John Sinclair 322 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3083-7 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Das Fratzengesicht.
John meldete ein Telefongespräch nach Indien an. Er wollte sich mit seinem Freund Mandra Korab über die verschwundenen Dolche unterhalten - Als nach Stunden die Verbindung endlich zustande kam, war nicht Mandra am Telefon, sondern sein Diener. Und der war am Boden zerstört. »Mandra Korab, mein Herr, ist verschwunden«, sagte er mit gebrochener Stimme. »Das Fratzengesicht hat ihn getötet.« - John zögerte keine Sekunde und buchte einen Flug nach Indien. Er musste Mandra Korab finden ...
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Das Fratzengesicht (1. Teil)
Blank, kalt und rund stand der Mond am Himmel. Klar waren seine Konturen. Kein Hof umgab ihn, nichts deutete auf einen Wetterumschwung hin, und doch sollte der Umschwung in Kürze kommen.
Nur hatte er nichts mit dem Wetter zu tun und war auch nur von denen zu spüren, die eine Antenne für diese Dinge besaßen. Es mussten sensible Menschen sein. Menschen, die bereit waren, an Dinge zu glauben, die von anderen abgelehnt wurden.
Die beiden Halbwüchsigen besaßen dieses Gefühl nicht. Sie kannten nur eine Devise.
Überleben!
Arbeitslos waren sie. Irgendwann von ihren Eltern weggelaufen und nach Hongkong gekommen, um in dieser Riesenstadt, wo sich Menschen auf engstem Raum drängten, abzusahnen.
Sie schlugen sich mehr schlecht als recht durchs Leben, waren zweimal erwischt und fürchterlich verprügelt worden, doch sie hatten nichts gelernt als zu betrügen oder zu stehlen.
Neue Märkte zu suchen! Einer von ihnen hatte diesen Slogan einmal aufgeschnappt und seinem Freund davon erzählt.
Auch sie wollten neue Märkte suchen, zum Beispiel im Hafenviertel.
Da gab es so manches, was auf den Schiffen lag und wert war, mitgenommen zu werden. Nicht auf den hochmodernen Frachtschiffen. Die lagen hier nicht, zudem waren sie gut bewacht. Nein, sie hatten sich auf die sogenannten Brigantinen spezialisiert.
Brigantinen nannte man die Touristen-Dschunken. Auf diesen Schiffen, die an den Küsten von Hongkong und Kowloon segelten, befanden sich ganze Heerscharen von Touristen. Die meisten Menschen kamen aus Europa und den Staaten, zudem waren sie gut betucht, für die beiden Halbwüchsigen genau richtig. Tagsüber hatten sie sich eine Brigantine ausgesucht. Sie dümpelte ein wenig abseits. Starke Taue hielten sie an den Uferpollern fest. Mittschiffs und an Heck befanden sich die beiden großen Mattensegel, wobei das hintere um ein Drittel kleiner war.
Die Halbwüchsigen hockten hinter großen Containern auf dem schmutzigen Kaiboden. Es roch nach Fisch; nach Gewürzen und nach fauligem Wasser. Der Mond warf sein Licht auf die leicht gekräuselte Oberfläche und gab den laufenden Wellen einen silbrigen Anstrich.
Es herrschte Stille. Wo sich die Halbwüchsigen befanden, wurde auch des Nachts nicht gearbeitet. Der Trubel begann erst in den Morgenstunden, wenn die großen Hotels die Touristenströme ausspuckten.
Sie warfen sich einen Blick zu. Ein jeder suchte das Einverständnis in den Augen des anderen.
Ihr Nicken kam synchron.
Das war das Zeichen. Sie wollten auf das Schiff. Den offiziellen Kontrollen hätten sie am Tage nicht entgehen können.
Geduckt legten die beiden den Weg zurück, bis sie einen der hohen Poller erreichten. Die jungen Diebe hatten es gelernt, sich lautlos zu bewegen. Wenn sie liefen, war kaum ein Geräusch zu vernehmen. Sie duckten sich hinter dem Poller zusammen. Vor ihren dunklen Augen befanden sich die armdicken Taue, die das Schiff hielten. Die Taue waren so stramm um den Poller gewickelt, dass es den Anschein hatte, als wollten sie ihn umreißen.
Noch einmal schauten sie sich um.
Beide sahen keine Gefahr, kamen hoch und schlichen zum Kaiende. Sie wollten die Dschunke schwimmend erreichen, denn zwischen ihr und dem Kai befand sich kein Steg. Der wurde erst am Morgen ausgelegt.
Fast wären sie gesprungen. Im letzten Moment hielten sich beide zurück, denn was sie zu sehen bekamen, war unheimlich.
Das Tau bewegte sich.
Eigentlich nichts Unnormales, aber in dieser Nacht war es fast windstill. Dennoch schaukelte das Tau, sodass die beiden jungen Diebe vor Staunen Augen und Münder aufrissen.
Das konnten sie nicht begreifen.
»Da!« Es war nur ein Wort. Gleichzeitig deutete der junge Mann nach links, wo das Tau eine Brücke zwischen Poller und Schiff bildete.
Das Tau schwang, es bewegte sich, schien zu laufen. Nur war das unmöglich, da es keinen äußeren Einflüssen ausgesetzt war. Und von allein konnte es sich auch nicht bewegen.
In der Tat bewegte es sich nicht allein. Es wurde bewegt. Auf ihm tanzten und krabbelten zahlreiche Tiere, die nahezu fluchtartig von der Dschunke dem Land entgegenbalancierten, wobei sich nicht alle halten konnten und einige von ihnen in die schmutzige Hafenbrühe klatschten.
Als die Tiere fielen, wurden sie bemerkt.
»Das sind ja Ratten«, flüsterte einer der Halbwüchsigen. »Verdammt, Ratten! Und sie verlassen das Schiff …« Das Gesicht des Jungen erstarrte vor Angst.
Auch sein Freund wusste, was es zu bedeuten hatte, wenn die Ratten das sinkende Schiff verließen.
Die Dschunke war verloren.
Sie war dem Untergang geweiht, denn die Tiere merkten dies stets als Erste. Die beiden Halbwüchsigen kannten die alten Geschichten. So schnell wie möglich machten sie kehrt und rannten davon.
Mit dem Tod wollten sie nichts zu tun haben …
*
Auch der Mann auf der Brigantine hörte die Geräusche. Da war das Trappeln der kleinen Füße, wie sie über die Deckplanken huschten und an der Bordwand kratzten.
Sie kamen von überall her. Aus den Ritzen der Planken, aus Öffnungen, aus Kästen und Lagern. Tagsüber unsichtbar, zeigten sie sich nur in der Nacht, und eigentlich hatten sie schon von altersher zu einem Schiff gehört wie der Steuermann oder der Kapitän.
Die Ratten waren überall.
Braungraue Nager, schwere Körper. Tiere, die überleben würden, wenn es die Menschen schon längst nicht mehr gab. Geschöpfe, die alles anknabberten, was ihnen in den Weg kam. Neuerdings fraßen sie sogar Kunststoff.
Ratten hatten vor nichts Angst, sie machten vor nichts halt. Dennoch flohen sie, wie vom Teufel getrieben, und sprangen in wuchtigen Sätzen an der Bordwand hoch. Diejenigen, die es beim ersten Versuch nicht schafften, nahmen so lange einen neuen Anlauf, bis es ihnen gelang, den Rand zu erreichen.
Was hatte die Ratten so erschreckt? Weshalb flohen sie in solcher Panik? Da musste es einen Grund geben! Über ihn dachte auch der Mann nach, der bewegungslos auf dem Deck lag und abwarten wollte, bis die Ratten das Schiff verlassen hatten.
Manche hatten es dabei so eilig, dass sie nicht einmal auf ihn Rücksicht nahmen und über seinen Körper hinwegliefen.
Sehr bald schon tanzten sie auf der Reling und dem Schanzkleid. Ein unheimliches Gewimmel von Körpern, die sich gegenseitig stießen, berührten, drückten, die kratzten und bissen.
Dann verschwanden sie.
Einige nur sprangen direkt ins Wasser. Der Mann auf dem Deck hörte die Aufschläge. Er wusste, dass die Tiere dem Ufer entgegenpaddeln würden, aber das störte ihn nicht. Auch nicht die Tatsache, dass die Ratten das sinkende Schiff verließen. Er wollte etwas ganz anderes, und vielleicht erreichte er sein Ziel noch in dieser Nacht. Lange genug hatte er schließlich darauf hingearbeitet.
Der Mann wartete so lange, bis er sicher sein konnte, keine Ratte mehr an Deck zu finden. Dann stemmte er sich langsam in die Höhe. Er warf einen Blick über die Reling hinweg, schaute zum Ufer hin und erkannte, dass sich die Taue wellenförmig bewegten, Die Ratten verließen das Schiff. Nicht das sinkende, aber auch so kam der Aberglaube voll auf seine Kosten.
Für einen Moment glaubte der einsame Passagier auf dem Deck der Dschunke, am Ufer Gestalten zu sehen. Er war sich nicht sicher. Zudem verschwanden die Gestalten auch sehr schnell wieder.
Der Mann war beruhigt. Er hatte scharfe Augen und schaute für einen Moment zu, wie die Ratten versuchten, an der Ufermauer hochzuklettern. Sie wuchteten sich dabei aus dem Wasser, sprangen gegen den Kai, rutschten wieder ab, versuchten es erneut, denn eines war sicher: Aufgabe kannten diese Geschöpfe nicht.
Der einsame Mann ging ein paar Schritte nach hinten. Er lehnte sich gegen den Mast des großen Mattensegels. Es war gerefft. Kurz vor dem Auslaufen würde es die Mannschaft setzen, damit dieses Schiff auf das Meer hinaussegeln konnte. Bis das allerdings geschah, wollte der Mann seine Aufgabe erledigt haben.
Das Mondlicht fiel auf die Dschunke. Auch der einsame Passagier wurde getroffen. Sein Schatten fiel auf die Planken und nahm durch die Unebenheiten eine bizarre Form an.
Der Mann war kein Chinese. Er gehörte einer anderen ethnischen Gruppe an. Aus Asien stammte er wohl, weiter südlich, von einem gewaltigen Subkontinent, der den Namen Indien trug.
Dieses Land hatte viele bedeutende Menschen hervorgebracht. Ghandi und Nehru gehörten zu ihnen, auch die Gestalt auf dem Boot war etwas Besonderes.
Hochgewachsen, kräftig. Ein Kämpfertyp, wie er in manchen Abenteuerfilmen zu sehen war. Pechschwarz das Haar, asketisch geschnitten das Gesicht, eine sehr hohe Stirn, dunkle Augen, die einen harten, manchmal auch sehr weichen Ausdruck bekommen konnten. Auf dem Kopf trug der Mann einen kunstvoll und siebenmal geschlungenen Turban von schwarzgrauer Farbe. Sein Markenzeichen.
Dieser Mann war schon zu seinen Lebzeiten eine Legende. Er gehörte zu den Menschen, die den Mächten der Finsternis den Kampf angesagt hatten. Seine Feinde waren die gefährlichen Götter Asiens, die Sekten, die menschenmordenden Tongs, Monster und Dämonen.
Wer so beschrieben wurde, für den gab es eigentlich nur einen Namen.
Mandra Korab!
Aus einem alten Maharadscha-Geschlecht stammend, hatte er es sich zur Aufgabe gemacht, das Böse auf der Welt zu bekämpfen. Dabei konzentrierte er sich besonders auf den asiatischen Raum. Zu seinen größten Feinden gehörte die indische Totengöttin Kali. Gegen sie und ihre Diener hatte er schon oft genug...
| Erscheint lt. Verlag | 15.7.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3083-6 / 3838730836 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3083-7 / 9783838730837 |
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