresen, wo auch noch die Regale mit den zahlreichen Schubfächern die Wand bedeckten.
Da lagen die ausgefüllten Zettel der Wetter. Jedes Fach besaß eine Nummer. Diese Kennzeichnung musste sein, damit die Wetter schnell ihr Geld bekamen und Gurny nicht erst lange nach den Namen suchen musste.
Der Raum zwischen Tresen und Tür war leer. Gurny konnte dies genau erkennen. Da hielt sich niemand verborgen, nicht einmal eine Maus oder eine Spinne.
Trotzdem stank es so widerlich.
Gurny gehörte zu den Leuten, die das Geschäft, in dem er tätig war, hart gemacht hatte. Er war kein Waisenknabe. Mit Bleistift und Colt konnte er gut umgehen, und er war eine Größe in der Londoner Szene.
Furcht kannte er kaum, zudem gab es wohl keinen Menschen, der es gewagt hätte, sich an ihm zu vergreifen. Das Blei wäre ihm sicher gewesen. Ed Gurny hatte für alles eine Erklärung, nur für diesen verdammten Geruch nicht, der bereits anfing, ihm auf den Magen zu schlagen. Deshalb schluckte er ein paar Mal und schüttelte sich.
In der Mitte der trennenden Barriere war die hüfthohe Schwingtür eingerastet. Sie reagierte auf einen leichten Druck. Aber Gurny hütete sich, sie zu öffnen, er blieb hinter dem Schreibtisch und hatte den Arm gesenkt. Die Revolvermündung deutete in den freien Raum vor der Barriere.
Er war leer.
Sosehr Gurny auch suchte und sich anstrengte, zu entdecken war nichts. »Verdammt, ich bin doch nicht verrückt«, sagte er. »Das kann nicht wahr sein.«
»Es ist wahr!«
Gurny erstarrte. Er hatte die Stimme vernommen und wusste nicht, woher sie gekommen war. Kalt rann es seinen Rücken hinab. Da war jemand, den er nicht sah, der aber trotzdem zu ihm sprach. Und das machte Gurny so nervös.
Er war blass geworden. Verdammt, irgendwo musste sich der Kerl doch versteckt halten.
Gurny öffnete die trennende Barriere. Er war fest entschlossen, im Notfall zu feuern, und er sah den Sprecher, als er nach links schaute.
Gurny glaubte zu träumen. Das war ein Kind, das da vor ihm stand und so breit grinste. Es hatte sich dicht an die Barriere gepresst, schaute Ed Gurny an und zeigte keine Angst vor der Waffe.
Gurny sprach nicht. Er spürte nur den Schweiß auf seiner rechten Handfläche. Seinen Blick konnte er ebenso wenig von dem Gesicht des Kindes wenden wie die Mündung des Revolvers vom Körper des Kleinen. Ja, klein war er. Da gab es nichts.
Aber war es wirklich ein Kind?
Gurny wollte es einfach nicht glauben. In der Größe stimmte es, dennoch waren die Proportionen verschoben. Ed Gurny fiel der Begriff Giftzwerg ein. So sah dieses Kind aus. Nicht größer als ein Zehnjähriger, aber mit dem Kopf und einem Gesicht versehen, das dem eines Erwachsenen glich.
Gurny kannte Liliputaner aus dem Zirkus, und hier stand einer vor ihm. Breit war der Schädel. Das Haar lag platt darauf und war in der Mitte gescheitelt. Furchen durchzogen die Haut. Der Mund bildete ein ovales Loch, durch das Gas auszuströmen schien. Die Haut war aufgedunsen, fleckig und zeigte an einigen Stellen einen rosafarbenen Schein. Die Augen wirkten wie zwei mit Wasserfarbe gemalte Punkte.
Gurny nickte. »Okay«, flüsterte er. »Okay, du hast mich geschockt, Kleiner. Was willst du?«
»Setz dich doch erst.«
»Nein.« Gurny war sauer. Er kannte das nicht, man sprach ihn nicht so an. Dazu noch in seinem eigenen Geschäft. Außerdem hatte der Zwerg ihm noch nicht erklärt, wie der Gestank in diesen Raum gekommen war. Gurny konnte sich sehr gut vorstellen, dass der andere durchaus etwas damit zu tun hatte.
»Wirklich, Ed Gurny, du solltest dich setzen, damit du mein Angebot hören kannst.«
»Und welches?«
»Setz dich.«
Gurny fand die Situation nicht mehr gefährlich. Vielleicht komisch oder lächerlich, wenn nur nicht der verfluchte Leichengestank gewesen wäre, der ihn irritierte.
Sein Besucher sonderte den Geruch ab.
Ed Gurny nahm Platz. Er legte seinen Revolver vor sich auf den Schreibtisch und wartete ab, was ihm der andere zu sagen hatte, den er nicht einmal sah und nur hörte.
Es waren ungewöhnliche Geräusche.
Ein normaler Mensch hätte geatmet, vielleicht auch mit den Füßen gescharrt und sich bewegt, nicht Gurnys Besucher. Er gab andere Laute ab.
Das war ein seltsames Klatschen und Blubbern. Dazwischen noch ein Stöhnen, als hätte man ihm Fürchterliches angetan, und Gurny hockte steif auf seinem Schreibtischstuhl. Seit urlanger Zeit war ihm mal wieder jemand irgendwie überlegen. Er hatte ihn geschafft, gepackt und gleichzeitig gezeigt, dass er Gurny trotz dessen Revolver überlegen war. Dieses Gefühl bekam der Mann. Sich in eine Rolle gedrängt zu sehen, die der eines Statisten glich.
Noch etwas stellte er fest. Der Leichengeruch nahm an Intensität zu. Er wehte hinter der Barriere hoch und trieb schwadenartig gegen Ed Gurnys Gesicht.
Der Mann hielt den Atem an. Seine Augen glänzten wie die Gesichtshaut, auf der Schweiß lag. Für ihn gab es keinen Zweifel, dass sein Besucher diesen Gestank absonderte.
Ein Mensch mit Leichengeruch …
Ed Gurny konnte da keine Erklärung geben. Er musste einfach sehen, ob er recht behalten hatte. Es fiel ihm schwer, sich in die Höhe zu stemmen. Seine Hände drückte er dabei auf die Platte des Schreibtisches. Schließlich hatte er den Punkt erreicht, um den Oberkörper vorzubeugen und über die Barriere schauen zu können.
Da stand sein Besucher!
Gurny glaubte, sich im Zimmer eines Irrenhauses zu befinden, denn der Zwerg sah nicht mehr so aus, wie er ihn vor wenigen Minuten kennengelernt hatte.
Er erinnerte nicht einmal an einen Menschen, sondern an die Horrorgeburt aus irgendeinem Alien-Film. So glitschig, schleimig, wurmartig und auch widerlich.
Gurny keuchte. Sein Magen protestierte, denn dieser eklige Gestank war kaum zu ertragen.
Und Gurny zuckte zurück, wobei er sich auf seinen Drehstuhl fallen ließ und die Waffe an sich nahm. Es gab Zeiten, da hatte ihn die Berührung des Revolvers beruhigt. Die Kühle des Metalls glich seine innere Hitze dabei aus, diesmal war es anders.
Gurny fühlte sich noch mieser. Er hätte ebenso gut eine Wasserpistole in der Hand halten können. Der Revolver kam ihm schwer vor, und sein rechter Arm sank auch nach unten, sodass die Waffe bald wieder flach auf der Platte des Schreibtisches lag. Er registrierte, dass die beiden Fenster links und rechts der Tür beschlagen waren, er sah auch die Menschen an seinem Laden vorbeigehen, alles vertraute Dinge, die ihm in diesen Augenblicken so fern und fremd vorkamen.
Für Gurny gab es nur seinen Besucher!
Und der kam in die Höhe.
Langsam schob er sich am Außenrand des Tresens hoch. Zudem machte er es geschickt und drückte zunächst nur einen Arm nach oben. Der kam wie eine Schlange.
Lautlos, lang, aber weißlich schimmernd. Zunächst sah Gurny ihn über den Tresen gleiten und stellte fest, dass keine Hand mehr vorhanden war, denn er sah auch keine Finger.
Nur einen Schleimklumpen, etwas dicker als der Arm. Und schleimig war auch der Körper. Ekelerregend anzusehen, an ein Gespenst erinnernd, das keinen Umhang, sondern einen Mantel aus Schleim trug.
Entfernt nur menschenähnlich. Unförmig. Ein lang gezogener Klumpen mit einem Wulst als Kopf, der mehr einem Klumpen glich. In ihm steckten zwei Augen.
Sie hatten sich ebenfalls verändert, denn sie sahen aus wie glühende Kohlenstücke.
Ed Gurny fühlte seine Brust eng werden. Der Atem wollte ihm stocken, denn so etwas durfte es einfach nicht geben. Das war furchtbar, zu grauenhaft. Es gehörte nicht in die normale Welt, sondern in die der Albträume, der Fantasten, der Comiczeichner oder Horrorfilm-Regisseure.
Gurny hatte es in den letzten Sekunden nicht gewagt, das Wesen anzusprechen. Die Waffe kam ihm lächerlich vor. Zwar hatte er noch seine Hand darauf liegen, aber was sollte es? Nichts. Er konnte sich gut vorstellen, dass eine Kugel dieser Gestalt kaum etwas...
| Erscheint lt. Verlag | 15.7.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3090-9 / 3838730909 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3090-5 / 9783838730905 |
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